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DEVIL SIDE FESTIVAL 2012 – TAG 1

Ort: Oberhausen – Open-Air-Gelände an der Turbinenhalle

Datum: 20.07.2012

Schon letztes Jahr hatte man geplant, das DEVIL SIDE FESTIVAL vom Essener Campus nach Oberhausen zu verlegen. Unglücklicherweise hätte man am festgesetzten Datum mit den „Big Four“ um METALLICA, SLAYER, ANTHRAX und MEGADETH, die unweit in Gelsenkirchen gastierten, konkurrieren müssen, so dass die Veranstalter schweren Herzens den Entschluss fassten, die gesamte Veranstaltung zu „verschieben“. Derartige Probleme konnten, so viel war abzusehen, die diesjährige Planung nicht belasten, spätestens als die ersten Bestätigungen anrollten und man die zwei geplanten Festivaltage noch um einen dritten ergänzte, war dem „Weekend Matinee from Hell“ vollste Aufmerksamkeit sicher. Mitten im industriellen Herzen der kreisfreien Stadt im Pott fanden so vor allem die Metaller eine echte Alternative zum parallel stattfindenden Serengeti Festival. Wer bei dieser Gelegenheit sein 3-Tage-Lager auf dem etwas abseits gelegenen Campingplatz bezog, konnte einen exklusiven Shuttle-Service zum Festivalgelände nutzen. Tagesgäste hingegen, die nicht zum früh angesetzten Beginn zugegen sein konnten, mussten bei direkter Anreise mit dem Pkw ein wenig Zeit und Geschick investieren, um noch eine passende Parklücke im umliegenden Industriegebiet zu finden. Missachtung der Halteverbote und ein Quäntchen Glück hatten einigen jedoch auch gereicht.

EMIL BULLS

Als ich mein Gefährt endlich in einer Seitenstraße abgestellt hatte und nach kurzem Fußweg gegen 15 30 Uhr auf das sonst als Parkplatz genutzte Gelände vor der Turbinenhalle getrabt war, hatten die EMIL BULLS gerade das erste Stück ihres Sets angestimmt. Wider meine Erwartungen war noch erstaunlich wenig los vor der Bühne. Während sich dort ein eher kleiner Haufen Leute in Staub und Sand tummelte, suchten viele noch Schutz vor der überraschenden Hitze dieses bislang kläglichen Sommers. Hinzu kam ein völlig unangemessen leiser Sound, der die deutsche Alternative Metal-Institution um Sänger Christoph von Freydorf aber keineswegs daran hinderte, auf die intakten Reserven des Publikums zu setzen. Zwar schien bei einem härteren „The most evil spell“ die Mittagsmüdigkeit noch in den Knochen zu stecken, um die positive Antwort auf die immer wieder aufgeführte Stimmungsfrage war sich jedoch keiner verlegen. Mit „The jaws of oblivion“, dem angenehmen „Newborn“, bei dem der konzentrierte Gitarrist sich ein bisschen foppen lassen musste, und „Nothing in this world“ tat die Hitdichte ihr Übriges zum allgemeinen Wohlbefinden, neben lauten Chören glückte bei letzterem sogar die mittlerweile fast schon symptomatische „Hinsetzen“-Aktion. Nach einer halben Stunde guter Unterhaltung verabschiedete sich der bereits siebte Programmpunkt des Tages mit „When God was sleeping“ bester Laune.

