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DARKNESS OVER X-MAS 2009

Ort: Herford - X

Datum: 28.12.2009

SWASHBUCKLE

Nachdem DEADLOCK sehr pünktlich angefangen hatten und für uns damit leider dem langwierigen Einlass-Prozedere zum Opfer fielen, stand mit den Piraten-Thrashern SWASHBUCKLE nun die erste Band auf dem Plan. Und auch wenn man das Trio in den Freibeuter-Outfits optisch nur schwer ernst nehmen kann, sollte man dies musikalisch in jedem Fall. Denn mit u.a. „Walk the Plank“ und „No Prey, No Pay“ kennen die Amis keine Gnade und ballern brachiale Frontalgeschosse in die schon sehr gut gefüllte Halle und dabei natürlich besonders in die ersten amtliche Circe Pits und Wall of Deaths im Innenraum. Inhaltlich boten die drei ein recht direktes und deutlich von den Thrash-Helden SLAYER und ANTHRAX beinflusstes Metal-Brett und die engagierten Aufforderungen des schwergewichtigen Bass-Piraten brachten schnell Bewegung in die Metal-hungrige Meute. Da machte es auch nichts aus, dass der Sound recht matschig von der Bühne donnerte.
(Fafnir)

DARK TRANQUILLITY

Nicht nur für mich waren die schwedischen Death Metal-Pioniere im Vorfeld sowas wie die heimlichen Headliner. Mit 20 Jahren Erfahrung, einem Backkatalog voller starker Alben und Musikern, die nicht nur zu den besten gehören, sondern abseits wie auch auf der Bühne super-sympathisch rüberkommen, sind DARK TRANQUILLITY an sich schon eine Headliner-Band, die Hallen dieser Größe durchaus füllen kann. So war es mittlerweile rappelvoll im Herforder X und junger Metal-Nachwuchs drängte sich dicht an Langhaar-Veteranen, als die Schweden in einem satten Sound loslegten. Und gleich vom Start an bewiesen DT mal wieder ihre Klasse. Niklas Sundin und Martin Henriksson brillierten mit satten Riffattacken und starken Melodien, Neu-Basser Daniel Antonsson ist nicht nur spielerisch ein wahrer Gewinn und Key-Mann Martin Brändström sowie Drummer Anders Jivarp zogen im Hintergrund gekonnt die Fäden. Allen voran stürmte allerdings Ober-Sympath Mikael Stanne, der nicht nur mit eindringlichen Growls überzeugte, sondern mal wieder herrliche Posen zum besten gab und nicht müde wurde, sich glaubhaft für durchweg positiven Fan-Reaktionen zu bedanken und ein baldiges Wiederkehren zu versprechen. Gut so, denn nicht nur der neue Song „Dream Oblivion“ macht Lust auf das neue Album plus Tour, sondern auch die noch immer packenden „Lesser Faith“ und „The Wonders that you feel“, das eingängige „Misery’s Crown“, sowie die kantigen Meisterwerke „Final Resistance“, „Focus Shift“ und „Lost to Apathy“ verlangen nach einer baldigen Rückkehr auf deutsche Bühnen, auf denen dann auch sicherlich wieder mehr alte Granaten ausgepackt werden. Und so sprang Mr. Stanne nach den viel zu mageren 40 Min. und dem obligatorischen Knaller „Terminus“ auch dieses Mal wieder zu den Fans und bedankte sich bei vielen persönlich per Handschlag. An diesem Auftreten kann sich so manch kleinere wie auch größere Band noch was abschneiden. Kaum eine Combo mit diesem oder gar kleineren Status verhält sich heutzutage noch so. Wieder mal Daumen hoch auf ganzer Linie!
(Fafnir)

