Konzert Filter

DIARY OF DREAMS – DAVOS

Ort: Hamburg – Knust

Datum: 19.11.2010

Momentan feiere ich meine ganz persönlichen Hamburgwochen, weshalb ich nach einem Besuch der Freien und Hansestadt am Montag (VOLBEAT hatten sich in der Alsterdorfer Sporthalle die Ehre gegeben), gleich am Freitag erneut den Weg Richtung Norden einschlug. Diesmal mit der Deutschen Bahn, die sich leider nicht an ihre Fahrpläne hielt, weshalb ich schon mit Verspätung in meiner Lieblingsmetropole ankam, die für mich heute knackigen Synthie-Rock aus dem Hause DIARY OF DREAMS parat hielt. Zum ersten Mal in meinem Leben wollte dann auch noch ein Kontrolleur mein U-Bahnticket sehen, so dass ich schließlich erst um 21.10 Uhr im Knust ankam, wo das Support-Duo DAVOS aus Wien mit seinem Song „Lass es sein“ bereits in den letzten Zügen lag.

Die Herren Michael Ruin (Synthies – auch bei der Elektrokapelle SHARON NEXT aktiv) und Eric Nelson (Vocals) spielten vor rund 600 Zuschauern in einem nahezu ausverkauften Haus – übrigens einer alten Rinderschlachthalle – und schienen dem Applaus nach zu urteilen durchaus bei den Hamburger Schwarzkitteln angekommen zu sein. Aber so richtig neugierig waren die Anwesenden natürlich auf die Headliner-Show von DIARY OF DREAMS, die jede Menge neuer Songs versprach. Adrian Hates (Gesang & Gitarre), Gaun:A (Gitarre & Bass), Flex (Gitarre) sowie die beiden Neuzugänge an den Tasten und der Batterie basteln momentan am kommenden Studioalbum „Ego:X“, das irgendwann in 2011 erscheinen soll und präsentieren bereits jetzt im Rahmen einer kleinen Deutschland-Tour ein paar Appetithappen. Ich will es gleich vorwegnehmen: Die unveröffentlichten Songs, die es an diesem Abend zu hören gab, hatten es samt und sonders ins sich und ich erteile hiermit schon mal allen DOD-Fans eine Kaufempfehlung für den Silberling. „Echo In Me“ kann man ja bereits unter diaryofdreams.bandcamp.com zum Preis, den jeder selbst festlegt, runterladen, in Hamburg wurde er erstmals auch live gespielt und erntete im Knust verdientermaßen jede Menge Applaus, nachdem es zum Einstieg mit „Nekrolog 43“ (vom gleichnamigen 2007er Album) und „The Wedding“ („(If)“ – 2009) bekannt erstklassiges Material auf die Ohren gab. Bei diesen ersten beiden Stücken, die einem gesprochenen Intro folgten, bearbeitete Adrian auch noch seinen Sechssaiter, der ansonsten vergleichsweise selten zum Einsatz kam. Zu späterer Stunde erklärte der langmähnige Sänger auch den Grund: Es soll ihm einfach zu warm gewesen sein. Ob dem tatsächlich so war, lassen wir mal dahin gestellt, geschwitzt haben auf jeden Fall nicht nur die Herrschaften auf der Bühne, sondern auch das Auditorium, das sich über satte 130 Minuten Spielzeit freuen durfte. Der Mix aus Klassikern und neuen Tracks war absolut gelungen und so stand einem fantastischen Konzert nichts im Wege. Die Hanseaten zeigten sich zudem alles andere als zurückhaltend und klatschten eifrig mit, auch wenn sie gelegentlich von der bestens aufgelegten Band ermahnt werden mussten, ihre Zustimmung etwas euphorischer klingen zu lassen, was auch den gewünschten Erfolg brachte und im Laufe des Gigs die Lautstärke des Publikums kontinuierlich zunehmen ließ. Laut und krachend ging es auch auf der Stage zur Sache, wo DIARY OF DREAMS mit brandaktuellem Liedgut wie „Splinter“ oder „Undividable“ gewaltig auf den Putz hauten. Als Beweis, dass es im kommenden Jahr aber auch was ruhiges von den seit 1989 agierenden Dunkelrockern zu hören geben wird, wurde „Immerdar“ mit sanften Pianoklängen zu Gehör gebracht. Natürlich durften auch die liebgewonnenen Klassiker nicht fehlen und entsprechend wurden „King of Nowhere“, „The Plague“ oder auch „Kindrom“ abgefeiert. Es waren knackige 85 Minuten, die wie im Fluge vergingen, die das reguläre Set markierten, dem ein ganz besonderer Zugabenblock folgen sollte. Die nächsten vier Nummern (allesamt wieder Highlights der DOD-Diskografie) wurden nämlich in akustischen Versionen gespielt, für die Flex und Adrian, der sich inzwischen seiner Jacke entledigt hatte, zur Akustikklampfe griffen, während Gaun:A seinen Bass zupfte. Das sentimentale „O’Brother Sleep“ wurde mit reichlich Beifall belohnt, der sich nach dem ergreifenden „The Curse“ noch ausgiebiger darstellte, nachdem die Anwesenden dem Song wirklich in andächtiger Stille beigewohnt hatten. Grandios auch der Flüsterton-Zwiegesang des Irokesenmanns und seines „Chefs“, der seinen Gitarristen und Bassisten schon feuern wollte, weil er ihn ein „Lügenmaul“ genannt hatte. Flugs wurde schon eine erste Anfrage ans Publikum gestellt, ob denn jemand diese beiden Instrumente beherrsche und Gaun:A bot sogar an, die Frisur in die Hand zu nehmen. Die beiden hatte heuer offensichtlich Laberwasser getrunken und unübersehbar hatte der Fünfer auch jede Menge Spaß am Mucken, der sich in seiner vollen Pracht bei „Traumtänzer“ entlud. Natürlich haben DIARY OF DREAMS diese Granate schon unzählige Male gespielt, aber in der Akustikabwandlung war es zumindest im Knust möglicherweise das erste Mal, sodass Herr Hates nicht komplett gelogen hatte. Und wenn schon, seine Fans, die den Refrain lauthals mitgesungen haben, werden es ihm verzeihen und der Titel ist nun wirklich sowohl in der elektrifizierten als auch der unplugged-Variante erstklassig. Entsprechend gab es erneut lang anhaltende Ovationen, die das Quintett von der Bühne begleiteten, es aber genauso wieder auf selbige zurücklockte. Alle Instrumente waren wieder unter Strom gesetzt und es ging mit „MenschFeind“ erneut in die Vollen. Weder auf noch vor der Stage zeigte man Ermüdungserscheinungen, weshalb mit „Soulstripper“ gleich amtlich nachgelegt wurde, bevor mit „She And Her Darkness“ zum Schluss zum Gefühlsoverkill geblasen wurde.