BETONTOD

Der teuflische Bühnenkreislauf des Freitags erinnerte zu Recht an das Konzept des Vainstreams und führte mich anschließend von der „Hell“- direkt zur anliegenden „Devil Stage“, auf der sich das Programm mit der nächsten deutschen Band fortsetzte. Angesprochen haben die seit den frühen 90ern lärmenden Recken BETONTOD ein ganz anderes, im Schnitt älteres Zielpublikum, doch mit einer durch und durch rauen Punk-Mentalität traf man selbstredend einheitlich, vom Fotograben bis zum Bierstand, auf Zustimmung. Mit Parolen-gleichen Kampfliedern wie „Keine Popsongs!“ und „Viva Punk!“ zogen die Altherren um Röhrenorgan Oliver Meister erfolgreich als erklärte Feinde des Mainstreams zu Felde. „Wir müssen aufhör’n weniger zu trinken“ war die Devise, die sich einige ordentlich betankte Besucher schon seit den frühen Morgenstunden zu Herzen genommen hatten und Frauen wie Männer tatkräftig mit einstimmen ließ. Obendrein hatte man endlich die Erklärung für die auch weiterhin unangemessene Lautstärke parat: laut Meisters Aussage hätte man einer Beschwerde aus der unmittelbaren Nachbarschaft nachgeben und die Regler nach unten drehen müssen. Und das mitten im Industriegebiet… die Rheinberger aber holten das Bestmöglichste aus dieser Situation heraus und überbrückten mit einer halben Stunde Vollgas gekonnt den an mancher Stelle fehlenden akustischen Druck. Man tat übrigens gut daran, sich frühzeitig an die Umstände zu gewöhnen, denn mit einer Besserung war definitiv nicht mehr zu rechnen.

THE BONES

Wer sich frühzeitig zu arrangieren lernte und ein paar Meter Fußweg zurück zur anderen Stage investierte, konnte mit knalliger Nachmittagssonne im Gesicht unbekümmert in die nächste Punk-Oase ein- und mitten in der schwedischen Raufbold-Kaschemme auftauchen. Gerade in Berlin, dadurch aber auch deutschlandweit und im Pott sowieso sind die alteingesessenen Punk’n’Roller THE BONES willkommene Gäste, die das Hitzebeständige, Bierselige Publikum gegen fünf Uhr ordentlich bei Laune zu halten wusste. Zwischen Cowboyhut und Rockabilly-Tolle machte der reichlich tätowierte Vierer rein optisch schon den Eindruck, selbst im deutlich Metal-dominierten Lineup exzellent platziert worden zu sein, den der unterhaltsame, melodische Gröhlpunk mit verwegener Attitüde mehr als bestätigte. Dabei gaben sich allen voran die beiden Sangesknaben/ Gitarristen Beef Bonanza und „Boner“ absolut locker und gleichzeitig sicher, ohne zu routiniert zu wirken. Das war mehr als bloße Bespaßung, hat aber trotzdem eine ganze halbe Stunde pausenlos und, so schien es, beiderseits Spaß gemacht.

THE SOUNDS

Wieder Schweden, wieder ohne Metal. Anders als die kurz zuvor verhallten Männer aus Karlskrona konnten THE SOUNDS allerdings kaum als sichere Bank bezeichnet werden. Diese waren eines der gewagteren Experimente, von denen es etwa im Bereich Singer/ Songwriter immerhin noch ein, zwei im Laufe des Wochenendes geben sollte. Mit allzu locker flockigem New Wave-Indiepoprock hatten sich die Veranstalter jedoch etwas weit aus dem Fenster gelehnt. Anfangs bot die agile, selbstbewusste (oder arrogante, das ist vielleicht Ansichtssache) blonde Sängerin Maja Ivarsson noch Unterhaltung en masse für die überschaubarste Menge meines kurzen Festivaltages: zur Freude der Männer spielte die 32-Jährige unablässig mit ihrem roten Kleid, legte ihr schwarzes Höschen quasi auf den Präsentierteller und sorgte für einige Lacher, als sie sich auf den Rücken des unbeteiligt arbeitenden Tontechnikers setzte… Respekt für seinen professionellen Abgang! Doch wo die Reize nur so sprudelten, fehlte es zunehmend an Motivation. Die vor der Bühne Jubelnden beschränkten sich weiterhin auf ein klägliches Minimum. So versuchte Maja mit gelangweilten, völlig überzogenen Posen zu provozieren und schenkte dem Volk vor der anderen Bühne, die wenig später gleich die nächste Frontfrau des Abends zeigen sollte, ein herzliches „Fuck you“. Als sie dann auch noch vorzeitig die Bühne verließ, mussten die ratlosen, aber durchweg solide musizierenden Männer an ihrer Seite die beleidigte Dame noch ein letztes Mal auf die Bühne holen. Mit ein wenig Selbstironie („Wir sind wohl eher eine Art Unterhaltung heute…“) „quälte“ sich das Quintett schließlich doch noch durch „Hope you’re happy now“… ein wirklich zynischer Titel, um diesen absoluten deplatzierten Auftritt zu beenden.
(Sebastian Palmer)

