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D-A-D

Ort: Hamburg – Große Freiheit 36

Datum: 03.05.2014

18.12 Uhr SMS: „You are on the list.“ – 18.20 Uhr: Der treue Diesel schnurrt Richtung Norden. 135 Minuten und 240 Kilometer später ist das Ziel erreicht: Hamburg, Große Freiheit 36. Mein Wunsch vom Vortag, das Konzert möge einfach wieder von vorn beginnen, wurde mit knapp 24-stündiger Verspätung wahr. Leider ohne den wirklich hörenswerten Support HONG FAUX, den vermutlich auch diverse Hamburger zumindest teilweise verpasst haben werden, denn das Konzert begann eine halbe Stunde früher als ursprünglich geplant, sodass ich just in time für den Hauptact des Abends die geschichtsträchtige Venue nahe der Reeperbahn enterte. Nicht nur das Parkett war gut gefüllt, auch auf dem Rang tummelten sich dicht gedrängt die Fans, die zur großen Geburtstagsparty mit D-A-D gekommen waren.

Unter dem Motto „30-30-30“ begeht das Danish Dynamite nämlich seinen 30. Geburtstag, hat bereits 30 durchweg ausverkaufte Club-Gigs in Dänemark absolviert und macht aktuell im Rahmen der ebenfalls 30 Konzerte umfassenden Europa-Tour Deutschland unsicher. Obwohl… wenn es nach Sänger und Gitarrist Jesper Binzer geht, wird ja nicht die Bandgründung 1984 gefeiert (eigentlich wurde DISNEYLAND AFTER DARK übrigens schon 1982 aus der Taufe gehoben, aber gezählt wird wohl erst ab dem Zeitpunkt, zu dem Jacob Binzer den Sechssaiter übernahm), sondern der Umstand, dass Laust Sonne seit 15 Jahren die D-A-D-Felle bearbeitet. Um dessen Arbeitsplatz versammelten sich die Brüder Binzer und Bassmann Stig Pedersen dann auch zunächst einmal zu Beginn der Show und performten den instrumentalen Opener „RinTinTin“, bevor es mit „Jihad“ vom 1989er „No Fuel Left For The Pilgrims“ in die Vollen ging und die Herrschaften ihre Plätze an den Mikros einnahmen. Okay, der Mann mit dem Zweisaiter kletterte immer mal wieder aufs Drumkit oder die Verstärkerboxen und auch Jacob und Jesper konnten nur schwer still stehen bleiben. Ähnlich ging es dem Publikum, dem es spätestens beim groovenden „Cloudy Hours“ vom „Sympatico“-Album aus 1997 in den Beinen juckte. Nicht nur die alten Hits, auch neues Material wie „A New Age Moving In” vom elften Studio-Output „Dic.Nii.Lan.Daft.Erd.Ark” wusste uneingeschränkt zu überzeugen und wurde mit viel Beifall bedacht. Gleiches galt für das grandiose „Grow Or Pay“ (ein Evergreen vom „Riskin’ It All“ aus 1991), das kräftig mitgesungen wurde und mit einem ausgedehnten Gitarrensolo gefiel. Äußerst knackig schlossen sich „Reconstrucdead” („Helpyourselfish“ – 1995) und „Monster Philosophy“ vom gleichnamigen Silberling aus 2008 an. Inzwischen war es Herrn Pedersen wohl zu warm geworden, sodass die schwarze Lackjacke einer entsprechendem Weste weichen musste – übrigens das gleiche Outfit wie am Vorabend. Auch die Kollegen setzten auf bewährte Kleidung. Sprich: Laust beschränkte sich auf eine knielange Hose und Jacob war wie üblich gut behütet. Bei Stig durfte natürlich neben der knallengen Buxe mit dem „NASTY“-Schriftzug auf dem Hosenboden selbstverständlich auch eine reiche Auswahl an Instrumenten nicht fehlen. Neben dem transparenten Stahlsaiter mit verschiedenfarbiger Beleuchtungsmöglichkeit, dem Raketen-Bass, dem Modell, bei dem ein riesiger Wirbel den Korpus darstellt und der Kopf von einer entsprechend winzigen Gitarre eingenommen wird und dem Tieftöner mit Rückleuchten, kam auch wieder der Schädel-Bass mit rot leuchtenden Augen zum Einsatz. Allerdings wurde das Molly-Gedächtnis-Instrument nur kurz bespielt, womöglich gab’s technische Schwierigkeiten, aber der blonde Bassist hat ja glücklicherweise genügend Auswahl. Während die Große Freiheit 36 in bunten Farben erstrahlte, ging es mit „Everything Glows“ (2000 auf der gleichnamigen Langrille erschienen) sehr smart weiter und auch „I Want What She’s Got“ wurde ausführlich zelebriert. Kollege Sonne erhielt ordentlich Support vom Auditorium und ließ sich dann auch bei seinem Schlagzeug-Solo nicht lumpen. Mit dem Hit „Sleeping My Day Away“ verwandelte sich der Saal endgültig in einen Hexenkessel. Die Hanseaten bewiesen nicht nur Textsicherheit, sondern auch den unbedingten Willen, die Mucke nach allen Regeln der Kunst abzufeiern.

