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DEATHSTARS – MORTIIS

Ort: Bochum - Matrix

Datum: 20.04.2007

Fast arktische Temperaturen im Spätapril, was wäre da besser geeignet, die Stimmung anzuheizen, als ein heißer skandinavischer Doppelpack auf Tour? Die schwedischen DEATHSTARS und der Norweger MORTIIS auf (quasi) CoHeadliner Tour in der Bochumer Matrix – das versprach optisch wie musikalisch ein Genuss zu werden. Nachdem unser Kollege sich bereits vorab einen interviewtechnischen Eindruck vom sympathischen Håvard Ellefsen machen konnte, legte dieser kurz nach 20 Uhr unter seinem Alter Ego MORTIIS in der ordentlich gefüllten Röhre der Ruhrgebietslocation los. Allerdings wurde schnell deutlich, dass das Gros der gut 200 Anwesenden das Eintrittsticket für den Headliner gelöst hatte, denn der Beifall war bereits nach dem Opener eher höflich denn euphorisch. Neben dem ehemaligen Maskenträger, der nunmehr „nur noch“ Dreads und Farbe aufträgt, agierten 2 Brüder an den Gitarren und ein Drummer, der Bass stammte aus der Konserve. Das brachte leider ein paar klangliche Unebenheiten, denn eben jener maschinelle Tieftöner dröhnte teilweise in fast bewusstseinserweiternder Lautstärke aus den Boxen. Nicht gut für die darunter befindlichen Nachwuchsgrufties, die in jugendlichem Leichtsinn auf Ohrenschutz verzichtet hatten. Der Ex-Troll hat ja nun in seiner langen Karriere schon einiges mitgemacht – von EMPEROR über Dark Ambient bei CMI bis hin zu Industrial Rock führte ihn sein Weg – und diese Erfahrung spielte er mit einer guten Bühnenperformance aus, der sich seine Saitenspieler anschlossen. Nur die in den Bart gemurmelten Ansagen fanden eher keine Abnehmer, es war aber klar, dass er sich über die Technik aufregte. Später verriet er uns, dass der Tourmanager kein großer Freund der Formation sei, nicht gut, wenn es sich dabei gleichzeitig um den Soundmenschen handelt. Außerdem wohnt der Sänger in derselben Straße wie Herr Groth von APOPTYGMA BERZERK, der dann auch gleich ein paar Gesangsparts zu „The Grudge“ beisteuerte, das aktuell reguläre Studioalbum, welches u.a. mit der Single „Decadent & Desperate“ sowie „Gibber“ bedacht wurde. Harter Industrial Rock, der seine Vorliebe zu Acts wie MINISTRY oder SKINNY PUPPY nicht verleugnete. Auch die Stücke des etwas zahmeren „Debüts“ „The Smell of Rain“ wie „Parasite God“ oder „Smell the Witch“ wurden einen ganzen Tacken härter als auf Konserve ins Auditorium geprügelt. Das verblieb bis zum Ende hin freundlich aber ruhig und durfte sogar drei ganz neue Titel in Ohrenschein nehmen, darunter „Zeitgeist“ und „Great Deceiver“. 45 Minuten lang eine sehr ansprechende Performance des Quartetts, die Lust machte auf zukünftige Veröffentlichungen im Spannungsfeld von Electro und Metal.

Danach standen zum dritten Mal in relativ kurzer Zeit die Death Glammer DEATHSTARS auf Deutschlands Bühnen. Nach der Support Tour mit CRADLE OF FILTH und den Dates zusammen mit STONEMAN wieder als „Stars“ des Abends. Die u.a. aus der Härtner Formation SWORDMASTER hervorgegangenen Herren „Whiplasher Bernadotte“, Emil Nödtveidt, Ole Öhman, Jonas Kangur und Eric Cat verfügen bereits über eine gute Fanbase hierzulande, insbesondere bei den eher weiblichen Schwarzkitteln. So war der Jubel groß, als mit „Motherzone“ und „New Dead Nation“ vom Erstling die Show beginnen konnte. Und Show ist hier wörtlich zu nehmen, denn das Posing scheinen die Herren mit der Muttermilch aufgesogen zu haben. Wenngleich doch einiges einstudiert wirkte, was der Stimmung allerdings keinen Abbruch tat. Beide Veröffentlichungen wurden etwa zu gleichen Teilen in die Setlist integriert, der Meute war’s egal, die Teufelshörner wurden fast durchgehend gen Bühne gereckt, altes wie neues Material heftig abgefeiert. Dazu kamen natürlich die üblichen sexuellen Anspielungen des Andreas Bergh bei den Ansagen, und als er sich seines ersten Kleidungsstücks entledigte, war der Applaus zumindest bei der Damenwelt groß. Musikalisch etwas softer als der Opener beschallten die stakkatoartigen Riffs in Verbindung mit dem pathetischen Gesang die Bochumer „Röhre“ doch sehr anständig, moshen war hier jederzeit möglich. „Semi-Automatic“ und „Damn Me“ beschlossen den Hauptteil, doch im Gegensatz zu MORTIIS wollten sich die Fans damit natürlich nicht zufrieden geben. Wussten sie doch, dass das Gros der Musiker nun oberkörperfrei zurückkehren würde. Wobei „Whiplasher“ nun erst richtig aufdrehte und sich „lasziv“ mit einer ganzen Kollektion Federboas beschäftigte. Dazu kamen noch das softere „Virtue To Vice“ sowie „Cynanide“ und als Schlusspunkt „The Revolution Exodus“ zum Einsatz, gleichsam der Exodus des gut 65minütigen Sets.

Wie erwartet ein sehr unterhaltsamer Abend zweier leicht exzentrischer Kapellen, die beide ihren Höhepunkt noch nicht erreicht haben dürften. Der anschließende Discoabend plus angeregter Plausch mit den Musikern setzte dem Ganzen noch ein Sahnehäubchen auf.

Setlist DEATHSTARS
Motherzone
New Dead Nation
Trinity Fields
The Last Ammunition
Synthetic Generation
Tongues
Blitzkrieg
Greatest Fight On Earth
Little Angel
Play God
Semi-Automatic
Damn Me

Virtue To Vice
Cyanide
The Revolution Exodus

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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