ARCH ENEMY

Frau am Steuer bzw. Mikro, die 2te! Und Angela Gossow gingt mit ihrer Band ARCH ENEMY doch gleich ganz anders zur Sache als zuvor noch THE SOUNDS. Die andere Stilrichtung beseitigte allerdings nicht das omnipräsente Problem bzw. machte der brachial groovende Death Metal der Schweden dieses im Gegenteil noch deutlicher. So knallt packender Elchtod mit einer geschätzten DB-Zahl von unter 90 einfach nicht richtig. Da konnten ARCH ENEMY noch so fulminant ihr kleines Best of-Set, welches natürlich auch die Hits „We will rise“, „Nemesis“ und „Dead Eyes See No Future“ enthielt, abfeuern, so richtig krachen wollte es einfach nicht. Wie die blonde Frontfrau treffend kommentierte: „Da schrei ich ja ohne Mikro noch lauter“ und „Bei einem Konzert soll man wenigstens mit nem kleinen Tinnitus heim gehen können“. Es half nix, die Lautstärke blieb mau. Dennoch gab die Band, bei der sich Neu-Saitenhexer Nick Cordle (ehem. ARSIS) wunderbar eingelebt hat, alles um die Meute in Wallung zu bringen und die machte mit einigen kleinen, aber feinen, Mosh- und Circlepits gut mit!

CLAWFINGER

„Rap Metal since 1993“ prangte auf dem Backdrop der schwedischen Crossover-Pioniere CLAWFINGER, welche über die Jahre zwar nie permanent aktiv, aber auch nie wirklich weg vom Fenster waren. Das eröffnende „Prisoners“, vom auch schon in die Jahre gekommenden „Life will Kill you“-Album, konnte allerdings noch nicht richtig Druck machen. Doch spätestens mit dem recht früh im Set platzierten „Nigger“ besserte sich die Stimmung vor der Bühne deutlich! Auf derselbigen war diese eh gut, verstehen sich die Jungs auch nach all den Jahren sichtbar! Und so haben Band und Fans an Knallern wie „Recipe for Hate“ ordentlich Spaß und angesteckt von der Stimmung erklomm Shouter Zak im Campino-Style die seitlichen Bühnenaufbauten und stimmte während „Zeros and Heroes“ mal eben „We’re not gonna take it“ von TWISTED SISTER an, was natürlich für zusätzliche Euphorie sorgte. Diese erreichte mit „Biggest & The Best“ zum Ende des Sets ihren Höhepunkt, der aber dann mit dem bereits von den Fans geforderten „Do what I say“ nochmal getoppt wurde. Da kann man nur sagen: Trotz leisem und schlechten Sound… die alten Herren können es immer noch!!

