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DER FAMILIE POPOLSKI (THE POPS)

Ort: Bad Essen – Landesgartenschau

Datum: 29.08.2010

Inzwischen brauche ich es wohl gar nicht mehr erwähnen: DER FAMILIE POPOLSKI ist der alleinige Erfinder der kompletten bekannten Popmusik, allen voran Opa Pjotrek Popolski, der einst seine wertvollen Kompositionen einem windigen Gebrauchtwagenhändler für einen Appel und ein Ei verkaufte und auf diese Weise die einzigartigen Songs der Familie den Verunglimpfungen solcher Leute wie Dieter Bohlen aussetzte. Seit Familienoberhaupt Pavel Popolski und seine Sippe sich von Zabrze aus in den WDR gehackt hat, weiß die ganze Welt um die Ungerechtigkeiten, die den hochmusikalischen Osteuropäern widerfahren sind, doch werden die POPOLSKIs nicht müde, ihre Familiengeschichte an die Öffentlichkeit zu bringen.

Zu diesem Zweck hatten sie sich für den letzten August-Sonntag auf der Waldbühne des beschaulichen Kurortes Bad Essen am Wiehengebirge angekündigt, doch aus der lauschigen Open-Air-Veranstaltung sollte nichts werden, denn es war extrem regnerisch und lausekalt, weshalb man in ein deutlich komfortableres Festzelt am Fuße der Ippenburg auf dem Gelände der Landesgartenschau umzog. Dort erwartete die zahlreichen Zuschauer nahezu jeden Alters zunächst einmal eine einleitende Dia-Show – möglicherweise war ja doch der eine oder andere nicht mit den Umständen vertraut, welche die POPOLSKIs auf die Bühne getrieben haben. Die legten mit ihrer Familienhymne „Ras Popolski“ dann auch umgehend mit einer flotten Polka los, die übrigens einst von den BEATLES unter dem Titel „Back In The USSR“ übel verhunzt wurde. Wie gut, dass der Musikanten-Clan nicht länger mit der ganzen Wahrheit hinterm Berg hält und zudem seine Gäste in die Gebräuche des Wodka-Trinkens einweist. So gab es noch vor dem zweiten Song, dem die 4 NON BLONDES als „What’s Up“ schlimm mitgespielt haben, eine Rutsche des hochprozentigen Getränkes für alle Gäste und Musiker. Die Schlagzahl sollte in ähnlicher Form beibehalten werden, schließlich achtet die polnische Bühnenarbeiter-Gewerkschaft ebenso wie der Polka-Überwachungsverein (PÜV) peinlich genau darauf, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Wodka-Pausen im 20-Minuten-Takt eingehalten werden. Von den Herren im Auditorium wurde zu diesem Zeitpunkt Cousinetschka Dorota bereits sehnsüchtig erwartet. Die 14-fache Miss Zabrze mit dem unfassbaren Männerverschleiß hauchte dann auch wenig später ihre Tango-Polka „Dance With Somebody“ (als billiges Plagiat von MANDO DIAO über die Radiosender gegangen) ins Mikro und verdrehte mit vollem Körpereinsatz ihren Fans ein weiteres Mal den Kopf. Nachmittags hatte die POPS noch im Familienalbum geblättert und einige besonders schöne Fotos von Dorotas Verflossenen mitgebracht, die samt und sonders die Trennung nicht besonders gut verarbeitet hatten, wie das Bildmaterial bewies. Aber bei der glutäugigen Dorota ist nun mal alles „Whole Lotta Love“ (LED ZEPPELIN) und mit dieser Speed Polka verabschiedete sie sich zunächst, nachdem die eineiigen Zwillinge Henjek und Stenjek, auch bekannt als „Dobrze Horns“ ein fettes Bläser-Solo hingelegt hatten. Nun sollte es mit dem blinden Danusz und dem Original von „Mein Stern“ (der übrigens den Namen „Uschi“ trägt und ungleich dramatischer ist als der DJ Otzek-Abklatsch) sowie Mireks ergreifender „Ballade pour Adrenalin“ auf der 18-saitigen, goldenen Stratocastri weitergehen. Die Familie konnte den beieisterten Gitarristen mit Mühe und Not dazu bewegen, sein 4 ½ Stunden langes Epos, das allein 2 ½ Stunden Rückkopplungen beinhaltet, auf wenige Minuten zu reduzieren, aber auch die hatten es in sich und ließen die Schmach, die ein gewisser RICHARD CLAYDERMAN (oder hieß er Kleiderschrank? Kleiderbügel? Kleidersack?) dem Lied zugefügt hat, umgehend vergessen. Dermaßen in Stimmung gebracht, lernten die Anwesenden auch schnell das polnische Schunkelprocedere, das Fräulein ANASTACIA bei ihrer drittklassigen Variation von „I’m Outta Love“ stets vernachlässigt. Inzwischen war die erste Stunde wie im Fluge vergangen und es war an der Zeit, eine 15-minütige Getränkepause einzulegen, ehe es mit einer bläsergeschwängerten Darbietung des weltberühmten „Ententanzes“ weitergehen konnte. Bisher war über die stets gut gelaunten Zwillinge Henjek und Stenjek nicht viel in Erfahrung zu bringen, doch jetzt wissen wir, dass die beiden in der PLK, der Polnischen Klassenlotterie, das große Los gezogen haben. Mit dem Geld haben die beiden sich auf eine große Weltreise begeben, von der es ebenfalls Dias zu sehen gab. Leider war die Kohle schon in der ersten Stadt in Spanien ausgegeben, weshalb die Twins sich Gedanken über alternative Einnahmequellen machen mussten. Die Zaubernummer mit einem weißen Kaninchen in Las Vegas klappte nicht, da der Hoppler aufgrund zu hoher Vitamin- W-Gaben (W wie Wodka) zu sehr an Größe und Gewicht zugenommen hatte und deshalb nach Übersee in eine Diätklinik verschickt werden musste. So ist auch der Song „My Bunny Is Over The Ocean“ entstanden und die Idee mit der Tiernummer wurde schamlos von zwei Typen namens Siegfried und Roy geklaut, die statt eines Karnickels auf einen Tiger zurückgriffen, was sich in letzter Konsequenz rächen sollte. Schließlich hielt die Dobrze Horns nicht mehr in der Neuen Welt und sie begaben sich zum Wettsaufen mit Queen Mum nach London in den Buckingham Palace, wo sie auch gleich der königlichen Garde die Polka beibrachten, bevor es weiter nach München ging. Hier konnten Henjek und Stenjek die „Goldene Pfeife der Volksmusik“ erringen und natürlich durfte ihr Siegerlied „Wir sind der 2“ in Bad Essen unmöglich fehlen. Schöne Erinnerungen haben die beiden von ihrer Weltreise mitgebracht. Genau wie die an Opa Pjotreks erstes Love&Peace-Festival mit dem Gürkchen des Friedens, dessen Begleitmusik Danusz gemeinsam mit Mirek an der akustischen Langaxt vortrug. So gab es „Wind of Change“ (fälschlicherweise den SCORPIONS zugeschrieben), „Ein bisschen Frieden“ (Skandal! NICOLE hat mit einem geklauten Song den Grand Prix gewonnen!) und „I’ve Been Looking For Freedom“ (DAVID HASSELHOFF sollte sich schämen!) in groovigen Originalversionen auf die Ohren, ehe der schöne Andrejz erneut die Stage enterte. Der smarte Beau war einst mit „Baywatzki“ zum Shootingstar des polnischen Fernsehens avanciert, dann allerdings nach zahlreichen Affairen im Porno-Milieu gelandet, wovon auch sein laszives „Porn To be Alive“ handelte. Auf Tuchfühlung mit seinen Fans (inklusive Crowdsurfing-Einlage) und angetan mit einem hautengen, lilafarbenen Overall jagte er bei der weiblichen Zuschauerschaft den Puls in schwindelerregende Höhen, um schließlich an Danusz und Marek am Schifferklavier abzugeben, die „Show Me The Meaning Of Beeing Lonely“ (die BACKSTREET BOYS haben diesen Track in den Dreck gezogen) in der flotten Vorlage zum Besten gaben. Doch es sollte sowohl mit dem heißblütigen Andrejz als auch der rassigen Dorota noch ein Wiedersehen geben. Aus der Stadt der Liebe sangen sie ihr ans Herz gehende Duett „From Zabrze With Love“, für das der charmante Lockenkopf seinen Astralkörper in eine schwarze Lackhose und ein gleichfarbenes Rüschenhemd gesteckt hatte. Dorota blieb natürlich ihrer Lieblingsfarbe treu und präsentierte den Abend über ein hoch geschlitztes, rotes Kleid, während man zu den Klängen des von SARAH CONNOR missbrauchten Titels die Band vorstellte.

