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DER FAMILIE POPOLSKI (THE POPS)

Ort: Rheinberg - Stadthalle

Datum: 19.04.2008

Ihr kennt Rheinberg nicht? Ging mir bis vor Kurzem auch so, dabei kommen aus der Kleinstadt zwischen Wesel und Moers neben dem ehemaligen Postchef Klaus Zumwinkel, auch Brigitte Mohnhaupt (Ex-Mitglied der RAF) und Topmodel Claudia Schiffer. Außerdem wird der Magenbitter Underberg in Rheinberg produziert, was aber zugegebenermaßen alles keine Gründe für mich waren, an diesem Samstag die opulente Stadthalle des pittoresken Städtchens aufzusuchen. Der lag einzig und allein bei DER FAMILIE POPOLSKI – besser bekannt als THE POPS aus Zabrze in Polen. Opa Popolski hat vor 100 Jahren die gesamte Popmusik erfunden, insgesamt mehr als 128.000 Hits, die später leider Gottes von einem windigen Gebrauchtwagenhändler entwendet und in alle Herren Länder verscherbelt wurden. Das schlimmste daran ist die Tatsache, dass diese musikalischen Perlen anschließend auf das Äußerste verhunzt wurden, sehr zum Ärger von Pjotrek Popolskis Enkeln, die jetzt als THE POPS dieses unglaublichen Skandal aufdecken und vor etwa 1.000 Rheinbergern die echten Versionen vieler bekannter Songs spielten.

Dazu gab es um 20.30 Uhr zunächst einen erklärenden Videoeinspieler auf der großen Leinwand zu sehen, auf der im Laufe des Abends noch diverse Beweisfotos zu sehen waren. Zur Hymne „Ras Popolski“, gesungen vom blinden Bruder Danusz, der an den BEATLES-Song „Back In The USSR“ erinnerte, starteten die Geschwister, um sich im Anschluss gleich besonders gastfreundlich zu zeigen. Zur Auflockerung gab es erst einmal eine Runde Wodka. Das Zeug brannte wie Feuer, möglich, dass Pawels Ansage, der Schnaps habe weit mehr als 98 Volumenprozente, tatsächlich der Wahrheit entsprach. Auf jeden Fall nahmen die Popolskis die in Polen gesetzlich vorgeschriebene Wodkapause ernst, die alle 35 Minuten stattfinden muss. Weiter ging’s mit einer Swing-Nummer, die ebenfalls von Danusz vorgetragen wurde. An dem Stück hatten sich in den Neunzigern auch mal die 4 NON BLONDES unter dem Titel „What’s Up“ versucht, natürlich kein Vergleich mit dem emotionalen Original. Mit dabei war neben dem polnischen Fernsehen Polski 4, welches das Konzert mitgeschnitten hat, auch Cousine Dorota, genannt „Die rote Dorota“. 14 mal in Folge ist sie Miss Zabrze geworden und fraglos der heißeste polnische Exportartikel seit der Erfindung des 46%igen Wodkas. Auch die Rheinberger Männerwelt lag der rassigen Schönheit umgehend zu Füßen und sag mit ihr in den höchsten Tönen „I’m A Lady“. Überraschendes enthüllte Drummer und Familienoberhaupt Pawel: Opa Pjotrek hat auch den Joint erfunden; Im Hause Popolski ein wirksames Mittel gegen Verdauungsprobleme und Hämorridenleiden. Einzige Nebenwirkung: Halluzinationen, die schon mal eine weiße Gans mit einem Blumenstrauß auftauchen lassen. Natürlich konnte das den gewitzten Opa nur zu einem neuen Song inspirieren, den Pavel und Danusz derart gefühlvoll zum Vortrag brachten, wie es ROY BLACK niemals hinbekommen hätte. Ein ganz anderes metallisches Kaliber fuhr Gitarrist Mirek auf, der vermittels eines defekten Goretzki-Föhnes zu seinem Rasta-Look gekommen ist und damit u.a. zum frisurtechnischen Vorbild von BOB MARLEY und LENNY KRAVITZ wurde. Wenn er nicht gerade neue Hairstylingtrends kreiert, spielt er die Stratocastri, die auch schon mal über 18 Saiten verfügen kann, auf denen er dann extrem lange Soli spielt, welche die Band auch an diesem Abend zur Verzweiflung brachte. Schließlich wartete hinter der Bühne noch ein schwergewichtiger Gast. Cousin Isidor hat seine Gurkendiät offensichtlich wegen Erfolglosigkeit aufgegeben und setzt stattdessen wie beim coolen „Kiss“ auf die enorme Resonanz seines Körpers. Wer will da noch den kleinen, schmächtigen PRINCE singen hören? Oder FRANK ZANDERs armselige Ententanz-Adaption, wenn man erst einmal die Hardcore-Polka-Version mit den Popolski-Bläsern gehört und gesehen hat? Ganz vorn waren selbstverständlich die eineiigen Zwillinge Henjek & Stenjek („The Dobrze Horns“) dabei, die stets freundlich winkten und als trinkfreudigste Bläsergruppe der Welt gelten. Nach diesem schweißtreibenden Intermezzo gab es erneut etwas fürs Herz. Den Titel hat der Opa geschrieben, als er in Zabrzes größter Disco, dem Zloty-Palast, feststellen musste, dass dort alle seine Hits völlig verhunzt gespielt wurden und so weinte er mitten auf der Tanzfläche bitterlich, um zuhause „Crying At The Discothek“ zu komponieren. Noch nicht einmal hier kannten ALCAZAR Skrupel und verwandelten die bezaubernde Ballade, die Dorota und Isidor wieder ins rechte Licht rückten, in beschämenden Pop-Müll. Im Anschluss war die Mitarbeit des Publikums gefragt, die zu „I’m Outta Love“ lernten, wie in Polen richtig gefeiert wird. Wenn erst genug Wodka intus ist, wird demnach geschunkelt und Mirek erklärte dem Auditorium, wie dies genau geht und gab die jeweilige Richtung vor, nachdem sich Rheinberg kollektiv untergehakt und Danusz seinen Platz am Keyboard gegen eine neue Position am Akkordeon getauscht hatte. Offensichtlich hatten die Anwesenden bereits genug getrunken, das Schunkeln klappte ganz hervorragend, trotzdem kam die Pause um 21.40 Uhr gerade passend, um Flüssigkeitsverluste wieder auszugleichen, bevor es um kurz nach 22.00 Uhr mit der Entstehungsgeschichte von „We Will Rock You“ weiterging.

