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DANBERT NOBACON – BETTINA SCHELKER

Ort: Münster - Baracke

Datum: 20.10.2007

DANBERT NOBACON kommt nach Münster! Nachdem mir bereits das Soloalbum „The Library Book of The World“ des CHUMBAWAMBA-Members ausnehmend gut gefallen hatte, war es natürlich gar keine Frage, an diesem kalten Oktober Samstag die westfälische Friedensstadt aufzusuchen. Da die Homepage der „Baracke“ Pünktlichkeit anmahnte und mir der Ort des Geschehens nicht bekannt war, brach ich frühzeitig auf und enterte um 19.30 Uhr den leicht heruntergekommenen Beton-Zweckbau der ausgehenden 60er-/ beginnenden 70er Jahre, den die Verantwortlichen vermutlich mal der benachbarten Uni abgeschwatzt haben, um hier Basisdemokratie zu üben. Im Moment befanden sich allerdings nur Theken- und Kassenpersonal in dem schmucklosen Geviert mit rissigem Linoleumflickenteppich und karger Möblierung. Eine Stunde später kehrten dann immerhin schon mal Mr. NOBACON und seine Begleitung BETTINA SCHELKER, die als Support fungieren sollte, zurück. An einen pünktlichen Start um 20.00 Uhr, der angesichts der nachbarschaftlichen Lärmempfindlichkeit angestrebt wurde, war natürlich überhaupt nicht mehr zu denken. Es sollte auch noch eine geschlagene Stunde dauern, bis es dann endlich losging, sehr übersichtliche zehn zahlende Gäste, die überwiegend dem studentischen Milieu zugerechnet werden dürften, fanden sich nach 21.00 Uhr noch ein, um zuerst Frau SCHELKER aus der Schweiz zu lauschen.

Bettina, die bereits in der Vergangenheit mit CHUMBAWAMBA auf Tour war, eröffnete ihre 45 Minuten mit dem Song „Zurück“ ihres 2004er Albums „Willkommen“, nachdem sie ihre sehr privat anmutende Zuhörerschaft ebenfalls willkommen geheißen hatte. Es ging recht flott mit deutschen Texten los, dann folgte das englischsprachige Stück „My Baby Can’t Keep A Secret“ und das etwas ruhigere „Me“. Ähnlich ging es auch mit dem Titel „Hello“ weiter, der auf dem neuen Silberling „The Honeymoon Is Over“ der Schweizer Singer/ Songwriterin vertreten ist und ursprünglich mal „Talk“ heißen sollte. Brandaktuell war auch der Titel „Looks & Signs“, den CHUMBAWAMBA-Sänger Boff Whalley für Bettina und ihre Frau Ina Nicosia, eine amerikanische Profi-Basketballerin geschrieben hat. Ein tolles Lied, welches Bettinas schöne und kraftvolle Stimme hervorragend zur Geltung brachte und mit langanhaltendem Applaus belohnt wurde. Einen absoluten Live-Titel, den es auf keiner Aufnahme gibt, hatte der rothaarige Lockenkopf mit dem „Düdüdüt-Song“ auf Lager. Einmal mehr in deutscher Sprache (die Schweizer Mundart hatte sie sich heute aber zumindest auf der Bühne verkniffen) und in angenehmem Tempo und schon überzeugte „Atem“ vom vorletzten Silberling mit abwechslungsreichem Gitarrenspiel. Inzwischen war auch schon die Zeit für das letzte Stück der sportlichen Eidgenössin gekommen, die daheim auch als Boxerin von sich Reden gemacht hat. „The Honeymoon Is Over“ setzte einen musikalischen Glanzpunkt auf die Darbietung, der aber trotz der vorgerückten Stunde auf Nachfrage noch eine Zugabe folgte. Das Auditorium hatte die Wahl zwischen einer Ballade und einem funkigen Stück und entschied sich natürlich für die Ballade. Kommt ja auf der Akustikgitarre irgendwie auch viel besser, außerdem in so einem kleinen Kreis… So gab es auf jeden Fall noch „Angeline“ vom Silberling „Klischee“ zu hören, bevor auf der Stage ein fliegender Wechsel stattfand.

