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DIARY OF DREAMS

Ort: Herford – X

Datum: 26.12.2010

Während Anfang 2010 mein erstes Konzert des Jahres in einer Schneewehe endete, sorgten die weißen Massen auf den letzten Metern der sich verabschiedenden ersten Dekade des 21. Jahrhundert dafür, dass ich nur mit erheblicher Verspätung mein Ziel Herford erreichte. Ich war schlicht und ergreifend eingeschneit (momentan drücken sich Rehe an meiner Terrassentür die Nasen platt und stehen vor meiner Haustür rum – ich warte nur darauf, dass eines der Bambis bei mir klingelt – womit die Infrastruktur in meiner näheren Umgebung hinreichend erklärt sein dürfte) und musste abwarten, bis schweres Räumgeschütz Zeit fand, sich meiner misslichen Lage anzunehmen. So kam es, dass ich zu meinem Bedauern vom „Christmas after Darkness“-Festival im Herforder X gleich einmal die beiden ersten Bands SLAVE REPUBLIC und IN STRICT CONFIDENCE komplett verpasst hatte.

Vor mir hatte es jedoch bereits eine erkleckliche Anzahl Schwarzkittel in die ehemalige Badeanstalt geschafft, so dass ich gegen 21.00 Uhr in einer gut gefüllten Location eintraf, in der schon bald Adrian Hates (Gesang & Gitarre) und seine vier Mannen an den Sechssaitern, Tasten und Trommeln das Sagen übernehmen sollten. Den Anfang machte „Nekrolog 43“ vom gleichnamigen 2007er Silberling, worauf „The Wedding“ vom letztjährigen „If“ folgte. Nach diesen beiden Klassikern in Sachen DOD-Live-Darbietung schloss sich ein neuer Track an, der auf den Namen „Echo In Me“ hört und im kommenden Jahr auf dem mit Spannung erwarteten Studioalbum „Ego:X“ erscheinen soll. Es ging flott zur Sache, überhaupt scheinen die neuen Stücke überwiegend treibender Natur zu sein, wie auch „Undividable“ mit viel Schmackes unterstrich. Die Anwesenden zeigten sich vom brandaktuellen Stuff sehr angetan, richtig abgefeiert wurden aber natürlich die Evergreens wie „King of Nowhere“, „The Plague“ oder auch „Kindrom“, das ordentlich mitgeklatscht wurde und auch das gesangliche Können der Ostwestfalen unter Beweis stellte. Als visuelle Untermalung gab’s jede Menge farbiges Licht oder bei „The Chain“ auch einmal helle Strahler, welche die Protagonisten – allen voran den langmähnigen Mister Hates – von unten anstrahlten und eine geheimnisvolle Aura verbreiteten, während roter Nebel zu knackigen Gitarrensounds (für die in bewährter Form Gaun:A und Flex verantwortlich zeichneten) über die Stage waberte. „21 Grams of Nothing“ und auch „Chemicals“ starteten zunächst mit verschwörerischen Klängen, um alsbald wieder in die Vollen zu gehen, bevor „Traumtänzer“ (2002 auf „Freak Perfume“ erschienen) nach einer Stunde das Ende des regulären Sets markierte. Hier war natürlich abermals die Stimmgewalt des Auditoriums gefragt, das bisweilen – abgesehen von ein wenig zurückhaltender Unterstützung durch Adrian, den Refrain im Alleingang schmetterte. Das konnte es natürlich noch nicht gewesen sein und so bekam die schwarze Gemeinde mit „MenschFeind“ (von der gleichnamigen EP aus 2005) exakt den gewünschten Nachschlag, denn eben dieser Stomper wurde vermittels lauter Rufe gefordert, ehe es mit „She And Her Darkness“ auf die Zielgerade ging. Zu Weihnachten durfte eine Ballade dieser Güte bei DIARY OF DREAMS auf gar keinen Fall fehlen und jetzt sind mir nicht nur die gängigen Neon-Leuchtstäbe geläufig, sondern auch entsprechende Fingerringe, die direkt neben mit von einer ansonsten gänzlich schwarz gekleideten Gestalt euphorisch in die Höhe gereckt wurden. Zuletzt hatte ich DIARY OF DREAMS vor fünf Wochen auf ihrer kleinen Club-Tour im pickepacke vollen Hamburger Knust gesehen, wo die Herrschaften fast doppelt so viel Spielzeit hatten und für ihre Verhältnisse unglaublich redselig waren. Meine Überlegungen, dass bei diesem Anlass doch ein anderer Schlagzeuger hinter der Schießbude agierte, wurden denn auch von Adrian Hates bestätigt. Der eigentliche Amtsinhaber hatte nämlich früh morgens einen Autounfall und liegt im Krankenhaus (gute Besserung von dieser Stelle!). Es galt entsprechend ganz schnell einen Ersatz zu finden, sollte der abendliche Gig nicht platzen. Glücklicherweise war Stefan Vesper (IN STRICT CONFIDENCE) zur Stelle, der seine Sache wirklich gut gemacht hat und zum Gelingen des druckvollen Konzertes zweifellos seinen Anteil geleistet hat.

Inzwischen war es 22.30 Uhr und der zweite Headliner WELE:ERDBALL stand noch bevor. Während hinter einem schwarzen Vorhang emsig am Bühnenbild der C=64-Pioniere gearbeitet wurde, entschloss ich mich, die Heimfahrt anzutreten, da erstens nicht klar war, ob ich womöglich noch mal auf den technischen Support des familieninternen Schneeräumdienstes zurückgreifen müsste und zweitens nach „Traumtänzer“ für mich an diesem Abend keine Steigerung mehr möglich gewesen wäre. WELLE:ERDBALL mögen mir verzeihen, aber dieser Song war just an diesem Tag von besonderer Bedeutung für mich, weshalb „Nightmare after Christmas“ unverhofft für mich zum Einzelkonzert wurde. Das Gothic-Volk zeigte da deutlich mehr Ausdauer als ich und wer wollte, konnte im Anschluss an die Liveklänge noch der „Dark Society“ beiwohnen, die dunkle Konservenkost versprach und zweifellos ein gelungenes Alternativ-Programm zum Abschluss der Weihnachtsfeiertage bot, insofern nicht am 27. wieder frühmorgens der Wecker zur Arbeit mahnte.

Setlist
Nekrolog 43
The Wedding
Echo In Me
Odyssey Asylum
King of Nowhere
Undividable
21 Grams of Nothing
The Chain
The Plague
Chemicals
Kindrom
Traumtänzer

MenschFeind
She And Her Darkness

Copyright Fotos: Dani Vorndran

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