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DER W – MOTORJESUS

Ort: Osnabrück – Halle Gartlage

Datum: 27.03.2011

Vor zwei Jahren war er das letzte Mal in Osnabrück und in der Halle Gartlage… und was ist ihm im Gedächtnis geblieben? Handtücher, die ganz furchtbar gestunken haben müssen. Oder um es mit den Worten von Stephan „DER W“ Weidner zu sagen: „Towels of Death“! Wenn man Drummer JC Dwyer glauben darf, war’s auch dieses Mal nicht wirklich besser mit den Frotteewaren und auch sonst war eigentlich alles wie immer bei DER W: Es war voll, laut und die Stimmung auf und vor der Bühne bestens! Um das überwiegend männliche Publikum auf Betriebtemperatur zu bringen, hatte der Ex-BÖHSE-ONKELZ-Bassist Verstärkung aus Mönchengladbach mitgebracht. Möglich, dass Weidner als Kummer gewohnter Eintracht-Frankfurt-Fan für den Support absichtlich eine Kapelle ausgewählt hat, deren Heimatmannschaft den Abstieg kaum noch verhindern kann, musikalisch lagen MOTORJESUS auf jeden Fall auf der richtigen Welle und durften sich über regen Zuspruch der Osnabrücker freuen.

Das ist bei den zurückhaltenden Niedersachsen nicht unbedingt selbstverständlich, doch der knackige MOTORJESUS-Sound überzeugte die Hasestädter offensichtlich schnell und so wurden die donnernden Gitarrenakkorde in den ersten Reihen alsbald abgefeiert, wofür sich Sänger Christoph Birx brav bedankte, auch wenn er gelegentlich durcheinander kam, in welcher Stadt er denn gerade gastierte. Paderborn? Osnabrück? Liegt Osnabrück in NRW? Auf jeden Fall schien er sich ziemlich heimisch zu fühlen und bewies gemeinsam mit seinen vier Mitstreitern an den Instrumenten viel Spielfreude. Zu hören gab es breitbeinige Rocker, die Themen wie Karate, Alkohol, feuchte Jungenträume und natürlich Rock’N’Roll behandelten. Der überwiegende Teil der Songs stammte dabei vom letztjährigen Album „Wheels of Purgatory“, aber auch das 2006er „Deathrider“ war mit zwei Krachern vertreten, ebenso wie das Debüt „Dirty Pounding Gasoline“, das 2004 herausgekommen ist. Damals firmierte die Truppe noch als SHITHEADZ, benannte sich aber zwei Jahre später in MOTORJESUS um, da der ursprüngliche Bandname gelegentlich zensiert wurde. Für den letzten Track des Abends holte sich der Fünfer schließlich noch Unterstützung bei J.C. Dwyer, der gemeinsam mit Christoph Birx AC/DCs „TNT“ zum Besten gab, nachdem die „Here I Am, Rock You Like A Hurricane“-Gesänge des Publikum verklungen waren. Ein gelungener 45-minütiger Einstand, dem nach einem blitzschnellen Change-Over der Hauptact folgte.

Setlist MOTORJESUS
Dirty Pounding Gasoline
Legion of Rock
Motor Discipline
King of The Dead End Road
Fuel The Warmachine
Fist of The Dragon
The Church (of Booze And Kerosene)
The Howling
Motorjesus
A New War

