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DIARY OF DREAMS

Ort: Dortmund – FZW

Datum: 29.09.2011

Eine der beständigsten und qualitativ hochwertigsten “Gothic” Bands wieder zu Gast auf Deutschlands Bühnen – und zwar als Headliner und nicht als „Hausfrauenbespasser“ vor dem UNHEILIGen Grafen! Dass man im Gegensatz zu MONO INC. nun nicht auch in Mainstream-Dimensionen vorgestoßen ist, sagt schon einiges über die Güte der Formation um Adrian Hates aus, und zwar im positiven Sinne. Nun denn, an diesem wunderschönen Altweiber-Abend (und das will ich jetzt nur auf das Wetter bezogen wissen…) machten wir uns auf gen Dortmund, während sich die benachbarten Schalker gerade in der Euroleague abmühten. Ohne größere Probleme erreichten wir das Freizeitzentrum West zu Dortmund, vor dem bereits eine kleinere schwarze Schlange Position bezogen hatte. Im Inneren angekommen, wurde es schnell deutlich, dass hier und heute eine angemessene Atmosphäre vorherrschen würde, mit ca. 400 Besuchen war der Raum sehr ordentlich gefüllt, auf einen Fotograben musste man aber leider verzichten – ergo auch auf vernünftige Bilder. Ebenfalls nicht anwesend war ein Opening Act, der in Form der Österreicher SHARON NEXT erst am Folgetag auf die Tour aufspringen sollte. Aber im Grunde gar kein Problem, so bekamen wir unter der Woche das volle DIARY OF DREAMS-Programm zu einer vernünftigen Zeit auf die Ohren. Die Instrumente gestimmt, die Vorfreude groß, das Tagebuch der Träume konnte eröffnet werden.

So stürmte dann ein Quintett voller Tatendrang die Bühne, wobei am ganzen Abend natürlich die exponierte Stellung von Hates und seinem langjährigen Saitenhexer Gaun:A deutlich wurde, die immer etwas später ins Rampenlicht traten. Dazu die Herren Flex (Gitarre rechts), Dejan (Drums links hinten) und „Aushilfs“-Keyboarder Mauri (STONED AGE) an der rechten Seite, welche allesamt mit Verve ihre Arbeit verrichteten, ohne jetzt absolute Rampensäue zu sein. Aktuell promoted man ja die neue Scheibe „Ego:X“, diese kann mit einem besonderen Konzept und dem Synchronsprecher Martin Keßler (Vin Diesel!, Nicholas Cage!!) aufwarten, der bei mehreren Stücken Einblicke in die Gedankenwelt seines musikalischen Alter Egos gibt. Was auf Tonträger den Fluss meiner Meinung nach ein wenig stört, wurde live nur kurz als Intro eingesetzt, in dieser Form eine feine Sache. Mit „Menschfeind“ ging die musikalische Reise los, darauf folgte bereits der „Ego:X“-Titel „Undividable“, welcher der Stimmung keinen Abbruch tat. Danach wurde es ein wenig ruhiger im Auditorium, eine Reihe eher selten gespielter Songs wurde zwar ordentlich beklatscht und bestaunt, der allerletzte Kick fehlte jedoch. Was auf keinen Fall an der Darbietungsweise lag, die engagiert und mitreißend ausfiel. Hates und Gaun:A spielten sich performance-technisch die Bälle zu und man hatte auch ein paar besondere Schmankerl im Gepäck. So wurde ein Titel mal fast akustisch nur von Stimme und E-Piano vorgetragen (die Ballade „Colors of Grey“), bei einem anderen tauschten die Gitarristen ihr Stamm-Instrument mit Drums am Bühnenrand, was einen sehr dynamischen Vortrag ergab. Neben der neuen Scheibe kam z.B. mit „False Affection:False Creation“ auch ein neu arrangierter „Cholymelan“-Track zum Einsatz. Vorher gab es noch eine kleine Kontroverse im Publikum, die Adrian aber routiniert zu schlichten wusste. Gegen Ende des regulären Sets wurden die Zügel noch einmal angezogen, und endlich ging das Publikum auch wieder „richtig“ mit, die allermeisten Hände gingen in die Luft und man sammelte die Kräfte für die Verlängerung…

Diese wurde dann auch ausgiebig zelebriert, gleich dreimal kehrte die Wave Rock-Koryphäe zurück, die live härtetechnisch um einiges aggressiver als auf Konserve rüberkommt. Der Fronter nun mit ungezähmtem Haupthaar, was der Show angeblich noch etwas mehr Ausstrahlung und Esprit verlieh (diese These stammt NICHT von mir!). Der Zugabenblock bot noch einmal 5 Klassiker auf, die man allesamt von Hates und Co. erwarten durfte. „The Curse“, „Chemicals“ etc. brachten die Anwesenden noch einmal zur Ekstase, bevor das abschließende „Traumtänzer“ (laut Band „der Song, den man spielen müsse“) einen vielstimmigen Background-Chor initiierte. Die Musiker schienen geradezu gerührt, dennoch glaube ich, dass andernorts noch mehr an Stimmung geht. So oder so ein sehr gelungener deutscher Tourauftakt mit vielen Raffinessen in der Setlist und einer wie üblich fannahen, überaus sympathischen Band, die in ihrem Genre zur absoluten Speerspitze gehört.

Setlist
Into X
Menschfeind
Undividable
She
Lebenslang
The Wedding
Reign of Chaos
Echo in Me
Giftraum
Mein-Eid
False Affection:False Creation
Colors of Grey
Son Of A Thief
Grey The Blue
Wahn:Sinn
Immerdar
Amok
King of Nowhere
Butterfly:Dance

The Curse
Kindrom

Chemicals
The Plague

Traumtänzer

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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