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D-A-D

Ort: Dortmund - FZW

Datum: 30.04.2010

In drei Wochen steigt im Gelsenkirchener Amphi-Theater erneut das Rock Hard Festival. Bereits jetzt hatten die Liebhaber härterer Klänge Gelegenheit, im Rahmen einer Warm-Up-Party mit dem Danish Dynamite D-A-D, den schwedischen Thrash-Urgesteinen WOLF sowie den deutschen METAL INQUISITORen standesgemäß in den Mai zu tanzen. Für mich fielen die beiden letzten Kapellen leider aus, dafür kam ich aber kurz vor 22 Uhr zeitgleich mit Drummer Laust Sonne und Bassist Stig Pedersen an der Ritterstraße an, wo die beiden D-A-D-Members gutgelaunt ihrem Auftritt entgegen sahen, während im großen Saal die skandinavischen Kollegen von WOLF ihren letzten Song spielten.

Um 22.30 Uhr war es dann so weit: Das Auditorium in der gut gefüllten Halle wurde noch einmal an den letztjährigen D-A-D-Gig beim Rock Hard erinnert und schon erklang das Intro, zu dem sich die Brüder Jesper (Gesang & Gitarre) und Jakob (Gitarre) Binzer sowie Stig und Laust auf die Bühne begaben. Ob die Herrschaften allerdings die Frotzeleien des Conférenciers, sie seien nicht mehr die Jüngsten, wirklich nicht verstanden haben, lasse ich mal dahingestellt. Zumindest Jesper spricht ganz passabel deutsch und Herr Sonne ist mit seinen gerade mal 35 Lenzen noch weit von der Metal-Rente entfernt. Aber auch die drei Gründungsmitglieder gehören mit ihren Mitte Vierzig lange noch nicht zum alten Eisen, was sie mit ihrem Opener „Ride My Train“ vom 1987er „Draws A Circle“ umgehend unter Beweis stellten. Die Jungs hatten derart Hummeln im Hintern, dass man sie kaum für einen Moment vor die Linse bekam, was sich auch für die kommenden 90 Minuten nicht ändern sollte. Überwiegend gab es ältere Songs des sympathischen Vierers auf die Ohren, immerhin hatte Jakob nach Bekunden seines Bruders seine alte Langaxt extra mitgebracht, um alte Kracher zu spielen. Doch auch das treibende „A Good Day (To Give It Up)” (2005 auf „Scare Yourself erschienen) konnte ebenso wie „Lawrence of Suburbia” und „Monster Philosophy” vom gleichnamigen letzten Longplayer, der 2008 in die Plattenläden gekommen ist, mit knackigen Rhythmen, viel Drive und einer krachenden Live-Performance überzeugen. Erstes Highlight der Show war ganz klar „Point of View“, das 1989 mit der Langrille „No Fuel Left For The Pilgrims” den internationalen Durchbruch der Dänen einläutete, die sich bei ihrer Gründung Anfang der Achtziger zunächst DISNEYLAND AFTER DARK genannt hatten; mit diesem Namen bei Mr. Disney und Konsorten allerdings auf wenig Gegenliebe stießen, weshalb mit dem Erfolg dann auch die Abkürzung D.A.D, welche später in das internetfreundlichere D-A-D geändert wurde, kam. Auf dem riesigen schwarzen Backdrop prangte allerdings der volle Schriftzug und auch Stigs Lederweste zierte ein „Disneyland“, während seine knallenge Lacklederhose rückseitig mit einem „NASTY“ versehen war. Wie üblich hatte der blonde Bassist wieder seine recht extravaganten Stahlsaiter am Start, die wahlweise aus Plexiglas bestehend, rot oder blau illuminiert wurden, die Form einer Rakete hatten, mit Möwen verziert waren oder wie eine umgedrehte Gitarre wirkten, wobei der Kopf des Basses als Gitarrenkörper gestaltet war, während der Korpus ein riesiger Stimm-Wirbel zu sein schien. Vermutlich ist