Wie im Fluge waren die ersten 75 Minuten vergangen und selbstredend gab es auch in Hamburg noch einen Nachschlag. „Ich scheiß auf den Friseur“ gab Jesper an dieser Stelle zu Protokoll und verwies damit ganz klar auf das dreckig-scheppernde „I Won’t Cut My Hair“. Nun ist er inzwischen zwar das einzige Band-Member mit Matte, aber der Song ist auch mit Kurzhaarfriseur immer noch ein Burner. Nicht weniger Schmackes hatte „Bad Craziness“, mit dem sich der Vierer erneut ins Off verabschiedete. Für den zweiten Zugabenblock kehrten zunächst nur Jacob und Jesper zurück auf die Stage. Bewaffnet mit zwei Akustikklampfen und mit der Ankündigung, sie seien ein Folk-Musik-Duo aus Kopenhagen. Nun, „Laugh And A ½” war nicht wirklich das, was man gemeinhin unter Folk versteht. Vielmehr ging es hier noch mal in bester D-A-D-Manier zur Sache – nur eben in reduzierter Darreichungsform. Sehr zum Gefallen der Zuhörerschaft, die eifrig mitsang und sich darüber freuen konnte, dass die Brüder sich für ihren Vortrag reichlich Zeit ließen. Gemeinsam performte das Quartett schließlich noch „It’s After Dark“ vom 1986er Debüt „Call of The Wild“, wofür sich Stig mit einem Jäckchen in Leoparden-Optik in Schale geworfen hatte. Ansonsten wurde abermals grundsolide gerockt, das Publikum bekam einen a-cappella-Einsatz, übte sich im Arme schwenken und trug die Lyrics erneut fehlerfrei vor.

Ein gelungenes Finale, mit dem sich die Dänen nach 105 Minuten verabschiedeten. Schnell verschenkte Laust noch ein paar Drumsticks, das eine oder andere Plektrum wechselte den Besitzer und Jacob balancierte mit seinem Sechssaiter, nachdem er dieses kleine Kunststück bereits mit einem Trommelstock vorgeführt hatte. Morgen sind die Herrschaften, deren ursprünglicher Name DISNEYLAND AFTER DARK dem Disney-Konzern nicht gefiel, in Flensburg, da werde ich dann allerdings passen müssen, obwohl ich mit die Show problemlos auch noch ein drittes Mal in Folge geben könnte. Einzig „Point of View“ habe ich auf der Setlist ein wenig vermisst. Der Track kam stattdessen auf dem Nachhauseweg als Konservenkost aus dem CD-Player. Bis zum nächsten Mal!

Setlist
Instrumental (RinTinTin)
Jihad
Evil Twin
Overmuch
Cloudy Hours
Jackie O’
A New Age Moving In
Grow Or Pay
Reconstrucdead
Monster Philosophy
Everything Glows
I Want What She’s Got
Sleeping My Day Away

I Won’t Cut My Hair
Bad Craziness

Laugh And A 1/2
It’s After Dark

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