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DIARY OF DREAMS – IN STRICT CONFIDENCE

Ort: Hamburg – Markthalle

Datum: 12.04.2014

An diesem Samstag war die Markthalle mal wieder fest in schwarzer Hand, denn DIARY OF DREAMS feierten ihr Tour-Finale in der ehrwürdigen Live-Venue nahe des Hamburger Hauptbahnhofs. Seit 1989 stehen DoD für erstklassigen Synthie-Rock düsterer Prägung, weshalb nicht nur das aktuelle Album „Elegies In Darkness“ einen veritablen Platz 31 in den Charts vorweisen kann, sondern auch die Markthalle nahezu ausverkauft war. Natürlich waren Adrian Hates (Gesang, Gitarre & Musik), Gaun:A (Gitarre, Bass & Gesang), Felix „Flex“ Gerlach (Gitarre & Gesang), Drummer Dejan und ihr Gast Julius Trautvetter (an den Tasten und Stahlsaiten) nicht allein unterwegs. Den Support-Slot bestritten mit IN STRICT CONFIDENCE ebenfalls altgediente Electro-Recken, die pünktlich um 20.00 Uhr mit einem Intro begannen.

Wie üblich, gab’s bei ISC nicht nur was auf die Ohren, sondern auch etwas fürs Auge. Zum einen wurden die Songs visuell auf einer Leinwand im Hintergrund untermalt, zum anderen zählen zu der Kapelle nicht nur die Herren Dennis Ostermann (Gesang), Jörg Schelte (Keys) und Stefan Vesper (Drums). Die Damen Haydee Sparks (griff heuer im roten Lack-Outfit in die Saiten) und Nina de Lianin stellen nämlich die weibliche Komponente bei IN STRICT CONFIDENCE und dies sicherlich sehr zum Gefallen der männlichen Zuschauerschaft. Auf die in eine schwarze Lack-Corsage gezwängte, gertenschlanke Nina mussten die Herren beim Opener „My Despair“ zunächst noch warten; bei den tanzbaren Klängen vom sich anschließenden „Promised Land“ war die Dame, die ihre stimmliche und tänzerische Ausbildung beim Serbischen Nationalensemble erfahren hat und dort über Jahre hinweg als Solistin engagiert war, dann jedoch mit von der Partie. Ich muss allerdings gestehen, dass mich ihre Stimme nicht immer überzeugen konnte. Im Zusammenspiel mit dem rauen Organ des Kollegen Ostermann passte die Färbung ihrer Vocals durchaus, im Alleingang fand ich sie jedoch ein wenig – sagen wir mal – quietschig. Das Publikum zeigte sich bei „Tiefer“ und „Seven Lives“ noch ein wenig hanseatisch-zurückhaltend und bei „Forbidden Fruit“ fehlte mir ein wenig Spannung, daran änderten auch die elegant-rudernden Armbewegungen nichts, derer Frau de Lianin nicht müde wurde. Mit seinen „Hummel Hummel“-Rufen hatte Dennis sein Hamburger Publikum beim knackigen „Set Me Free“ dann jedoch und es wurde munter mitgeklatscht. „Morpheus“ lud derweil zum Tanzen ein und das blitzschnelle „Engelsstaub“ wurde gar mit Begeisterung aufgenommen, ehe die beiden Ladies im Off verschwanden, um sich für den Szenehit und Dauerbrenner „Zauberschloss“ mit riesigen, schwarz glänzenden Umhängen zu präparieren, die im Folgenden als fächerartige Flügel dienen sollten und Teil der finalen Performance der beiden war, die mit freundlichem Beifall bedacht wurde. Mit letzten Verbeugungen verabschiedete sich der Fünfer, der mit Konzerten in 25 Ländern ein echter Exportschlager ist, nach unterhaltsamen 45 Minuten und überließ das Feld dem Headliner.

