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DER W – D-A-D

Ort: Osnabrück - Halle Gartlage

Datum: 18.04.2009

Ein „W“ zieht durchs Land…

Samstag, der 18.04.2009, ein Tag der zu 100 % gelungen war. Am Nachmittag setzte sich zunächst die Glückssträhne des grün-weißen Fußballballetts aus Wolfsburg fort, der 10. Sieg in Folge war unter Dach und Fach. Alles gut für das bevorstehende Konzert des „W“. Bereits im Vorfeld der „Höher, Schneller, Weidner“ Tour brauchte es wie schon zu Zeiten der BÖHSEn ONKELZ weder Tourplakate noch die Medien, denn diese war in Deutschland innerhalb kurzer Zeit restlos ausverkauft, lediglich in Österreich und der Schweiz gab es noch einige Tickets. An diesem Samstag war der Tourtross in der Halle Gartlage zu Osnabrück. Was würde uns da wohl erwarten?

Angrenzend an das ruhige Ostwestfalen ist das niedersächsische Publikum hier auch nicht gerade für Ekstase bekannt, außer an der Bremer Brücke zu Heimspielen des VfL. Vor der Halle begannen gerade die Aufräumarbeiten des Wochenmarktes, als die Wartenden in der Schlange um kurz vor 19h erlöst wurden. Während der Tour hatte Stephan Weidner drei Bands mit im Gepäck, die dem Publikum ordentlich einheizen sollten. Waren es zu Beginn SKEW SISKIN mit der bezaubernden Nina C. Alice sowie später PRO-PAIN waren an diesem Samstag D-A-D am Start. Das letzte Mal live gesehen hatte ich die Dänen 2004 auf dem Lausitzring, als sie dort 120.000 Besuchern explosiven Rock `n Roll boten. Unter tosendem Applaus betrat Der „W“ die Bühne, um D-A-D anzukündigen. Allem voran ihre Spielfreude und die mitreißende Stimme von Sänger Jesper. Hervorragend getragen wird diese durch mal aggressiven, mal balladesken Gitarrensound und Stiggs unnachahmliche Bässe. Einer ihrer glamour Songs durfte an diesem Samstag auch nicht fehlen und so boten sie mit „Sleeping my day away“ einen richtigen „Kult-Gassenhauer“ mit einem entzückenden Solo. In ihrer Heimat füllen sie Jahr für Jahr Clubhallen und haben auch beim „Roskilde“ schon so manchen Skeptiker für sich gewinnen können. Doch nach zwei Liedern ist dann auch schon Schluss, denn nach Stephans stilvoller Begrüßung von D-A-D und einem guten Einstieg passierte der für ein Rockkonzert wohl schlimmste Albtraum. Die Securities stellten fest, dass die Barricades nicht richtig montiert waren. Das sind die Zäune, die die Menge von der Bühne trennen und vermeiden sollen, dass diese vor der Bühne erdrückt werden. Es waren gerade einmal zwei Songs gespielt, als sich die Wellenbrecher bogen, so dass eine Unterbrechung notwendig war. Wie sich später herausstellte, hatte die für den Aufbau zuständige örtliche Firma einfach mal vergessen die Verbindungsbolzen einzubauen. Die Fans wurden vom Produktionsleiter Thomas Hess aufgefordert nach hinten zu rücken, damit der Schaden behoben werden konnte. Dies dauerte circa 20 Minuten, da die Menge wiederholt aufgefordert werden musste, nach hinten zu gehen. Bis auf einen stark Alkoholisierten in der ersten Reihe, der es wagte, Hess seinen Unmut an den Kopf zu werfen, folgte der Pulk den Anweisungen. Der Pöbelnde wurde von Hess persönlich aus der Halle befördert. Bemerkenswert war, mit welcher Professionalität dieses Missgeschick bearbeitet wurde. Seinen Beitrag dazu leistete unter anderem Jakob Binzer von D-A-D, der während der Zwangspause weiterhin an seiner Gitarre zupfte. Ich erwartete jetzt eigentlich einen atmosphärischen Knick, weil die Menge so lange warten musste und die Stimmung bei der Produktionsleitung sicher auch durch diesen stressigen Vorfall aufgeheizt war. Mit dieser Einschätzung lag ich jedoch völlig daneben. Die Dänen spielten ihr volles Set durch und gaben Stephan eine herrliche Vorlage, so dass die Halle tobte.

