Konzert Filter

DIARY OF DREAMS – THE BEAUTY OF GEMINA

Ort: Bremen – Tivoli

Datum: 18.11.2015

Ende letzten Jahres hatten sie es versprochen und natürlich haben DIARY OF DREAMS auch Wort gehalten und waren auf ihrer aktuellen „Grau im Licht“-Tour wieder im Bremer Tivoli zu Gast, wo Adrian Hates (Gesang), Gaun:A (Gitarre/ Bass/ Keys), Flex (Gitarre) und Dejan (Drums) nach ihrem 2014er Debüt offensichtlich einen guten Eindruck hinterlassen hatten, denn nach und nach füllte sich der ehemalige Ballsaal mit schwarzen Gestalten und unterm Strich würde ich behaupten, dass zwar noch deutlich mehr Leute in die rund 700 Leute fassende Location gepasst hätten, aber doch ähnlich viele Fans an diesem Mittwoch in den kleinen Ableger des altehrwürdigen Aladins gefunden hatten wie im letzten Dezember an einem Freitag. Bremen ist dabei sicherlich keine ausgesprochene Gothic-Hochburg, weshalb es umso schöner war, dass die Band wieder vor Ort war und so den Rahmen für einen besonders intimen Gig schaffte, bei dem die Fotografen zwar auf einen Graben verzichten mussten, man aber ohne jedes Gedränge ein schönes Plätzchen fand, das einen guten Blick auf die Stage versprach und Raum zum Tanzen bot.

Letzteres war im Übrigen auch bereits beim Support THE BEAUTY OF GEMINA angezeigt, die vor drei Jahren auch schon für DOD eröffnet hatten. Die Eidgenossen boten pünktlich um 20 Uhr mit „Suicide Landscape“ vom 2006er Erstling „Diary of A Lost“ einen düsteren Einstieg, bevor wummernde Beats „The Lonesome Death of A Goth DJ“ begleiteten. Diese Nummer ist ebenso wie das tanzbare „This Time“ 2008 auf „A Stranger To Tears“ erschienen, wohingegen das rhythmusbetonte „Kings Men Come“ zwei Jahre später auf „At The End of The Sea“ das Licht der Plattenläden erblickte und in der Hansestadt mit freundlichem Applaus bedacht wurde. Bei „Kingdoms of Cancer“ griff Michael Sele – Fronter, Mastermind und einziges verbliebenes Gründungsmitglied – erneut zum Sechssaiter, den er auch beim druckvollen „Rumours“ nicht aus der Hand legte. Während grünes Licht die Bühne illuminierte, versorgte im Folgenden das temperamentvolle „Seven-Day-Wonder“ (2012 auf „Iscariot Blues“ veröffentlicht) die Anwesenden mit knackigen Melodien, ehe das treibende, halbakustische „Dark Rain“ das (nach eigenem Bekunden) von den Schweizern erfundene Genre „Gothic Blues“ mit Leben erfüllte. Da haben wir wahrlich schon schlimmere Alpen-Exporte erlebt, auch der Publikumsgesang war ganz passabel und am Beifall sparten die Bremer Schwarzkittel schon mal gar nicht. Blieb noch der Dunkel-Stomper „Last Night Home“ und die Aussicht darauf, dass nächstes 10-jähriges Bandjubiläum gefeiert wird. Als kleinen Vorgeschmack haben THE BEAUTY OF GEMINA ja bereits 14 Klassiker der bisherigen sieben Alben und zwei neue Tracks auf dem hörenswerten Silberling „Anthology“ versammelt, der am vergangenen Freitag erschienen ist.

Setlist THE BEAUTY OF GEMINA
Suicide Landscape
The Lonesome Death of A Goth DJ
This Time
Kings Men Come
Kingdoms of Cancer
Rumours
Seven-Day-Wonder
Dark Rain
Last Night Home

