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THE DEAD SOUTH – MAX PAUL MARIA

Ort: Münster – Fachwerk

Datum: 22.11.2015

“Pop Am Sonntag” heißt eine musikalische Reihe im Münsteraner Stadtteil-Cafe Fachwerk in Gievenbeck. Dort spielen zur nachmittäglichen Stunde Bands zu einem Tanztee der etwas anderen Art auf und wer an diesem Sonntag während des Konzertes Kaffee und Kuchen verzehren wollte, musste dies schon im Vorraum machen, denn auf der Diele mit ihrer kleinen Bühne war dafür eindeutig kein Platz mehr. In Westfalen wird augenscheinlich auch „Inas Nacht“ gesehen, wo vor einiger Zeit THE DEAD SOUTH aus dem fernen Kanada zu Gast waren, die nicht nur die blonde Quasselstrippe begeistert hatten, sondern mit etwa 200 Besuchern auch für ein volles Haus im Fachwerk sorgten. Und für einen erheblichen Verschleiß an Gitarrensaiten…

Bis es dazu kam, verging allerdings noch ein wenig Zeit, denn zunächst einmal war es an MAX PAUL MARIA (ja, der Berliner heißt wirklich so), die Westfalen, die mit Kind und Kegel gekommen waren, auf den Besuch aus Sakatchewan einzustimmen. Dies tat er zunächst mit Akustikklampfe und Mundharmonika bewaffnet, um mit rauer Stimme Songs seines 2013er Debüts „Miles & Gallones“ vorzutragen. An 13 Abenden (bzw. natürlich auch Nachmittagen) fungierte der nachdenkliche Singer-Songwriter als Support für THE DEAD SOUTH und überzeugte mit hörenswertem Folk, der wie beim Liebeslied „Downtown“ mal ein wenig ruhiger ausfallen konnte, mitsamt E-Gitarre aber auch dezent Fahrt aufnahm (vgl. „Imaginary Landscapes“ mit viel Hall auf den Vocals). Das beschwingt-melancholische „Run Robert Run“ hatte er ursprünglich für einen Freund geschrieben, dem es zu dem Zeitpunkt richtig dreckig ging – dass es ihm inzwischen wieder besser geht und er jetzt Philosophie studiert, wurde vom Publikum mit einem Lachen und freundlichem Applaus aufgenommen. Auf der Zielgeraden gab sich „This Mess We’re In“ vergleichsweise aufgekratzt, womit schließlich entspannte 35 Minuten endeten und die Vorfreude auf Südstaaten-Folk – und Bluegrass aus dem nördlichen Kanada stieg.

Setlist MAX PAUL MARIA
Sweet Bird of Youth
Downtown
Il ne este qu a chanter
Figurines oder Arms Raised Wide
Imaginary Landscapes
Run Robert Run
Miles & Gallones
This Mess We’re In