HEAVEN SHALL BURN

Als vorletzte Band an diesem nachweihnachtlichem Konzertabend gab es dann den bereits vorweg genommenen Headliner HEAVEN SHALL BURN. Vorweggenommen deshalb, weil meiner Meinung nach HSB deutlich die Oberhand gegenüber CALIBAN hatten, insbesondere bei den Zuschauern über 16. Massenschwund bei diversen Gelegenheiten (z.B. bei der 2007er Ausgabe dieser Tour; oder jüngstes Beispiel: die diesjährige Beastfest Tour bei ihrem Halt in Münster) unmittelbar vor dem Headliner-Auftritt von CALIBAN bestätigen meinen Eindruck an dieser Stelle, doch wollen wir erst einmal abwarten: nun sollte ja erstmal der Himmel brennen. Ohne größere Vorwarnung ballerte „Counterweight“ aus den Rohren der komplett in schwarz gekleideten Instrumentalfraktion, während Sänger Marcus in leuchtendem weiß in die tosende Menge schrie. Doch so unschuldig, wie es sein Outfit vermuten lies, gab er sich dann doch nicht und positionierte sich recht eindeutig hinter Gitarrist Alex – „do it like they do on the Dicovery Chanel“ sang ja einst schon die BLOODHOUND GANG. Deren Liedgut sollte aber für den weiteren Verlauf keine Rolle spielen, statt dessen legte man – durch die so eben beschriebene Szene ja belegt – gut gelaunt die Club-Granate „The Weapon they fear“ nach. Weihnachtliche Trägheit suchte man vergebens, weder auf der Bühne,noch im Publikum. Das verlangte von Anfang an unentwegt nach einer Wall Of Death – und wer wären HSB, wenn sie dem nicht nachkommen würden. „Voice of the Voiceless“ untermalte das Branden der Menschenwellen in der Mitte des Raumes, so dass es den Herren SWASHBUCKLE sicher im Holzbein gekribbelt hat, da dabei zu sein. An Deck packten die Thüringer-Jungs unterdes weiter die Geschenke ihrer Setlist aus und beschenkten die Anwesenden nicht nur mit dem wunderschönen „Awoken“ sondern auch noch das dazugehörige, vom METAL-HAMMER zur Metal-Hymne 2009 gekürte „Endzeit“ – da lohnt es sich doch, ein Jahr brav gewesen zu sein. Besonders, wenn einem im Anschluss noch ein Schmankerl präsentiert wird, wie der Opener vom 2000er Debüt-Album „Asunder“, getauft auf den Namen „To Inherit the guilt“. Gewürdigt wurde das entsprechend mit einem reißenden Circle Pit, den wiederum Sänger Marcus mit „Wahnsinn! Ihr merkt, wie ihr uns anstachelt?!“ würdigte.

