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DEICHBRAND FESTIVAL 2009 – TAG 1

Ort: Cuxhaven - Seeflughafen

Datum: 17.07.2009

Nach einem eher bescheidenen und recht kurzen Festivalerlebnis im letzten Jahr gaben wir dem DEICHBRAND 2009 erneut eine Chance und so machten wir uns am Freitag Mittag mit voll beladenem Auto und guter Dinge auf den Weg Richtung Cuxhaven. Auf der Fahrt durchliefen wir dann ein Wechselbad der Gefühle, denn das Wetter wechselte zwischen dunklen Gewitterwolken, strahlendem Sonnenschein und heftigem Regen. Und auch der Wetterbericht verhieß für das vor uns liegende Wochenende nichts Gutes. Aber Optimisten die wir sind, redeten wir uns ein, dass schon alles gut gehen würde. Und tatsächlich, in Cuxhaven begrüßten uns die Sonne und sommerliche Temperaturen, so dass wir schnell im Hotel eincheckten und uns sofort wieder auf den Weg Richtung Festivalgelände machten. Dieses hatte man im Gegensatz zum Vorjahr auf den Seeflughafen Nordholz etwas außerhalb der Stadt verlegt, was in meinen Augen eine durchaus gute Wahl war.

Parken klappte dann auch reibungslos dank unserer Kollegin, die hinter den Kulissen des DEICHBRANDs als freiwillige Helferin (wie auch schon im Vorjahr) die Fäden zog. Doch dann wurde es kompliziert. Nachdem wir uns den Weg zur Bändchenausgabe erfragt hatten, konnten wir uns zunächst in eine Menschenschlange einreihen, die kaum vorwärts kam. Die Sonne knallte vom Himmel und uns wurde inzwischen ganz schön warm. Endlich an der Reihe, wollte man uns nur mit Personalausweis Einlass gewähren. Dummerweise hatte mein mitgereister Fotograph seine Papiere aber im Auto liegen lassen – die Dame an der Kasse war unerbittlich und wollte auch mir nicht glauben, dass der Herr auch wirklich und ganz sicher derselbige sei. So mussten wir dann nochmal zum Auto zurück, den Perso holen und dann ging die ganze Prozedur von vorne los. Anstellen in der Schlange, die in kürzester Zeit noch um einige Meter zugelegt hatte, warten…warten, endlich das heiß ersehnte Bändchen in Empfang nehmen und dann schnell auf das Festivalgelände, denn BOSSE hatte schon vor einiger Zeit mit seinem Auftritt begonnen und wenigstens ein bisschen wollten wir davon auch optisch noch mitbekommen. Den “normalen” Besuchern wurde teilweise noch mehr Wartezeit zugemutet, hier gibt es wirklich noch Verbesserungspotential für die nächste Auflage.

BOSSE

Wir kamen gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie sich der verschwitzte Braunschweiger zu „3 Millionen“ von seinem aktuellen Album „Taxi“ in die bis jetzt noch recht überschaubare Zuschauermenge stürzte. Und sich zwischen seinen Fans auch sichtlich wohl fühlte. Schade, dass es danach schon wieder vorbei war, denn BOSSE habe ich ja seit seinem Auftritt im Bielefelder Ringlokschuppen ins Herz geschlossen und höre auch das Album immer wieder gerne.

Setlist BOSSE (ohne Gewähr)
Matrosen
Tanz mit mir
Liebe ist leise
Die Irritierten
Gegen Murphy
Sommerlang
Spinner
All die Dinge
Kraft
Alter Strand
3 Millionen