Setlist D-A-D
Intro
Isn´t that wild
Beautiful Together
Jihad
Making fun of money
Everything Glows
Money always takes the place of life
Reconstrucdead
Sleeping my day away
Monster Philosophy

Nach 20 Minuten Umbaupause war die Spannung merklich spürbar. Unter tosendem Applaus betrat Stephan Weidner die Bühne und begrüßte seine Fans in der Mitte der Halle und auf den Seitenschiffen. Seine Bühnenleistung, angefangen mit „Der W zwo, drei“ und „Liebesbrief“, war für mich sehr mitreißend, man merkte ihm den Spaß regelrecht an. Auch das Verhältnis zwischen den Musikern und dem Sänger war geradezu perfekt. Ob bei der mitreißenden Interpretation von „Heiss“ oder der rockigen, pogotauglichen Version von „Gewinnen kann jeder“, der Abend war schweißtreibend und jede Songzeile wurde gnadenlos gefeiert. Mit dem Song „Angst“ trifft er in Zeiten von Depression und Angst um die eigene Existenz den Nagel auf den Kopf. Die Ansagen, die Weidner während des Konzertes machte, waren ebenso deutlich wie nachdrücklich. Im Gegensatz zu früheren Onkelzzeiten, wo sich ewig Gestrige mit Pfiffen äußerten, als Weidner jeglicher Form von Gewalt Abschwur leistete, war das Publikum in Osnabrück ganz seiner Meinung, dass Hass einem nicht weiterhilft, sondern einsam macht und einem die Freiheit stiehlt. Was wohl unter anderem auch am Publikum lag, denn schließlich war Alles vertreten; Langhaarige, Kurzhaarige, Junge und Alte. Seiner Ansage Nachdruck verlieh der „W“ mit „Komm schon“, einem rockigen Lied für Toleranz und gegen Gewalt. Wie heißt es doch so schön, man muss ja nicht jeden lieben, recht hat er. Wut ja, Hass Nein!

Der Nachmittag begann für mich mit Fußball und auch am Abend war Fußballatmosphäre zu spüren. Stephan blieb schier die Spucke weg, als die Leute immer und immer wieder skandierten „Stephan Weidner“ oder „Oh wie ist das Schön“. Auch die Tanzwütigen in den Reihen 3 – 20 waren ununterbrochen am Pogen zu „Schatten“ oder „Tränenmeer“ und halfen sich, nach einem nicht geplanten Sturz, gegenseitig wieder hoch. Wer dachte, es würden ONKELZ Lieder oder das „Mexiko“ der Menge gespielt, dem hatte der „W“ was zu sagen. Die ONKELZ, dass war eine schöne Zeit, aber sie ist gewesen und jetzt bin ich der „W“. Dass die ONKELZ aber immer in seinem Herzen bleiben, untermalte er mit „Asche zu Asche“. Die Ironie ist ihm ebenfalls nicht verloren gegangen, was man an seiner Interpretation von Frank Sinatras „My Way“ eindrucksvoll spüren konnte. Mit Hut auf dem Kopf und einem breitem Grinsen präsentierte er den Fans „Mein W“. Wie schön ist es, wenn man mit gutem Gewissen über sich selbst lachen kann. LALALALALALA Ja das war mein Weeeeeeeeg

Als sich einige schon Richtung Ausgang bewegten, um die verloren gegangenen Elektrolyte aufzufüllen, kitzelte der „W“ noch den letzten Rest aus dem völlig durchgeschwitzten Publikum mit seiner Interpretation von „Dancing with myself“, dass er schon früher mit Gonzo und Kevin und ner Kiste Hansa Pils immer sehr abgefeiert hatte. Das Publikum arbeitete wie immer hingabevoll mit, lauschte den Ansagen gespannt und honorierte Stephans Anmerkungen uneingeschränkt. Er genoss jede Minute auf der Bühne und jede Zugabe. Für jeden war etwas dabei, ob Melancholisches oder Tanzbares. Ein schönes Gesamtkonzept, über allem Sänger und Produzent Stephan Weidner, an seiner Seite eine Band, die ihn musikalisch prima trägt (besonders eindrucksvoll bei „Töte Mich“, „Geschichtenhasser“, „Pass gut auf Dich auf“ und „Stille Tage im Klischee“) und bei entsprechender Würdigung auch noch weit über sich hinaus wächst.

Seit Tourbeginn ist es in Deutschland im Übrigen sehr sonnig. Man könnte fast meinen, dass es damit zu tun hat, dass jemand auf die Bühne zurückgekehrt ist, der endlich wieder Farbe und Charisma in die Konzertstätten bringt. Und wenn man sieht, was in den Hallen abgegangen ist, darf man sich jetzt schon auf die Open-Air Auftritte freuen. Wer mehr erfahren möchte, darf schon die Veröffentlichung der LIVE-DVD herbeisehnen, die in Berlin aufgenommen wurde.

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