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DEMON HUNTER – DEADLOCK – NIGHTRAGE – INSENSE

Ort: Bochum - Matrix

Datum: 03.05.2012

Hm, irgendwie ist da der Wurm drin… irgendwie überkommt einen schon ein einsames Gefühl, als man zu dritt die MATRIX betritt und abgesehen vom Kassenpersonal erst 2 Treppen tiefer beim Erblicken des Merch-Tisches gleichzeitig die nächsten Menschen sichtet. Rechts die Tür ist noch geschlossen, aber man ist ja früh da und es wird bestimmt bald aufgetan. Zwei Stufen weiter runter gegangen und nach links geschaut… und der gesamte Abend relativiert sich: Dank des „grandiosen“ Vorverkaufes hat man bestimmt vorsichtshalber das Event in die „kleine Röhre“ verlegt: einem Jugendclub ähnelnd und einem Headliner wie DEMON HUNTER unwürdig. Punkt. Aber wenn einen die Fans im Stich lassen, dann darfst Du nicht meckern, wenn der Club im eigenen Haus umzieht.

Knapp die Hälfte der später höchstens 100 Anwesenden erlebt dann bei extrem lauten und schlechten Sound (zumindest im hinteren Drittel des Schlauches) den Anfang eines durchwachsenen Konzertabends in Form der Norweger INSENSE. Eigentlich möchte man die Jungs ja mögen, auch wenn die Becken lauter scheppern als der Gesang. Man müht sich sichtbar und hat auch unglaublich viel überspringenden Spaß in den Backen, aber gute Ansätze werden vom Krachorkan sofort plattgewalzt. Mehr als verdienten Höflichkeitsapplause erntet man leider nicht, man zieht die Schnittmenge aus langweiligen MESHUGGAH-Riffs/ fixem Neo-Thrash und Geschrubbe à la SYL aber mit einem Lächeln durch und ist nach dem Headliner die sympathischste Band des Abends.

Auch der folgende metallische Nationalitäten-Flickenteppich hat weiter mit schepperndem Dröhnsound zu kämpfen. So unterschiedlich die Musiker in ihrer Herkunft sind (Griechenland, Schweden, Amerika), so zerrissen präsentiert sich das auch in der Bühnenpräsenz. Da passt irgendwie gar nichts zusammen. Musikalisch lässt man nichts anbrennen, spielt einen gelungenen Querschnitt durch alle Vös, wobei mir besonders die Sachen von „Wearing a Martyr‘s Crown“ zusagten. Der Gesang war mit zunehmender Auftrittslänge leider extrem eindimensional, jenes kann aber auch am schlecht gemischten Vocalsound gelegen haben. Der aktuelle Saitenvirtuose hat schwer was auf dem Kasten, was er gerne bei den zu lauten Soli zur Schau stellte. Somit nett, aber unterm Strich doch durchschnittlich, schade.

Danach wird man Zeuge einer leichten Verarsche. Ein etwas langer Soundcheck wird mit dem Checken von 2 (!) Gitarren aus dem Backstagebereich heraus abgeschlossen, bevor DEADLOCK dann mit nur einem (!) Gitarristen nach einem extrem grausamen (vom Drummer getanzten [WTF?]) Intro die Bühne betreten und ziemlich viel von Band einfliegt!! HALLO? Da war ich mal kurz angepisst, aber wenigstens war der Sound jetzt im grünen Bereich. Könnte aber auch daran gelegen haben, dass ich jetzt Platz in der ersten Reihe vor einer der PA-Boxen genommen hatte. DEADLOCK rocken routiniert, aber vieles erscheint aufgesetzt, besonders der männliche Teil des Vocal-Duos übertreibt es für meinen Geschmack mit dem Grinsen und kumpelhaften Getue den knapp 100 Besuchern gegenüber. Ok, man wird gefeiert für Hits der Marke „Code of Honour“ und ähnlichen Krachern, aber so richtig überzeugt hat mich das nicht. Und völlig daneben leider die Sängerin. Trifft zwar jeden Ton aber steht in ihrem weißen schulterfreien Kommunionskleid total verschüchtert sich an ihrem Mikro festklammernd in der Gegend rum. Passt nicht zum bangenden Rest und die Pommesgabel und das Pseudo-Headbangen nehme ich ihr zumindest überhaupt nicht ab. Sorry. Auf Platte funktioniert das zwar seit Jahren gut, aber visuell war das Kreisklasse.

Um auch gleich im Fußball-Fachjargon zu bleiben: abschließend bricht dann die Champions League über die scheinbar auch nur auf den Headliner wartende Hundertschaft herein. Und womit? Mit Recht! Und mit gutem Sound, dem besten des Abends (mit Abstand)… druckvoll und differenziert. Die seit nunmehr knapp über 10 Jahren existenten Christen-Coreler können auf unzählige Tourneen und mittlerweile 6 CD-VÖs zurückblicken und haben die feierwütige Meute sofort auf ihrer Seite. Gewandet wie Sargträger und mit Mehl (Oder Staub? Oder Asche?) bestäubt gibt es Zuckerbrot und Peitsche, derbes Gebretter wechselt sich mit hymnischen Halbballaden ab. Erfreulich dass man den für mich sehr schwachen Live-Standard „LifeWar“ ziemlich früh im Set bringt und nach hinten raus nur noch Highlights kredenzt. Man vergisst zwar leider „Thorns“, punktet aber mit Hits wie „My Destiny“ oder „Carry me down“. Die Band ist gut drauf, bewegungsfreudig unterwegs und der Herr Sänger ist ein sympathischer Unterhalter. Die Spielfreude springt auf die Fans über, die bei „Zart“ mitsingen und bei „Hart“ den Circle-Pit anwerfen. Einfach großes Genre-Kino und nochmal eine bessere Performance als die schon geile letzte Germany-Visite vom Winter 2010. DEMON HUNTER sind halt eine Macht auf der Bühne und mit einem Arsenal an grandiosen Songs ausgestattet, was sie mittlerweile als perfekte Symbiose immer wieder unter Beweis stellen. Somit findet ein anfangs durchwachsener Abend einen versöhnlichen Abschluss in der bisher (für mich) besten Live-Performance des laufenden Jahres. Bis zum nächsten Mal und DANKE!

Copyright Fotos: Jens Schäfer

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