JENNIFER ROSTOCK

Nach einem kühlen Getränk (im nicht ganz gefüllten Becher) zu einem Festivaltypisch überteuerten Preis sollte es mit einer alten Bekannten sowohl für den Terrorverlag als auch für das DEICHBRAND weitergehen. JENNIFER ROSTOCK waren auch im letzten Jahr schon mit von der Partie, aber leider an einem Tag, an dem wir schon vor dem Regen kapituliert hatten und uns wieder im heimischen Gütersloh befanden. Die Band hat vor kurzem ihr zweites Album „Der Film“ auf den Markt gebracht und so konnte man natürlich davon ausgehen, dass die Zuschauer auch mit einigen neuen Stücken verwöhnt werden würden. Gestartet wurde jedoch mit dem üblichen „Musik ist Trumpf“-Intro, um dann mit „Feuer“ direkt weiterzumachen. Auffällig war, dass Jennifer anscheinend weiter an Gewicht verloren hat und ungesund dünn aussieht. Und auch ihre Ansagen sprühten nicht unbedingt vor Ideenreichtum, benutzt sie doch schon seit geraumer Zeit immer die gleichen. So durfte natürlich das Anstossen mit dem Publikum inklusive Trinkspruch nicht fehlen und auch der Wunsch nach nackten Brüsten und auf die Bühne geworfenen BHs kam mir irgendwie bekannt vor. Weiter ging es mit dem ersten neuen Song „Leben auf Zeit“ und dem alt bekannten „Tier in dir“, was Jennifer direkt dazu veranlasste sich bei der Ansage im Schritt zu kratzen. Das Publikum ging ab, ich war eher gelangweilt, aber eventuell bin ich auch einfach nicht mehr Zielgruppe. Zu wenig besoffen, zu sehr Spaßbremse. Nach der aktuellen Single „Du willst mir an die Wäsche“ folgte „Mona Lisa“, das Frau Weist dazu nutzte, sich stöhnend im Graben zu tummeln und die Frauen immer mal wieder dazu aufzufordern, ihre Brüste zu zeigen. Eine erbarmte sich anscheinend sogar und riss ihr T-Shirt hoch. Ein kurzer Kommentar und es konnten das neue „Wo willst du hin?“ und „Diadem“ folgen. Damit waren wir schon fast am Ende der wie immer sehr abgedrehten Show der Berliner angelangt und so gab es noch das beliebte „Kopf oder Zahl“ und „Ich will hier raus“ auf die Ohren, bevor man sich verabschiedete.

Setlist JENNIFER ROSTOCK
Feuer
Nichts tät ich lieber
Leben auf Zeit
Tier in dir
Himalaya
Drahtseilakt
Du willst mir an die Wäsche
Mona Lisa
Wo willst du hin?
Diadem
Kopf oder Zahl
Ich will hier raus

4LYN

Im folgenden sollte es zu einem Déjà-vu besonderer Art kommen. 4LYN standen auf der Water Stage bereit, die ihrem Namen noch alle Ehre machen sollte. Doch kurz die Vorgeschichte: Im Vorjahr waren Braz und Co. ebenfalls im Line Up, ebenfalls am Freitag und während ihrer Show hatte das ganze Unheil seinen Lauf genommen. Ein Unwetter hatte das Areal binnen kurzer Zeit in einen Schlammacker verwandelt und 4LYN mussten aufgrund endloser Stromprobleme ihr Set nach kurzer Zeit beenden. Nicht ohne das Versprechen zu geben, 2009 an Ort und Stelle zurückzukehren. Da war man also wieder, zwar ein paar Kilometer weiter, doch irgendwie scheinen die Hamburger ein schlechtes Omen für das Deichbrand zu sein. Zunächst verzögerte sich der Start, da man von Seiten der Festivalleitung festgestellt hatte, dass der Wellenbrecher am Boden überhaupt nicht richtig verankert war! Da hiess es also, in Windeseile die entsprechenden Bolzen einzusetzen. Wie gut, dass es noch keine allzu heftigen Publikumsaktivtäten à la Wall of Death, Circle Pits etc. gegeben hatte. Für die wollte nun also das Norddeutsche Quartett sorgen, welches immer noch über eine beachtliche (weibliche) Fanschar verfügt. Ron hatte natürlich wieder sein Totenkopf Mikro am Start und man legte sogleich voller Spielfreude los. Doch schon während der ersten 3 Titel verdunkelte sich der Himmel bedrohlich und schließlich brach ein heftiger Regenguss auf die Anwesenden hernieder. Welch Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet 4LYN wieder dran glauben mussten, zumal es ansonsten an diesem Tag – ich nehme es mal vorweg – trocken bleiben sollte. Doch während das Gros der Besucher Schutz an den Ständen oder im Zelt suchte, spielte die Nu/ Modern Metal Truppe mannhaft weiter. Es gab sogar noch einige neckische Kommentare für die „Weicheier“ auf die Ohren. Die richtigen Fans ließen sich nicht vertreiben und konnten so Songs wie „Compadres“, „Take it as a compliment“ oder „Whooo“ lauschen. Wir Softies kehrten erst gegen Ende des Sets auf die nun aufgeweichte aber durchaus noch begehbare Wiese zurück. Der Geländewechsel hatte sich spätestens hier ausgezahlt und für die Zukunft bitte ich ALLEINE aus Wettertechnischen Gründen von einer Verpflichtung 4LYNs abzusehen.

