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D-A-D – THE 69 EYES

Ort: Osnabrück – Hyde Park

Datum: 08.11.2025

Cowpunks und Glampires hatten sich an diesem Samstag im ehrwürdigen Hyde Park angekündigt. Konkret das Danish Dynamite D-A-D und die finnischen Dark-Rocker THE 69 EYES. Beide Kapellen, die aktuell als Doppel-Headliner durch die Lande touren, waren nicht zum ersten Mal am Fürstenauer Weg zu Gast und freuten sich über ein gut gefülltes Rund, wobei sich im Laufe des Abends zeigte, dass es zwar bei den Fans Überschneidungen gab, die Musik der beiden Bands jedoch am Ende doch so unterschiedlich war, dass die Anwesenden ihren ganz eigenen Favoriten gewählt haben.

Für den Auftakt waren THE 69 EYES zuständig, die pünktlich um 20 Uhr die Bühne betraten. Wo sonst Nebelschwaden die Sicht verhängen, war bei der 1989 gegründeten Combo die Stage in gleißendes weißes Licht getaucht, auch nicht unbedingt das, was sich die fotografierende Zunft wünscht, aber irgendwas ist ja immer und so empfand ich den Umstand, dass der Gesang anfangs nicht optimal abgemischt war, auch als störender. Auf die Ohren gab es einen 17 Songs umfassenden Abriss der bisherigen Discografie der Helsinki Vampires, die mit „Devils“ von ihrem gleichnamigen Album aus 2004 starteten. Für diese Platte gab es daheim in Finnland Platin, was auch für den 2002er Vorgänger „Paris Kills“ gilt. Mit diesem Album schafften es THE 69 EYES auch erstmals in deutschen Charts und auch heuer waren mit „Don’t Turn Your Back In Fear“, „Betty Blue“, „Still Waters Run Deep“ und „Dance d’Amour“ gleich vier Nummern von dieser Scheibe zu hören. Ihren Stil haben die Jungs um Sänger Jyrki 69 vom anfänglichen Sleaze Rock recht schnell zugunsten des Düster-Rocks verändert, was natürlich hervorragend zur dunklen Stimme von Jyrki Pekka Emil Linnankivi passt. Ansonsten galt auch im Park, dass die Gitarren von Bazie (bürgerlich: Pasi Moilanen) und Timo-Timo (Timo Mikko Pitkänen) stets sehr präsent waren und von einer organischen Rhythmusgruppe begleitet wurden. Drummer Jussi 69 (Jussi Heikki Tapio Vuori) versah seinen Job barfuß, während Archzie (Arto Ojajärvi), inzwischen auch schon 62 Jahre alt, festes Schuhwerk und ein etwas spackes Oberteil trug. Auch wenn eine Dame zu meiner Rechten meinte, dass sich die Jungs in 25 Jahren doch gar nicht verändert haben, hat auch an ihnen der Zahn der Zeit genagt (und an Jyrkis Lederjacke, deren rechter Ärmel langsam die Verbindung zum Rest des Kleidungsstücks verliert). Ihre Mucke ist jedoch frisch wie eh und je und so wurden insbesondere Hits wie „Brandon Lee“ und Gothic Girl“ vom 2000er „Blessed Be“ ebenso abgefeiert wie die dunkel-schöne Rockballade „Wasting The Dawn“ vom gleichnamigen Longplayer aus 1999. Bei dem Track hat seinerzeit Ville Vallo von HIM mitgewirkt, im Park zeigte sich stattdessen das Auditorium textsicher und hartgesotten, denn der Aufforderung, ob des traurigen Inhalts die Taschentücher rauszuholen, musste augenscheinlich niemand nachkommen. Nach 65 Minuten kam das Ende des regulären Sets etwas abrupt und der Fünfer verließ doch einigermaßen sang- und klanglos die Bühne, sodass es auch einen winzigen Moment dauerte, bis um Zugaben gebeten wurde. Der Wunsch wurde alsbald und in der gebotenen Intensität erfüllt, insbesondere das finale „Lost Boys“, eine Hommage an den Film „The Lost Boys“, sorgte als straighter Stomper mit allerlei Lichtgewittern noch einmal für einen Höhepunkt und Begeisterung bei der Fangemeinde, die sich zudem über Jussis Drumsticks und allerlei Plektren freuen durfte. Zu den Klängen von „Paint In Black“ von den STONES gab es letzte Verbeugungen, dann war es um 21.20 Uhr an der Zeit, die Stage für die zweite Band des Abends zu präparieren.

