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DEICHBRAND FESTIVAL 2010 – TAG 2

Ort: Cuxhaven – Seeflughafen

Datum: 17.07.2010

Nachdem es am Vorabend noch geregnet und gewittert hatte, war davon an diesem Morgen kaum noch was zu merken, außer dass es ein wenig kühler war als am Vortag. Ansonsten strahlte schon früh morgens die Sonne durch unser Hotelfenster. Das nutzten wir, um noch ein paar Kleinigkeiten einzukaufen, im schlechtesten „Schlemmer-Restaurant“ Cuxhavens zu essen (in der Hoffnung, danach keine Bauchschmerzen oder schlimmeres zu bekommen) und einen kleinen Spaziergang am Strand zu machen. Hier erklärt sich dann auch die „Immer nie am Meer…“-Überschrift von Tag 1, denn ich war jetzt zum dritten Mal in Cuxhaven und habe dort noch nie das Meer gesehen. Dieses Jahr machte uns die Ebbe einen Strich durch die Rechnung. So sind wir nur ein wenig durchs Watt gewandert, ich habe vor meinem mitgereisten Fotografen den Weichei Status gefestigt (Algen sind ja auch eklig) und gegen Nachmittag machten wir uns dann auf Richtung Festivalgelände. Dort angekommen konnten wir aber erstmal im Auto sitzen bleiben, denn aus Richtung Himmel ging ein wahrer Platzregen auf uns nieder. Dieser verzog sich glücklicherweise pünktlich zu JOCHEN DISTELMEYER und so war dies der erste Act unseres Festivaltages.

JOCHEN DISTELMEYER

Allzu viel war nach dem Regenguss vor der Bühne nicht los und an dieser Stelle kann man nur allen gratulieren, die da waren, der Rest hat definitiv was verpasst. Gefielen mir BLUMFELD damals schon gut, gefällt mir DISTELMEYER noch besser. Sein Album „Heavy“ lief bei mir wochenlang rauf und runter und bis heute höre ich es immer wieder gerne. Außerdem habe ich vor kurzem festgestellt, dass Jochen und ich aus dem gleichen Bielefelder Stadtteil (Dorf) kommen. Da muss man schon alleine deswegen Sympathien entwickeln und auch sein Auftritt in Osnabrück hatte einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Somit folgte hier das Festivalhighlight Numero Zwei. Durch den Regenguss verzögerte sich anscheinend alles ein wenig und auch der Soundcheck zog sich in die Länge, aber dann konnte es endlich mit „Wohin mit dem Hass“ losgehen. Ansonsten kam JOCHEN DISTELMEYER unprätentiös wie immer rüber. Keine große Show, kein Mann der vielen Worte, er ließ lieber seine Texte sprechen. Es folgten „Einfach so“ und „Er“, bevor es dann vor „Eintragung ins Nichts“ doch eine Ansage gab. Nämlich die, dass wir ja jetzt einen neuen Bundespräsidenten hätten mit Namen Christian Wulff. So kann man auch seine Meinung ausdrücken. Es folgten „Wir sind frei“ und „Weil es Liebe ist“, zwei Stücke aus vergangenen BLUMFELD Tagen. Erstaunlich an dieser Stelle auch, dass Jochen es schaffte, das komplette Set ohne eine Zigarette durchzustehen. Wenn ich mich da an Osnabrück erinnere, sah es da anders aus. Mit „Hiob“ und „Hinter der Musik“ war der Auftritt dann leider schon wieder vorbei, auch wenn ich ihn mir länger gewünscht hätte. Doch immerhin ließ man sich noch zu einer Zugabe in Form von „Pro Familia“ hinreißen. Gerne wieder und gerne mehr davon.

Setlist JOCHEN DISTELMEYER
Wohin mit dem Hass
Einfach so
Er
Ich – Wie es wirklich war
Eintragung ins Nichts
Wir sind frei
Weil es Liebe ist
Hiob
Hinter der Musik

Pro Familia

Als nächstes standen die OHRBOOTEN auf dem Programm, da wir aber beide keine allzu großen Fans dieser Art von Musik sind (im Gegensatz zu sehr vielen anderen, die Stimmung war nämlich ausnehmend gut vor der Fire Stage), nutzten wir die Zeit zur Nahrungsaufnahme nach dem katastrophalen Mittagessen (wo ist eigentlich Christian Rach, wenn man ihn mal braucht?) und stärkten uns für den restlichen Tag. Was aber im Endeffekt auch nicht viel geholfen hat, aber dazu später mehr.

