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DARK ELEKTRO NIGHT FESTIVAL

Ort: Bielefeld - Movie

Datum: 02.09.2016

Anfang September ist normalerweise meteorologischer Herbstanfang und die Zeit der Open Air Veranstaltungen eigentlich vorbei, so dass Konzerte wieder in der Halle stattfinden können. Normalerweise! Dieses Jahr ist irgendwie alles anders, da werden große Festivals aufgrund von schweren Gewitterschauern abgesagt und Anfang September ist bestes Festivalwetter, doch jetzt ist es wieder Zeit für Indoor-Veranstaltungen. So machte ich mich an diesem viel zu warmen Freitagabend auf ins Movie und musste feststellen, dass es in der Halle noch viel heißer war als draußen.

Überpünktlich um 21 Uhr betraten POS.:2 die Bühne und die schon recht gut gefüllte Halle kam in den Genuss des Electropops des Duos aus Ostwestfalen. Thorsten und Matthias gaben in den folgenden 45 Minuten mit den Songs „Tonight“, „Sleepless“, „Neonlicht“, „The Game“ und der am heutigen Tage veröffentlichten Single „So Lonely“ einen kleinen Vorgeschmack auf das im Oktober bei Echozone erscheinende Album „Circuits“. Aber auch Stücke des Debüts „Now!“ aus dem letzten Jahr schafften den Weg auf die Setlist. Der Sound des Duos geht so Richtung 80`s mit viel Charme der 90er. Wer immer noch die Musik von Combos wie STATEMACHINE, ELEGANT MACHINERY, PAGE, DISTAIN! oder die frühen MESH mag, kommt an POS:.2 nicht vorbei.

Setlist POS.:2
No Time To Waste
Tonight
Friends
Sleepless
Neonlicht
Only Electropop
The Game
So Lonely
Darkroom

Mit INTENT:OUTTAKE wurde es jetzt, getreu dem heutigen Motto, wirklich dunkel im Movie. Mit ihrem in Leipzig beheimateten Projekt standen Andreas (key) und Bastian (voc) völlig vermummt in schwarzen Gewändern auf der spärlich beleuchteten Bühne und präsentierten dem Publikum ihren Dark Elektro. Schon nach dem zweiten Song „Before I Go” vom Debutalbum “Wake Up Call” bedankte sich Bastian überschwänglich bei den Anwesenden. Clever, so die Leute vorab und diskret zum Mitmachen zu animieren. Was auch super gelang, denn ab diesem Zeitpunkt waren die Besucher voll bei der Sache und es gab sogar ein Pärchen, das fast jeden Song lautstark mitsang. Mittlerweile hatten sich die beiden Protagonisten auf der Bühne ihrer Umhänge entledigt und musizierten weiter durchs Programm. Auch sie können auf ein Repertoire von zwei Longplayern zurückgreifen, wobei “About Halos” brandneu ist. Die performten Tracks wie z.B. „Im Namen Des Herrn“, „Belüge Mich Nicht“ , „Die Angst“ oder „Neustart“ sind nicht nur für die Tanzfläche bestimmt, sondern sollen auch zum Nachdenken anregen. Es gibt leider nicht nur positive Sachen auf dieser Erde, und das führen uns die beiden Herren eindrucksvoll mit ihren Stücken vor Augen. Nach einer knappen Stunde Spielzeit verließen die Beiden die Bühne, aber mit „Seek And Destroy“ war auch eine lautstark geforderte Zugabe drin.

Setlist INTENT:OUTTAKE
Equilibrium
Before I Go
Im Namen Des Herrn
Der Mammon
Die Angst
Der Letzte Tanz
Neustart
Evolution
Salt In Their Wound
The Edge
Belüge Mich Nicht
Durch Meine Augen

