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DER BLUTHARSCH – DEUTSCH NEPAL – BAIN WOLFKIND

Ort: Leipzig - Club Lagerhof

Datum: 25.09.2009

Es ist schon ein paar Jahre her, dass sich genau dieselben drei Bands gemeinsam auf die Bühnen begeben haben. Damals, im Jahre 2006, sollte es eine Art Abschiedstournee durch Europa werden. Im gewissen Sinne stimmt das mit dem Abschied ja, aber glücklicherweise war es kein Abschied von Live-Auftritten. Umso erfreuter waren sicher viele, als endlich dieses Jahr bekannt wurde, dass DER BLUTHARSCH eine Tournee mit dem gleichnamigen Titel wie das aktuelle Album („Flying high!“) macht, mit an Bord wieder die bewährten Kumpane von DEUTSCH NEPAL und BAIN WOLFKIND. Ende September war nun Station im Leipziger Club Lagerhof, einer alten Lagerhalle in der Nähe vom Bahnhof.

Der Saal war schon relativ gut gefüllt, als BAIN WOLFKIND gegen 21 Uhr pünktlich auf die Bühne kam. Mit seiner unfassbar tiefen Stimme gab er mit Goldkettchen und Pornobrille bestückt sämtliche seiner Hits zum Besten, wie zum Beispiel „Burning on the Brink“, „My Name is Poison“ und „I’m bad, Baby“. Er selbst beschreibt seinen Sound als „Musik für die Hinterzimmer, die dunklen Ecken und die von Verbrechen durchsetzen Straßen einer imaginären Stadt in der Zukunft, wo die Männer ihre eigene persönliche Gerechtigkeit haben und die Frauen ihre Werte für nicht mehr als ein „deathly-dry“ Martini und ein Paar Schmeicheleien aufgeben. Blues eben, mit einer ordentlichen Prise Düsternis und ganz schön evil. Die lasziven Bewegungen und anzüglichen Gesten Bains ließen das Konzert zu einem schönen Auftakt werden, bei dem er zum Schluss noch fast in die Bühnentechnik gestürzt wäre.

Als zweites kam Lina Baby Doll, besser bekannt als DEUTSCH NEPAL auf die Bühne. Auch dieser legte ein tolles Konzert hin, mit bekannt düsterem Sound und ein paar ungewöhnlichen Einlagen, wie zum Beispiel eine Banane, die vor seinem Kopf pendelte und er versuchte, danach zu schnappen. Auch sein düsterer „Gesang“ kam nicht zu kurz, wenngleich ich diesen dieses Mal als etwas zu undefiniert empfunden habe. Die Lautstärke hat hier im Verhältnis zum Auftritt davor schon um einiges zugenommen, so dass die Plätze vor den Boxen nur noch die ganz Hartgesottenen nutzten. Dennoch ein tolles Konzert.

Headliner des Abends war dann der „neue“ BLUTHARSCH. Wie schon zu Beginn beschrieben, gab es 2006 eine Art Abschiedstournee, und zwar von der alten Inkarnation Julius‘. Beginnend mit dem Album „When Did Wonderland End?“ setzte für ihn und seine Crew eine deutliche musikalische und auch ästhetische Korrektur ein, die mit dem neuen Album „Flying high!“ ihre Vollendung gefunden hat. Lernten die Fans der ersten Stunde DER BLUTHARSCH noch als martialisches, in Uniformen und mit zweifelhafter Symbolik behaftetes Ein-Mann-Projekt mit Gastkünstlern kennen, dessen Musik den Stil des „Martial Military-Pop“ mehr als nur prägte, so ist die österreichische Formation inzwischen zu einer richtigen Psychedelic Rock-Band mit vier Mitgliedern, unter ihnen auch BAIN WOLFKIND, geworden. Die 2 Dinge, die noch geblieben sind: Der dumpfe und bedrohliche Klang sowie die weißen Hemden mit schwarzer Krawatte. Eröffnet wurde das Konzert auch nicht mehr mit einem „Achtung! DER BLUTHARSCH“ sondern mit einem Glockenschlag. Als Opener meine ich eine Version des CHRISTIAN DEATH-Klassikers „Venus in Furs“ gehört zu haben, zu dem Marthynna „Das ist das Wunder.“ vortrug, ein Sample, das DER BLUTHARSCH auf seinem Debüt-Album 1998 verwendete. Ansonsten war das Konzert bis auf eine Neofolk-Einlage des Gastmusikers (Schande über mich, obwohl mir die Stimme bekannt vorkam, habe ich ihn nicht erkannt) das reinste E-Gitarren-Gewitter. Kein Wunder, waren auch schließlich bis zu drei dieser Instrumente im Einsatz. Da ich das neue Album noch nicht mein Eigen nannte, habe ich den Großteil der Songs nicht erkannt, jedoch eines kann man sagen, es hat ordentlich gerockt. Das Konzert vermochte zu überzeugen und es kam sogar Bewegung ins Publikum. Rock’n’Roll steht der Band gut. Mit ihrem Wandel haben DER BLUTHARSCH einen guten Schritt nach vorne gemacht und werden sicher ein breites Publikum ansprechen, und mit ein bisschen nostalgischem Wehmut in den Augen, werden auch die alten Fans weiterhin zu Albin und Co. stehen. Dieser hat sich übrigens auch optisch ganz schön gewandelt, mit einer leichten Gewichtszunahme, Pornobrille, Riesenkoteletten und an den Seiten nach unten hängendem Schnauzbart, sah er aus wie eine 70er-Jahre-Porno-Cop aus einer alten US-Serie. Ein sehr cooles Konzert, welches allerdings so laut war, dass einem fast die Ohren geblutet haben und man jetzt immer noch etwas dumpf hört.

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

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