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DER FAMILIE POPOLSKI (THE POPS)

Ort: Münster - Metropolis

Datum: 05.03.2010

Es ist kein Geheimnis mehr, der FAMILIE POLPOLSKI wurde übel mitgespielt: Opa Pjotrek Popolski ist der Schöpfer fast aller Popsongs, mit denen sich in den letzten Jahrzehnten Stars und Sternchen geschmückt haben! Seine Nachfahren um Familienoberhaupt Pavel Popolski haben sich seit einigen Jahren zur Aufgabe gemacht, der Welt die Wahrheit kundzutun und die ursprünglichen Polka-Fassungen der unzähligen Lieder aus der Popolski-Hitschmiede zu Gehör zu bringen. Bereits zum zweiten Mal gastierte die musikalische Großfamilie deshalb im ausverkauften Metropolis, wo ein bunt gemischtes Publikum jenseits der 25 auf die erschütternden Enthüllungen der polnischen Antwort auf die JACKSON FIVE, die BEE GEES und die Familie Bach wartete.

Um kurz nach 20.00 Uhr startete der Abend mit einer einführenden Dia-Show und den wichtigsten Eckpunkten der Clan-Geschichte, die lediglich durch die ungünstige Anbringung der Licht-Traversen getrübt wurde, da leider die Fotos im oberen Bereich nicht optimal zu erkennen waren. Eine Lässlichkeit, über welche die folgenden 2 ½ Stunden schnell hinwegsehen ließen. Denn nach wenigen Minuten erklang bereits die flotte POPS-Hymne „Ras Popolski“, die einst von den BEATLES dreist geklaut und als „Back In The USSR“ verhökert wurde. Schnell war das Eis zwischen Kapelle und Auditorium gebrochen, wozu der anschließende Wodka-Ausschank ein Übriges tat. Dazu muss man wissen, dass die polnische Bühnenarbeiter-Gewerkschaft durchgesetzt hat, dass alle 20 Minuten eine Wodka-Pause einzulegen ist. Zudem ist den POPOLSKIS daran gelegen, die PÜV-Plakette für ihre Show zu erhalten, die der Polka-Überwachungsverein allerdings nur erteilt, wenn der besagte Spirituosen-Break peinlich genau eingehalten wird. Nachdem die Zuschauerschaft in die Trinkgebräuche unserer östlichen Nachbarn eingeweiht worden waren und gemeinsam ein Kurzer gekippt worden war, rief Tomek Popolksi – auch als Tiger von Zabrze bekannt – das Motto des Abends aus: „Play The Polka Music“! Mit den stets gut gelaunten eineiigen Zwillingen Henjek und Stenjek an den Blechinstrumenten und Marek am Schifferklavier ging es gleich in die Vollen und durfte auch das Publikum einen ersten Gesangsbeitrag leisten, ehe die „Lady of Polka“, Cousineschka Dorota Popolksi im roten Pailettenkleid die Stage enterte. Der heißeste Polen-Export, der durch die europäische Männerwelt eine wahre Schneise der Verwüstung geschlagen hat, sang eine laszive Tango-Polka namens „Dance With Somebody“, an der sich unlängst die Schweden-Bengel von MANDO DIAO vergriffen haben. Wenig später gewährte uns Drummer Pavel einen kleinen Einblick in das Familie-Fotoalbum und präsentierte einige der Herren, die der heißblütigen Dorota verfallen waren, denen die 14-fache Miss Zabrze jedoch aus den verschiedensten Gründen den Laufpass geben musste. Darunter auch Superman in seinem „komischen Regenmantel“, der allerdings ein Helfer-Syndrom hatte und – was ausschlaggebend war – ständig ohne Geschenk von seinen Einsätzen zurückkam. Ein No Go für Dorota, die ihre Präferenzen in der Speed-Polka „Whole Lotta Love“ zusammenfasste. Hinter der hocherotischen Nummer kann sich der müde Abklatsch von LED ZEPPELIN nur verstecken! Noch schlimmer ist es Danusz „Der Stern von Zabrze“ aus der 3-Zloty-Oper ergangen. Ein gewissen DJ ÖTZI hatte die Dreistigkeit, den jazzigen Piano-Song unter dem Titel „Ein Stern“ in den Apre-Ski-Hütten seiner österreichischen Heimat zu verhunzen, doch der blinde Danusz konnte an der Mundharmonika eindrucksvoll unter Beweis stellen, welche Version die richtige und vor allem bessere ist. Hinsichtlich der Qualität der Gitarren-Komposition von Saitengott Mirek Popolski gehen die Meinungen familienintern auseinander, da sämtliche Popolskis auf jedem Ohr einen doppelten „Trinitus“ haben, weil Mirek sogar bei einer akustischen Wanderklampfe augenblicklich Rückkopplungen verursacht. Nur unter größten Anstrengungen war der rastazöpfige Gitarrist davon zu überzeugen gewesen, seine viereinhalbstündige „Ballade pour Adrenalin“ (davon allein eineinhalb Stunden Rückkopplungen) auf ein paar Minuten einzudampfen. Zu diesem Zwecke wurde nach eingehenden Erklärungen ein ganz besonderes Instrument der polnische Gitarrenschmiede „Stratocastri“ an den Verstärker angeschlossen. Imposante 18 Saiten umfassten die drei Hälse des ganzen Stolzes des geradezu fanatischen Musikers, dem bisher beim Anblick seiner Langaxt-Sammlung alle Frauen weggelaufen sind. Im Metropolis erntete Mirek für seine krachenden Gitarrenwände jedoch begeisterte Zugaberufe; man darf wohl davon ausgehen, dass die Schmach, die die überzuckerte RICHARD-CLAYDERMAN-Variation (der Mann hat sich ja sogar beim Instrument vertan!) angerichtet hat, jetzt wieder getilgt ist. Die Stimmung war bestens und wie es sich für polnische Feste erster Güte gehört, musste geschunkelt werden. Auch hier gab es eine kompetente Einführung, weshalb sich schon bald der gesamte Saal in den Armen lag und zu „I’m Outta Love“ (in beschämender Weise von ANASTACIA gecovert) neue Kontakte knüpfte.

