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D-A-D – HONG FAUX

Ort: Hannover - Capitol

Datum: 02.05.2014

D-A-D feiern in diesem Jahr ihr 30. Bandjubiläum bzw. Laust Sonne 15-jährige Bandzugehörigkeit. Wenn’s nach Sänger Jesper Binzer geht, stehen wohl eher die anderthalb Dekaden im Vordergrund, angeblich sind die Parties in der Altersklasse besser. Na, da haben die Herren im gut besuchten Capitol aber an diesem Freitagabend etwas ganz anderes bewiesen. Mal abgesehen von „Küken“ Laust, der erst im Dezember die 40 voll macht, gehen die Brüder Binzer und Bassmann Stig Pedersen zwar stark auf die 50 zu, von Ermüdungserscheinungen ist bei den Dänen allerdings mal gar nicht zu spüren. Dabei sind die Skandinavier ja auch schon ein wenig länger unterwegs, denn nach dem Motto 30 Jahre – 30 Konzerte, haben sie in Dänemark bereits 30 Gigs gespielt und legen aktuell mit den angekündigten 30 europäischen Konzerten nach.

Vermutlich hätte es nicht zwingend eine Vorband gebraucht, um die Hannoveraner in Stimmung zu bringen, doch mit den Schweden HONG FAUX hatte das Danish Dynamite eine gute Wahl getroffen. Nik (Gesang & Gitarre), Björn (Gitarre), BQ (Bass & Gesang) und Daniel (Drums) legten pünktlich um 20.00 Uhr mit den knackigen Sounds von „Anorectic Teenage Superstar“ los, ehe durch „The Big Bang“ bluesige Töne auf dem Programm standen. Das straighte „Dream Machine“ gefiel mit amtlichem Gitarren-Gegniedel und veranlasste den Herrn Schlagzeuger, sich von seinem Shirt zu trennen, bevor der „Bad City Blues“ gewaltig schepperte und auch einen gewissen psychedelischen Nachklang mitbrachte. Der Titeltrack „Hello Neptune“ der aktuellen, sehr empfehlenswerten EP schloss sich als treibender Kopfnicker an, um mit „Valar Morghulis“ im Anschluss auf Wüstenkurs zu gehen. Dank der Nummer „Present Tense-Less“ vom 2012er Erstling „The Crown That Wears The Head“ kam Bewegung ins Publikum und auch „Coming Through The Rye” nahm nach einem ruhigen Start wieder Fahrt auf. Mit „Feign Death To Stay Alive” war erneut Dampf auf dem Kessel und während der Mann am Stahlsaiter teilweise den Job am Mikro übernahm, kam das Auditorium der Aufforderung zum Mitklatschen gern nach. „Deathmatch“ sorgte für ein wahrlich fettes Finale und aus gutem Grund spendeten die Anwesenden reichlich Applaus für diese ersten 45 Minuten, die für krachenden Rock, gespickt mit Alternative und Grunge, sorgten.

Setlist HONG FAUX
Anorectic Teenage Superstar
The Big Bang
Dream Machine
Bad City Blues
Hello Neptune
Valar Morghulis
Present Tense-Less
Coming Through The Rye
Feign Death To Stay Alive
Deathmatch

