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DE/VISION – JANOSCH MOLDAU

Ort: Frankfurt - Batschkapp

Datum: 05.04.2009

Fast hätten Anne und ich unser Ziel – die Batschkapp in Frankfurt am Main – an diesem Abend nicht erreicht, denn uns fuhr ein Geisteskranker so nah auf, dass er unseren Kofferraum schon fast von innen öffnen konnte. In Schweiße gebadet und mit zittrigen Knien erreichten wir die Location dann doch noch und ich weiß gar nicht mehr so recht, ob mich das Zittern zwecks der aufregenden Autofahrt oder aufgrund des anstehenden Interviews mit Thomas heimsuchte. Also wurde in Form eines Gläschen Sektes für schnelle Abhilfe gesorgt und wir betraten den Club frisch, fromm, fröhlich, frei gegen 20:15 Uhr. Dort trafen wir auch gleich auf unseren Ansprechpartner, der uns backstage nach oben lotste, um uns dort mit Thomas in ein Räumchen zu verpflanzen. Das Interview könnt ihr an anderer Stelle nachlesen. Zurückgekehrt in den Club tankten wir Wasser an der Theke und kämpften uns durch die gut gefüllte Halle ganz nach vorn an die vom Publikum aus gesehene rechte Seite der Bühne. Den Opener X-DIVIDE haben wir aufgrund des Kreuzverhörs mit Thomas verpasst und können somit leider keinen Live-Bericht liefern.

Als zweiter Voract fungierte wieder einmal ein äußerst frohsinniger JANOSCH MOLDAU. Im Gegensatz zu unserer ersten Begegnung stand er dieses Mal nicht in Federboa, sondern im schicken weißen Anzug und Flieger-Fellmütze auf der Bühne. Der Mann ist einfach nur genial und hat uns beim Tourauftakt im „schönen“ Gießen schon überzeugt. In Frankfurt lieferte er jedoch noch eine ordentliche Portion mehr an Show ab. Die passend zum Outfit weiße Gitarre wich ihm kaum von der Seite. Doch hatte er auch wieder sein kleines Schwarzes dabei, nämlich sein Korg-Synthesizerchen. Es ist einfach nur faszinierend, wie er seine Show rüber bringt. Immerhin steht er ganz allein auf der Bühne, liefert jedoch eine Performance für mindestens drei Leute ab. Und dabei präsentierte er die Songs seiner beiden bisherigen Alben in professioneller Güteklasse A. Hut ab, Herr Moldau! Er ist und bleibt einfach eine interessante und charismatische Erscheinung. Ob Fans des Elektrogenres mit rockigen Zwischentönen oder auch Fans der gediegeneren Klänge, Janosch hat die richtige Mischung für uns im Gepäck und weiß anhand seiner Fingerfertigkeit, seines hervorragenden Gesangs und vor allem durch sein nettes und recht ungewöhnliches jedoch verzauberndes Erscheinungsbild zu bestechen. Nach rund 25 Minuten verabschiedete er sich mit einem letzten Track und den folgenden Worten: „So noch ein Song und dann mache ich Platz auf der Bühne für DE/VISION. Viel Spaß dabei“… Nach der Darbietung des letzten Stückes zeigte er mit einer Verneigung seine Dankbarkeit, nippte noch einmal an seinem mit Rotwein gefüllten Glas und auch das Frankfurter Publikum zeigte sich in Form von Klatschen und Jubelrufen äußerst begeistert und dankbar für Moldaus Showeinlagen. Janosch hatte wieder einmal ungeheuren Spaß bei seinem Auftritt, welcher sich auch volle Breitseite auf die Audienz ausstrahlte und die Zuhörerschaft der Batschkapp in ein fröhliches und gut gelauntes Publikum wandelte. Ein wirklich sehr gut und passend gewählter Support!

Nun war zunächst eine kurze Pause angesagt. Bevor es auf der Bühne weiterging, erschallte während der Umbauphase eine uns bekannte Stimme von hinten. Der „Laune“-Brüller vom Gießener Tourauftakt war auch wieder da. Doch seine Worte „Das ist gute Laune…“ verhallten schnell unter den Jubelrufen und Pfiffen vom Rest des Publikums, als das Licht ausging und die ersten DE/VISION-typischen Sounds aus den Boxen erklangen. Während des Intros sah man Thomas über die Bühne huschen und hinter seinem Synthie-Ständer (typisch mit einem Apple geschmückt) verschwinden. Das Publikum tobte. Einige Sekunden später trat Steffen auf die Bühne und zusammen mit den gellenden Zurufen und Jubelschreien aus dem Publikum sorgte die mit dem ersten Song („Starcrossed Lovers“) beginnende Lichtershow für eine richtig geniale Rundumsorglosabfeierstimmung. Der ebenso gut gelaunte Steffen hieß das Publikum mit „Hallo Frankfurt“ herzlich Willkommen zur Electronic Set Show und im gleichen Augenblick gingen die Jungs mit „Strange Affection“ auch gleich wieder richtig in die Vollen. Die Besucher erwiesen sich textsicher, grölten mit voller Hingabe und Leidenschaft was das Zeug hält und zeigten sich genauso tanzwütig (ob mit oder ohne Schuhe) wie Steffen auf der Bühne. Elektrisch weiter ging es mit „What it feels like“, welches auch ohne begleitende Zusatzmusiker durchaus zu überzeugen weiß und dementsprechend gut ankam. Die Masse zeigte sich ergriffen und war ziemlich in Trance versetzt. Kein Wunder, denn DE/VISION setzten uns in eine Zeitmaschine und nahmen uns mit auf eine Reise quer durch ihr musikalisches Schaffen von 20 Jahren. Mit „What you deserve“ und „Flavour of the week““ machten wir Halt beim letzten Album „Noob“, während wir mit „Bleed me white“, „Today’s life“ und „I regret“ einen Abstecher ins Jahr 1996 machten.

