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D-A-D – HEAVEN’S BASEMENT – SYZZY ROXX

Ort: Lingen - Alter Schlachthof

Datum: 25.09.2009

Fast auf den Tag genau drei Jahre ist es her, dass D-A-D als Headliner den Großraum Osnabrück /Emsland besucht haben. Die Herrschaften aus Dänemark scheinen ein Garant für gutes Wetter zu sein, denn ich erinnere mich noch gut daran, mit Jesper und Laust zum Interview im sonnigen „Garten“ des N8 gesessen zu haben. Entsprechend strahlte auch jetzt die Sonne, als ich mich auf den Weg in die Ems-Metropole Lingen machte, wo das Danish Dynamite einen Zwischenstop mit der Monster-Philosophy-Tour einlegte. Nachdem ich die Cowpunks leider nicht gemeinsam mit DER W im April in der Halle Gartlage sehen konnte, hatte ich immerhin schon das Vergnügen, das aktuelle Set beim (natürlich sonnenverwöhnten) Weltastra-Tag in Hamburg am 08.August zu erleben und freute mich schon auf das wie immer extravagante Outfit von Stig Pedersen, der bei D-A-D seit Jahr und Tag den Paradiesvogel gibt.

Zunächst waren für die schillernde Bühnengarderobe jedoch die Lokalmatadoren SYZZY ROXX zuständig, die sich Achtziger-Jahre-Glamrock auf die Fahnen geschrieben haben und mir vor zwei Jahren bereits mit ihrer CD „Glamourizer“ über den Weg gelaufen waren. Ich muss den Jungs zu Gute halten, dass sie live auf den übermäßigen Einsatz von Lippenstift und Kajal verzichteten und die Mucke auch deutlich druckvoller rüberkam. Für die Vocals war in erster Linie Donny Don Marco zuständig, der mit Langhaarmähne, Kopftuch und Lederhose auf Axl-Rose-Lookalike machte, aber auch Drummer Pete Loveless hatte nicht unerhebliche Gesangsanteile. Die Kollegen an den Langäxten posten was das Zeug hielt, so recht wollte der Funke zum Publikum trotzdem nicht überspringen. So gaben sich SYZZY ROXX 25 Minuten redlich Mühe und zeigten, dass sie sich bei den alten Hairspray-Metal-Recken wie POISON und MÖTLEY CRUE nicht nur die Frisuren abgeguckt hatten, vermutlich sind SYZZY ROXXS in einer Musikkneipe wie dem Lingener Koschinski jedoch einfach besser aufgehoben. Zumindest bewarb Herr Don Marco den Band-Auftritt am kommenden Abend noch gemeinsam mit dem Hinweis auf das Merchandising – SYZZY ROCKS brauchen Geld fürs Studio…

Setlist SYZZY ROXX
Too Young, Too Loud
Glamournizer
Angel of Rock’N’Roll
Your Girlfriend’s Favourite Band
Rock This World
Gloria
Mrs. Bigunz

Dass SYZZY ROXX eindeutig auf Kreisliga-Niveau spielen, zeigten zwanzig Minuten später ein paar magere Jungs aus Great Britain, die wirklich aussahen, als hätten sie sich die Kohle für ihre Instrumente vom Mund abgespart. Passenderweise war Sänger Richie etwas kräftiger gebaut – für ihn reichte ja auch ein Mikro und schwarzes Augen-Make up und schon konnte es losgehen. Der Fünfer fackelte deshalb gar nicht lange und schickte ein donnerndes Sleaze-Metal-Gewitter über Lingen, das die bisher zurückhaltenden Zuschauer langsam aber sicher nach vorne lockte. Davon, dass HEAVEN’S BASEMENT erst im letzten Jahr gegründet wurden, merkte man definitiv nichts. Es ging absolut knackig zur Sache und es war wirklich eine Freude, das Quintett auf der Stage zu erleben. Hier wirkte das Posing im Gegensatz zu den Vorgängern auch nie einstudiert, sondern immer authentisch und glaubwürdig. Rock’N’Roll at it’s best, der mit „Mirrors” auch einen ruhigen Moment bescherte, bei dem Gitarrist Sid sich zum Spielen auf den Boden setzte und Lockenköpfchen Johnny teilweise den Job am Mikro übernahm, ehe es wieder in die Vollen ging. Zum Schluss gab es mit „10 Mins“ noch ein hartes Gitarrenbrett um die Ohren gehauen und ein paar neu gewonnene Fans durften mit auf die Stage, um von dort den Emsländer gemeinsam einzuheizen, die inzwischen aber bereits die notwendige Betriebstemperatur erreicht hatten und zu Recht nach einer Zugabe verlangten. Ein Wunsch, der ihnen leider versagt blieb, aber immerhin hatte es 35 wirklich erstklassige Minuten dreckigen Rock’N’Roll von einer Band gegeben, die man im Hinterkopf behalten sollte. Übrigens sind die Engländer im Oktober mit PAPA ROACH auf Tour durch das Vereinigte Königreich, spätestens dann sollten sie ihre Fanbase deutlich vergrößert haben.

