Konzert Filter

CRASHDIET – SISTER – SLEEKSTAIN

Ort: München – Backstage

Datum: 13.05.2013

„The Savage Playground“ – So lautet der Titel des neuen Albums der Glam-Metal-Schöngeister CRASHDIET, die für nur 5 Shows ihrer gleichnamigen Tour in Deutschland Halt machen. Fragt sich, ob auf besagter wilder Spielwiese denn das Haupthaar auch in Form bleibt. Bewundern darf man Frisur, Outfit und Song-Qualität unter anderem im Backstage in München. Der kleinste Raum der Location ist für gleich drei vielversprechende Vertreter des Sleaze Metal – sagen wir mal – „aufgehübscht“.

Als um 19:30 die Newcomer SLEEKSTAIN die kleine Bühne des Clubraums entern, ist es noch hell. Licht fällt durch die Luke im Dach und offenbart neben stilechten Spinnweben an der Decke auch große Lücken im Zuschauerraum. Wo sind die alle bloß? Gibt es noch eine heimliche Konzertalternative heute in München, einen Geheimtipp? Oder sind die alle müde vom Wochenende? Egal, die jungen Franzosen haben Lust zu rocken. Gesagt, getan! Sänger Ryff beweist nicht nur Talent im Verschönern von Bandshirts (in diesem Fall SISTER), sondern auch als Einheizer: Das Publikum folgt gebannt dem Vortänzer auf der Bühne und wippt bald genauso beschwingt wie dessen Locken im Takt. Die Songs des Anfang April diesen Jahres veröffentlichtes Albums „Hard“ klingen nach GUNS’N’ROSES, SKID ROW oder MÖTLEY CRUE. Gut so, „Baby“, „Drugstar“ oder „Out of me“ sorgen für eine kurzweilige, halbstündige Rockdosis. Da schaut man gern über so gewöhnungsbedürftige Trends wie den Original Moustache von Gitarrist Rob hinweg.

Dermaßen angerockt gibt’s für SISTER erst mal ne Runde Extra-Nebel. Um 20:35 starten ihre fast 50 Minuten Spielzeit, die mit den größten Ohrwürmern wie „Bullshit & Backstabbing“, „I don’t mind if you die“, „Spit on me“ oder „Motherfuckers like you“ gespickt sind. Dabei machen die Schweden den völlig verzückten Mädels im Publikum mit ihrem Kajalstrich gehörig Konkurrenz und erfüllen alle Klischees einer anständigen Sleaze Metal Band. Frontsau Jamie Anderson schüttelt die langen schwarzen Haare gekonnt theatralisch, die Posen vor dem Drumkit sitzen perfekt und der Rest der Nieten-uniformierten Band liefert ihm den perfekten „Blackground“. Publikum gibt’s mittlerweile auch endlich zu Hauf. SISTER Rufe zwischen den Songs zeigen deutlich, dass man die professionellen Partymacher auch im Land von Hefeweizen und Weißwurst sehr zu schätzen weiß. Als zum letzten Song des Gigs Jamie im nackten Oberkörper die Balustrade des Clubraums entert, kennt die Menge kein Halten mehr. Well Done: Mit einer Top-Performance, gutem Sound und ordentlich Sympathie-Punkten machen SISTER dem Hauptakt CRASHDIET ordentlich Druck unterm Kessel.

Und als müssten sich die Helden des heutigen Abends noch kurz eine neue Bühnenstrategie überlegen, lassen sich CRASHDIET ordentlich Zeit. Um 22:05 endlich ertönen die ersten Takte des „TSP“-Album Openers „Change the world“. Die vier Schweden zählen zu DEN Protagonisten der schwedischen Sleaze Rock Szene und wissen die Haarspraydose gekonnt einzusetzen. Ihr Sound verbindet 80’s Glam Metal und Punk auf moderne, eingängige und authentische Art. Da ist Hitpotential garantiert, wie auch das zweite Album mit Jason Cruz am Mikro an diesem Abend beweisen soll. Doch irgendwie kommen CRASHDIET zu Beginn des Gigs nicht so richtig in Fahrt. Trotz guten Sounds und voller Hütte, viel Nebel und wenig räumlicher Distanz zum Publikum wirken die Haar-Helden eher introvertiert. Einen Erklärungsversuch startet Frontmann Jason Cruz zu Beginn des sechsten Songs „California“, den er mit einem Bier in der Hand dem verstorbenen Manager Michael John Sunden widmet. Und als wäre danach der Knoten geplatzt, beginnt mit dem folgenden „Rebel“ der zweite, umso spielfreudigere Teil des Auftritts, der – so scheint es – mit einem langen „babylonischen“ Outro umso schneller zu Ende ist. Ein Glück hat jemand die Zugabe erfunden, derer sich CRASHDIET nach einer Minipause hinter der Bühne bedienen, um weitere 3 Songs, darunter Die-Hard-Material wie „Riot in Everyone“ oder Mitbrüllpotential wie „Generation Wild“ in den Clubdunst zu pumpen. Kein Wunder, dass die Menge im Anschluss nach mehr verlangt. Und dann ist endlich der da: den Glam-Moment des Abends zaubern CRASHDIET mit Hilfe von „Cocaine Cowboys“, ein bisschen Mundharmonika und ganz viel Charme. Einfach groß! Der Gig endet wohlverdient mit einem verschwitzten Bad in der Menge und glücklichen Gesichtern auf beiden Seiten.

Sound: Clubbig
Location: klein und intensiv
Stimmung: schwitzig
Publikum: 60 % Jungs, 20% Schnitten-Mädels, Rest: echte Tussis
Vom Konzert gelernt: 1) Es gibt tatsächlich Menschen im Publikum, die übertönen mit Ihrem Organ jede Box! 2) Frauen in Schlauchkleidern, die in STEEL PANTHER Videos auf der Bühne mit Bananen spielen, gibt’s wirklich! Nur was machen die zur Hölle auf einem CRASHDIET-Konzert?

Setlist CRASHDIET
Change the World
Circus *
Anarchy
Queen Obscene / 69 Shots
Chemical
California
Rebel
Garden of Babylon

Riot in Everyone
Down With the Dust
Generation Wild

Cocaine Cowboys

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu CRASHDIET auf terrorverlag.com

Mehr zu SISTER auf terrorverlag.com

Mehr zu SLEEKSTAIN auf terrorverlag.com