Setlist IN STRICT CONFIDENCE
Intro
My Despair
Promised Land
Tiefer
Seven Lives
Forbidden Fruit
Set Me Free
Morpheus
Engelsstaub
Zauberschloss

30 Minuten später war für DIARY OF DREAMS alles in Stellung gebracht (darunter auch die besonderen, geschwungenen und in sich verwobenen Mikrofonständer) und die Stars des Abends konnten ihre Show mit „Malum” vom im März erschienenen Longplayer beginnen. Es ging gleich in medias res und auch die Fans ließen sich nicht lang bitten und brauchten eindeutig keine Aufwärmphase mehr. So reichte es bei „Psycho-logic“ ein kurzer Fingerzeig von Mastermind Adrian und schon wurde kräftig mitgeklatscht, was sich beim darauffolgenden Klassiker „Kindrom“ von selbst verstand. Unter Lichtgewittern wurde die Nummer vom 2004er „Nigredo“ abgefeiert, bevor der Bandleader für „Rumours About Angels“ zur E-Gitarre griff und sich Flex ums Violoncello kümmerte. Erstmals kam dieses Instrument live bei der Tour zum Akustikalbum „The Anatomy of Silence“ im Herbst 2012 zum Einsatz und auch jetzt verhalf der Streicher dem alten Lied zu neuer Dramatik. Gleiches galt für „O’ Brother Sleep“, bei dem Gaun:A sein Können am Kontrabass zeigte, alsbald jedoch wieder an den Sechssaiter wechselte, während der Tastenmann den Tieftöner zupfte. Jenen Fans aus Russland, die bei der gesamten Tour mitgereist waren, verehrte Mr. Hates „Play God!“ und servierte dem gesamten Auditorium wenig später „Chemicals“. Mit „A Dark Embrance“ gaben DoD einen rhythmusbetonten Stomper ihres jüngsten Werkes zum Besten und ein „Haus der Stille“ war die Markthalle heuer mit Sicherheit nicht. Vielmehr offerierte der Track von der „Menschfeind“-EP ein gerüttelt Maß an kraftvollem Pathos, bevor es mit „Babylon“ ein Lied zu hören gab, das aufgrund seiner Länge normalerweise nicht auf der Live-Setlist steht. Doch da Zuschauer und Musiker Zeit hatten, nahm man sich die knapp zehn Minuten und die Akklamationen am Ende zeigten, dass man damit nicht verkehrt lag. Gleiches galt für die scheppernde Teufelsaustreibung mit „Daemon“, ehe Adrian den ersten Preis für „Im-Takt-Klatschen“ an die Hanseaten vergab. Ja, wer mal Support bei UNHEILIG war, der weiß, dass die Menopausen-Hausfrauen-Fraktion das aus irgendwelchen Gründen nicht hinbekommt… Für „StummKult“ war abermals der Kontrabass gefragt und auch der Stahlsaiter kam mit „Dogs of War“ erneut zum Einsatz. Bei „The Luxury of Insanity“ griff der Mann dann wieder in die Klaviertasten, ehe „Undividable“ für ein krachendes Ende des regulären Sets sorgte.

Der frenetische Applaus der Anwesenden ließ keinen Zweifel daran, dass es mit den vergangenen 100 Minuten nicht bereits getan war und so legte das Quintett mit „A Day In December“ und bandtypischer Dramatik in Slow Motion nach. „King of Nowhere“ und „The Curse“ waren zwei weitere Highlights der DoD-Discografie, die keinesfalls fehlen durften und mit entsprechender Aufmerksamkeit bedacht wurden. Nach einem weiteren kurzen Break folgte der akustische Abschluss des Konzertes, denn für„Die Gassen der Stadt“ und das immer wieder großartige „Traumtänzer“ wurden nochmals der Stecker gezogen und die Streicher bemüht. Wie schön wäre es gewesen, wenn die beiden Damen vor mir bei dieser Gelegenheit einfach mal die Fresse gehalten hätten? Aber was soll’s? Es war trotz dieser Grazien, deren Gesten im Übrigen eher an in ein HELENE-FISCHER-Konzert gepasst hätten und die von den Umstehenden doch ein klein wenig belächelt wurden, wieder einmal ein absolutes Vergnügen, DIARY OF DREAMS live zu erleben. Die dankten nach 130 Minuten Spielzeit noch ihrer Crew und natürlich auch ihren Fans, um schließlich das Zepter an die DJs zu übergeben, denn im Anschluss durfte auf der „Return of The Living Dead“-Party noch zur Konservenkost abgezappelt werden.

Setlist DIARY OF DREAMS
Malum
Psycho-logic
Kindrom
Rumours About Angels
O’ Brother Sleep
Play God!
Chemicals
A Dark Embrace
Haus der Stille
Babylon
Daemon
StummKult
Dogs of War
Lebenslang
The Luxury of Insanity
Undividable
A Day In December
King of Nowhere
The Curse
Die Gassen der Stadt
Traumtänzer

Copyright Fotos: Daniela Vorndran

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