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DEAD CAN DANCE

Ort: Gelsenkirchen - Amphitheater

Datum: 21.06.2013

Als DEAD CAN DANCE 2012 nach 16 Jahren erstmals wieder ein Studioalbum veröffentlichten, waren die Fans aus dem Häuschen. Die seinerzeit fünf Konzerte in Deutschland waren innerhalb kürzester Zeit restlos ausverkauft. Nun gab sich das britisch-australische Duo Lisa Gerrard/ Brendan Perry diese Tage erneut die Ehre und ludt in ausgesuchte Locations ein wie der Jungen Garde in Dresden oder in den Hamburger Stadtpark. Wir hatten uns für das direkt am Rhein-Herne-Kanal gelegenen Amphitheater in Gelsenkirchen entschieden, vielen bestens vom Blackfield Festival bekannt.

Noch an der Autobahnabfahrt Gelsenkirchen freuten wir uns nach 2 Tagen voller Unwettern über die Trockenheit und den ausgebliebenen Freitag-Feierabend-Ruhrgebiets-Stau, noch eine gute halbe Stunde Luft und das Navi zeigte nur noch 1,2 km bis zum Ziel an. Doch ab hier ging dann nichts mehr. Nur noch im Schneckentempo krochen wir Richtung Parkplatz, derweil die Minuten nur so rannten. Machten wir einen Auffahrunfall 500m vor uns zunächst als Ursache aus, gesellte sich am Eingang des Parkplatzes noch ein weiteres Nadelöhr hinzu, denn hier wurde jedes Auto zur Kasse gebeten. Daneben 4 Gestalten in Ordnerwesten, die offenbar nichts zu tun hatten, während man sich auf dem Parkplatz nun selbst auf die Suche nach noch einem freien Plätzchen machen musste. Eine hektisch umherirrende Ordnerin konnte hier auch nicht helfen, also das Auto quer in die Pampa gestellt und ab zum Pressecounter. Doch schon auf halben Wege (es war ein paar Minuten nach 20 Uhr – dem angekündigten Beginn der Veranstaltung) machte ich die ersten Töne von DEAD CAN DANCE aus und nur ein beherzter Sprint unseres Fotografen machte es möglich, auch Fotos vom nun folgenden Konzert mit nach Hause zu bringen.

Den angekündigten Support DAVID KUCKHERMANN, der nun als Percussionist von DCD seinen Dienst versah, hatte man offensichtlich schon vor halbleeren Rängen spielen lassen. Wie schade, ich hatte mich auch auf diese Performance sehr gefreut. Da die Autoschlange hinter uns bei weitem noch kein Ende hatte, kann man sich die erste Viertelstunde des Konzerts lebhaft vorstellen. Etliche Leute, die im bestuhlten Rund entnervt genau ihren von 3000 Klappstühlen suchten, was für Lisa und Brendan genauso wenig konzentrationsfördernd gewesen sein dürfte, wie für das bunt-schwarz gemischte Publikum, das so erst nach und nach in den Klangkosmos von DEAD CAN DANCE eintauchen konnte.

Und hier zogen Frau Gerrard und Herr Perry nebst 5-köpfiger Begleitband vom ersten Ton an alle Register. Müßig auf jeden Titel einzeln einzugehen, so ein Abend will als Einladung zum ganz privaten Kopfkino verstanden werden. Songs des aktuellen Albums „Anastasis“ wurden dazu stilsicher in ihrer Stimmung mit alten Klassikern verwoben. Der Einstieg war orientalischer Natur, gleich bei „Rakim“ kam dann das Yangqin, ein chinesisches Hackbrett zum Einsatz, das zu den stilprägenden Instrumenten von DCD gehört und eine geradezu mystische Stimmung entstehen ließ. Bei „Sanvean“ stand Lisa allein im Rampenlicht, wie immer schön wie eine griechische Göttin und mit einer Stimme nicht von dieser Welt. Ihr auf dem Fuße dann die Antwort von Brendan mit seiner volltönenden Darkwave-Stimme und „Black Sun“ vom 1990-Album „Aion“. Das Publikum schenkte jedem Song vollste Aufmerksamkeit, um erst nach dem Verklingen des letzten Tones mit kräftigem Applaus zu reagieren. Es folgte ein dynamischerer Part, der die Traumreise Richtung Afrika fortsetzte, gefolgt von „The Host of Seraphim“, das DCD ihrem verstorbenen Freund Stanley widmeten und vom Auditorium mit stehenden Ovationen bedacht wurde. Danach legte Herr Perry einen Stop in Griechenland ein. Denn nun stand mit „Ime Prezakias“ ein Rempetiko-Stück auf dem Programm, dessen Text den Genuss von Drogen zum Vergessen der Alltagssorgen nahelegt, von Brendan wunderbar dargeboten. Nach einem weiteren Klassiker der Bandhistorie „Cantara“ verließ Lisa bereits die Bühne, was in sofern bei uns ein wenig Erstaunen auslöste, da nach dem nun folgenden „All in good time“ mit Herrn Perry am Mikrophon bereits das reguläre Set endete und Frau Gerrard so den auch ihr zugedachten frenetischen Applaus für niemanden sichtbar entgegen nahm.

Lange brauchten die Fans nicht auf den Zugabenteil warten, der mit „The Ubiquitous Mr. Lovegrove“ vom 1993er Album „Into the labyrinth“ eröffnet wurde. Danach wurde es noch einmal sehr andächtig für Lisas „Dreams made flesh“, eher von THIS MORTAL COIL bekannt. Auch das TIM BUCKLEY Cover „Song to the siren“ passte sich gut ins Set ein, bis der Abend mit „Return of the she-king“ und Blumen für Lisa ein viel zu frühes Ende fand.
Ich war sicher nicht die Einzige, die noch Stunden hätte weiter zuhören können, jetzt, wo es endlich dunkel wurde, sich der Herzschlag der Musik angepasst hatte und es zum Glück keinen Tropfen geregnet hatte. Im Hintergrund tuckerten die Lastkähne in Zeitlupe vorbei, Ente und Gänse flogen durchs Bild, die Töne des Yangqin klangen noch im Ohr, wer will da zurück auf die Autobahn? Wie wenn nach einem schönen Kinofilm jäh das grelle Saallicht angeht, fand man sich zu schnell wieder im Hier und Jetzt und die vergangenen 2 Stunden schienen wie ein einziger Wimpernschlag vorbeigezogen.

Also Daumen hoch für ein wunderbar verzauberndes Konzert, das wir ohne die geschilderten Unwegsamkeiten noch ein bisschen mehr genossen hätten.

Setlist
Children of the sun
Agape
Rakim
Kiko
Amnesia
Sanvean
Black Sun
Nierika
Opium
The host of Seraphim
Ime Prezakias
Cantara
All in good

The Ubiquitous Mr. Lovegrove
Dreams made flesh
Song to the siren (TIM BUCKLEY Cover)
Return of the she-king

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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