DORO

Ein Klassiker aus der anderen Ecke der harten Musik stand nun auf der anderen Bühne auf dem Programm. Frau Pesch hat nun bereits 29 Jahre Bühnenerfahrung vorzuweisen, was aber einer engagierten Show alles andere als entgegensteht. So merkt man dem Metal-Urgestein noch immer an, welchen Spaß sie an der Sache hat und dass sie sich auch für Festivals, die vielleicht nicht unbedingt das richtige Zielpublikum bereithalten, nicht zu schade ist. Mit guten Mitmusikern ausgestattet wirken Klassiker wie „Für immer“ live noch genauso gut, wie vor Urzeiten, was natürlich auch an der weiterhin guten Stimme von DORO liegt. Aber auch neuere Songs wie „Raise your Fist in the Air“ wissen zu gefallen und Stimmung zu machen und fügen sich wunderbar zu Klassikern wie dem natürlich nicht fehlen dürfenden „All We Are“, „Metal Racer“ oder dem JUDAS PRIEST-Cover „Breaking the Law“ hinzu. Auch wenn Fr. Pesch manchmal viel, oft und sehr überschwänglich ihre Begeisterung und Dankbarkeit äußert, macht sie genau das so sympathisch und unverzichtbar in der Metal-Szene. Und mit so einer Performance wird die deutsche Vorzeige-Metallerin noch weit mehr über die 30 Jahre-Marke rocken!

DANKO JONES

Ja, was will man zu DANKO JONES groß sagen? Entweder man findet ihn cool oder kann ihn nicht leiden. Ich persönlich finde den „jungen“ Herren ziemlich überwertet und unsympathisch. Und anstatt sich dauernd über die Fans, die lieber vor der Nebenbühne auf IN FLAMES wartetn, zu lästern und sich stundenlang darüber auszulassen, dass er sich für die Show seiner Band Regen gewünscht hat, sollte der Herr Gitarrist und Sänger lieber mit seinen Kollegen ein paar mehr Songs rocken. Zwar reißen diese Tracks auch nicht wirklich Bäume aus, geschweige denn sorgen sie für richtig Stimmung, aber ein guter Zeitvertreib bis zum Headliner sind sie allemal. Und trotz allen Widrigkeiten wünscht sich Mr. DANKO JONES, dass er bei der nächsten Ausgabe wieder mit von der Partie sein darf. Gerne, aber dann bitte nicht als Co-Headliner…

IN FLAMES

Satte 90 Min. bekommen die schwedischen Metal-Helden IN FLAMES an diesem Abend zur Verfügung und für ein ordentliches Headliner-Set fahren die Nordlichter natürlich auch ordentlich auf! So gibt es während der Show fette LED-Lights und krachende Pyros zu bestaunen. Wäre nun noch der Sound amtlich und vor allem laut, hätte man die besten Voraussetzungen für einen tollen Gig gehabt! Denn wenn man es sich erlauben kann, mit Krachern wie „Cloud Connected“ oder „Trigger“ zu starten, kann man nur gewinnen. Und auch wenn die musikalische Entwicklung nicht jedem Fan gefällt, live haben es Anders Friden & Co. noch immer drauf! So kombinieren sich neuere Burner wie „Fear is the Weakness“ wunderbar mit klasse Songs à la „Crawl through Knives“ oder „Only for the Weak“, und wenn man neben Hits wie „Quiet Place“ und „Take this Life“ noch Granaten wie „Reroute to Remain“, „Embody the Invisible“ oder „System“ auspackt, lässt man alle Kritiker ganz schnell verstummen! So rocken sich IN FLAMES motiviert routiniert und engagiert durch ein starkes Set und lassen sich auch nicht von dem ein oder anderen Fast-Unfall mit den Pyros die Stimmung vermiesen. Diese war auch bei den Fans durchweg top und so mancher führte die Party noch in der Turbinenhalle weiter!

Ein gelungener erster Tag, der angenehmerweise trocken blieb, aber mit dem steinigen Boden und dem mauen Sound-Level auch für Unmutsäußerungen sorgte. Dazu ist die Band-Zusammenstellung durchaus eigenwillig, aber ohne Frage interessant! Da freut man sich absolut auf Tag 2!

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

1 Kommentar

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