Die Zeit war mit den POPOLSKIs wie in Schallgeschwindigkeit vergangen und man war beim letzten Stück angelangt, wie Drummer Pavel augenzwinkernd verkündete. Natürlich hatte die Großfamilie noch etwas in petto, schließlich wollte der scheue jüngste Spross der POPS ja noch geradebiegen, was ein gewisser Dieter Bohlen verbockt hatte. Schon in frühen Jahren hatte Janusz nämlich einen Song über die Kirschenverkäuferin von Zabrze geschrieben und genau diese Nummer ist dem skrupellosen Bohlen in die Hände gefallen, der daraus das schauerliche „Cheri, Cheri Lady“ gemacht hat. Es brauchte wohl einen halben Liter Wodka, dann hatte Janusz seine Zurückhaltung abgelegt und rockte in bester Nu-Metal-Manier das komplette Zelt in Grund und Boden. Seines Hemdes und Pullunders entledigt, ließ er bei der holden Weiblichkeit den Atem stocken und machte sich auf ins Auditorium, um nach seiner persönlichen „Cheri Lady“ zu suchen. Die Verwandtschaft sah die Verwandlung mit größtem Erstaunen und beeilte sich nach Beendigung des Songs, ihr sichtlich derangiertes Nesthäkchen einigermaßen wiederherzustellen. Dazu gab’s zum Abschied noch einmal die POPOLSKI-Polka, doch damit wollte sich das Publikum nicht zufrieden geben. Also folgte zunächst „Sex Bomb“ (was ist TOM JONES gegen Andrejz Popolski?) und dann noch Danusz’ Lobgesang auf Zabrze, den HERBERT GRÖNEMEYER für Bochum verwurstet hat.

Ehre wem Ehre gebührt! Und in diesem Fall ist sie uneingeschränkt den POPOLSKIs zuzugestehen. Was Pavel und seine Mischpoke an Hits geschrieben haben, ist schon atemberaubend. Genau wie ihre grandiose Show, die immer wieder und auf ein Neues das wahre Gesicht der wunderbaren Songs ans Tageslicht bringt. Ich bin gespannt, welche Abgründe sich noch im Show-Biz auftun werden und erwarte die nächste Darbietung der Polen, deren Familienoberhaupt entfernt mit Achim Hagemann verwandt sein könnte, der seinerzeit gemeinsam mit Hape Kerkeling die Musikwelt mit „Hurz“ revolutionierte.

Copyright Fotos: Uli Klenk

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