Setlist HEAVEN’S BASEMENT
Reign On My Parade
Long Goodbye
Misunderstood
Can’t Let Go
Mirrors
10 Mins
Executioner’s Day

Im Hintergrund prangte es schon den ganzen Abend: das große Disneyland-After-Dark-Backdrop. Nach einer guten halben Stunde Umbaupause kamen dann auch endlich die Männer auf die Bühne, die seit 25 Jahren für D-A-D (was nichts anderes als die Abkürzung für Disneyland After Dark ist, den Bandnamen fand der Disney-Konzern aber nicht so toll) stehen: Jakob Binzer (Gitarre) mit Hut, sein Bruder Jesper (Gesang & Gitarre) und natürlich Stig Pedersen im schwarzen Lack- und Lederoutfit mit Verzierungen an der Jacke, die stark nach den Schweifhaaren eines Rappen aussahen. Sein Bass war ein blau beleuchtetes Modell aus durchsichtigem Plexiglas, mit dem er sich wie immer gekonnt in Szene setzte. Dafür war am rechten Bühnenrand extra ein Kasten aufgestellt worden, den er immer wieder nutzte, um sich den etwa 250 Fans von seiner besten Seite zu zeigen. Auf seiner Rückseite prangte übrigens auf der hautengen Hose der Schriftzug „NASTY“ – wir wussten doch schon immer, dass Stig ein ganz schlimmer Finger ist… Bevor es nach dem Intro mit „True Believer“ vom wunderbaren „No Fuel Left For The Pilgrims“ aus dem Jahr 1989 losgehen konnte, fehlte natürlich noch Drummer Laust Sonne, der inzwischen auch schon seit zehn Jahren bei D-A-D hinter der Schießbude sitzt. Es wurde nicht lang lamentiert und schon bald brannte im Alten Schlachthof die Luft. Alte und neue Songs wurden gleichermaßen abgefeiert und die Band zeigte sich wie immer gut gelaunt und spielfreudig. Zwischendrin bewies Jakob immer wieder seine guten Deutschkenntnisse und erzählte u.a. die Geschichte vom kleinen Vogel aus Lingen, die bisher wohl noch niemand dort kannte, aber in einem fetten Instrumental bei „Reconstructdead“ vom Album „Helpyourselfish“ aus 1995 endete. Bei diesem Song spielte Pedersen auf einem Bass in Raketenform, den er zeitweise wahlweise auf den Podesten rechts und links vom Drumkit stehend am Hals baumeln ließ. Weit zurück in der D-A-D-Diskografie ging es auch mit „Grow Or Pay“, das 1992 auf „Riskin’ It All“ erschienen ist und für das Jakob extra einen alten Sechssaiter mitgebracht hatte. Das Auditorium dankte es mit viel Applaus und Begeisterung, die auch bei „Bad Craziness“ vom gleichen Longplayer nicht weniger wurde. Aber auch bei den neuen Nummern mussten die Fans, die zwar überwiegend männlich,aber keineswegs alle weit über die 30 waren, nicht lange gebeten werden. Deshalb konnte Jesper sein Megaphon auch schon bald zur Seite legen als es darum ging, bei „Chainsaw“ die richtige Motivationstaktik für den Mann am Schlagzeug zu finden. Laust (der sich schon lange seines Hemdes entledigt hatte), zeigte zunächst sein Talent mit einem gekonnten Solo, bevor die Zuschauer von Jesper animiert wurden, mit den richtigen Rufen noch mehr aus ihm rauszukitzeln. Also ließ er die Emsländer ausdauernd „Komm schon Laust, wir wissen Du schaffst das!“ rufen. Dazu nahm der stets sehr fannahe Fronter eigens ein Bad in der Menge, während Stig seinen Stahlsaiter gegen ein Modell mit Möwenbemalung tauschte. Für das Ende des regulären Sets, das nach einer Stunde gekommen war, hatten die Dänen den Titelsong des aktuellen Albums „Monster Philosophy“ ausgewählt, bei dem es gegen Ende einen kleinen Break gab. Es wurde für einen Moment dunkel und still auf der Stage, bevor der Vierer es noch einmal amtlich krachen ließ. Lautstarke D-A-D-Gesänge begleiteten die Jungs ins Off, ehe die Gebrüder Binzer für das kongeniale „Laugh ’N A Half“ mit zwei Akustikgitarren bewaffnet zurückkehrten. Ein klasse Song, der abgelöst wurde von „Ridin’ With Sue“, bei dem Stig Pedersen den Gesangspart übernahm, ehe Jesper auf deutsch zu philosophieren begann. Er wusste immerhin schon, was ihm seine Zukunft bringen würde. Jeden Morgen, wenn er wach wird, so berichtete er, möchte er einfach nur den ganzen Tag verschlafen. Wir waren bei der D-A-D-Hymne „Sleeping My Day Away“ angekommen, zu der die Anwesenden noch einmal richtig steil gingen, bevor nach einem weiteren kurzen Abgang mit „It’s After Dark“ das endgültige Finale nahte, bei dem vor und auf der Bühne noch einmal alles gegeben wurde.

