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DEATH ANGEL – MERCENARY – DEMOLITION

Ort: Osnabrück - N8

Datum: 03.04.2008

Woran erkennt man, dass ein Konzert richtig gut war? Vielleicht an der Euphorie danach? Die kann auch dem Alkohol oder anderen externen Glücksspendern geschuldet sein (und teilweise ist sie es auch meistens). Oder am großen Gedränge am Merch-Stand danach? Nun auch hier kann König Alkohol den Blick auf die eigenen finanziellen Realitäten höchst verlustbringend eintrüben. Also zumindest ein verdächtiges Ziehen im Bereich der Halswirbelsäule sollte für einen echten Metaller doch als authentisches Zeichen durchgehen. Nun, obwohl dies keinen Widerspruch duldet, gibt es für mich ein noch stärkeres Signal: Wir haben es jetzt am Tag danach 18:31 Uhr und in meinem Player ist heute noch keine andere Band gelaufen als DEATH ANGEL! Und das an meinem freien Tag, wo die Musik traditionell nie ausgeht! Wie konnte es zu dieser Monokultur kommen? Fassen wir es der Reihe nach zusammen.

Erste Band waren EXTREMA. Diese blieben dem Berichterstatter jedoch aufgrund der skandalösen Tatsache verwehrt, dass er gezwungen ist, seine Arbeitskraft auch noch anderweitig ausbeuten zu lassen. Somit beginnt mein Konzerterlebnis mit DEMOLITION aus Österreich. Diese zimmern räudigen Thrash der alten Schule, KREATOR auf ihren ersten 3 Alben mögen ein Anhaltspunkt sein, in der Gegenwart stehen zum Beispiel DEFLESHED für diese Musik. Diese Basis wird angereichert mit einigen Gitarrensoli, auf die man ja bei vielen Thrash Bands unserer Tage leider verzichten muss. Bei DEMOLITION musste dies teilweise leider auch – aber nur weil einer der Gitarristen für das Publikum phasenweise nicht zu hören war. Dagegen lag die Großzügigkeit des Soundmanns eher bei Schlagzeug und Gesang, was schade war, denn gute Songs wie „3 of 9“ oder insbesondere das abschließende „I am Terror“ wussten mit groovigen Zwischenteilen zu gefallen. Insgesamt ein couragierter Auftritt, mit dem die Ösis nicht nur aufgrund des frei gelegten Oberkörpers ihres Gitarristen sicherlich den einen oder anderen Freund dazu gewonnen haben.

Ohne jetzt despektierlich klingen zu wollen: MERCENARY aus Dänemark verkörperten danach noch mal eine ganz andere Spielklasse. Auch sie haben am Anfang mit großen Soundproblemen zu kämpfen, insbesondere der Leadsänger ist in den ersten 2 Songs kaum zu hören. Jedoch merkt man dieser Band sofort Originalität und Professionalität an. Da steht eine eingespielte Einheit auf der Bühne, eine Band, die auf dem Sprung zu eigenem Headlinerstatus ist. Das allgemein gut rezensierte neue Album „Architect of Lies“ im Rücken können MERCENARY sofort in die Vollen gehen. Die Stärke der Dänen liegt in der Verschmelzung alter und moderner Metal-Trademarks. Konkreter: Rhythmus und Melodien gehen direkt ins Tanzbein, die Instrumentierung ist wie bei den Kindern aus Bochum, also auch mit Keyboard und über allem thront ein eierkneifender True-Metal Sänger. Dass dieses Gebräu lecker reinläuft, ist der Gruppe hoch anzurechnen. Der Berichterstatter notiert tolle Songs mit schönen Melodien, die aber nie cheesy wirken, ehrlicherweise muss ich zugeben, dass die Band einen Fan gewonnen hat: Mich! Alleine scheine ich aber nicht zu stehen, denn als MERCENARY sich mit ihrem bisher größten Hit „Eleven Dreams“ vom Osnabrücker Publikum verabschieden, ist der Jubel groß und scheinbar auch schon einiger Schweiß in der Luft.

Damit war dem Headliner des Abends eine gute Vorlage zugespielt. Damit komme ich wieder zum Beginn des Berichts. Diese wurde genutzt! Wie von IRON MAIDEN in jüngster Vergangenheit vorgemacht wird das aktuelle Album „Killing Season“ komplett gespielt. Der Unterschied ist nur: bei DA verursacht das Begeisterung und kein bitteres Gemisch aus Enttäuschung und Wut. Bei DEATH ANGEL passt dieser Gestus. Von der ersten Note des „Killing Season“ –Openers „Lord of Hate“ an treten die Philippinos an wie eine Nachwuchscombo, die es wissen und die Welt mit ihren neuen Songs erobern will. Hier gibt es keine Oldie Party und kein Ausruhen auf den Heldentaten der späten 80er, als die Band in einem Atemzug mit den ganz Großen wie METALLICA und MEGADETH genannt wurde. Lediglich die aller-, aller-, allerobligatorischsten Smasher finden an diesem Abend die Gnade der Band, die zumindest darauf achtet, dass jedes Album zumindest mit einem Song berücksichtigt wird. Aber selbst der absolute Bandklassiker „Act III“ wird lediglich mit dem grandiosen „Seemingly endless Time“ gewürdigt. Dennoch verlässt kein Zuschauer das N8 mit auch nur ansatzweise schlechtem Gefühl. Die neuen Songs sind Weltklasse, die Band sprüht vor Spielfreude und nach holprigem Beginn spielt auch der Sound mit. 90 Minuten gibt es von DA puren Strom, die (absolut grandiosen!) Balladen der Band haben keine Chance und zum Schluss wirken die Burschen immer noch recht frisch. Jedoch ist das Publikum nach dieser gewaltigen Stahlinfusion dann wohl platt und so geben die Amis die Jagd aufs Merchandise abschließend frei. Dort bilden sich längere Schlangen, was jedoch nach einem solch famosen Auftritt gerne in Kauf genommen wird, schreit doch ein solcher Abend nach dem passenden Souvenir.

Es wird nicht überraschen, dass das Fazit nach einem solchen Gig leicht gesagt ist: Fantastische Hauptband mit gut ausgesuchten Vorgruppen. Lediglich ein unangenehmer Beigeschmack bleibt: Wie ist es möglich, dass dieses Package so wenig Zuschauer findet? Liebe Metaller: Runter vom Sofa! Ihr alle habt die Chance eine grandiose Band in intensiver Clubatmosphäre zu erleben! Nutzt sie! Nutzt sie!! NUTZT SIE!!!

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