Dabei gab’s von DER W zunächst nur die Klänge von „Was ist denn hier nicht los“ – der vor einem Monat erschienenen gleichnamigen EP – zu hören, während die Musiker schemenhaft hinter einem weißen Vorhang zu erkennen waren. Im Laufe des Songs fiel dieser jedoch und spätestens jetzt hielt es auf den Rängen auch niemanden mehr auf den Sitzen. Stephan Weidner wurde nach allen Regeln der Kunst abgefeiert und die altehrwürdige Viehauktionshalle verwandelte sich mehr und mehr in einen Hexenkessel. Immer wieder hallten „Weidner“-Sprechchöre durch den Saal, sodass DER W irgendwann schon bemerkte, man möge doch auch seine Band in die Ehrerbietungen einbeziehen. Die drei Mitstreiter machten auch definitiv einen guten Job und sorgten für den nötigen Druck, den man bei den Songs des ehemaligen BÖHSE-ONKELZ-Masterminds erwarten darf. Nach „Fleisch“, einem Lied gegen Massentierhaltungen mit entsprechenden Videos, die auf den vier kleinen Leinwänden auf der Stage gezeigt wurden, schaltete das Quartett jedoch einen Gang zurück und so durften zu „Lei(D)figuren vom 2010er „Autonomie“ und „Ein Lied für meinen Sohn“, das 2008 auf dem Solo-Debüt „Schneller, höher, Weidner“ erschienen ist, die Feuerzeuge gezückt werden, die allerdings einigermaßen übersichtlich blieben. Insbesondere wenn man bedenkt, dass trotz Rauchverbots ordentlich in der Halle Gartlage gequalmt wurde. Bei „Stille Tage im Klischee“ schlugen die Langäxte wieder zu und gab es erneut einen Moshpit im Auditorium, das sich beim ruhigen Start von „Schlag mich (bis ich es versteh)“ einen Moment ausruhen konnte, bevor es wieder in die Vollen ging. Dass Gitarrist Dirk Czuya nicht nur seinen Sechssaiter, sondern auch seine Stimmbändern zum Jaulen bringen kann, bewies der Herr bei „Autonomie des Ichs“, Wenig später rückten die vier Protagonisten etwas näher zusammen und J.C. verließ seinen Platz hinter der Schießbude, die auf der linken Seite aufgebaut war und nahm hinter einem etwas kleineren Drumkit am Bühnenrand Platz, um das drei Barhocker drapiert worden waren. Im Sitzen kamen die schicken weißen Schuhe von Rastamann Henning Menke am Bass auch viel besser zur Geltung, das aber nur am Rande. Auf dem Programm stand schließlich die Ballade „Zwischen Traum und Paralyse“, die bei anderen Live-Gigs von der Sängerin YEN begleitet wurde, die leider an diesem Sonntag verhindert war. Dafür übernahmen die Fans wie auch bei den übrigen Stücken äußerst bereitwillig den Gesangspart und zeigten sich zudem absolut textsicher. „Niemand hier“ groovte für Weidner-Verhältnisse ungewöhnlich, während Dirk Czuya für „Kleine weiße Lügen“ zur Akustikgitarre griff und Stephan Weidner ans Schlagzeug wechselte, damit J.C. Dwyer sich eins pfeifen konnte. Inwieweit diese Nummer damit zusammenhängt, dass Christoph Daum jetzt Eintracht Frankfurt trainiert, wollen wir an dieser Stelle unkommentiert lassen. Auf jeden Fall passte es, dass als nächstes „Gewinnen kann jeder“ auf der Setlist stand. Als bekennender Eintracht-Fan weiß DER W wovon er singt und angesichts eines abstiegsgefährdeten VfLs wissen auch die Osnabrücker ein Lied vom Kummer eines Fußballfans zu singen. Inzwischen waren die kleinen Leinwände einer großen Videowall im Hintergrund der Bühne gewichen, auf der es zum letzten Song „Geschichtenhasser“, der gleichzeitig der erste Titel der W-Diskografie ist, schwarz-weiße Weidner-Animationen zu sehen, mit denen nach 90 Minuten das reguläre Set beendet wurde.

Natürlich kamen die Jungs aber noch einmal zurück und legten mit „Ode an die Zeit“/“Nein, nein, nein“ einen knackigen Start in den Zugabenblock hin. „Heiß“ wurde es im Anschluss, wozu passend Flammen auf der riesigen Leinwand züngelten und die Stage in rotes Licht getaucht wurde. Allerdings gab’s bei Stephan technische Probleme, weshalb ein kurzer Break eingelegt werden musste, was aber letztlich der guten Stimmung nicht schadete. Diese wurde außerdem noch weiter angeheizt als im Folgenden die MOTORJESUS-Mannen die Bühne enterten und „Nice Boys Don’t Play Rock’N’Roll“ mit neun Musikern zum wahren Gitarren-Overkill wurde. Für den wirklich letzten Song des Abends waren Weidner & Co. dann wieder allein auf der Bühne und gaben ihren Fans ein „Pass gut auf dich auf“ mit auf den Weg, nachdem die einzelnen Mitstreiter noch ein Solo abgeliefert hatten, das es jeweils auch auf der Videowand zu sehen gab. Nach nunmehr zwei Stunden verabschiedete sich Stephan Weidner endgültig von seinen Fans, die ein absolut gelungenes Konzert erlebt hatten. Dazu hatten sie selbst ganz gehörig beigetragen, denn Berührungsängste kannten die Osnabrücker (sowie die weiter gereisten Zuschauer, wie die Autokennzeichen auf dem Parkplatz verrieten) dieses Mal überhaupt nicht. Bisweilen herrschte Fußballstadion-Flair in der Halle Gartlage, aber auch wenn Stephan ins Philosophieren geriet, hörten ihm die Anwesenden aufmerksam zu und spendeten Beifall.

Setlist DER W
Was ist denn hier nicht los?
Mamas kleines Monster
Machsmaulauf
Schatten
Mein bester Feind
Urlaub mit Stalin
Sekte oder Selters
Fleisch
Lei(D)figuren
Ein Lied für meinen Sohn
Stille Tage im Klischee
Schlag mich (bis ich es versteh)
Autonomie des Ichs
Bitte töte mich
Zwischen Traum und Paralyse
Niemand hier
Kleine weiße Lügen
Gewinnen kann jeder (NORDEND-ANTISTARS-Cover)
Geschichtenhasser

Ode an die Zeit/Nein, nein, nein
Heiß
Nice Boys Don’t Play Rock’N’Roll (ROSE-TATTOO-Cover)
Pass gut auf dich auf

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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