Setlist THE 69 EYES

  • Devils
  • Don’t Turn Your Back In Fear
  • Feel Berlin
  • Gotta Rock (BOYCOTT-Cover)
  • Betty Blue
  • The Chair
  • Drive
  • Death of Darkness
  • Never Say Die
  • Still Waters Run Deep
  • I Love The Darkness In You
  • Wasting The Dawn
  • Gothic Girl
  • Brandon Lee
  • Framed In Blood
  • Dance d’Amour
  • Lost Boys

Ergo wurde das Backdrop mit dem 69-EYES-Logo gegen den „Disneyland After Dark“-Schriftzug ausgetauscht und die langjährigen Fans wissen natürlich, dass D-A-D genau dafür steht. Allerdings fand die Walt Disney Company das nicht so prickelnd und so änderte die 1982 gegründete Gruppe Ende der Achtziger mit dem Erfolg ihres Albums „No Fuel Left For The Pilgrims“ ihren Namen zunächst in D.A.D bzw. D:A:D und schließlich in das internetfreundlichere D-A-D. Die Umbaupause nutzen viele, um ein wenig Luft in der lauen Novembernacht zu schnappen und auch die Besetzung in den ersten Reihen änderte sich. War auch schon bei THE 69 EYES das Durchschnittsalter etwas höher, zeichnete sich der Trend bei D-A-D mindestens in gleichem Maß ab, allerdings waren es weniger Gothic Girls, sondern Herren in Wacken-Shirts, die vorne mitmischen wollten. Bis 22 Uhr mussten sich die Anwesenden noch gedulden, dann nahmen die Hauptprotagonisten des Abends ihre Arbeitsplätze für die nächsten 80 Minuten ein. Die Brüder Jesper (Gesang & Gitarre) und Jacob (Gitarre) Binzer, der Drummer Laust Sonne und natürlich Stig Pedersen, der mittlerweile 60 Lenze zählt, deshalb aber nicht auf seine schrillen Outfits verzichtet. War Laust – mit seinen 50 Jahren das erklärte Küken der Band – mit Glitzerschuhen und extravagantem Anzug schon für eine Hardrock-Kapelle speziell gekleidet, konnte Stig das mit seinem silberfarbenen Fummel und großzügigem Augen-Make-up locker toppen! Zum knappen Höschen gab’s Overknee-Stiefel und ein entsprechendes Jäckchen bzw. nach kurzer Zeit ein ärmelloses Top. Nicht minder schrill waren seine Musikinstrumente, die grundsätzlich nur über zwei Saiten verfügen, dafür aber ausgesprochen kreativ in ihrer Ausführung sindudn von ihm selbst entworfen werden. Im steten Wechsel gab es daher durchsichtige Bässe mit Beleuchtung, Exemplare mit kleiner Gitarren-Anmutung, dort, wo eigentlich die Stimmwirbel zu finden sind, die stattdessen den Korpus bildeten, später wurde auch noch ein Modell mit eisernem Kreuz als Korpus und mit Flugzeug am Kopf vorgeführt und natürlich durfte auch der Raketen-Bass nicht fehlen. THE 69 EYES mögen ganz ordentliche Poser sein, Stig stellte jedoch einmal mehr klar, dass er in dieser Disziplin in einer ganz anderen Liga spielt. So sah man ihn auch immer wieder am Drumkit rumturnen, doch grundsätzlich stand wie zuvor bei den Finnen klar die Musik im Vordergrund und mit der konnten D-A-D, die mit einer Art Marschmusik, die mich an den standhaften Zinnsoldaten von Hans Christian Andersen – ebenfalls ein Däne – erinnerte, ihre Fans sofort fesseln. Los ging’s mit „Jihad“ vom bereits erwähnten „No Fuel Left For The Pilgrims“, überhaupt schwelgten auch die Dänen eingehend in der Vergangenheit und spielten mit „1st, 2nd & 3rd“, „The Ghost“ und „Speed of Darkness“ nur drei Tracks vom letztjährigen Longplayer, der ebenfalls „Speed of Darkness“ heißt und es hierzulande bis auf #28 gebracht hat. Wer nun mit Blick auf die Setlist denkt, dass D-A-D weniger Spielzeit hatten als THE 69 EYES, irrt, denn es waren zwar drei Lieder weniger, doch das vorgetragene Material wurde in der gebotenen Ausführlichkeit abgefeiert und so wurde bereits das coole „Rim of Hell“ mit großartigen Instrumentalparts zelebriert. Das Mikro gehörte im Wesentlichen Jacob, der jedoch bei „Riding With Sue“ vom 1986er Debüt „Call of The Wild“ von Stig abgelöst wurde. Markenzeichen der Band ist ein Rinderschädel, der den Namen Sue trägt und passend dazu hatte Stig natürlich auch einen entsprechenden Bass am Start. Die Nummer brachte ein wenig Rock’n’Roll-Flair ins Geschehen, ehe es mit „The Ghost“ eine feine Halbballade auf die Mütze gab. Mit „Something Good“ vom 2000er „Everything Glows“ nahm Jesper, der zwischendurch auch immer seine Deutschkenntnisse zum Besten gab, ein Bad in der Menge, während sein Bruder Jacob, der 1984 zu Jesper und Stig gestoßen ist, sein Können am Sechssaiter unter Beweis stellte. Davon gab’s beim großartigen „Grow Or Pay“ (1991 auf „Riskin‘ It All“ erschienen) direkt noch mehr auf die Ohren – keine Frage, dass die Zuschauerschaft hier mit Applaus nicht sparte und auch ihre Sangeskünste zum Besten gab. In diesem Sinne schloss sich auch „Monster Philosophie“ von der gleichnamigen Langrille aus 2008 an. Laust Sonne, der 1999 zu D-A-D gekommen ist, wirbelte hinter seiner Schießbude nach allen Regeln der Kunst und „Everything Glows“ nutze Jesper gleich einmal, um sein Auditorium zu fragen, ob es auch fand, dass Laust jung und schön, sowie ein talentierter Drummer sei. Daraus entwickelte sich die „Liebe für Laust“-Interaktion, die zu einem D-A-D-Gig einfach dazugehört – auch wenn Laust mit 26 Jahren Bandzugehörigkeit längst zum Inventar zählt und mit seinen 50 Jahren auch nur acht (Jacob) bzw. neun Jahre jünger ist als seine Kollegen. Auf jeden Fall gab der Mann angesichts so viel Ansporns alles und mit „Bad Craziness“ ging es nahtlos und mit viel Wumms weiter. 65 Minuten waren wie im Fluge vergangen und der Vierer verschwand kurz im Off, wurde jedoch vermittels lautstarker „D-A-D“-Rufe alsbald ins Bühnenlicht zurückbeordert, wo Jesper die Frage stellte, wer am kommenden Sonntag arbeiten musste. Nur wenige Arme wurden gereckt, was natürlich am Wochentag lag, aber auch an jedem anderen Tag wäre niemand Jespers Aufforderung nachgekommen, den Saal zu verlassen, weil der Song für Arbeitslose geschrieben worden war. Die Rede konnte schließlich nur von „Sleeping My Day Away“ sein! Dieses Stück ist ein absolutes Highlight der D-A-D-Discografie und schließlich kann ja die arbeitende Bevölkerung gerade den Sonntag auch einfach mal verschlafen. Hier und jetzt wurde der Evergreen gebührend gefeiert, bevor das nicht minder fantastische „It’s After Dark“ auch schon das Ende des Konzertes markierte. Die Wiederholungstäter:innen unter den Gästen wussten, dass nach diesem emotionalen Finale, bei dem auch Stig wieder eine tragende Rolle als Sänger hatte, nichts mehr kommen würde und so leerte sich der Park recht schnell, schließlich war die Samstagnacht noch jung und die Kinder der Konzertbesucher:innen wollten noch zur Konservenkost abzappeln.

