Konzert Filter

D-A-D – THUNDERMOTHER

Ort: Hannover – Musikzentrum

Datum: 06.05.2016

Man nennt sie auch „the danish dynamite“: D-A-D aus Dänemark. 1982 als DISNEYLAND AFTER DARK gegründet, mussten sie nach dem internationalen Erfolg ihres dritten Albums „No Fuel Left For The Pilgrims“ auf Druck des Walt-Disney-Konzern ihren Namen ändern und über den Umweg D.A.D. wurde aus ihnen das internetfreundlichere D-A-D. Neben dem bereits erwähnten Longplayer war der 1991er Nachfolger „Riskin’ It All“ wohl die weltweit erfolgreichste Platte der Skandinavier, Grund genug, mit diesen beiden Veröffentlichungen auf Tour zu gehen!

Mit von der Partie waren fünf Ladies aus dem benachbarten Schweden, was nicht nur wegen der geografischen Nähe passte, sondern auch aufgrund der ähnlichen musikalischen Ausrichtung von THUNDERMOTHER und natürlich, weil Männer ja bekanntermaßen besser sehen als denken können. Tatsächlich scheint der D-A-D-Fan dieser Tage überwiegend männlich und schon ein wenig in die Jahre gekommen zu sein; da freuten sich die Herren natürlich, dass es nicht nur was für die Ohren, sondern auch fürs Auge gab. Pünktlich um 20.00 Uhr legte der energiegeladene Fünfer im Hannoveraner Musikzentrum los und stellte gleich mit dem Opener „Deal With The Devil“ vom zweiten Longplayer „Road Fever“ sehr energisch klar, dass man nicht vorhatte. Gefangene zu machen. Die gebürtige Irin Clare Cunningham erwies sich am Mikro als wahre Rockröhre und auch die Langaxt-Fraktion bestehend aus der Italienerin Giorgia Carteri an der Rhythmusgitarre, Bass-Lady Linda Ström und Lead-Gitarristin Filippa Nässil fackelte nicht lange – taktgenau unterstützt von Tilda Stenqvist hinter der Schießbude. Mit ihrem Seventies-Hard’n’Heavy-Retro-Sound und ihrer Rock-Bitches-Attitüde wirkten die Damen für Außenstehende vielleicht etwas aus der Zeit gefallen, aber wenn auf der Stage die langen Haare geschüttelt wurden, fühlte sich mit Sicherheit der eine oder andere Besucher an die gute alte Zeit erinnert, als er selbst noch eine lange Matte hatte, die im schlimmsten Fall mit einer Heimdauerwelle zur Lockenpracht verwandelt worden war. Auf jeden Fall war das Auditorium an diesem sonnigen Freitag bester Laune und ließ sich nicht lang bitten, um beim Singspielchen zum cool grooovenden „Thunder Machine“ mitzumachen. Derweil machte Clare auf der Bühne ihr tägliches Workout, bevor sie beim nachfolgenden „Shoot To Kill“ vom Debüt „Rock’n’Roll Disater“ kurzfristig von selbiger verschwand und auch Filippa Nässil war plötzlich abwesend, fand sich jedoch alsbald im Publikum wieder. Dieser Ausflug in die Menge wurde mit viel Beifall bedacht und auch das straighte „Roadkill“ fand ebenso wie das finale „It’s Just A Tease“ Anklang und so wurden THUNDERMOTHER nach temperamentvollen 40 Minuten mit verdienten Akklamationen in den Feierabend ihres zehnten Tourtages mit D-A-D geschickt.

Setlist THUNDERMOTHER
Deal With The Devil
Rock’n’Roll Disaster
Cheers
Thunderous
Dangerous Mind
Thunder Machine
Shoot To Kill
Roadkill
It’s Just A Tease

Eine halbe Stunde später kündete ein Intro das Erscheinen der vier Herrschaften von D-A-D an. Bassist Stig Pedersen hatte seinen Auftritt diesmal in einer Kostümierung als Landadeliger in weißen Reithosen, schwarzen Stiefeln, Brokatweste und wallendem Oberhemd, während der Kollege Laust Sonne im weißen Anzug mit schwarzem Schlips agierte und die Brüder Jesper und Jacob Binzer ihrem Standard-Outfit bestehend aus Jeansjacke (Jesper) und Hut (Jacob) treu geblieben waren. Während der tanzende (nicht röhrende!) Hirsch auf dem Backdrop mitsamt D-A-D-Tapete Wohnzimmer-Feeling vermittelte, war die Musik alles andere als heimelig! Auch mit ihren rund 50 Jahren (ok, Nesthäkchen Laust ist erst süße 41) rockte der Vierer das Musikzentrum ohne jeden Fehl und Tadel, wofür einfach mal die Tracklist von „Riskin’ It All“ runtergeholzt wurde. Natürlich durften dabei die charmanten deutschsprachigen Ansagen von Jesper nicht fehlen und auch Stigges Posing mit diversen aufgemotzten Zweisaitern war für das Gelingen des Abends unabdingbar! So folgte auf das durchsichtige Plexiglas-Modell jener Bass, bei dem der Kopf die Form eines Korpus hat und der letztgenannte wiederum als überdimensionaler Wirbel daherkommt. Neu war für mich der Tieftöner, an dessen oberen Ende sich ein rotes Flugzeug befand, während für den unteren Teil ein Eisernes Kreuz gewählt wurde. Wie üblich turnte der Blondschopf auch gern einmal auf den Monitorboxen oder auf dem Drumkit herum, so geschehen beim großartigen „Grow Or Pay“, das selbstverständlich amtlich abgefeiert wurde. Ein weiterer Höhepunkt war zweifellos das akustische „Laugh’n’ A ½”, das traditionell von den Gebrüdern Binzer im Alleingang performt wird. So auch in Hannover, wobei den Gesangspart zunächst einmal die Zuschauerschaft übernahm, die sich dabei sehr textsicher zeigte und von Jacob und Jesper mit einem intensiven Duett belohnt wurde. Gleichzeitig markierte diese Nummer auch das Ende der „Riskin’ It All“, womit ein 15-minütiges Päuschen eingeläutet wurde, um die Bühne für die zweite Halbzeit zu präparieren.

