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DEVIL SIDE FESTIVAL 2009

Ort: Duisburg - Landschaftspark

Datum: 28.06.2009

An diesem brütend heißen Sonntag ging nun das erste Devilside-Festival über die Bühne. Diverse positive und auch einige negative Aspekte müssen erstmal kundgetan werden, mit der Kritik müssen die Veranstalter bei einer solchen aus dem Boden gestampften Veranstaltung leben und möglichst verbessern, wenn man sich etablieren möchte, wo es derzeit nach aussieht.

Die optisch einmalige Location mitten im Landschaftspark Duisburg, auf dem ehemaligen Zechengelände, versprach gediegenen Charme. Es sollte genügend Platz für alle geben, was im Nachhinein aber nicht erreicht wurde. Das Umland des Festival-Geländes erwies sich als so geil wie gedacht. Der Aufbau mit den direkt gegenüberliegenden Bühnen, eine am rechten, eine am linken Ende des Areals war zwar interessant, bei derartigen Besuchermassen allerdings auch recht unpraktisch. So war es für einzelne Fotografen nahezu unmöglich alle Bands abzudecken, da man kaum bis zum Beginn auf der einen Bühne von der anderen Hinüberhetzen konnte, zumal der Fotograben wie üblich nur die ersten drei Songs geöffnet war. Zu Beginn konnte man sich noch halbwegs die etwa 300 Meter durch die Menge quetschen, was später bei den größeren Bands quasi ein aussichtsloses Unterfangen wurde.

Das Billing war ohne Frage sehr geil und der Kurs ebenfalls korrekt. Allerdings ist es unmöglich, die Türen offiziell um 10 zu öffnen, wenn um 10:30 bzw. 11 Uhr schon Kaliber wie HATESPHERE bzw. ANTHRAX zocken und schon zigtausend Besucher angereist sind zu dieser frühen Stunde. Für sämtliche VIPs/ Gästeliste etc. gab’s nur einen einzigen Mitarbeiter, der den Andrang natürlich nicht allein bewältigen konnte inkl. Fragerei, Sucherei, Bändchenausgabe etc. Dadurch verpassten wir trotz sehr pünktlichen Eintreffens den Beginn von ANTHRAX. Man muss nicht in 2 Minuten abgefertigt sein, aber bald eine Stunde zu warten ist auch nicht im Sinne des Erfinders! Dass wir mit Pass an dem normalen Einlass vorbei durch einen extra Eingang hätten gehen können, sagte uns der Ordner beim Passieren und nochmaligem 10-minütigen Warten… Beschilderung für Backstage/ VIP Fehlanzeige! Aber das Problem hatten andere Kollegen auch. Was ich erst im Nachhinein erfahren habe und was ein absolutes Unding ist: Es gab für reguläre Karteninhaber gar keine Bändchen und die durften das Festival-Gelände somit auch nicht verlassen! Das geht ja nun mal gar nicht und Auflagen hin oder her, da muss man sich was einfallen lassen. Die Kritik etlicher Besucher ist vollauf berechtigt.

Ebenso berechtigt hagelte es Kritik über die Getränkeversorgung, die eigentlich gar keine war. Bei 35°C und nahezu keinem schattigen Platz kann es einfach nicht sein, dass permanent schon ab frühem Mittag (!) an den wenigen (ich glaube 4 oder 5 waren’s) Getränkeständen diverse Sachen „out of print“ waren und es kaum Nachschub gab! Erst ne halbe Stunde oder mehr anstehen, dabei Bands verpassen und dann „nö, Cola ham wir hier nich mehr“. Auch hier regt sich keiner mal über Wartezeit auf, ist ja schließlich Festival mit fast 10.000 Menschen, aber dann will ich auch das haben, worauf ich grad Bock hab. Das bedauernswerte Personal war natürlich überfordert mit dieser Situation. Zu den Gründen gibt es aber auf der Homepage des Festivals eine Stellungnahme, die einiges erklärt. Da fehlten sicherlich Erfahrungswerte, wie sie etablierte Festivals nun mal haben, aber bei einer solchen Größenordung darf man ruhig von einer sinnigen Orga ausgehen, was hier definitiv nicht der Fall war. Da darf man sich nächstes Jahr keine Fehler erlauben, noch mal machen die Leute ein solches Chaos nicht mit.
Es blieb trotzdem alles friedlich.