POLARKREIS 18

Das passte ja mal wie die Faust aufs Auge. Pünktlich zu POLARKREIS 18 hatte sich der Regenschauer verzogen und mit nur einer kleinen Verzögerung konnte es beginnen. Ich gebe ja zu, dass der Hype um die Band an mir fast unbemerkt vorübergegangen ist. Ihren Hit „Allein allein“ kannte ich nur aus dem Abspann des Films „Krabat“ und bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest konnte ich mir einen Eindruck über ihre Live Darbietung verschaffen. So ging ich auch sehr unbedarft an die Sache heran, aber war natürlich gespannt, was da auf mich zukommen würde. Den Auftakt machte ein Drum Intro, bei dem sich alle wie Roboter bewegten, bevor Herr Räuber dann die Bühne enterte. Gestartet wurde direkt mit ihrer zweiten Single „The colour of snow“, die es immerhin auf Platz 5 der deutschen Charts geschafft hatte. Und auch der Anblick der sechs Jungs aus Dresden wirkte gar sonderbar. Ganz in weiß betrat man die in blaues Licht getauchte Bühne mit futuristisch anmutenden Sonnenbrillen. Eine ausgefeilte Choreographie verlieh der Show dann noch den letzten Schliff, so dass man Felix Räuber auch schonmal nur von einem Spot angestrahlt auf den seitlichen Bühnenaufbauten bewundern konnte oder sich alle synchron bewegten. Dazu bescherte uns die Sonne in unserem Rücken einen herrlichen Untergang, der einnehmend gut zu dem avantgardistischen Synthie-Pop passte. So präsentierte man uns Songs wie „Crystal Lake“ vom 2007er Album „Polarkreis 18“ ebenso wie „Dreamdancer“ oder „Comes around“. Herr Räuber hatte sich dann inzwischen in ein luftigeres Outfit geworfen, welches entfernt an einen Schwesternkittel erinnerte und etwas ulkig aussah. So gab es dann noch „Happy Go Lucky“, die dritte Single aus dem 2008er Album, welche aber nicht ganz so erfolgreich wurde wie ihre beiden Vorgänger. Zum Abschluss durfte dann natürlich DER Überhit „Allein allein“ nicht fehlen und wurde auch von den Zuschauern lautstark mitgesungen. Ich finde es ja immer wieder erstaunlich, in welche Höhen Sänger Felix seine Stimme schrauben kann. Das tat er übrigens auch körperlich, denn er kletterte mit einem “waghalsigen” Stunt links die Bühnenverstrebung empor. Zu einem Song ließ man sich dann auch noch hinreißen und verabschiedete sich dann mit „Look“ vom recht zahlreich erschienen Publikum. Insgesamt eine fast perfekte Show, doch meiner Meinung nach ist diese besser in Clubs als auf Festivalbühnen aufgehoben. Die Stimmung wollte nicht so ganz rüberkommen. Aber gerne bin ich beim nächsten Konzert wieder mit dabei.

