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DEBRIS INC. – ORANGE SUNSHINE

Ort: Osnabrück - Bastard Club

Datum: 11.04.2006

Es hatte sich großer Besuch angekündigt im kleinen Bastard-Club: Die US-Rocker von DEBRIS INC. gaben sich mit Unterstützung der holländischen ORANGE SUNSHINE die Ehre. DEBRIS INC. – noch nie gehört? Aber von Dave Chandler (ST. VITUS) und Ron Holzner (TROUBLE)? Genau die firmieren jetzt mit wechselndem Drummer unter DEBRIS INC., und der Terrorverlag hat die besondere Freude, die aktuelle Tour mit präsentieren zu dürfen.

Als ich gegen 20.30 Uhr die kalten Gemäuer des Bastard Clubs betrat, war das Publikum noch recht spärlich gesät, mehr als knapp 50 Leute sollten es an diesem Abend auch nicht werden. Dafür schienen die Anwesenden frohen Mutes zu sein und warteten geduldig, bis um 21.15 Uhr ORANGE SUNSHINE loslegten. Die drei Käsehäppchen sahen mit ihren zotteligen Mähnen und Bärten aus, als kämen sie direkt aus dem Jahr 1970 und legten gleich ganz gewaltig und laut los. Der Drummer zeichnete für den Gesang verantwortlich und wurde von seinen Mitstreitern an Gitarre und Bass vorzüglich unterstützt. Die Musik scheint ein Mix aus Eigenkompositionen und Cover-Versatzstücken zu sein. Deutliche Anleihen bei den STOOGES, HENDRIX, MC 5 und BLUE CHEER sind unüberhörbar, zum Ende des Gigs hin kam dann noch ein Stück, in dem „The Jack“ von AC/DC verarbeitet wurde. Insgesamt eine fette, dreckige Mischung aus psychedelischen Gitarren, klebrigem Blues und urwüchsigem Stoner-Rock, die beim Publikum wohlwollend mit rhythmischem Kopfnicken aufgenommen wurde. Ein Zuhörer war sogar so begeistert, dass er bereits beim ersten Song anfing zu tanzen und die gesamten 55 Minuten des Auftrittes alles gegeben hat.

Nach einer kurzen Umbaupause, die auch genutzt wurde, um einen Gasbrenner in Betrieb zu nehmen, da die Temperaturen wirklich arktisch waren, ging es mit DEBRIS INC. weiter. Die zahlreichen „ST. VITUS“-Schriftzüge auf Jacken und T-Shirt ließen darauf schließen, dass überwiegend treue Fans dieser Combo den Weg in die alte Lagerhalle gefunden hatten. Und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht. DEBRIS INC. sind echte Könner an ihren Instrumenten und ebensolche Profis auf der Bühne. Mit Henry Vasquez (BLOOD OF THE SUN) saß ein echter Derwisch hinter der Schießbude, der auf die Felle eindrosch, dass es nur so eine Freude war. Allerdings war das Equipment wohl auf so eine Krafteinwirkung nicht ausgelegt, so dass nach fast jeden Song irgendwas an den Drums neu gerichtet werden musste. Chandler an der Gitarre und Holzner am Bass nutzen diese kurzen Pausen für ein bisschen Small Talk mit dem Publikum, nannten als Grund für die Schwierigkeiten, dass die Drums eben keine deutsche Qualität seien (Vasquez spielte übrigens auf dem selben Schlagzeug wie ORANGE SUNSHINE) oder erzählten dreckige Witze. Diese Einlagen wurden vom Auditorium mit Schmunzeln und Gelächter kommentiert, so dass die technischen Probleme die Stimmung nur minimal trübte. Musikalisch ging es absolut gekonnt zur Sache. Es gab ordentlich was auf die Ohren, eine bunte Mischung aus Doom, Punk und Stoner-Rock. Die Band zeigte eine unglaubliche Spielfreude und ging wunderbar auf ihr Publikum ein. Zwischendurch gab es noch ein Geburtstagsständchen, die örtliche Musikprominenz in Person von Schnalli, Drummer bei GOOD WITCH, wurde begrüßt und es wurde gerockt, was das Zeug hielt. Die Instrumentalimprovisationen, das perfekte Zusammenspiel und der gnadenlose Gesang Chandlers belegten zweifelsfrei, dass das Trio zur ersten Liga ihrer Zunft gehört. Man hätte ihnen gewünscht, dass sich mehr Liebhaber der etwas härteren Gangart eingefunden hätten, aber vielleicht suchen die Jungs gerade die ganz direkte Nähe zu ihren Fans. Bei Riesen-Konzerten (ST. VITUS haben schließlich schon vor Tausenden gespielt) sind solche Aktionen wie die lapidare Frage, ob jemand da ist, der sich zutraut, mal die Gitarre zu spielen, wohl eher nicht möglich. Nicht so im Bastard Club! Schnell war ein Mann für die Saiten gefunden und Ron Holzner nahm das Mikro in die Hand und sang das letzte Stück in der Mitte der begeisterten „Menge“. Damit ging nach 70 Minuten ein fantastisches Konzert zu Ende, der Abend für die beiden Bands vermutlich noch nicht. Man fand sich noch am Merchandising-Stand ein und hatte Zeit für ein Schwätzchen mit den Fans.

Setlist DEBRIS INC.
Doom Shall Rise
Fuckin Mess
Full of Shit
The Nightmare
Pain
Shut Up
The Life And Times of Claude & Elmo
The Ballad of Debris
Dying Inside
Living Backwards
I Bleed Black
Born Too Late
You’re The Reason I’m Medicated
I Love Living In The City

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