Setlist BETTINA SCHELKER
Zurück
My Baby Can’t Keep A Secret
Me
Hello
Looks & Signs
Düdüdüt-Song
Atem
The Honeymoon Is Over

Angeline

Nur rasch die Mikroständer auf die richtige Arbeitshöhe gebracht, die eigene Gitarre ausgepackt und schon legte der glatzköpfige Querkopf DANBERT NOBACON los. Den Anfang machte „The Last Drop In The Glass“, bei dem Danbert seine Stimme schon mal böse knurren lassen konnte. Auch beim folgenden „Straight Talk“ bewegte sich der Gesang ein ums andere Mal in diese Richtung, dann erzählte uns der Brite allerdings erst einmal die Geschichte, wie Putin und Blair gemeinsam durch einen Park spazierten und für die Presse so taten als unterhielten sie sich gut. Dabei spricht der eine nur Russisch und Deutsch und der andere nur Englisch und Französisch. Aber Show ist ja bekanntlich alles. In der nicht wirklich anheimelnden Baracke hätten Blender allerdings heute Abend nicht viele Möglichkeiten gehabt. Verstecken oder Faken war kaum möglich, das hatte Herr Nobacon auch gar nicht nötig. Seine Akustikgitarre im Anschlag und seinen scharfen Verstand benutzend, erzählte er noch die ein oder andere Geschichte mehr und zauberte dazu auf den sechs Saiten die passenden Melodien. So erfuhren wir von seiner Fernbeziehung, die 1995 seine Telefonrechnung in derart astronomische Höhen stiegen ließ, so dass er bald besser in den Flieger in die USA hätte steigen können und als Gutenacht-Geschichte gab’s noch die Story vom lachenden Polizisten, die Danbert jedoch eine neuerliche Zornesfalte auf die Stirn trieb. Nicht weniger problematisch stellen sich die Klimaveränderungen dar, denen er „Wasp In November“ gewidmet hat. Ein Song, den Mr. NOBACON 2003 geschrieben hat, als er wochenlang in Großbritannien geregnet hat. Ein Zustand, den die Insel in diesem Jahr erneut zur Genüge erleben musste und der auch den Münsteranern nicht fremd ist. Inzwischen hatten sich die Uhrzeiger unbarmherzig auf 23.00 Uhr vorgearbeitet und in Hinblick auf die einzuhaltende Nachtruhe musste Danbert bereits mit dem regulären Set schließen. Der Nachbarschaftsfrieden wurde noch mir einer schnellen Zugabe auf die Probe gestellt, sollte sich aber alles im Rahmen bewegt haben, da es innerhalb der Baracke nicht übermäßig laut zur Sache ging und die Zuschauer sich bis auf ihre Beifallsbekundungen vermittels Akklamation ruhig verhielten.

Beim nächsten Mal würde ich einfach mal einen pünktlicheren Start empfehlen, dann stehen auch die Musiker nicht so unter Zeitdruck. Weshalb so wenig Leute den Weg an den Aasee gefunden habe, kann ich nur vermuten. Dass die Veranstaltung lt. Plakat von den „Kulturbanausen“ und den „Unilesben“ präsentiert wurde, dürfte nicht problematisch gewesen sein, eher scheint es ein wenig an Werbung gemangelt zu haben. Der Eintritt von EUR 4 (ermäßigt) bzw. EUR 9 sollte zumindest niemanden abgeschreckt haben. Ok, die Location hätte gerade ob der geringen Anzahl der Gäste etwas lauschiger ausfallen dürfen, aber so ein gewisser abgetakelter Zweckbau-Charme hat ja auch was, oder?

Setlist DANBERT NOBACON (ohne Anspruch auf Vollständigkeit!)
The Last Drop In The Glass
Straight Talk (Meet Frank)
Three Barrels Full
Johnny Walker
Déjà vu
Shoes
Wasp In November
Rock’N’Roll Holy Wars

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