EISBRECHER

Nun sollte es mit der Band weitergehen, auf die ich mich schon den ganzen Tag gefreut hatte, denn auch wenn ich EISBRECHER schon des Öfteren gesehen habe, sind ihre Konzerte immer wieder unterhaltsam und auch beim Interview im März diesen Jahres präsentierte sich Alexx als durchaus intelligenter und sympathischer Gesprächspartner. Aber nun zurück zum Auftritt unseres persönlichen Headliners des Tages (LOTTO KING KARL und MONSTERS OF LIEDERMACHING hatten wir von vornherein aus unserem Programm gestrichen, da der Tag auch so schon anstrengend genug war und der nächste nicht besser werden würde). Unter den Zuschauern hörte man dann immer wieder munkeln, dass jetzt der Checker kommen würde. Anscheinend kannten viele Alexx eher aus seiner DMAX Sendung denn als Fronter einer Electro Rock Band. Dies merkte man auch im Verlauf des Auftritts, denn einige Dinge funktionierten einfach nicht so gut, als wenn die Herren vor eingefleischten Fans spielen. Begonnen wurde aber wie üblich mit „Kann denn Liebe Sünde sein“ natürlich (noch) in voller Montur und mit zwei Eispickeln bewaffnet. Weiter ging es mit „Angst“ und „Antikörper“, wobei Alexx bis hierhin auf seine sonstigen Sprüche verzichtete und nur immer mit einem „Deichbrand“-Ruf die Stimmung testete. Natürlich kam er nicht umhin zu erwähnen, dass sie aus Bayern kämen, aber der Norden auch ganz schön sei. Trotz lautstarker Forderung nach „Schwarze Witwe“ folgten zunächst „Phosphor“ und das von mir favorisierte „Willkommen im Nichts“. Im Gegensatz zu sonst zeigte sich der Checker doch ziemlich wortkarg und das fiel ihm dann nach „Leider“ und „Vergissmeinnicht“ auch auf, denn er stellt fest, dass noch ziemlich viel Zeit bis zum Abschluss übrig wäre. So wurde dann noch das vorher eingeforderte „Schwarze Witwe“ dargeboten, bevor mit „This is Deutsch“ ein heiß ersehntes Lieblingslied meines mitgereisten Fotographen angestimmt wurde. Natürlich stilecht mit Gamshut und roter Weste (obwohl die Weste anscheinend neu war). Und damit waren wir auch am Ende angelangt. Zumindest fast, denn ein Titel aus alten Zeiten durfte natürlich nicht fehlen. Was sonst auf EISBRECHER Konzerten lautstark eingefordert wird, musste hier ohne Sprechchöre aufgefahren werden und so spielte man „Miststück“ mehr oder weniger eben so und auch das mitsingen in der vorderen Reihe klappte irgendwie nicht so recht. Aber immerhin hatte Alexx inzwischen sein Hemd geöffnet. Und das entschädigte für so einiges. Auch wenn die „Ausziehen, ausziehen“-Rufe ausblieben und so das Hemd am Ende nicht mehr ganz fallen durfte.

Setlist EISBRECHER
Kann denn Liebe Sünde sein
Angst
Antikörper
Phosphor
Willkommen im Nichts
Leider
Vergissmeinnicht
Heilig
Schwarze Witwe
This is Deutsch
Miststück

Das war also unser erster Tag auf dem DEICHBRAND 2009. Wir sind fast trocken geblieben, haben gute Acts gesehen und auch ansonsten verlief fast alles reibungslos, so dass wir uns geschafft aber zufrieden auf den Weg ins Hotel und unter die Dusche machen konnten. Danach eine Mütze Schlaf, damit es am nächsten Tag frisch und ausgeruht weitergehen konnte.

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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