Dixies ist ja auch immer ein schönes Thema auf Festivals. Aus meinem subjektiven Befinden heraus war man auch hier bei diesem Besucherandrang (ich würde mal sagen „sold out“) unterversorgt, zudem standen die Teile aus logistischen Gründen nur vorm Eingang aufs Areal an der Zufahrtsstrasse, wo die Entleerung auch nicht allzu einfach zu bewerkstelligen ist auf Grund der engen Platzverhältnisse.
Vielleicht sollte man nächstes Jahr auch einfach ein paar Bands weniger buchen, oder gleich nur eine Bühne aufbauen und dafür einen großen Videoscreen. Da das Billing wie gesagt sehr geil war, wollte man natürlich auch gerne mehrere Bands hintereinander sehen, was kaum hinzubekommen war, da direkt nach dem Ende auf der einen Seite auf der anderen begonnen wurde. Gut, in Wacken z.B. spielen die Bands gar noch parallel, aber dort hat man auch dementsprechende Auslauffläche, um relativ fix zu den Bühnen zu gelangen trotz der Massen. Weniger Bands hieße auch vernünftige Spielzeiten für selbige, da kann man sich mal beim Rock Hard abgucken, wie man das Fan (und Band) freundlich macht!

Genug „gemeckert“, Musik gab’s natürlich auch… den leicht verspäteten Beginn allerdings nur von draußen, sprich die KAMIKAZE QUEENS und viel wichtiger HATESPERE nur zum Hören, richtig Mist dann nur noch etwa die Hälfte des eh viel zu kurzen ANTHRAX-Sets! Die rockten in schicken weißen Bademänteln das schon sehr volle Gelände, am Ende sollen sich etwa 9000 Leute auf dasselbige gequetscht haben! Ein paar olle Hits wie „Antisocial“, „Madhouse“ und „I am the Law“, dazu der neue Track „Fight ´em til you can’t“ und fertig. Tolle Idee mit der Morningshow, aber denn bitte der Bandgröße entsprechend mit längerem Set (lag aber auch an anderen Verpflichtungen am selben Tag)! Damals neu- und nun schon-wieder-ex-Sänger Dan Nelson fügte sich hervorragend in die agile Performance ein, schade, guter Mann!

Bei THE CARBURETORS und PETER PAN SPEEDROCK hieß es erstmal Getränke ergattern, um nicht schon bei einem weiteren Highlight (NEAERA) umzukippen bei der brütenden Hitze. Letztere heizten schon mal für MOTÖRHEAD vor mit ihrem punkigen Rock/ Metal-Gedöns, aber nicht wirklich wichtig für mich. Bei NEAERA dagegen wurd’s richtig voll vor der Bühne und die Jungs aus Münster legten gleich los wie die Feuerwehr. Da man mittlerweile ja lupenreinen Death Metal zockt, ging hier natürlich alles. Man hatte sichtlich Spaß auf und vor der Bühne, darf wegen der unzähligen Shows derzeit aber nicht in Routine verfallen. Die BOLT THROWER-Hommage „Spearheading the Spawn“ killte erneut brutalst, da fügten sich die neuen Songs nahtlos ein. Macht immer wieder Laune die Jungs zu sehen. Hammergig!

ALL SHALL PERISH lärmten etwas zu stumpf und viel zu laut, die Lorbeeren der ersten beiden Platten sind verbraucht und man dümpelt im Mittelmaß. Enttäuschend. Überraschend hingegen die Slowenen ELVIS JACKSON, die mit ihrem Kunterbuntsound aus Punk, Reggae, Metal, Rock und Ska die Meute zu begeistern wussten. Zudem optisch wie ein Mike Patton in besten Zeiten gewandet – ganz großes Kino! Der quirlige Sänger ist ganz klar das Aushängeschild und kann auch mit Bongos und Trompete umgehen – DIE Entdeckung!

Auch die schwedischen gute-Laune PunkRocker MILLENCOLIN machen Spaß, weil ihr Sound einfach für dieses Wetter geschaffen ist. Wirken zwar nicht mehr so wild wie früher, aber sind ja auch schon gut 20 Jährchen dabei. Eine knappe halbe Stunde eingeplante Spielzeit ist allerdings eine Frechheit! Weniger Bands = vernünftige Spielzeit für die größeren Bands. Next year maybe. Das DISCO ENSEMBLE und HAMMERHEAD fielen dem geringen eigenen Interesse und dem Getränkechaos zum Opfer, was wohl bei etlichen Besuchern ein Problem gewesen ist (Bandsehausfall wegen ewig Getränkeanstehen)! Ging beides von weitem gesehen in Ordnung, hätte aber auch kaum einen gestört, wenn die nicht dagewesen wären.