Ein gelungener Konzertabend, der um Punkt Mitternacht bechlossen wurde und einmal mehr deutlich machte, dass D-A-D absolute Vollblutmusiker mit unglaublicher Bühnenpräsenz sind. Zum Teil liegt das natürlich auch an der exaltierten Show von Stig Pedersen, der in einer Art und Weise über die Stage stolzieren kann, dass es einem einfach ein Grinsen aufs Gesicht zaubert. Die Gestaltung seiner Instrumente, die im Übrigen häufig nur zwei Saiten haben, trägt außerdem noch zur gelungenen Bühnenshow bei. Hier wären noch ein Modell zu erwähnen, das an den Kotflügel eines Autos erinnerte (natürlich mit Rücklichtern und „Diesel“-Schriftzug“) und das Exemplar, bei dem der Gitarrenhals im Kopf als Miniaturgitarre endete, während der Korpus mit zwei riesigen Stimmwirbeln versehen war. Den Rest erledigten die Jungs mit ihrer unglaublich sympathischen Art und natürlich ihrer genialen Musik, die über die Jahrzehnte nichts an Druck und Klasse verloren hat. Das beweisen auch die nachwachsenden Fangenerationen, wobei die Konzertstätten in Deutschland im Vergleich zu Dänemark mickrig sind, denn in ihrer Heimat zählen D-A-D zu den Superstars, die auf keinem großen Festival fehlen dürfen und deshalb auch jedes Jahr in Roskilde dabei sind. Dafür haben wir hierzulande das Privileg, D-A-D in einem deutlich intimeren Rahmen zu erleben, was auch nicht zu verachten ist.

Setlist D-A-D
True Believer
Beautiful Together
Jihad
Girl Nation
Everything Glows
Reconstructdead
The Road Below Me
Grow Or Pay
Bad Craziness
Chainsaw
Monster Philosophy

Laugh ‘N A Half
Ridin’ With Sue
Sleeping My Day Away

It’s After Dark

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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