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DEADLOCK – VIRTUE CONCEPT – ANTIPEEWEE

Ort: Nürnberg - Hirsch

Datum: 13.10.2013

Sonntag Abend, 20 Uhr, wer nicht in Tatort-Stimmung ist, schwingt seinen Hintern in den Nürnberger Hirschen, um Supporter für guten deutschen Death Metal zu spielen, denn DEADLOCK geben sich die Ehre. Leider scheinen dieser Alternative zum sonntäglichen Couch-Hopping nicht viele gefolgt zu sein. Jedem der etwa 130 anwesenden Kuttenträger bleibt damit mehr als ausreichend Platz, um seinem Haupthaar den gebührenden Raum zur fliegerischen Entfaltung zu gönnen.

Schade eigentlich, denn DEADLOCK spielen auf der diesjährigen Tour „The Arsonist“ wieder einmal den Mentor für talentierte aufstrebende lokale Metalbands. Den fränkischen Abend in Nürnberg eröffnen mit ANTIPEEWEE fünf möchtegern thrashige Abenberger, die mit verdammt viel Spass, buchstäblicher Ironie und herrlichem Dialekt Geholze wie „Attack The Brewery“, „Pleasure Of Flesh“ oder „Seperate The Head from The Body“ in die spärlich vorhandene Menge pumpen. Naaa? Genau, ANTIPEEWEE nehmen sich selbst und das Publikum gern auf die Schüppe. Trotz einiger kleiner Rumpler im musikalischen Ablauf: Schön zu sehen und zu hören, mit viel Energie und Spielfreude junge Kids Thrash Metal vom Feinsten auf die Bühne und in die Lauscher zaubern, mitsamt 80er Jahre Wellen-Frise und herrlich geposten Klampfensoli. Respekt für die Leadgitarristin, die am heutigen Abend neben Sabine Scherer von DEADLOCK die Bühnen-Frauen-Quote in schwindelerregende Höhen treibt. Zurück in die Vergangenheit geht es allerdings nur für eine gute halbe Stunde, schließlich warten noch zwei Bands auf Ihren großen Auftritt.

VIRTUE CONCEPT schimpfen sich die nun folgenden fünf Regensburger, deren Debütalbum „Sources“ aus 2012 von niemand geringerem als Gitarrist und Songwriter Mastermind Sebastian Reichl (jawohl DEADLOCK) produziert wurde. Gegen 20:45 entern die Jungs in Begleitung eines wunderbaren Intros und dann leider ordentlich undefinierbarem Getöse die Bühnenbretter. So geht der erste Song im Soundbrei unter, was besonders die Gitarristen Michael Pfeilschifter und Felix Eckmeder spüren. Neuer Song, neues Glück! Dank des kompetenten Kollegen am Mischpult klingen die dann folgenden Geräusche fast wie Himmelsmusik in den Ohren anwesender Metalcore Anhänger. Der Mix aus Schweden-Riffs und walzenden Breakdowns ganz im Stil von PARKWAY DRIVE weiß zu begeistern und Frontsau Raphael Grunow hat die Menge mit seinen wunderbaren oberpfälzischen Einlagen sofort im Griff. Doch der Mann kann nicht nur Dialekt, auch Shouten klappt vom Feinsten und beschert dem Fünfer eine gehörige Portion Individualität. Reihenweise fette Breaks und Riffs begleiten Grunows aggressive Refrains und gestalten die 45 minütige Spielzeit extrem kurzweilig. VIRTUE CONCEPT – von wegen Garagenband!