Eine halbe Stunde später fanden sich Nate Hilts (Gesang & Gitarre/Mandoline), Scott Pringle (Gitarre/Mandoline & Gesang), Colton Crawford (Banjo & Bassdrum) sowie ein neuer Mann am Cello ein und nahmen zu einem eröffnenden Intro ihre Plätze an den Instrumenten ein. Temperamentvoll legte das Quartett mit „Banjo Odyssey“ von der 2013er EP „The Ocean Went Mad And We Were To Blame“ los und lange sollte es nicht dauern, bis bei Scott die erste Gitarrensaite riss. Der guten Stimmung tat dies keinen Abbruch, aber es wurden noch etliche neue Strings benötigt, weshalb zwischendurch auch einmal eine Suchmeldung nach Max durchgegeben werden musste, damit dieser sich um das Malheur kümmern konnte. Währenddessen ließen sich die Mannen in ihren schwarz-weißen Outfits nicht aus der Ruhe bringen und wurde mit viel Drive weiter musiziert. So durfte man sich über knackige Banjo-Sounds ebenso freuen, wie über den mehrstimmigen Gesang und lebhafte Cello-Klänge. Aber auch gepfiffen wurde – dafür kam Max erneut auf die Bühne, während sich die Kollegen jeweils eine Dose Bier aufmachten und zu tanzen begannen. Diese Performance gehörte zum fabelhaften „In Hell I’ll Be In Good“, meinem Favoriten vom letztjährigen Langspieldebüt „Good Company“, dem Fernseh-Deutschland bereits bei „Inas Nacht“ lauschen durfte. Auch in der Stadt des Westfälischen Friedens war die Nummer offenkundig nicht unbekannt. Es kam Bewegung in die Location und auch am Beifall wurde nicht gespart. Sich dem mitreißenden Vortrag der Jungs zu entziehen war aber auch schlicht unmöglich. So wurde das Doppel „Long Gone/ Lights“ kräftig mitgeklatscht und mit „That Bastard Son“ wähnte man sich nicht in einer Jahrhunderte alten westfälischen Diele, sondern in irgendeinem Hillbilly-Schuppen im Süden der USA. Für „Honey You“ griff der Cellist erneut zum Bogen und Colton drosch auf die Basstrommel ein, bevor das hölzerne Saiteninstrument beim gut gelaunten „Travellin’ Man“ für die schwermütigen Momente sorgte. Doch nicht nur bei Mr. Pringle machten die Saiten nicht lange, auch Nate erwischte es bei „The Dirty Juice“, aber das machte nichts, verharrte man doch einfach in Bewegungslosigkeit bis der Schaden behoben war. Der Song war ja eh schon dem lieb gewonnenen Mitreisenden gewidmet worden und warum sich unnötig ärgern? Ihr reguläres Set schlossen THE DEAD SOUTH mit einem instrumentalen Stück, jedoch konnte es das nach einer guten Stunde noch nicht gewesen sein. Weshalb zunächst Bandvorstand Hilts zurückkam und zum Sechssaiter griff und erst einmal allein loslegte. Letztlich waren alle vier wieder auf der Stage versammelt, griffen aber erst zum ANIMALS-Cover von „House of The Rising Sun“ allesamt zu ihren Instrumenten, um nach einem ziemlich werkgetreuen Start ein echtes Bluegrass-Monster erwachen zu lassen. Weiter ging’s mit dem treibenden „The Dead South“ und einem weiteren kleinen Break. Für die letzte Zugabe wurden allerhand Wünsche aus dem Publikum gerufen, doch erklärte der Mann am Cello entschuldigend, dass er noch nicht so lange mit von der Partie sei und nur noch einen weiteren Song beherrsche. So gab’s am Ende noch BOB DYLANs „Wagon Wheel“ auf die Ohren – nach knapp eineinhalb Stunden ein großartiges Finale eines fantastischen Gigs.

Am Dienstag stehen THE DEAD SOUTH schon wieder im heimischen Toronto auf der Bühne, wo sie nach eigenem Bekunden das deutsche Bier vermissen werden. Meinetwegen darf der Vierer gern jederzeit wieder nach good old Germany zurückkommen. Für ausreichend Gerstensaft on stage dürfte dann gesorgt sein – im Zweifel organisiert mit Sicherheit auch das restlos begeisterte Publikum die eine oder andere Flasche, wenn’s hilft, dass die sympathischen Kanadier noch mal vorbeigucken. Eine tolle Kapelle mit viel Spielfreude und ganz eigenem Style!

Setlist THE DEAD SOUTH (ohne Gewähr)
Intro
Banjo Odyssey
Dead Man
The Recap
Chew
One Arm
In Hell I’ll Be In Good
Long Gone/ Light
That Bastard Son
Honey You
Travellin’ Man
These Boots
The Dirty Juice
Pallet
Deep When The River’s High?

Hard Day
House of The Rising Sun (THE-ANIMALS-Cover)
The Dead South

Wagon Wheel (BOB-DYLAN-Cover)

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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