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D-A-D – HANGARVAIN

Ort: Osnabrück – Hyde Park

Datum: 14.12.2019

Nach fast acht Jahren waren die Melodic Heavy Rocker D-A-D mal wieder in Osnabrück. Anlass war die Veröffentlichung des zwölften Studioalbums „A Prayer For The Loud“, das im Mai das Licht der Plattenläden erblickt hat und dieser Tage mit einer kleinen Konzertreise durch Europa gefeiert wird. Seit 1982 machen der Bassist Stig Pedersen sowie der Sänger und Gitarrist Jesper Binz gemeinsame Sache. Zwei Jahre später stieß Jespers Bruder Jacob am Sechssaiter dazu, das Bandküken hinter der Schießbude, Laust Sonne, ist inzwischen auch schon seit 20 Jahren mit von der Partie. Es gab Zeiten, da war das ‚Danish Dynamite‘ der rockige Exportschlager Dänemarks – diesen Titel mussten die Jungs zwar zwischenzeitlich an VOLBEAT abgeben, dass D-A-D hierzulande aber immer noch über eine solide Fanbase verfügen, beweist die Chartposition #48 für den aktuellen Silberling und der Umstand, dass der Hyde Park mit rund 1.000 Fans gut besucht war.

Das Durchschnittsalter war an diesem Samstagabend deutlich höher als dies üblicherweise in der Kultdisse am Fürstenauer Weg üblich ist, wenn hier das Wochenende zu Konservenmusik begangen wird. Diverse alte Band-Shirts wurden ebenso gesichtet wie die eine oder andere Kutte, die bisweilen schon ziemlich in Fetzen hin. Bis das Auditorium die ersten Klänge des Openers „Burning Star“ zu hören bekam, verging jedoch noch ein bisschen Zeit, die von der italienischen Classic-Rock-Combo HANGARVAIN verkürzt wurde. Aus familiären Gründen war es mir nicht möglich, die 2013 gegründete Truppe um den bärtigen Fronter Sergio Toledo Mosca in Aktion zu erleben, jedoch wurde mir berichtet, dass der Vierer einen guten Job gemacht hat. Gleiches kann ich ohne jede Einschränkung auch von den Dänen berichten. Stig zwängt seinen Körper zwar nicht mehr in rote Latexanzüge, ist aber immer noch bestens in Shape und bewies einmal mehr, dass ein Bass auch mit nur zwei Saiten genügend Wumms hat und zudem in den verschiedensten Darreichungsformen vorkommt. Den Anfang machte ein durchsichtiges Plexiglas-Modell, das blau beleuchtet werden konnte. Gefolgt von einem Eisernen Kreuz als Korpus und einen Kopf in Form eines Flugzeuges. Es gab einen Stahlsaiter in Form eines Rinderschädels (das D-A-D-Erkennungszeichen, das sich in ähnlicher Weise auch im Backdrop und auf den Albumcovers wiederfindet). Nur verfügte Stigs Instrument zusätzlich noch über rotglühende Augen, während es noch ein weiteres Exponat mit Beleuchtung gab, welche die Rückleuchten einer Heckflosse darstellte. Nicht zu vergessen der „umgekehrte“ Bass (riesiger Wirbel als Korpus, klitzekleiner Korpus als Kopf) und die Rakete. Beizu turnte Herr Pedersen auch schon mal auf Lausts Basstrommel oder dem Boxenequipment herum, wenn er nicht selbst am Mikro stand, wie dies beispielsweise bei „Jackie O‘“ vom 1986er Debüt „Call of The Wild“ der Fall war. Ursprünglich haben sich Stig und Jesper den Gesang geteilt, es war allerdings (ohne dem Bassmann zu nahe treten zu wollen) eine kluge Entscheidung, den Job in Jespers Hände zu legen bzw. auf dessen Stimmbänder zu vertrauen, da der ältere der Binzer-Brüder eindeutig die speziellere Stimme hat, die dem D-A-D-Sound noch mal einen angenehm roughen Touch gibt. Außerdem hat sich Jesper im Laufe der Jahre ein wirklich ordentliches Deutsch drauf geschafft und er versuchte auch regelmäßig in dieser Sprache mit den Zuschauern zu kommunizieren. Bis auf wenige Ausnahmen klappte dies hervorragend und wenn dann doch mal nicht so ganz klar war, wovon er eigentlich sprach, half das internationale Englisch oder schlicht die Musik. Die war wie immer mitreißend und es war nicht zu übersehen, dann alle Beteiligten vor und auf der Bühne ziemlich viel Spaß hatten. Die neuen Songs saßen beim Publikum schon recht gut und insbesondere bei den alten Tracks zeigten sich die Anwesenden ziemlich textsicher. Mein persönlicher Höhepunkt der Show war eindeutig „Sleeping My Day Away“ (was ehrlich gesagt auch mein Auftrag für den Sonntag wurde) vom Longplayer „No Fuel Left For The Pilgrims“ (diese Scheibe bedeutete 1989 den internationalen Durchbruch), aber auch das Gebrüder-Binzer-Akustik-Set zu „Laugh’n‘ A ½“ ( 1991 auf „Riskin‘ It All“ erschienen) war ein echter Höhepunkt. Was natürlich nie bei einem D-A-D-Gig fehlen darf, ist „It’s After Dark“, womit die Band am Ende regelmäßig noch mal zu ihren Wurzeln zurückkehrt.