Zu Beginn wies der Shouter darauf hin, dass er und seine Kollegen ja noch nie zuvor in Herford gespielt und von anderen Bands (nicht ganz zu unrecht) gehört hätten, dass es hier recht schwierig sei, etwas zu bewegen. Doch das wollten die Ticketzahler so nicht auf sich sitzen lassen und zeigten sich in Bestform. „Forlorn Skies“ brachte den Großteil der eigentlichen Tanzfläche zum springen und Fronter Marcus bekam das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht: „Ihr seit auf dem besten Weg, das beste Publikum der Tour zu werden“. Sprach es, und wirkte dabei nicht wie beim Aufsagen einer typischen Konzert-Floskel. „Unleash Enlightment“ samt Intro folgte „The Disease“, während Gitarrist Maik den Circle Pit „dem Arschloch von eurem Ministerpräsidenten“ widmete. Bei „Like a thousand suns“ führte man dann mal eben einen „Square Pit“ (…oder so…) ein, der auch erstaunlich gut umgesetzt wurde. Ein riesen Spaß, den man von der Bühne ausbreitete und auf diese auch wieder zurück gegeben wurde. Der immer mal wieder fleißig mitgrowlende Herr Dietz an der Gitarre lies sich zum Konzert-Kultausfruf „SLAYER!“ und einem entsprechenden Riff verleiten, was Marcus mit „Bei uns gibt es sehr viele Coverbands, da muss man das verstehen“ erklärte, worauf Ali Dietz unter anderem mit „Smoke on the water“ gitarrentechnisch konterte. Auch nach Weihnachten werden Wünsche wahr, dachte man sich seitens der Besucher und kam so der Bitte nach einem Crowd-Teppichs zu „Of no avail“ nach, bei dem man vor allem die Mädels sehen wollte. Dem Aufruf folgten herrlich viele, so dass die fleißige Security noch mehr ins schwitzen kam als ohnehin schon, was diese teilweise mit gleichzeitig flehenden, wie auch drohenden Mittelfingern quittierten. Mit der Aufforderung, „die Szene weiterhin frei von Fascho-Freaks freizuhalten“, gab man noch einmal alles zum von den Rezipienten geforderten EDGE OF SANITY-Cover „Black Tears“ , so dass es sich Sänger Marcus nicht nehmen lies, seinerseits bei dieser Zugabe zu stage diven und abschließend noch sein Hemd zu verschenken (und damit die außerdienstlich anwesende Terrorverlag-Fotografin Tina mehr als glücklich machte). Ein wahnsinnig unterhaltsamer und Freude-machender Auftritt, bei dem die sympathischen Thüringer die Mängel am Sound in der Halle locker wett machten. Die Setlist war wie zu erwarten gespickt mit den typischen HSB-Krachern, wurde allerdings durch z.B. „To Inherit the guilt“ ein wenig aufgefrischt (sofern man mit älteren Sachen etwas frischer machen kann… der Abwechslung tat es jedenfalls gut). So kann ein Jahr doch wunderbar zu Ende gehen!
(Alexander Vogt)

Setlist HEAVEN SHALL BURN
Counterweight
The weapon they fear
Voice Of The Voiceless
Awoken
Endzeit
To Inherit the guilt
Forlorn Skies
Unleash Enlightment (+ Intro)
The Disease
Like a thousand suns
Of no avail

Black Tears

CALIBAN

Diesen Konzertabend beenden sollten dann die Jungs von CALIBAN. Wie bereits erwähnt, hatte ich aus Gewohnheit erwartet, dass das mehr als gut gefüllte „X“ nun ein wenig lichter (und somit auch aushaltbarer) werden würde, doch dies blieb weitestgehend aus. Mag zum einen daran liegen, dass Ferien sind, vielleicht ziehen die Mannen aus Hattingen a.d.R. hier aber auch einfach gut. Warum auch nicht, immerhin eröffnete man nach einem Intro direkt mit einem „Liebeslied“. Der zweite Song des aktuellen und starken Werkes „Say Hello To Tragedy“ hämmerte los und sorgte dafür, dass die Temperaturen sich gänzlichen von dem außerhalb des Gemäuers stattfindenden Trends lösten und weiter in die Höhe kletterten. Das Stück kam gut an und spricht für den Erfolg, den man mit dem jüngsten Album verbuchen konnte. Weiter ging es mit „My time has come“ vom Vorgänger-Silberling „The Awakening“ und damit mit einem meiner persönlichen Lieblingssongs der Truppe, bei dem dann auch erstmals an diesem Abend Gitarrist Denis Schmidt zum Clean-Gesang ansetzte. Dass der live nun einmal nicht wirklich überzeugt, dürfte hinlänglich bekannt sein, gerade der sehr ruhige Gesangspart im zweiten Drittel der Komposition ist da kritisch. Doch über die Dauer des Auftritts hinweg wurde dieser Streitpunkt wieder nicht all zu laut heraus gemischt, so dass dieser dieses Mal nicht zu sehr ins Gewicht fiel. Viel mehr Gewichtung legte man dafür auf Breakdowns und Groove, welche bei „It’s our burden to bleed“ einmal mehr aufs Feinste kredenzt wurden. Anschließend nahm sich Herr Dörner Zeit, die Besucher auf der Darkness Over X-Mas Tour willkommen zu heißen (wenn auch eine derartige Begrüßung bei der letzten Band etwas befremdlich wirkt) und freute sich, wieder einmal in Herford zu sein, „ist schon lange her“. Anschließend stimmte er dann auf die Dinge ein, die da noch kommen sollten: „Wie viele Wall Of Deaths hattet ihr heute schon? Eine? Zwei? Drei? Egal, macht noch eine!“ Und siehe da, der Titel des dazu gehörigen Klangwerks passte wie die Faust aufs Auge (im wahrsten Sinn): „No one is safe“.