Was QUEEN sich da so schamlos unter den Nagel gerissen haben, hat seinen Ursprung tatsächlich bei der Nachbarin von unten, Frau Tripczewinski, die bei der morgendlichen Polka-Probe um 5.30 Uhr immer mit dem Besenstiel gegen die Decke hämmerte und im alkoholkranken Hausmeister von nebenan, der davon wach geworden, leere Wodkaflaschen gegen die Wand schmiss. Offenbar war Frau Tripczewinski kein Polka-Fan, deshalb versuchten die Popolskis die Dame mit einem eigens für sie geschriebenen Song zu besänftigen. Für diesen Job wurde der sehbehinderte Danusz ausgewählt, man hielt ihn für am geeignetsten, da er „die bekloppte Alte ja nicht sähe“. Herausgekommen ist die herzzerreißende Schmusenummer „Schöne Maid“ zu der Henjek & Stenjek eine Engtanzeinlage ablieferten. Mit „Insomnia“, ein Stück, das der Opa geschrieben hatte, als er mal überhaupt nicht schlafen konnte, schloss sich ein weiterer Höhepunkt an. Wofür FAITHLESS unzähliges elektronisches Gerät benötigt, reicht in Wahrheit ein Banjo, um die Menge zum Ausrasten zu bringen. Wunderbar! Weniger schön, war die Schaffenskrise, die Pjotrek Popolski 1969 hatte als er vier Tage nicht einen einzigen Hit schreiben konnte. In der Konsequenz baute er eine Raumkapsel und flog zum Mond, nachdem Testflüge mit einer Maus und einer Katze positiv verlaufen waren. Es waren also keineswegs die Amerikaner, die als erste auf dem Erdtrabanten waren. Sogar dieser Ruhm wurde dem wackren Polen jahrzehntelang vorenthalten, doch inzwischen gehen die Beweisfotos mit leeren Wodkaflaschen, polnischen Gürkchen und der Landesflagge um die Welt, so dass die Amis nicht mehr lange diese Lüge aufrecht halten können. Nebenprodukte dieser Pioniertat: „Major Tom“, „Walking On The Moon“, Moonlight Shadow“, “Lalelu, nur der Mond schaut zu” und natürlich “The Final Countdown”, jazzig interpretiert von Dorota in einem neuen, heißen und natürlich roten Fummel. Wie muss es die Familie Popolski schmerzen, den Hairspray-Metal-Abklatsch von EUROPE hören zu müssen? Doch was war eigentlich mit dem jüngsten Spross der Familie? Bassist Janusz wirkte während des ganzen Gigs sehr unsicher und schien sich gar nicht wohl in seiner Haut zu fühlen, dabei war er erklärter Liebling des Publikums, besonders beim weiblichen Teil. Die Familie zeigte sich aufgrund seines schüchternen Verhaltens allerdings einigermaßen genervt und sparte nicht mit Kritik, besonders auf seine kompositorischen Fähigkeiten betraf. Okay, „Schnappek, der kleine Krokodil“ oder „Der Lied der Schlumpfe“ sind vielleicht keine Meisterwerke, aber kann man einem jungen Menschen vorwerfen, dass er mit drei Jahren auf einem polnischen Kinderkassettenrekorder ein Lied zu Ehren der Frau eingespielt hat, die auf dem Markt in Zabrze Kirschen verkauft hat? Auf jeden Fall wollte Pawel verhindern, dass die Presse von diesem Machwerk Wind bekäme und ging lieber in die Offensive und spielte gegen den Protest der restlichen Familie die Aufnahme den Anwesenden vor. Janusz schien vor Scham fast im Boden versinken zu wollen, verteilte dann aber die Noten für eine zweite, korrigierte Fassung an seine Kollegen, die sich widerwillig entschlossen, die Song auch zu spielen. Dazu musste Janusz allerdings noch davon überzeugt werden, auch ans Mikro zu gehen, was letztlich eine Flasche Wodka übernahm. Und was soll ich sagen? Der zurückhaltende, fast schon verklemmte Janusz wurde zum Tier! Es dauerte nicht lange und er sprang mit nacktem Oberkörper zu Nu Netal-Klängen über die Bühne, zerwühlte mir die Haare und nahm ein Bad in der begeisterten Menge. Was für ein Finale! „Cheri Cheri Lady“ hat Janusz geradezu explodieren lassen und mit ihm die gesamte Stadthalle in Rheinberg! Vergessen die Schmach, was Dieter Bohlen mit diesem Lied angestellt hat, aber nicht umsonst gibt es ja auch in Polen das Sprichwort „Dieter Bohlen hat gestohlen alle Hits aus Polen.“. Die Popolskis waren aber doch einigermaßen überrascht über die plötzliche Wesensänderung ihres jüngsten Bruders, so dass sie den völlig Erschöpften erst einmal wieder in seine Oberbekleidung halfen, bevor die Bandvorstellung den Auftritt um 22.50 Uhr beenden sollte.