Auf meiner persönlichen Best-of-Setlist hätten noch „Point of View“ und das akustische „Laugh ’n‘ a ½“ gestanden, aber auch so war es wieder ein absoluter Genuss, D-A-D live zu erleben. Die Dänen verkörpern seit mehr als 40 Jahren genau das, was ich unter guter Musik und vor allem einem guten Live-Gig verstehe: ehrliche, zeitlose Musik, die live facettenreich vorgetragen und von einer gut gelaunten Interaktion mit dem Publikum begleitet wird. In diesem Sinne hätte ich mit etwas mehr D-A-D und etwas weniger THE 69 EYES gewünscht, denn die Finnen waren zweifellos auch mit Spielfreude dabei, wirkten im Vergleich zu den Dänen doch etwas statisch und auch das Repertoire der Düster-Rocker blieb im Gegensatz zum Melodic Hardrock der Kopenhagener eine Spur zu eindimensional. Folglich war bei D-A-D die Stimmung auch eindeutig besser als bei THE 69 EYES, deren Stil es sicherlich auch ist, dass der Sound ein wenig unterkühlt daherkommt. Alles in allem mal wieder ein gelungener Konzertabend im Hyde Park, auf dessen Parkplatz Autos mit den unterschiedlichsten Kennzeichen aus dem Umkreis von locker 200 Kilometern standen.

Setlist D-A-D

  • Jihad
  • 1st, 2nd, 3rd
  • Girl Nation
  • Speed of Darkness
  • Rim of Hell
  • Riding With Sue
  • The Ghost
  • Something Good
  • Grow Or Pay
  • Monster Philosophy
  • Everything Glows
  • Bad Craziness
  • Sleeping My Day Away
  • It’s After Dark

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

 

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