In erster Linie wurde an dieser Stelle die Hintergrund-Optik verändert, denn nun erstrahlte der typische D-A-D-Rinderschädel auf dem großen Backdrop – verpackt in ein Arabertuch, schließlich stand ja „No Fuel Left For The Pilgrim“ auf dem Programm! Los ging’s hier allerdings mit dem letzten Track der Langrille: „Ill Will“ eröffnete im High-Energy-Modus und fortan ging’s rückwärts durch die Platte, sodass beispielsweise „Overmuch“ bereits relativ früh für ein zweites, ziemlich fettes Schlagzeug-Solo sorgte (das erste servierte Mr. Sonne bereits mit „Makin’ Fun of Money“). Mit dem unaufgeregten Stomper „Lords of The Atlas“ führte Stig mal wieder seinen Rücklichter-Bass aus und während er zu „Girl Nation“ auf den Monitorboxen balancierte, entledigte sich Laust erst einmal seiner Krawatte und knöpfte sein Hemd auf (das vermutlich total durchgeschwitzte, ärmellose Sakko war gleich backstage geblieben), ehe das blitzschnelle „True Believer“ unter Lichtgewittern für einen Moshpit sorgte und in Stigs Rinderkopf-Bass zwei Augen rot aufglühten. Mit „Rim of Hell“ stand eine wahre Hymne auf dem Zettel, die zwei Herren auch alsbald zum Crowd-Surfen animierte, was bei Tourmangager Troels allerdings nur so mittel ankam, weshalb die beiden kurzerhand der Bühne verwiesen wurden. Zuvor hatten bereits zwei Fans ihre Kutten mit großen D-A-D-Aufnähern auf der Stage ausgebreitet, was jedoch ebenfalls auf wenig Gegenliebe stieß. Allerdings stellten die Kleidungsstücke auch eine gewisse Stolpergefahr dar und so ganz nüchtern schienen mir die beiden Besitzer ebenfalls nicht zu sein. Mit dem Hit „Point of View“ wurden wohl nicht nur bei mir zahlreiche Erinnerungen wach und mit „Jihad“ und „Sleeping My Day Away“ folgten zwei weitere Kracher und Alltime-Favorites auf dem Fuß. Fürs große Finale griff Stig zum Raketen-Bass, ehe Jesper seine Anhängerschaft mit Bedauern mitteilte, dass die Anwesenden nur „Fahrscheine für zwei Albums“ hätten und eine gute Heimreise wünschte. Aber natürlich konnte es das mit diesem zweifellos grandiosen Lied noch nicht gewesen sein, denn „It’s After Dark“ ließ noch auf sich warten.

Nun stammt dieser Song von keinem der beiden annoncierten Alben, aber ein Live-Gig von D-A-D ist ohne die Nummer vom 1986er Erstling „Call The Wild“ nicht denkbar und deshalb war es wie immer Stigges Job, den letzten Track des Abends anzusingen, bevor die gesamte Mannschaft mit einfiel. Herr Pedersen hatte zu diesem Zweck zwischenzeitlich obenrum blank gezogen (ich erinnere mich noch gut an die Zeiten, in denen Latex-Ganzkörperanzüge zu seinem Bühnenoutfit gehörten…) und animierte das Publikum zum Arme schwenken und mitsingen. Keine Frage: In den gut zwei Stunden Spielzeit war auf und vor der Bühne einiges an Schweiß geflossen und so manches Gesicht war zu einem breiten Grinsen verzogen, da waren wohl einige vergangene Episoden wieder ins Gedächtnis gehuscht. Eines ist die D-A-D-Mucke eh ganz gewiss: absolut zeitlos und immer gut für einen fantastischen Abend! Fürs nächste Mal wünsche ich mir dann aber auch mal wieder ein paar neue Songs, immerhin ist der elfte Studio-Output „Dic.Nii.Lan.Daft.Erd.Ark“ ja auch schon wieder über vier Jahre her…

Setlist D-A-D

Riskin’ It All

Bad Craziness
D-Law
Day of Wrong Moves
Rock’n’Roll Radar
I Won’t Cut My Hair
Down That Dusty 3rd World Road
Makin’ Fun of Money
Grow Or Pay
Smart Boy Can’t Tell Ya’
Riskin’ It All
Laugh’n’ A ½

No Fuel Left For The Pilgrims
Ill Will
Wild Talk
Siamese Twin
Overmuch
Lords of The Atlas
Girl Nation
True Believer
ZCMI
Rim of Hell
Point of View
Jihad
Sleeping My Day Away

It’s After Dark

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu D-A-D auf terrorverlag.com

Mehr zu THUNDERMOTHER auf terrorverlag.com