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DEATH ANGEL – MERCENARY – DEMOLITION – EXTREMA

Ort: Hamburg - MarX

Datum: 23.04.2008

DEATH ANGEL zusammen mit MERCENARY? Pflichttermin für jeden Metal-Fan, egal welcher Ausrichtung! So fanden sich denn auch in einem an Konzerten nicht gerade armen Monat zahlreiche zahlende Gäste in der – zu meiner Überraschung – kleinen Markthalle ein. Es ist schade, dass selbst so ein großes Billing anscheinend nicht mehr reicht, genügend Leute anzuziehen und deswegen immer öfter das MarX herhalten muss. Leute?! Wo seid ihr? Ist im Endeffekt aber eigentlich auch egal, denn dadurch konnten die Zuschauer die Bands hautnah in einer energiegeladenen Atmosphäre betrachten und waren obendrein noch Zeuge einer der schon jetzt besten Metal-Shows dieses Jahres: DEATH ANGEL haben an diesem Abend mal eben klar gemacht, wer Chef im Metal-Ring ist. „Killing Season“ heißt das Album, dass die ehemaligen Weggefährten von METALLICA jetzt zu schlagen haben und eines ist sicher: Das wird kein einfaches Unterfangen… Begonnen wurde der Abend solide, aber wenig spektakulär von…

EXTREMA

Das erste Mal sind mir die Milanesen von EXTREMA mit dem Album “Set the world on fire” von 2005 aufgefallen. Dass die Power-Thrash-Groove-Metal-Bande schon seit 1986 unter diesem Namen firmiert, war mir aber gänzlich unbekannt. Nicht nur mir, wie es scheint, denn die wenigsten der anwesenden Zuschauer scheinen die Italiener bisher zur Kenntnis genommen zu haben. Dafür ernten diese von den wenigen bisher erschienenen Zuschauern (Einlass war schon um 19:00 Uhr) recht positive Reaktionen. Zwischen Old-Schooligem Thrash wird ganz gerne mal die PANTERA-Schiene gefahren und auch vor kleinen Nu-Metal-Einflüssen wird nicht halt gemacht. Sänger Gianluca Perotti gibt sich redlich Mühe, wird aber von der Rhythmusfraktion in Sachen Vielseitigkeit überrundet. Tommy Massara an der Gitarre und Paolo Crimi an den Drums machen ihre Sache sehr überzeugend, Blickfang ist aber Basser Mattia Bigi, der an seinem 4-Saiter zaubert und mehr Effektgeräte benutzt, als alle versammelten Gitarristen des ganzen Abends zusammen. Als Support durchaus anständig, aber für den großen Durchbruch in Rest-Europa wird es wohl immer noch nicht reichen…

DEMOLITION

Die Österreicher DEMOLITION haben einen großen Pluspunkt: Gitarrengott Janus Murri. Dieser Mann ist dermaßen Old-School-Thrash-Metal, dass man aus dem Grinsen kaum herauskommt. Wie eine Mischung aus einem jungen Scott Ian und geballter KISS-Attitüde, macht der gute Mann eine Show, die den Eintritt fast schon alleine wert wäre. Da wird im freien Oberkörper gepost, die Zunge herausgestreckt, GLUECIFER-mäßige Rock-Gesten abgezogen und das Ganze dann noch mit einem kindischen Grinsen garniert, sodass man nur noch „Klasse Auftritt!“ sagen kann.
Der Rest der Wiener Bande verhält sich um einiges zurückhaltender und auch musikalisch können die seit 1996 agierenden Thrasher nicht ganz mit ihrem Gitarrenzauberer mithalten (liegt es etwa daran, dass er aus Italien kommt?). Frontmann Wolf Süßenbeck ist mir ein wenig zu variantenarm in seinen Shouts, hat das mittlerweile aber stetig bangende Publikum gut im Griff. Bassist Hans-Peter Rapp versteckt sich hinter seiner langen Mähne und einer Brille, bangt aber nach ein wenig warm spielen heftig mit. Der Rest der Mannschaft unterstützt die groovigen, aber recht dreckigen, Thrash-Attacken songdienlich, lassen einen bleibenden Eindruck aber ein wenig vermissen. Hat trotzdem Spaß gemacht, wer auf Thrash-Metal der derberen Schule steht, sollte die letzte Scheibe der Ösis, „Relict IV“, durchaus mal antesten.

