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DAF – INSELN

Ort: Bielefeld - Forum

Datum: 21.09.2022

Den Tag im März 2020, als Robert Görl den Tod seines musikalischen Partners Gabi Delgado Lopez auf den einschlägigen sozialen Medien bekannt gab, werde ich so schnell nicht vergessen. Im ersten Moment hielt ich es für einen schlechten Scherz, DAF waren doch ein halbes Jahr vorher noch Tour gewesen, die sie unter anderem auch nach Australien geführt hatte. Und wer schon mal eine DAF-Show erlebt hat, der konnte miterleben, wie Gabi sich auf der Bühne gab. Der Fronter nutzte die komplette Breite der Stage, lief wie ein Berserker hin und her und entleerte dabei flaschenweise Wasser über seinem Kopf. Er schien verdammt fit für sein Alter zu sein, deshalb ist es für mich – und bestimmt für viele andere auch – unbegreiflich, dass er kurz darauf verstorben ist. Schon kurz nach der Tour gaben DAF bekannt, dass sie ein neues Album planen. Aber daraus wurde aus bekannten Gründen nichts – auf jeden Fall nicht als Duo. Robert jedoch veröffentlichte unter DAF mit „Nur noch einer“ im letzten Jahr eine Hommage an Gabi, die eine Reflektion ihrer gemeinsamen Karriere darstellte. Mit dem Album im Gepäck ging es nun auch auf eine Mini-Tour, die nur drei Stationen beinhaltete. Neben Bielefeld kamen Fans in Stockholm und Göteborg in den Genuss der One Man Show.

Eigentlich waren BRAGOLIN aus den Niederlanden als Support für diesen Abend gebucht, die aber aus familiären Gründen absagen mussten. Diesen Part übernahmen dann kurzfristig INSELN aus Münster, die mit ihren Post Punk/Shoegaze den Laden auf Betriebstemperatur bringen sollten. Gleich nach dem Betreten der Bühne gab es eine Aufforderung ans Publikum, doch bitte näher an die Bühne zu kommen, denn es macht bestimmt keinen Spaß, vor einer halbleeren Halle zu spielen. Und siehe da, Sänger und Gitarrist Martin Staeckling wurde erhört und der Bereich vor der Stage füllte sich. Und los ging‘s mit „Ich weiß es noch nicht“ von ihrem selbstveröffentlichten Album (CDr) „Inseln“ aus dem Jahr 2015 und während die beiden Herren ihre Saiteninstrumenten in der Mitte der Bühne spielten, bearbeitete Nora Schulte-Coerne – leider etwas versteckt hinter ihrem Arbeitsgerät – die Felle und Becken ihres Drumkits. Das Trio, Patrick Jödicke (Bass) komplettierte die Combo, hatte das Publikum schnell auf seiner Seite gezogen und bot eine ordentliche Show. Neben Songs der beiden bisherigen Veröffentlichungen, die letzte CD „Nichts“ stammt aus dem Jahr 2019, gab es auch einige Non-Album-Tracks auf die Ohren. Die könnten schon ein Vorbote für ein neues Album sein. Obwohl es für eine Vorband eine recht lange Setlist war, immerhin gab es 13 Stücke, verging die Zeit wie im Fluge, das lag unter anderem auch daran, dass einige Tracks relativ kurz waren. Einziger Minuspunkt war der nicht optimale Sound von INSELN, im hinteren Bereich des Forums konnte man sich den Auftritt gut anhören, nur weiter vorne habe ich nicht viel von den Texten verstanden, das war später bei DAF um einiges besser. Nichtsdestotrotz ein erfrischender Auftritt von INSELN.

Setlist (ohne Gewähr)

  • Ich weiß es noch nicht
  • Disco Ruff
  • Stets bemüht
  • In deinen Händen
  • Es ist hier
  • Nichts
  • Rauschen
  • Alles was ich noch nicht kenn
  • Nah bei mir
  • Der letzte Tag
  • Weiter kommt wer weiter kriecht
  • Es ist zu spät
  • Dein Gesicht am Fenster