DIARY OF DREAMS bringen es derweil in 26 Dienstjahren auf zwölf Studio-Longplayer sowie diverse EPs und Compilations. Im Oktober beglückten uns die Dark-Rocker mit „Grau im Licht“, nachdem Anfang 2014 erst „Elegies In Darkness“ für Furore sorgte. Was wirklich in ihnen steckt, beweisen die Herrschaften jedoch am besten vermittels Live-Vortrag und so stieg zu den Klängen von „Schwarz“ die Vorfreude auf einen Konzertabend, der am Ende kaum einen Wunsch offen ließ. Zu Beginn um 21.10 Uhr musste allerdings zunächst einmal das Rätsel gelöst werden, was sich hinter dem schwarzen Vorhang verbarg, der einen nicht eben kleinen Teil der Stage verdeckte. Und siehe da: Dejan Nikolic bearbeitete seine Felle heuer in einem Käfig sitzend, während die Kollegen nach und nach ihre üblichen Plätze an den geschwungenen Mikrofonständern einnahmen. Den richtigen Einstieg gab’s dann allerdings mit dem starken „Sinferno“ vom jüngsten Longplayer, bevor zum kraftvollen „Malum“ vom Vorgänger Nebelfontänen in den Himmel stoben und „Menschfeind“ von der gleichnamigen 2005er EP seine Düster-Disco-Qualitäten unter Beweis stellte. Es wurde bereits ordentlich mitgeklatscht und mit „Psycho-Logic“, das 2004 auf „Nigredo“ veröffentlicht wurde, stand ein weiterer Klassiker an, der unmittelbar in Ohr und Bein ging. Aktuelles Material wie „Krank“ ließ sich jedoch nicht lumpen und wurde mit einer durchweg imposanten Lightshow präsentiert, die immer wieder durch den Einsatz der bereits erwähnten senkrechten Nebelfontänen, welche die Musiker regelrecht einhüllten, ergänzt wurde. Krachende Evergreens wie „Butterfly:Dance!“, „Giftraum“ oder auch „Soul Stripper“ durften da selbstredend keinesfalls fehlen, wurden entsprechend abgefeiert und harmonierten bestens mit frischem Stuff wie dem melancholischen „Ikarus“, bei dem Gaun:A in die Tasten griff und Adrian die Gitarre zur Hand nahm. Langsam entwickelte der Song jede Menge Drive und Schmackes; dem konnte sich das eindringliche „Schuldig!“ uneingeschränkt anschließen, bevor Flex für „Choir Hotel“ an die akustische Klampfe wechselte. Nach einem leisen Auftakt nahm das Stück vom 2009er „(If)“ schließlich wieder Fahrt auf und übergab gekonnt an das mitreißende „Mythology of Violence“. Für die großen Emotionen von „Colors of Grey“ war zunächst die Hilfe von Würfel gefragt. Bei diesem Herrn handelt es sich um einen Meister im Umgang mit dem Zauberwürfel, der zudem auch noch E-Pianos verkabeln kann und so Mr. Hates auch für einrunde fünf Minuten einen Sitzplatz verschaffte. „Dogs of War“ brachte das Auditorium derweil in Klatsch- und Tanzlaune und auch das fordernde „Grau im Licht“ ging direkt auf die Hüften. Mit „A Dark Embrace“ hatten DIARY OF DREAMS sich einen echten Kracher aufgehoben, zu dem wahre Lichtkaskaden die Location fluteten und auch „Endless Nights“ ließ ebenso wie „Undividable“ nichts anbrennen. Auf der Zielgeraden rappelte es noch einmal gehörig im Karton und erfreulicherweise war für die Nordlichter nach 105 kurzweiligen Minuten auch noch ein Nachschlag drin.

Der gestaltete sich mit „The Plague“ („Nekrolog 43“ – 2007) sehr massenkonform und auch die Hymne „King of Nowhere“ war weit davon entfernt, kleine Brötchen zu backen. Mit „Kindrom“ griffen die alt gedienten Szene-Urgesteine einmal mehr zum großen Besteck, während Gaun:A ein letztes Mal seine tiefe Stimme erklingen ließ, denn für den zweiten Zugabenblock brauchte es nur Adrian und Flex. Würfel würfen wollen wir ebenfalls nicht vergessen, denn das Tasteninstrument musste abermals in Position gebracht werden. Anlass war eine Akustikversion des von mir sehr geschätzten „Traumtänzer“, bei dem die Bremer Zuschauerschaft erneut ihre Sangesqualitäten beweisen konnte. Am Ende kamen auch Irokese Gaun:A und der zwischenzeitlich frei gelassene Dejan noch einmal ins Rampenlicht zurück, um sich mit ein paar Verbeugungen und Danksagungen zu verabschieden. Es war mir einmal mehr eine Freude und ich denke, dass die Fanbase in Bremen und Umgebung weiter wachsen wird, denn über diese Show gibt es wirklich nur Begeisterndes zu berichten, weshalb beim nächsten Mal viele Wiederholungstäter ihrerseits Debütanten mitbringen dürften und irgendwann ziehen DoD dann womöglich sogar ins große Aladin um…

Setlist DIARY OF DREAMS
Schwarz
Sinferno
Malum
MenschFeind
Psycho-Logic
Krank
Butterfly:Dance!
Giftraum
Soul Stripper
Ikarus
Schuldig!
Choir Hotel
Mythology of Violence
Colors of Grey
Dogs of War
Grau im Licht
A Dark Embrace
Endless Nights
Undividable

The Plague
King of Nowhere
Kindrom
Traumtänzer

Copyright Fotos: Frank Güthoff (Bochum 17.11.2015)

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu DIARY OF DREAMS auf terrorverlag.com

Mehr zu THE BEAUTY OF GEMINA auf terrorverlag.com