MERCENARY

Die dänischen Melo-Death-Metaller von MERCENARY sorgten anschließend für den ersten richtigen musikalischen Höhepunkt an diesem Abend. Die komplett in schwarz agierende Mannschaft legte von dem ersten Ton an eine derart ungebremste Spielfreude an den Tag, dass man dem Treiben auf der Bühne kaum noch folgen konnte. Dem energiereichen Auftritt konnte selbst der zunächst etwas übersteuerte Sound nichts anhaben, denn die Jungs hatten mit ihrer sympathischen Ausstrahlung den größten Teil des Publikums sofort auf ihrer Seite. So waren denn auch die ersten Reihen schon erstaunlich textsicher, was die Texte der größtenteils vom aktuellen Album „Architect of Lies“ stammenden Songs betraf. Mikkel Sandager, der von seinem Bruder Morten Sandager an den Keyboards auch gesanglich unterstützt wird, verausgabt sich bei seinen Parts derart, dass man es doch glatt mit der Angst bekommt, er könnte kurzzeitig in Ohnmacht fallen. Der gute Mann hat es drauf, wird aber von dem Rock-Bass-Monster Rene Pedersen kongenial unterstützt. Dieser bringt mit seinen tiefen Shouts und seinem Auftreten, eine derbere Kante in die melodieseligen, mittlerweile aber recht straight rockenden Lieder. Die beiden Gitarristen Jakob Molbjerg und Martin Buus konzentrieren sich eher auf das Gitarre spielen, wedeln natürlich trotzdem ansprechend mit ihren Haaren. Dafür hat Morten hinter dem Keyboard bedeutend mehr Zeit, sich mit der Zelebrierung TÜV-geprüfter Rockposen zu beschäftigen. Man sieht, selbst am Keyboard kann man eine gelungene Metal-Show abliefern. Das Publikum ist (ebenso wie die sichtlich begeisterte Band) hoch erfreut, klatscht zwischendurch gerne mit und freut sich über den letzten Song „11 Dreams“, der einen gelungenen und mitreißenden Gig beendet. Der Auftritt legte bei den mittlerweile recht zahlreichen Zuschauern genau die richtigen Energien frei, denn was sich im Anschluss bei DEATH ANGEL abspielte, kann man nur als Triumphzug beschreiben…

DEATH ANGEL

Die wohl einzige (philippinische) Metal-Familienbande, die für einige der größten Thrash-Klassiker verantwortlich ist, zeigen sich mit ihrem aktuellen Longplayer „Killing Season“ ja schon von der allerbesten Seite. Sollten die ewigen Outcasts endlich den (kommerziellen) Erfolg bekommen, den sie schon längst verdient hätten? Nun dem Tumult, die die Thrasher vom dem ersten Ton an auslösten, nach zu beurteilen, kann man zumindest eines sagen: Die Fans lieben diese Band abgöttisch! Und das zu Recht! Während Bassist Dennis Pepa noch damit beschäftigt war, sein defektes Kabel auszutauschen, blieb im Publikum kein Stein auf dem anderen. Es wurde gebangt, gemosht und gestagedived, als ob es keinen Morgen mehr geben würde. Vor der Bühne reißen sich die Fans darum, einmal ins Mikro schreien zu dürfen oder auch nur einen Dreadlock von Mark Osegueda zu erwischen (wenn nicht gerade Stagediver abgewehrt oder einfach nur Platz zum atmen gefunden werden muss). Dieser erzählt immer wieder von der Verbundenheit der Band mit der Hansestadt und ringt einigen Fans, die sich schon Mitte der Achtziger zum ersten Mal in der Markthalle versammelten, mit seinen Lobhudeleien die eine oder andere Träne ab. Wirklich bewegend, vor allen Dingen, da alte und neue Fans die Band gemeinsam abfeiern und keiner den anderen schief anguckt und alle eine große Party zelebrieren (solche Szenen sind wohltuend anzusehen, wenn man sie mit der mittlerweile sehr aggressiven Stimmung bei (Bollo)-Hardcore-Konzerten vergleicht). So ruft Mark denn auch das Publikum auf, es nicht zu wild treiben, denn die Band würde bald in Schweiß ausbrechen. Diese war nämlich wirklich ununterbrochen am rocken und rollen und zeigte was es heißt, schon jahrelang gemeinsam aufeinander eingespielt zu sein: „Tight“ wäre wirklich noch untertrieben… Die neue Scheibe wurde komplett dargeboten, natürlich aufgelockert mit dem einen oder anderen Band-Klassiker. Und die Reaktionen auf die neuen Songs beweisen eindeutig, dass DEATH ANGEL mit „Killing Season“ ihr Parade-Werk aufgenommen haben. „Lord of Hate“, „Sonic Beatdown“, „Buried Alive“, „When worlds collide“, schon jetzt alles Klassiker.

Wenn mich nicht alles täuschte, brachten es die Old-School-Thrasher auf eine Spielzeit von fast zwei Stunden! Nehmt das, ihr Nachwuchs-Rocker! Selten hat mich ein Auftritt komplett durchgrinsen lassen, dieser gehörte eindeutig dazu: Ausnahme-Band, Ausnahme-Auftritt, Ausnahme-Publikum. Gute bis sehr gute (MERCENARY) Vorbands. So soll es sein! Und wer „Killing Season“ noch nicht im Regal stehen hat: Kaufen! Sofort!

Copyright Fotos: Michael Päben

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