21:00 – Die Frisur frisch gerichtet, die Kutte gebügelt, den Kopf warmgeschüttelt. Bestens vorbereitet erwarten die leider wenigen Fans des deutschen Death-Metal Fünfer DEADLOCK, die unter lang anhaltendem Trommelfeuer auf die Bühne eilen. Technisch anspruchsvoller klassischer Metal gemixt mit neueren Death-Metal Elementen und hier und da Synthesizer, Keyboards oder Sequenzer bildet die musikalische Basis. Doch was wäre der typische DEADLOCK Sound ohne harte Growls in Abwechslung mit klaren, melodischen Hooklines? Na also! Seit 2011 schon freut sich Goldkehlchen Sabine Scherer über gesangliches Gemotze aus der Kehle von John Galert. Der ehemalige Basser weiß auch gesanglich mehr als zu überzeugen. Die aktuelle Tour widmet sich, wie die Setlist zeigt, vornehmlich der neuen Platte „The Arsonist“, die erstmals bei Napalm Records erschienen ist und DEADLOCK auch künstlerisch eine neue Ausrichtung beschert.

Deshalb ist es der Opener des neuen Albums names „The Great Pretender“, der der anwesenden Anhängerschaft gehörig laut um die Ohren knallt – und für eine große Überraschung sorgt! Polyrhythmischen Gitarren? Schön zu hören, dass auch klassische Metal-Bands metallischen Trends gegenüber aufgeschlossen sind. Diese neuartige Mischung überzeugt auch bei der aktuellen Singleauskopplung „Dead City Sleepers“. Filigran auf die Mütze und solo klassisch metallisch in die Seiten gegriffen, so fliegen die Fäuste und wackeln die Köpfe. Dabei entwickelt sich die zarte Leadsängerin Sabine Scherer im Rahmen des neuen Songmaterials immer mehr zum Mittelpunkt der Band, um ihren Klargesang arrangiert sich die gesamte Songstruktur. Nicht wenige der Die-Hard-Fans freuen sich deshalb vor allem über älteres Songmaterial wie „Renegade“, “Dark Cell” und “End Begins”, Mitgrölpotential vorhanden und ausgenutzt! Schließlich ist am Arbeitsmontag zu beweisen, wie gut das Wochenende war. Was eignet sich also besser als eine nicht vorhandene oder zumindest ordentlich angeraute Stimme? Für orchestrales NIGHTWISH-Feeling ist schließlich nicht der Kuttenträger zuständig, sondern die Dame oben auf der Bühne. Sabine Scherers beinahe Solo zu „Hurt“ wird deshalb für den gemeinen Metalhead auch dann erst wieder erträglich, als Sebastian Reichl wieder famos in die Saiten greifen darf.

Nach extrem kurzen 45 Minuten ist auch schon Schluss mit anspruchsvollem Gegrölträller. Klar, dass die Zugabe-Rufe lauter werden und die Deather nach Minipause wieder auf an die Instrumente schicken. Die gewählte Zugabe sorgt jedoch längst nicht bei jedem Nachtgeschöpf für verzückt entrücktes Haareschütteln. Das bereits zu Tode gecoverte „Small Town Boy“ kann live qualitativ kaum überzeugen. Da bleibt nur ein Schulterzucken übrig und eine neue Chance für den Song beim wohlwollenden Lauschen aus dem heimischen Soundsystem. An Traditionen wollen DEADLOCK jedoch nichts ändern, was die dunkle Schar im Dunst der Nebelmaschine beim abschließendem „Awakened by Sirens“ teuflisch grüßend quittiert.

Fazit: DEADLOCK wissen mit John Galert und Sebastian Reichl sowie dem neuen Album im Gepäck zu überzeugen, Sabine Scherers Gesang ist nicht Jedermanns Geschmack, steht den musikalischen Qualitäten ihrer Bandkollegen aber in nichts nach.

Setlist DEADLOCK
The Great Pretender
The Brave / Agony Applause
Dead City Sleepers
Earthlings
The Arsonist
Code of Honor
I’m Gone
Renegade
Hurt
Dark Cell
End Begins

Smalltown Boy (BRONSKI BEAT Cover)
Awakened by Sirens

Sound: leider zwischenzeitlich zu laut, was das Lauschen filigran vertrackter Sequenzen sehr erschwert
Publikum: ja wo sind sie denn, die schwarzen Gestalten der Nacht?
Vom Konzert gelernt: Geträller und Geballer? Passt!

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