GRAND AVENUE

Pünktlich zu GRAND AVENUE fanden wir uns wieder vor der Water Stage ein. Die vier Herren kommen aus Dänemark und hatten uns feinen (Indie) Rock mitgebracht, der stellenweise sehr an U2 erinnerte. Außerdem erzählten sie uns noch, dass sie vor zwei Jahren schonmal den Weg Richtung Cuxhaven angetreten waren und dort inmitten von katastrophalen Verhältnissen gelandet waren. Wir erinnern uns, das Deichbrand vor zwei Jahren versank mehr oder weniger im Matsch, da der Regen das komplette Gelände mehr als nur aufgeweicht hatte. Technikausfälle und andere Unannehmlichkeiten blieben nicht aus und wir waren nach einem Tag wieder abgereist. Doch heute sollte alles besser werden, denn es war mittlerweile zwar vergleixhsweise kühl, aber immerhin trocken. Und bei diesem hübschen Sänger blieb man doch gerne dabei. Neben BELA B bisher das Beste, was das Festival optisch zu bieten hatte. Songs wie „On your side“ oder „These days“ gefielen mir ausgesprochen gut und so war die Stunde Spielzeit sehr kurzweilig und angenehm. Ich hoffe, der Auftritt in diesem Jahr hat die Band für die nicht so tolle Zeit vor zwei Jahren entschädigt und vielleicht lassen sie sich ja zu gegebener Zeit mal wieder auf dem DEICHBRAND blicken.

BLUMENTOPF

Die nächsten in der Reihe waren BLUMENTOPF, denen wir zumindest eine Chance geben wollten, da ich deren Musik vor etlichen Jahren mal ganz nett fand, aber schnell merkte ich, dass dem heute nicht mehr so ist, auch wenn ihr Freestyle Rap durchaus faszinierend und interessant war. Außerdem war mir inzwischen trotz Jacke reichlich kalt und die körperliche Verfassung ließ auch zu wünschen übrig. So suchten wir uns lieber ein windgeschütztes Plätzchen und lauschten der (recht intelligent getexteten) Musik nur aus der Ferne.

GROSSSTADTGEFLÜSTER

Mit GROSSSTADTGEFLÜSTER stand nun ein weiteres Festivalhighlight auf dem Plan, denn inzwischen weiß man ja, dass die drei ordentlich nach vorne rocken und richtig Stimmung machen können. Das konnten sie im letzten Jahr schon unter Beweis stellen und waren auch dieses Mal wieder mit von der Partie. Dieses Mal etwas früher im Line Up. Inzwischen hat man auch mit „Alles muss man selber machen“ ein neues Album am Start, für das Jen zwischendurch immer mal wieder KEINE Werbung machte und hatte somit neben einigen alten Krachern auch ein paar neue Songs im Gepäck. Außerdem hatte man sich ein neues Bühnenoutfit zugelegt inklusive ausgefallener Showeinlage in Form einer Tanzperformance zu Beginn des Sets. Gestartet wurde dann mit vollem Einsatz und „Laut reden nichts sagen“. Die Stimmung war von Anfang an ziemlich ordentlich und Jen und ihre Jungs heizten der Masse richtig ein, so dass das ein oder andere Tanzbein geschwungen wurde. Mit „Käthe“ gab es dann zunächst einen weiteren neuen Song auf die Ohren, bevor es mit „Fehler“ zurück zu den Anfangstagen ging und auch kurzzeitig etwas ruhiger wurde. Der Titel hat es mir aufgrund seines Textes ja besonders angetan (wie ich letztes Jahr schon erwähnte) und insgeheim wünsche ich mir, dass das auch mal jemand zu mir sagt. Es folgten „Lebenslauf“ und „Overdressed and underfucked“, bei dem erschreckend viele Leute mitsangen. Aber so ist sie die Jugend von heute. Zwischendurch wussten Jen und ihre beiden Jungs die Zuschauer mit ihren amüsanten Ansagen zu unterhalten und hatten damit das Publikum fest im Griff. Ein GROSSSTADTGEFLÜSTER Auftritt macht halt eben einfach Spaß. Weiter ging es mit „Kann ich auch“ und „Weil das morgen noch so ist“, bevor mit „Ich muss gar nix“ der Höhepunkt der Show erreicht war. Fast jeder konnte mitsingen und der Titel wurde kräftig abgefeiert. Zum Abschluss gab es dann noch „IchBinHuiDuBistBuhDuBistSchubiIchBinDu“ und „Haufenweise Scheiße“ auf die Ohren (zum Glück nur verbal…), bevor man sich leider aufgrund des Zeitplans verabschieden musste, auch wenn man laut Jen gerne noch die ganze Nacht weitergespielt hätte. Was sie meinetwegen ruhig hätten tun können, denn das hätte sicher jede Menge Spaß gebracht.

Setlist GROSSSTADTGEFLÜSTER
Laut reden nichts sagen
Käthe
Fehler
Kümmer dich
Lebenslauf
Overdressed and underfucked
Dein Flow
Kann ich auch
Weil das morgen noch so ist
Komm schon
Ich muss gar nix
IchBinHuiDuBistBuhDuBistSchubiIchBinDu
Haufenweise Scheiße

Zum spaßen war mir zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zumute, denn ich war komplett durchgefroren und meine körperliche Verfassung ließ mehr als nur zu wünschen übrig. So entschlossen wir uns (bzw. beschloss ich) an dieser Stelle den Heimweg Richtung Hotel anzutreten und mir etwas Ruhe zu gönnen. Leider mussten damit für uns MADSEN, SUBWAY TO SALLY und HEAVEN SHALL BURN ausfallen, aber ich glaube, die Bands konnten es verkraften, die Stimmung soll jedenfalls Augenzeugenberichten nach durchweg gut gewesen sein. Außerdem sollte es ja auch noch einen nächsten Tag geben, über den wir an anderer Stelle in volle Länge berichten.

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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