Seek And Destroy

Nach einer weiteren kurzen Umbaupause stand mit ME THE TIGER der Headliner auf der Stage, aber man war noch nicht ganz bereit, anzufangen. Beim kurzen Soundcheck fiel auf, dass mit der Gitarre etwas nicht stimmte. Ein Kabel quittierte seine Arbeit und wurde ausgetauscht, die Gitarre bedankte sich danach ungewollt mit einer Höllenrückkopplung, das Startsignal für den Auftritt der Schweden! Das Saiteninstrument schien noch ganz andere Kräfte freizusetzen, denn sobald sich Tobias Andersson das Teil umschnallte, sprang er wie ein Berserker über die Bühne. Man merkte sofort, dass diese für ihn eigentlich viel zu klein war, und so war es auch kein Wunder, dass Drummer Jonas Martinsson mit seinem Gerät in die hinterste Ecke verfrachtet wurde, damit stand Tobias noch mehr Platz zur Verfügung. Sorgen musste man sich auch um die schwangere Sängerin Gabriella Åström machen, sie stand eigentlich auch im Weg. Mit ihrer fantastischen, klaren Stimme war sie der ruhige Gegenpol zum umtriebigen Gitarristen und mit „Dreams“ gab es einen wundervollen Auftakt ihrer einstündigen Show in der Stadt, die es eigentlich gar nicht gibt. Auch das hat sich mittlerweile bis nach Schweden rumgesprochen. Mit „Pocket Sized Edition Ending“, „Slottet”, „Ariana” und “Ambulance Disco Light” präsentierten MTT Stücke vom gerade veröffentlichten selbstbetitelten Album. Aber auch das ebenfalls hochgelobte Debüt “Vitriolic” kam nicht zu kurz, denn mit „Myheroine“, „2013, It`s Finally Over“, „Never Said I” und “What Promises Are Worth” performten die drei etwas ältere Songs aus ihrer bisher kurzen Karriere. Mit ihrem Elektropop erinnert mich das Trio etwas an die bayrische Formation CLAIRE. Ab und an wechselte Herr Andersson – der alle Songs selbst geschrieben hat – das Arbeitsgerät und übernahm das Keyboard, während sich Jonas zum Bühnenrand begab und einem Mädel aus der ersten Reihe ein Shirt überreichte. Mit dem grandiosen „All We Had” verabschiedeten sich die Skandinavier vom begeisterten Publikum, aber es wurde noch eine Zugabe gefordert. Dies wurde umgehend erfüllt, mit „Like Feathers“ und „Everything I Am“ ging`s dann wirklich in die letzte Runde. Tobias hatte dann noch das Bedürfnis, seine Gitarre los zu werden, in dem er dem Mädel mit dem geschenkten T-Shirt das Plektron in die Hand drückte, um auf dem Instrument rum zu schrammeln. Doch damit nicht genug, sie musste noch auf die Bühne und dort weitermachen. Tja, da musste sie doch tatsächlich für das Geschenk „arbeiten“…

Setlist ME THE TIGER
Dreams
Pocket Sized Edition Ending
Myheroine
Slottet
Ariana
Headlines
Ambulance Disco Light
2013, It`s Finally Over
Never Said I
What Promises Are Worth
As We Really Are
All We Had

Like Feathers
Everything I Am

Die Zeit der obligatorischen Festivals im Sommer wie z. B. das M`era Luna oder das Amphi sind vorbei, und schon jetzt verkünden die Veranstalter ihre Acts für das Jahr 2017. Und Hoppla, was für eine Überraschung: Da spielen doch die gleichen Künstler, die irgendwie schon immer dort spielen, also alles beim Alten, da ist fast nix Neues dabei. Und schon seit Jahren die gleiche Diskussion unter den Gothics, Wavern und EBMlern, warum nicht mehr Newcomern die Chance gegeben wird, dort zu spielen. Es gibt zwar Ansätze wie im Falle von ME THE TIGER, die beim diesjährigen M`era auftraten, aber zur Mittagszeit „verheizt“ wurden. Es gehört also eine Menge Mut und Enthusiasmus dazu, dieses Risiko einzugehen und das beweist seit einigen Jahren DJ Thomas Wave, indem er immer wieder solche eher unbekannteren Künstler nach Bielefeld holt. Dafür verdient er meinen vollen Respekt denn sonst wäre hier, was „schwarze“ Musik betrifft, nicht mehr viel los. Dafür noch einmal vielen Dank an den Veranstalter und sein ganzes Team.

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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