Ursprünglich hieß die Kapelle nämlich DISNEYLAND AFTER DARK, aber das gefiel dem Disney-Konzert überhaupt nicht und so wurden die Skandinavier über Umwege zu D-A-D. Ihrem Stil sind die Herren über die 37 Jahre ihres Bestehens dafür immer treu geblieben und hier gilt eindeutig: only killer, no filler! Der einzige Song, den ich mir noch gewünscht hätte, wäre „Point of View“ gewesen, aber ansonsten hat das Quartett keine Wünsche offen gelassen und nicht nur ehrlichen und zeitlosen Hard Rock gespielt, sondern das Ganze optisch auch noch mit einer feinen Lightshow veredelt und einmal mehr bewiesen, dass es sein Handwerk versteht. Dies gilt insbesondere für Jacobs filigranes Gitarrenspiel und auch Laust Sonne hat nicht nur jede Menge Rhythmusgefühl bewiesen (und sich von der Zuschauerschaft mit „Laust, du schaffst das… Laust, wir lieben dich…“-Rufen gebührend anfeuern lassen), sondern auch noch ein Outfit gewählt, das farblich perfekt auf sein mintfarbenes Drumkit abgestimmt war. Das Konzert war am Ende so hochenergetisch, dass zu „Bad Craziness“ die ersten Crowdsurfer gesichtet wurden. Aber auch Evergreens wie „Grow Or Pay“, die einen etwas ruhigeren Unterton mitbringen, wurden mit viel Begeisterung aufgenommen. Dabei sind D-A-D weit davon entfernt, altersmilde zu werden, wie sie etwa mit „The Real Me“ vom aktuellen Silberling klarstellten. Bei den Jungs wurden über 105 Minuten keine Gefangenen gemacht, stattdessen ging es straight nach vorn und die Fans dankten es mit viel Applaus, Akklamationen und lautstarkem Mitsingen. Zu viel zum Thema besinnliche Weihnachten!

Setlist D-A-D

  • Burning Star
  • Evil Twin
  • Jihad
  • Rim of Hell
  • Nothing Ever Changes
  • Everything Glows
  • A Prayer For The Loud
  • Grow Or Pay
  • The Sky Is Made of Blues
  • Jackie O‘
  • Riding With Sue
  • The Real Me
  • Monster Philosophy
  • I Want What She’s Got
  • No Doubt About It
  • Bad Craziness
  • Sleeping My Day Away
  • Laugh’n‘ A ½
  • It’s After Dark

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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