Irgendein Schreihals unter den Zuschauern musste zwar auf sein vehement gefordertes „End of Flowers“ verzichten; ich glaube jedoch nicht, dass es unter den Anwesenden viele waren, die nicht restlos begeistert waren und irgendwas vermisst haben. DIARY OF DREAMS haben sich wahrlich nicht lumpen lassen und ordentlich aufgefahren. Zwar hatte das Backdrop nicht so richtig Platz im Hintergrund der kleinen Bühne, das machte die Combo jedoch locker mit ihrer eindrucksvollen Lightshow wett, welche die Stimmung der einzelnen Songs perfekt unterstützte. Und was die Musik selbst angeht, so sind DOD eh über jeden Zweifel erhaben, wie auch das neue Material erneut unter Beweis stellte. Adrians sonore Stimme erledigte den Rest und auch das dunkle, raue Organ von Gaun:B, das recht häufig zu hören war, wusste zu gefallen. Ich freue mich schon auf den kompletten Longplayer „Ego:X“ und meinen nächsten Ausflug an Elbe & Alster, der mit den beiden Headlinern DISTURBED und BUCKCHERRY Ende des Monats doch ein paar Grad härter ausfallen wird.

Setlist DIARY OF DREAMS
Nekrolog 43
The Wedding
Echo In Me
Odyssey Asylum
Hypo)crypticK(al
Splinter
King of Nowhere
Choir Hotel
Immerdar
The Darkest Of All Hours
UnWanted?
Undividable
21 Grams of Nothing
The Chain
The Plague
Chemicals
Kindrom

O’Brother Sleep
The Curse
Giftraum
Traumtänzer

MenschFeind
Soul Stripper
She And Her Darkness

Copyright Fotos: Dani Vorndran

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu DAVOS auf terrorverlag.com

Mehr zu DIARY OF DREAMS auf terrorverlag.com