Jetzt hieß es, sich in ein wenig Geduld üben, denn natürlich musste die Stage zunächst einmal für die wackeren Jubilare präpariert werden. Nachdem alle Kabel, Verstärker und Instrumente in Position gebracht waren, wurde es für das eröffnende „RinTinTin“ zunächst einmal ziemlich duster auf der Bühne. Die Mikros blieben dabei ebenfalls unbeachtet, denn die Truppe versammelte sich zunächst einmal mit dem Rücken zum Zuschauerraum um Laust und sein Drumkit und sorgte so für die nötige Spannung, die sich im ersten Höhepunkt „Jihad“ vom 1989er „No Fuel Left For The Pilgrims“ auch sogleich entladen konnte. Zuvor hatten sich die langjährigen D-A-D-Konzertgänger bereits davon überzeugen können, dass Herr Pedersen seiner Bühnenkleidung treu geblieben ist, denn gut sichtbar prangte das altbekannte „NASTY“ auf seinem Hosenboden. Doch nicht nur das schwarze Lack-Outfit hatte Wiedererkennungswert, auch die Zweisaiter, die der blonde Stig, der in der Vergangenheit auch durchaus in roten – sagen wir mal – Ganzkörperkondomen auftrat, spielt, waren immer schon extravagant. Transparente Instrumente mit blauer bzw. roter Beleuchtung zählten da noch zu den unscheinbaren Bässen. So gab es jedoch auch noch eine Rakete zu bestaunen, einen Stahlsaiter mit Rückleuchten und natürlich das Modell, bei dem ein riesiger Wirbel den Korpus darstellt und der Kopf von einer entsprechend winzigen Gitarre eingenommen wird. Neu war meines Wissens der Tieftöner mit dem Tierschädel und den rot leuchtenden Augen. Aber es gab nicht nur ne Menge zu sehen, sondern auch einen Haufen alter und neuer Hits abzufeiern. „Evil Twins“ vom „Everything Glows“-Album aus 2000 war für Jesper Anlass genug, die Nähe seiner Fans zu suchen und seine Deutschkenntnisse zum Besten zu geben, um dann mit dem straighten „Cloudy Hours“ („Sympatico“ 1997) noch einmal ein Jahrzehnt weiter zurück zu gehen. „A New Age Moving In” vom elften Studio-Output “Dic.Nii.Lan.Daft.Erd.Ark” bewegte Stig zum wiederholten Male dazu, auf Drumkit und Boxen herumzuklettern und ließ die Zuschauerschaft in rhythmische Akklamationen verfallen. Mit dieser Tätigkeit konnten die Damen und Herren im Anschluss beim großartigen „Grow Or Pay“ (ein Evergreen vom „Riskin’ It All“ aus 1991) gleich weitermachen. Jacob Binzer legte an dieser Stelle ein klasse Solo hin, das selbstverständlich gebührend abgefeiert wurde. Dank „Reconstrucdead” („Helpyourselfish“ – 1995) ging’s abermals ab durch die Mitte, bevor „Monster Philosophy“ vom gleichnamigen Silberling aus 2008 direkt ins Bein fuhr. Das wie immer sehr coole „Everything Glows“ animierte wenig später das Publikum zum textsicheren Mitsingen und natürlich durfte bei „I Want What She’s Got“ auch nicht Lausts ausdauerndes Drumsolo fehlen, wenngleich die Anfeuerungen des Auditoriums heuer schon früher am Abend erfolgten. Wenn Jesper davon berichtet, dass der Freitag ein ganz besonderer Tag ist, weil samstags kein Schulunterricht stattfindet und man nicht arbeiten muss, weiß der erfahrene D-A-D-Fan bereits, was angesagt ist: „Sleeping My Day Away“ ist die einzig mögliche Antwort und außerdem ein grandioser Song, der in der nötigen Ausführlichkeit zelebriert wurde.

Damit endete nach 75 Minuten das reguläre Set, doch die zahlreichen D-A-D-Rufe holten die Musiker schnell an ihre Arbeitsplätze zurück, wo sie mit „Bad Craziness“ bewiesen, dass sie lange noch nicht müde waren. Für das blitzschnelle „Isn’t That Wild“ legte Jesper den Sechssaiter aus der Hand und tauschte im zweiten Zugabenblock die E-Gitarre gegen eine Akustikklampfe. Sein Bruder tat es ihm gleich und gemeinsam performten sie als „klassisches Akustik-Duo aus Dänemark“ (O-Ton Jesper) „Laugh And A ½“. Dass gleich zu Beginn bei Jesper eine Saite riss, tat dem Hörvergnügen keinen Abbruch und zum Schluss kehrten für „It’s After Dark“ vom 1986er Debüt „Call of The Wild“ alle Vier auf die Stage zurück. Auf der Zielgeraden zeigten die Niedersachsen, dass auch sie die ganz alten Lyrics noch draufhaben und gemeinsam wurden die alten Kracher noch einmal in der gebotenen Form abgefeiert.

Eigentlich ging es mit dieser immer noch vorzüglichen Kapelle ja schon 1982 los, aber irgendwie beginnt die Zeitrechnung wohl erst mit Jacob Binzer, der 1984 dazu stieß. Damals hießen die Dänen noch DISNEYLAND AFTER DARK, aber mit dem Erfolg von „No Fuel Left For The Pilgrims“ wurde auch der Walt Disney Konzern auf die Jungs aufmerksam und fand den Namen gar nicht witzig. Also wurde der Name einfach abgekürzt und aus D.A.D und D:A:D ist zwischenzeitlich das internetfreundlichere D-A-D geworden. Ansonsten ist bei den Herren glücklicherweise alles beim Alten geblieben. Es gibt nach allen Regeln der Kunst was auf die Mütze und kaum ist das Konzert nach rund 100 Minuten vorbei, wünscht man sich, es ginge noch mal von vorn los.

Setlist D-A-D
Instrumental (RinTinTin)
Jihad
Evil Twin
Overmuch
Cloudy Hours
Jackie O‘
A New Age Moving In
Grow Or Pay
Reconstrucdead
Monster Philosophy
Everything Glows
I Want What She’s Got
Sleeping My Day Away

Bad Craziness
Isn’t That Wild

Laugh And A 1/2
It’s After Dark

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

2 Kommentare

  1. jens sagt:

    sehr schöner Bericht, aber „I Won’t Cut My Hair“ wurde nicht gespielt, das war „Isn’t That Wild“ 🙂

  2. Ulrike Meyer-Potthoff sagt:

    Stimmt, ist geändert, danke für den Hinweis!

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