Nach einer kurzen Getränkepause schickte sich Dorota an, ein Lied über das jüngste Mitglied der Familie zu singen. Die Rede war natürlich von Janusz Popolski, der stets schüchtern den Bass zupft und allerlei Beschimpfungen seiner Verwandtschaft einstecken muss, die ihn für „die trubste Tasse der Familie“ hält. Ihrem Unmut machte das scharfe Cousinchen deshalb mit dem Song „Junge“ Luft und wer beim Text genau hinhörte, erkannte sofort, dass er Janusz auf den Leib geschrieben war, weshalb das Plagiat der ÄRZTE nur eine Fälschung sein kann. Als nächstes durften wir der Weltreise von Henjek und Stenjek beiwohnen, die in der PKL, der Polnischen Klassenlotterie den Hauptgewinn gezogen und allerlei erlebt hatten. Es gab bewegene Bilder der Dobrze Horns, die ihr Glück in Las Vegas suchten (wo ihren die zwielichtigen Siegfried & Roy ihre Hasennummer klauten und mit einem Tiger zu unverdientem Weltruhm gelangten) und in London mit Queen Mum ein erbittertes Wettsaufen veranstalteten, das sie nur knapp und erst in den frühen Morgenstunden für sich entscheiden konnten. Ebenso wie den Münchner Wettstreit um die „Goldene Pfeife der Volksmusik“. Natürlich durfte der Siegerrsong nicht fehlen, bevor die Sippe an das Love & Peace Festival erinnerte, das der Opa in den Sechzigern im polnischen Woodstockski ins Leben gerufen hatte. Unvergessen die Wirkung des Gurken-Dopes und natürlich die gefühlvollen Schmusenummern des umtriebigen Komponisten, die Danusz gemeinsam mit Mirek am Akustik-Sechssaiter zum Besten gab. Bei „Wind of Change“ (erschummelte Lorbeeren für die SCORPIONS) wurde es jazzig, „Ein bisschen Frieden“ verhalf Deutschland und NICOLE 1982 zum bisher einzigen Gewinn des Eurovison Song Contest, dabei hätte Polen doch den Preis verdient und „I’ve Been Looking For Freedom“ zeigte jetzt erst sein wahres Gospel-Gesicht, nachdem die Schnapsdrossel DAVID HASSELHOFF jahrzehntelang die Welt an der Nase herumgeführt hatte. SURVIVOR hatten sich einst frech im Ruhm eines POPOLSKI-Hits gesonnt, denn was als „Eye of The Tiger“ mit Stallone in der „Rocky III“–Titelrolle zu hören ist, beschreibt in Wahrheit Tomeks Zeit in der Boxbude von Zabrze. Der Track vereinte gekonnt Blues und Funk und regte die Münsteraner Fans mit viel Schmackes zum geschlechtsgetrennten Gesang an. Nicht minder treibend schloss sich „Show Me The Meaning of Beeing Lonely“ (BACKSTREET BOYS) mit Tomek und Dorota an, die mit „From Zabrze In Love” (SARAH CONNOR) einen gefühlvollen Schlusspunkt setzten. Der nicht enden wollende Applaus zeigte jedoch, dass die Anwesenden noch lange nicht genug hatten. Außerdem waren auch immer wieder „Janusz“-Rufe zu hören, weshalb sich die Band entschied, noch einmal auf die Bühne zurückzukehren und den jüngsten Bruder ins Rampenlicht zu stellen. Der tat sich trotz seines inzwischen fast schon legendären Originals von „Cheri Cheri Lady“, dem Dieter Bohlen mit MODERN TALKING so bitter mitgespielt und das er im Kindergartenalter geschrieben hat, erneut schwer, vor seine Fans zu treten und musste erst eine Flasche Wodka zu guten Teilen leeren, ehe er seine Schüchternheit ablegen konnte. Was folgte, war eine testosterongeschwängerte Nu-Metal-Orgie vom Feinsten. Janusz riss sich die Klamotten vom drahtigen Oberkörper, nahm ein Bad in der Menge und schrie sich die Seele aus dem Leib – kurzum: Er war nicht wiederzuerkennen! Das Publikum konnte sich dieser Energie nicht entziehen, geriet ebenfalls heftig in Bewegung und dankte dem blonden Wirbelwind mit lang andauernden Akklamationen. „Ras Popolski“ sollte den bunten Reigen dann eigentlich wieder schließen, doch Münster stand Kopf, so dass die POPOLSKIS schließlich noch einen Song aus der Feder ihres Großvaters nachlegten, den dieser einst geschrieben hatte als er überhaupt nicht schlafen konnte: „Insomnia“ verwandelte das ehemalige Kino am Hauptbahnhof endgültig in einen brodelnden Hexenkessel, wie es FAITHLESS gewiss nicht annähernd gelungen wäre. Ihm fehlen einfach die Zutaten wie Triangel, Banjo, Gebläse und Akkordeon, die das Original ausmachen. Langjährige Freunde der POPOLKSIs werden allerdings bei diesem Stück auch mit Wehmut an den im letzten Jahr verstorbenen Isidor Popolski gedacht haben, an dessen wunderbare Stimme auch Tomek nicht ganz herankam.

Inzwischen war es fast 22.45 Uhr und DER FAMILIE POPOLSKI verabschiedete sich endgültig von den Fans, in deren Gesichtern unmissverständlich zu lesen war, dass die Geschichte der Popmusik der Wahrheit erneut ein kleines bisschen näher gekommen war. Lange kann es nicht mehr dauern, bis auch der Letzte eingesteht, seine Hits bei den POPS gestohlen zu haben. Immer mehr Songs finden in inzwischen in ihrer Ursprünglichkeit zurück auf die Bühne, was in mir die Hoffnung nährt, dass es auch bald einen neuen Silberling von DER FAMILIE POPOLSKI geben wird, deren Oberhaupt Pavel übrigens frappierende Ähnlichkeit mit Achim Hagemann hat, der einst mit Hape Kerkeling und „Hurz“ die Musikwelt erschütterte…

Copyright Fotos: Uli Klenk

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