CRO-MAGS ohne Harley Flanagan ist halt nicht CRO-MAGS, fertig. Also stand auf der Devilstage eine Covertruppe unter dem alten Namen und versuchte mit ollen Gassenhauern aus glorreichen 80er-Tagen was zu reißen. Ärgerlich und unwichtig. Nix Hardcore, Kohlecore. Danach wurde quasi im Wohnzimmer „AAusgebombt“ mit Onkel Tom & SODOM. Die konnten ja fast schon zu Fuß kommen. Extrem laut und meistens viel zu schnell gespielt (wenn auch einwandfrei und technisch brillant!) rotzte man in der kurzen Zeit ein paar unkaputtbare Klassiker runter, Toms schnoddrige Ansagen sind gerade im Pott kultig wie gehabt und gegen „Blasphemer“, „Agent Orange“ oder „Napalm in the Morning“ hatte natürlich keiner vor der Bühne was zu meckern. Alle hatten ihren derben Spaß, nur zu kurz war’s halt auch hier.

DISCIPLINE rüpelten sich durch ihren Brutaloset, bevor die legendären MISFITS frenetisch empfangen wurden. Horrorpunk aus einer ganz anderen Zeit, das kann auf einem „modernen“ Metalfestival trotz schicker Optik und Gassenhauern wie „Die Die my Darling“, „Skulls“, Last Caress“ oder „Teenagers from Mars“ nicht funktionieren. Überhaupt war das Festival-Line-Up an sich zwar cool, aber doch etwas arg breit gestreut musikalisch. Mit THE BONES kommt wieder schwedischer Punk ´n´ Roll zum Zuge, Hits wie „Home Sweet Home“ oder „Do you Wanna“ rocken die Masse vor der Bühne und mit dem final kurz intonierten „Beat It“ beweist man Geschmack. Cool abgeräumt!

Kaum möglich sich jetzt noch bei den Bands von Bühne zu Bühne zu bewegen, also SEPULTURA von weiter hinten. Die steigen völlig unspannend mit etlichen neuen Songs ein, so erzeugt man natürlich keine Stimmung! Die kocht wie gehabt eh nur bei den ollen Kamellen der Cavalera-Zeit über, „Roots Bloody Roots“ bringt’s nach wie vor. Derek Green ist ein hühnenhafter Sänger und geiler Fronter, der aber eben einfach nicht gegen das Max-Erbe anstinken kann. Das kann wohl keiner, also Reunion bitte Herr Kisser!

Die BLOODHOUND GANG auf einem Metal-Festival??? OK, die sind eh so durchgeknallt, dass die auch auf nem Häkeltreffen spielen würden. Der Mix aus einigen wirklich coolen Hits wie „Kiss me where it Smells Funny“, „The Bad Touch“ oder „Along comes Mary“ und ultrapeinlichen Jackass-Einlagen (gegenseitiges Ankotzen mal wieder, Monitorbox mit Schwanzpiercing über Bühne ziehen…) gefällt dem bierseligen Publikum offenbar bis zum finalen „Fire Water Burn“. Kann man mal sehen.

Erneut Schweden, diesmal CLAWFINGER. Die waren ja mal ganz groß Anfang der 90er mit ihren ersten beiden geilen Scheiben, danach war so ziemlich Ende, auch wenn man weiter Alben veröffentlichte. Die Hits der Vergangenheit halten die Band am Leben und lassen den Auftritt als OK durchgehen. Trotzdem viel zu hoch im Billing!

Zu Recht Co-Headliner waren SOULFLY, allerdings wartete man vergeblich auf eine SEPULFLY-Kollaboration, schade. Nun denn, weshalb Max mit seiner Kapelle immer höher im Billing steht als seine ex-Kollegen, zeigte sich auch heute mal wieder eklatant. Neben dem ruppigen Einstieg mit „Blood Fire War Hate“, das mehr Sep ist wie Sep selber, überraschte man mit dem CAVALERA CONSPIRACY-Knaller „Sanctuary“, für das selbiges gilt. Die Meute tobte, Max holte wieder Stiefsohn Richie auf die Bühne, Tribaldrumming fehlte ebenso wenig und es wurde glatt „Roots Bloody Roots“ gezockt! Toll. Hätte man doch mal zusammen performen können, oder?! Oder einfach einen anderen Song spielen… Rockstars eben irgendwo.

MOTÖRHEAD! Uns Lemmy geht immer und überall, auch wenn sich Überraschungen natürlich in Grenzen halten. „Iron Fist“ zum Einstieg und schon ist die über halbstündige Verspätung vergessen. Alles wie gehabt. „Metropolis“, „Sacrifice“ und zum regulären Ende „Killed by Death“ sind auch in hundert Jahren noch unkaputtbar. Wie Lemmy. Darauf´ nen JackieCola! Ohne „Ace of Spades“ und „Overkill“ verlässt natürlich keiner den Saal, ein fulminantes Ende unter fast 15 Stunden Mucke am Stück.

Unterm Strich trotz der teils argen Probleme ein gelungenes Festival-Debut, welches im nächsten Jahr wieder stattfinden soll, evtl. sogar über 2 Tage dann… wir werden sehen.

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