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DAS ICH – BEATI MORTUI – INLINE.SEX.TERROR

Ort: Herford – X

Datum: 04.10.2008

Endlich machten DAS ICH wieder Station in Ostwestfalen, nachdem sie vor 14 Jahren (!) im unvergessenen Bielefelder PC69 das letzte Mal in unmittelbarer Umgebung des Teuto aufgespielt hatten. Wo bin ich nicht überall hingefahren, um ihre Show zu sehen: zum M’era Luna nach Hildesheim, nach Krefeld, nach Leipzig etc. Und an diesem Abend also endlich mal wieder in unmittelbarer Nachbarschaft – im Herforder X.

Mit im Gepäck hatten DAS ICH gleich zwei Vorbands, natürlich aus dem Hause Danse Macabre – BEATI MORTUI aus Finnland und die Griechen INLINE.SEX.TERROR. Gerade letztere Combo hatte einen schweren Stand als erste Vorband. Die paar Leutchen, die schon anwesend waren, verkrochen sich in die hinterste Ecke der Mainhall und überließen dem Trio die Bühne und den kompletten Tanzboden des Xs. Mastermind DV/H (aka george.h) mühte sich redlich, den Hellectro, den die drei zelebrierten, dem Publikum näher zu bringen. Ihr aktuelles Album „11:11“, das sich derzeit auf einem Platz 8 der DAC befindet, interessierte an diesem Abend allerdings niemanden. Nach ca. 4 Titeln gab das Trio entnervt auf. Erst hier gab es Applaus, vielleicht haben sich die Griechen dadurch erschreckt und sofort die Bühne für BEATI MORTUI freigemacht.

Die kamen schon besser an als ihre Vorgänger. Druckvoll begannen Lilitha an den Tasten, Jarno an der Gitarre und Sami am Bass ihr Set. Wenig später enterte Sängerin Maria, bekleidet mit einer Gesichtsmaske und auf gefühlten meterhohen Plateauschuhen, die Bühne. Ihre Stimme, mal schreiend, mal flüsternd aber immer düster harmonierte sehr gut mit den harten Klängen. Auch sie promoten ihren aktuellen Longplayer „All But Dreams Will die“, der bereits sehr gute Kritiken seitens der Presse bekam. Vereinzelt kamen jetzt die ersten Mutigen aus dem hinteren Teil der Halle nach vorne, um die Vier von Nahem zu sehen. Ja, es wurde sich sogar zur Musik bewegt. Nach einer halben Stunde verabschiedeten sich „Gesegnet seien die Toten“, so die lateinische Übersetzung des Bandnamens.

Gegen 21 Uhr sprangen dann der blutverschmierte Metzger Marty auf die Bühne, gefolgt von Bruno und Stefan und verkündeten lautstark: “ Hier sind wir, es geht los“. Und siehe da, der Platz vor der Bühne füllte sich zusehends, ich würde sagen, etwas mehr als 250 Nasen waren jetzt anwesend. Das Spektrum reichte vom Goth bis zum Punk. Als Opener schallte die vor einer Woche veröffentlichte Single „Kannibale“ aus den Boxen. Leider, so schien es, waren sie mit der abgespeckten Version ihrer ansonsten opulenten Bühnenausstattung unterwegs. Die Synthis befanden sich auf kleinen, fahrbaren Pulten und der aufwendige Mikroständer, Stefans Markenzeichen, fehlte ganz. Dafür erschien er wie immer mit nacktem, rot getünchtem Oberkörper, mit den obligatorischen Ballettschuhen und mit einer neuen Frisur. Die etwas längeren, gegelten Haare, die er zur Festivalzeit trug, sind zum Glück der Schere zum Opfer gefallen. Statt dessen glänzte er mit einem, sagen wir mal, zweiteiligen Iro. Gleich zu Anfang gab es Probleme mit der Monitorbox – aber davon ließen sich die Drei nicht großartig stören, sondern gingen weiterhin routiniert zu Werke. Während sich Herr Ackermann unnachahmlich mit vollem Körpereinsatz am Mikro austobte, kamen auch die anderen beiden an den Keys gehörig ins Schwitzen. Im Laufe des Gigs präsentierten die Bayern eine kleine Werkschau ihres musikalischen Schaffens. Nicht fehlen durften die Klassiker (ja, diese Songs sind fast unsterblich 😉 ) „Kindgott“, „Kain und Abel“ und natürlich „Gottes Tod“. Damit war nach ca. einer Stunde auch schon Schluss mit dem regulären Set. Aber einen hatten Stefan, Bruno und Marty noch in petto: Mit „Destillat“ beendete das Trio einen für ostwestfälische Verhältnisse viel umjubelten Konzertabend.

Dieser hätte meiner Meinung nach noch etwas länger gehen können, denn Material haben DAS ICH ja genug. Aber zum einen war gegen 22 Uhr der Discobetrieb angesetzt und außerdem war die Stimmung im X (laut Bruno) um einiges schlechter als bei den beiden Gigs in Rostock und Leipzig. Das mag vielleicht auch ein Grund gewesen sein, weshalb die drei nicht noch einen oder zwei Titel mehr gespielt haben. Erschreckend fand ich persönlich die Ignoranz des Publikums gegenüber der ersten Band. So etwas habe ich bis jetzt noch nicht erlebt. INLINE.SEX.TERROR werden sich sicher geärgert haben, ihre Tänzerinnen zu Hause gelassen zu haben. Wären diese, wie auf ihrer Website www.inlinesexterror.com zu sehen, mit an Bord gewesen, ich glaube da hätten einige nicht nur große Augen bekommen…

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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