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DIARY OF DREAMS – IN STRICT CONFIDENCE

Ort: Hannover – MusikZentrum

Datum: 10.04.2014

Unter der Woche nach Hannover zu fahren, kann sich schon mal als sehr Nervenaufreibend herausstellen, wenn sich die polnische LKW-Karawane zeitgleich gen Osten drängt und man zudem gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe ist. Doch was tut man nicht alles für eine der besten Live-Bands der Szene, die seit vielen Jahren beständig Qualität auf Tonträger und Bühnen bietet. DIARY OF DREAMS konnten mit ihrem neuen Werk „Elegies in Darkness“ immerhin Platz 31 in den deutschen Charts ergattern, nun galt es also die neuen Songs auf einer zugehörigen Tour zu promoten, wobei man gleich noch einen sehr namhaften Support Act präsentierte.

Dieser hörte auf den Namen IN STRICT CONFIDENCE und ist natürlich selbst seit vielen Jahren eine Institution im Elektro-Genre. Als wir gegen ca. 20 Uhr das Hannoveraner MusikZentrum erreicht und sogar einen halbwegs in der Nähe befindlichen Parkplatz ergattert hatten, legten die Deutschen auch schon los. In kompletter Bandstärke mit Schlagwerk und Hintergrundprojektionen zu den einzelnen Songs, auch nicht unbedingt selbstverständlich. Aber Fronter Dennis Ostermann und Co. sind eben auch schon seit Beginn der 90er am Start und verfügen über eine veritable Fangemeinde, dementsprechend gut war die Stimmung in der prall gefüllten Location schon jetzt. Mit „My Despair“ und „Promised Land“ haute man gleich 2 Highlights der Discographie raus, bei Letztgenanntem trat dann auch Co-Sängerin Nina de Lianin ins Rampenlicht, die optisch einiges hermachte und einen sehr selbstbewussten Eindruck hinterließ. Stimmlich passte meiner Meinung nach bei ihr nicht immer alles, gewiss eine gute Vokalakrobatin in technischer Hinsicht, aber von der Tonlage nicht zu allen Songs passend. Das soll aber nur ein marginaler Kritikpunkt sein, ansonsten wirkte die Show durchaus engagiert und professionell. Auf der linken Seite agierte die 2te Lady im Line Up. Haydee Sparks bediente die E-Gitarre, die zumeist für den richtigen Druck der Titel sorgte, welche in den Refrains oftmals auch recht poppig rüberkamen. „Set Me Free“ oder „Tiefer“ waren weitere Elemente der Setlist, man sprang munter in der eigenen Historie herum, wechselte ebenso galant zwischen Deutsch und Englisch und versprühte auch ein gerüttelt Maß an schwarzer Erotik mit den beiden wohlgeformten Damen. Zum Ende hin gab es mit „Engelsstaub“ und natürlich dem „Klassiker“ „Zauberschloss“ noch die ISC-Default-Tracks auf die Ohren, entsprechend launig eingeleitet. Dabei hatten Haydee und Nina übergroße Fächer am Start, mit denen man eine kleine Choreographie präsentierte. Ein Opener, der weit über das übliche Maß hinausging und zudem perfekt zum Headliner passte, es war also angerichtet…

Der Laden leerte sich zunächst, dafür wurden Lungen und Mägen mit ungesunden Materialien gefüllt. Derweil wartete man gespannt auf den nächsten Fünfer, den wir im Laufe der Jahre nun schon unzählige Male begutachten durften. Nach einer nicht allzu langen „Umbauzeit“ traten Adrian Hates und Co. ins Rampenlicht, wobei dieses zwar optisch schön, aber fotographisch gesehen eher unangenehm ausfiel. Zudem fehlte wie meist im MusikZentrum ein Fotograben, so dass die Knipserei einer Sisyphos-Arbeit gleichkam und gute Lichtbilder von daher rar gesät sind/ waren. Allerdings kennt man die schwarze Bande optisch ja zur Genüge. Musikalisch stieg man mit „Malum“, dem Opener der neuen Scheibe ein, von der natürlich noch einige Songs gespielt wurden. Dabei wurde deutlich, dass Titel wie „StummKult“, „The Luxury of Insanity“ oder das sehr rhythmische „Daemon“ gut in den Diary-Soundkosmos passen, der ganz große Überhit aber dieses Mal nicht an Bord ist. Dafür hat man dann aber die üblichen Bandeigenen Klassiker im Gepäck („Chemicals“, „Lebenslang“ etc.), die frenetisch abgefeiert wurden. Heuer präsentierte man auch ein paar eher selten bis gar nicht gespielte Tracks wie etwa das „Haus der Stille“ von der „MenschFeind“-EP oder das überlange „Babylon“. Adrian zeigte sich mal wieder als perfekter, völlig unprätentiöser Sänger, dessen manchmal eher etwas unbeholfene Ansagen sehr sympathisch rüberkamen. Dafür bemerkte man bei allen 5 Herren auch nach so vielen Jahren noch echte Spielfreude. Mehr als ein paar Moodlights als „Show-Element“ brauchte es an diesem Abend auch nicht, um die relativ alte Fangemeinde bei Laune zu halten. Mit dem wunderbaren „Undividable“ ging es dann in die erste Pause, doch es warteten noch 2 Zugabenblocks mit 3 plus 2 Stücken auf uns.

Zum 2ten aktuellen Videotrack „A Day in December“ ging es vielumjubelt wieder zurück auf die Bühne, „King of Nowhere“ und das wie immer vom Publikum mitgesungene „The Curse“ (obwohl ich da schon mehr Engagement andern Ortens in Erinnerung habe) komplettierten die erste Verlängerung. Doch wie bereits erwähnt gab es einen weiteren Bonus-Part, dieses Mal allerdings in etwas „intimerer“ Athmo. Gaun:A und Flex griffen zu Streich-Instrumenten und verpassten so dem melancholisch-stillen „Die Gassen der Stadt“ die entsprechende Stimmung, welche dann vom „Traumtänzer“ zu einem perfekten Höhepunkt gebracht wurde. Hier wurden leise Anklänge an die Akustik-Tour deutlich, was noch einmal die stilistische Vielseitigkeit von DIARY OF DREAMS auf den Punkt brachte. Danke für einen abermals schönen Abend, für den sich die ganze logistische Schinderei Drumherum mehr als gelohnt hatte.

Setlist DIARY OF DREAMS
Malum
Psycho-logic
Kindrom
Rumours about Angels
O‘ Brother Sleep
Play God!
Chemicals
A Dark Embrace
Haus der Stille
Babylon
Daemon
StummKult
Dogs of War
Lebenslang
The Luxury of Insanity
Undividable

A Day in December
King of Nowhere
The Curse

Die Gassen der Stadt
Traumtänzer

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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