Zu den ersten Klängen von „Im Schatten“ vom aktuellen Album „Nur noch einer“ betraten Robert Görl und Sylvie Marks die Bühne des recht gut gefüllten Forums. Die anfängliche Nervosität des einzig verbliebenen DAF-Mitgliedes verflüchtigte sich rasch durch die euphorische Begrüßung der Fans und so ganz alleine auf der Stage, wie anfangs gedacht, war er nun doch nicht. Während Frau Marks sich an den Synthies zu schaffen machte, schritt Robert zielgerichtet ans Mikrofon.  Das ist schon etwas gewöhnungsbedürftig, denn in der Vergangenheit gab er an den Drums den Rhythmus vor und überließ dem gebürtigen Spanier Delgado das Rampenlicht. Der größte Teil der Show gehörte z.B. mit „Kunststoff“, „Wir sind Wild“, „Das Pur Pur Rot“, „Gedanken lesen“, „Loslassen“ und „Neue Welt“ dem Solo-Werk des Wahlberliners. Im Hintergrund der Bühne erschienen abwechselnd Fotos aus den guten alten Zeiten des Duos Delgado/Görl und große Begeisterung löste natürlich „Im Dschungel der Liebe“ vom 82er Album „Für Immer“ aus. Damit wurden die meisten Anwesenden, so auch ich, wieder zurück in die guten alten Zeiten gebeamt. Das schaffte auch der Song „Ein Kind aus dem Ratinger Hof“, wer hätte nicht gerne die Anfänge der DEUTSCH AMERIKANISCHEN FREUNDSCHAFT, von DER PLAN, FEHLFARBEN, MALE bzw. DIE KRUPPS und den TOTEN HOSEN damals noch ZK dort im Düsseldorfer Club mitbekommen. Ich für meinen Teil schon, leider bin ich etwas zu spät geboren und das noch am anderen Ende des damals noch geteilten Deutschlands. Aber ich habe sie alle viel, viel später live gesehen und mir etwas von dieser Zeit zurückgeholt. Jetzt aber wieder zurück zum Gig im Forum, denn zum Finale gab‘s mit „Holland Road“ und „Brothers“ zwei englischsprachige Titel und gerade letzterer Song beschreibt sehr gut das Verhältnis zwischen dem Duo Görl/Delgado, was Robert an diesem Abend auch mehrmals betonte. Erst zum Schluss kamen die DAF-Klassiker „Als wär‘s das letzte Mal“, „Prinzessin“, „Liebe auf den ersten Blick“ und der Smasher „Sato Sato“ zum Einsatz, kein Wunder also, dass dies die Höhepunkte der Show waren. Zusammen mit Sylvie Marks – die auch das Album „Nur noch einer“ mitproduziert hatte – ließ Robert Görl uns an diesem Abend teilhaben an einer tollen musikalische Erinnerung an seine Zeit mit Gabi Delgado.

Setlist (ohne Gewähr)

  • Im Schatten
  • Kunststoff
  • Wir Sind Wild
  • Im Dschungel Der Liebe
  • Das Pur Pur Rot
  • Gedanken lesen
  • Ein Kind aus dem Ratinger Hof
  • Du bist so zart
  • Loslassen
  • Neue Welt
  • Kein Ausweg
  • Es muss ans Licht
  • Holland Road
  • Brothers
  • Das Geschenk
  • Nur noch einer
  • Als wär’s das letzte Mal
  • Prinzessin
  • Liebe auf den ersten Blick
  • Sato Sato
  • Verlier nicht den Kopf
  • Mit Dir

Es gab nicht wenige, die bei der Vorankündigung dieser drei angesetzten Gigs im Netz maulten: „Was soll das, DAF ist tot“ oder „Ohne Gabi ist das nix“. Ja klar, es gibt niemanden der ihn ersetzen kann und das wollte Robert mit Sicherheit auch nicht. Die Konzerte sind nichts weiter als eine Hommage an Gabi und eine kurzweilige Reise in ihre musikalische Vergangenheit. die das Duo unter anderem auch vor ca. 40 Jahren nach Bielefeld ins damalige und heute nicht mehr existierende Titanic führte. Gabis Beine und sein heruntergefallenes Micro von diesem Gig schmücken die Umschlagseite des Doku-Romans von Jürgen Teipel „Verschwende Deine Jugend“.

Erst später fiel mir auf, dass doch etliche Songs von der DEUTSCH AMERIKANISCHEN FREUNDSCHAFT am heutigen Abend fehlten. Gerade die aktuelleren vom Album „15 neue DAF Lieder“ wurden nicht berücksichtigt. Und auch „Der Mussolini“ kam nicht zum Einsatz. Vielleicht zurzeit auch unpassend, wenn man sich anschaut, was nur knapp vier Tage später bei der Wahl in Italien passiert ist.

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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