Ob nun dabei oder Aufgrund der enormen Hitze weiß ich nicht genau, jedenfalls musste leider eine Person von den wachsamen Johannitern erst einmal heraus getragen werden, schien auf den ersten Blick nichts Ernsteres zu sein – wir wünschen trotzdem gute Besserung. Ebenfalls ein passender Titel für diese Aktion dann beim folgenden „I will never let you down“ inklusive Händeschwenken auf und vor der Bühne. Weniger harmonisch legte man mit dem Brecher „I’ve sold myself“ nach, der ja früher den Soundtrack zur Wand des Todes lieferte. Doch der Song bietet natürlich auch so genug Zündstoff, um den Pit anzuheizen. CALIBAN gaben sich wie gewohnt routiniert und fast schon zu abgeklärt, vor allem Gitarrist Marc Görtz sieht man die Spielfreude aber noch deutlich an. Jene Spielfreude brachte dann neben „I rape myself“ noch die beiden „Say Hello To Tragedy“-Hits „24 Years“ und „Caliban‘s Revenge“ ins Rennen, um den Leuten auch noch die letzten Festtagskalorien zu rauben. Nach Standpunktsbekundungen wie „Vandalismus ist scheiße!“ läutete man dann mit „Nowhere to run, no place to hide“ und „Forsaken“ die Endphase eines recht straighten Auftritts ein, der mit dem Knaller „Nothing is forever“ auch durch seine netten Pyro-Effekte zum Highlight avancierte. „Wir wollen nicht zu lange machen, viele von euch müssen ja morgen wieder zu Arbeit“ schürte die Hoffnung all derer, die noch nicht genug hatten und dann auch nicht enttäuscht wurden: mit einem dreifachen „Where is the…“ – „LOVE!“ wurde der Durchbruchs-Hit „The beloved and the hatred“ entfesselt und die Bestie mit „The Revenge“ dann endgültig erlegt. Ein ordentlicher Auftritt mit den gleichen Mankos in Sachen Sound, so quälten sich die Boxen vor lauter Wucht während der Kompositionen schon arg und weiter hinten verstand man die Ansagen von Sänger Andreas Dörner nur Bruchstückhaft. Die Setlist bot keine wirklichen Überraschungen, was bei einem „Jahresabschluss“ aber auch nicht weiter schlimm ist, Hauptsache es durfte getobt werden!

Ein Großteil der Weihnachtspfunde dürfte bei den meisten weggemosht worden sein, der Rest hat es sicherlich ausgeschwitzt, dazu noch feine Musik, die glücklicherweise ganz weit weg von WHAM!s Folter-Hit „Last Christmas“ anzusiedeln ist – auf eine hoffentlich ebenso nette Darkness Over X-Mas Tour 2010!
(Alexander Vogt)

Setlist CALIBAN
Love Song
My time has come
It’s our burden to bleed
No one is safe
I will never let you down
I’ve sold myself
I rape myself
24 Years
Calibans Revenge
Nowhere to run, no place to hide
Forsaken
Nothing is forever

The beloved and the hatred
The Revenge

Copyright Fotos: Michael Werneke

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