Steffen zündete die Stimmung bis zur letzten Reihe der gut gefüllten Batschkapp (schätzungsweise knapp 1000 Besucher) indem er die Zuhörerschaft immer wieder durch Klatschen und Zurufe wie „Frankfurt, es geht lauter“, „Frankfurt, wo seid ihr?“ oder auch „Frankfurt, seid ihr gut drauf?“ einheizte. Auch Thomas hatte ersichtlich Spaß hinter all seinen Gerätschaften, denn ca. ab dem vierten Song sah man ihn fast immer Grinsen. Wieder Richtung Gegenwart schossen wir mit „Moments we shared“, „Blue Moon“ („Unversed in love“, 2004), „Addict“ und „Still Unknown“ („Subkutan“, 2006). Das Publikum war weiterhin hingerissen und die gute Laune wich wohl keinem von der Seite. Mit „New Drug“ und „Back in my life“, Tracks vom 98er Album „Monosex“ sowie „Your hands on my skin“, „Try to forget“ und „Dinner without Grace“ („World without end“, 1994) kamen dann auch die Fans der schon älteren Generation auf ihre Kosten. Es schien fast so, als würde das gesamte Publikum mitsingen und Steffen schonte auch einmal mehr sein feines Stimmchen, indem er das Mikro in die Menge hielt und dieses einfach mal machen ließ. Die Stimmung war kaum zu beschreiben und die Audienz am Kochen, Feiern und Krakeelen. Und wieder einen Schritt nach vorne auf unserer Zeitreise ging es mit „Foreigner“ („Void“, 2000), „Drifting sideways“ („Devolution“, 2003) sowie „ Love will find a way“ („Famous Five“, 2008).

Somit berieselten und entführten uns die Jungs im Hauptact sowie während der beiden Zusatzrunden mit durchweg anhaltender Agilität sowie einem bunt gemischtem Programm voller Hits zweier Dekaden DE/VISION. Dem Publikum sah man 20 Jahre durchaus an, waren die Fans doch zum größten Teil schon in den 30ern angesiedelt, doch wurden DE/VISION auch von jüngeren Jahrgängen besucht und befeiert. Die 20 Jahre merkte man Steffen und Thomas hingegen in keiner Weise an, denn sie brachten ihren Gig von der ersten bis zur letzten Sekunde zum Besten ohne auch nur den Anschein einer Erschöpfung zu zeigen. Na ja, das ist bei der kampfsportlichen Tätigkeit von Thomas und der ansehnlichen Tanzweise Steffens (welche wohl jedes Frauenherz gleich drei Oktaven höher schlagen lässt) ja auch kein Wunder. Die beiden sind mit Sicherheit fitter als mancher Teenie oder Twen unter uns! Es war wieder einmal ein hervorragendes Konzert mit vielen Erinnerungen an gute alte Zeiten aber auch schöne Momente der Gegenwart. Der Sound, die Stimmung, die Performance, die verlorenen Kalorien und einfach alles Drumherum waren perfekt und werden uns noch lange in guter Erinnerung an jenem Abend zurückdenken lassen. Jene Songs, welche man LIVE eigentlich mit Klampfe und Drums gewohnt war, kamen in ihrer rein elektronischen Art sehr gut rüber und waren einwandfrei arrangiert. Die gefährliche Anreise hat sich in jedem Fall gelohnt und jeder Schweißtropfen und auch jedweilige Adrenalinspritze waren es wert… So blicken wir nun eifrig gen Zukunft und freuen uns auf neuen Stoff von unseren beiden charismatischen und sehr sympathischen Berliner Synthpop-Musikern.

Setlist DE/VISION
Intro + Star-crossed lovers
Strange affection
What it feels like
Today’s life
Addict
What you deserve
Bleed me white
Moments we shared
New drug
Blue moon
Foreigner
Love will find a way
I regret
Drifting sideways
Your hands on my skin
Flavour of the week

Back in my life
Try to forget

Dinner without grace
Still unknown

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