Die Rheinberger dachten aber noch gar nicht daran, nach Hause zu gehen und verlangten eine Zugabe, die sie mit der Polka „Show Me The Meaning of Beeing Lonely“ auch bekommen sollten. Das hatte glücklicherweise nichts mehr mit dem weinerlichen Geplärre der BACKSTREET BOYS zutun, doch reichte es den Zuschauern immer noch nicht, woraufhin die Kapelle erneut zurückkehrte, um mit einer weiteren Polka den Abend um 23.00 Uhr endgültig zu beschließen, indem die komplette Familie zu einem Blechinstrumente-Marsch die Stage verließ.

Wie gut, dass die Welt jetzt endlich die ganze unfassbare Wahrheit erfährt! THE POPS werden auch in den kommenden Wochen und Monaten weiter aufklärend durch Deutschland reisen und erschütterte Menschen zurücklassen, die gleichzeitig verzaubert werden von der Musik der genialen Osteuropäer. Wer sich angesichts des Aussehens von Pawel Popolski fragt, ob Jürgen Trittin Verwandtschaft in Polen hat, dem sei gesagt, dass eher eine Verbindung zu Achim Hagemann zu suchen ist, der gemeinsam mit Hape Kerkeling „Hurz“ verbrochen hat und in „Total normal“ am Flügel saß.

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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