es eigentlich auch unnötig zu erwähnen, dass Herr Pedersen über den Abend des Posens nicht müde wurde und bereits zu Beginn des Konzertes erstmalig das Drumset erklommen hatte, auf das es ihn immer wieder zog, wenn er nicht gerade auf einer der Lautsprecherboxen rechts und links der Stage posierte oder wie bei den grandiosen Klassikern „Jonnie“ und „Riding With Sue“ vom 1986er Debüt „Call of Wind“ selbst zum Mikro griff. So verging die Zeit mit melodiösem Hardrock erster Güte wie im Fluge, wobei insbesondere „Grow Or Pay“ („Riskin’ It All“ – 1991) und „Jihad“ („No Fuel Left For The Pilgrims“) amtlich abgefeiert wurden. Der Rohrpott zeigte sich derweil textsicher und bester Stimmung, weshalb „Bad Craziness“ nach einer Stunde regulärer Spielzeit kaum das Ende der Show bedeuten konnte. Das überwiegend männliche Ü30-Publikum verlangte lautstark Nachschlag, der mit dem 26 Jahre alten „Marboro Man“ einen leicht bluesigen Anstrich bekam. Für den inzwischen mit nacktem Oberkörper trommelnden Laust gab es zudem das beliebte Motivationstraining in Form von lautstarken „Laust, du schaffst das!“-Rufen, die den Mann an der Schießbude zu einem wahnwitzigen Drum-Solo bewegten, während Jesper seinen Fans eine kleine Lektion in Sachen Arbeiterbewegung und Stahlwerksgeschichte erteilte. Mit der Extended Version meines D-A-D-Alltime-Faves „Sleeping My Day Away“ verwandelte sich das FZW endgültig in einen brodelnden Hexenkessel. Es wurde kräftig mitgesungen und vermutlich hing der eine oder andere in Gedanken auch der Vergangenheit nach, schließlich hat auch diese Nummer inzwischen 21 Jahre auf dem Buckel und dürfte so manchen im Saal von der Jugend ins Erwachsenenalter begleitet haben. Ermüdungserscheinungen zeigte aber weder der Track noch die Band, wenngleich es mit „Laugh ‚N’ A Half“ zunächst einen ruhigeren Beitrag gab, für den die Binzer-Brüder allein verantwortlich waren. Jesper griff dabei zum akustischen Sechssaiter, während Jakob seiner elektrischen Langaxt treu blieb und in rotes Licht getaucht verbreiteten die Jungs alsbald kribbelndes Gänsehaut-Feeling, ehe Laust und Stig zum großen Finale den Weg zurück auf die Stage fanden. Nach einem ähnlich gefühlsbetonten Start ging „It’s After Dark“ erneut in die Vollen und sowohl D-A-D als auch Dortmund gaben noch einmal alles.

Auf diese Weise endeten 90 temporeiche Minuten mit der Gewissheit, dass der D-A-D-Sound einfach kein Verfallsdatum kennt und auch seine Macher sich gut gehalten haben. Die Spielfreude des Quartetts war nicht zu übersehen und wirkte absolut ansteckend. Wer nach rund vier Stunden Live-Beschallung von drei Bands noch nicht genug hatte, konnte im Anschluss noch mit einer weiblichen AC-DC-Coverband sowie Hits aus der Konserve weiterfeiern. Für mich stand allerdings der geordnete Rückzug auf dem Programm, während dem jedoch die Songs der letzten eineinhalb Stunden weiter für gute Laune sorgten.

Setlist
Intro
Ride My Train
A Good Day (To Give It Up)
The Road Below Me
Point of View
Everything Glows
Lawrence of Suburbia
Nineteenhundredandyesterday
Grow Or Pay
Jonnie
Riding With Sue
Jihad
Beautiful Together
Monster Philosophy
Bad Craziness

Marlboro Man
Sleeping My Day Away

Laugh ‘N’ A Half
It’s After Dark

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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