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DIARY OF DREAMS – SHARON NEXT

Ort: Hamburg – Markthalle

Datum: 08.10.2011

Es lebe der Konzerttourismus! Kaum brach das Wochenende an, befand ich mich auch schon wieder auf der Autobahn, um erneut die schöne Stadt Hamburg anzusteuern, in der heuer DIARY OF DREAMS die schwarze Gemeinde zum Tanze geladen hatten. Anlass war die aktuelle Langrille „Ego X“, die Ende August das Licht der Plattenläden erblickt hat und nunmehr live vorgestellt wurde. Mit dabei waren SHARON NEXT aus Österreich, die Ende letzten Jahres zumindest in Teilen schon mal mit DIARY OF DREAMS an Elbe und Alster waren.

Michael Ruin, der bei SHARON NEXT und DAVOS an den Tasten aktiv ist, war nämlich mit der letztgekannten Combo auch im Knust vertreten, wo sich seinerzeit ca. 600 Schwarzkittel versammelt hatten. In der Markthalle dürften es knapp 1000 Besucher gewesen sein, die in den Genuss der alpenländischen Synthie-Klänge gekommen sind. Irgendwie scheint es mir allerdings nicht vergönnt zu sein, Herrn Ruin und seine Mannen komplett zu sehen, denn wie auch beim letzten Mal, war der Support bereits im vollen Gange, als ich um 20.20 Uhr die Konzertstätte erreichte. Neben Ruin agierte auf der Stage noch Sänger Helmut Prix, beide wurden von Matt C. an der Gitarre begleitet. Gemeinsam servierte man eingängigen Synthie-Rock, wobei die beiden letzten Songs vom 2010er Album „Fast Farewell“ stammten. „Your Embrace“ bot etwas mehr Schmackes als der direkte Vorgänger und wurde vom abschließenden „Holyhead“ abgelöst. Diese Nummer ging durchaus ins Bein und erntete entsprechend freundlichen Beifall. Mit ein paar Abschiedsworten, bei denen das Ösi-Idiom der Protagonisten durchaus rauszuhören war, verabschiedeten sich SHARON NEXT von ihrem Publikum und überließen die Bühne den Technikern.

Selbige hatten wie üblich noch ein wenig in Position zu bringen. Unter anderem eine Art rostfarbene Skulptur, die auf der mittleren Erhöhung im Hintergrund der Stage platziert wurde. Flankiert wurde das Ganze ebenfalls erhöht auf der rechten Seite mit den Synthies, an denen Gast-Keyboarder Mauri (STONE AGE) seinen Dienst verrichten sollte und linke Hand von der Batterie, hinter der Dejan später Sellung bezog. Auch im Vordergrund gab es zwei – nennen wir es mal „beleuchtete Gitterkästen“ – die den Bühnenaufbau komplettierten und in den kommenden zwei Stunden ab 21.00 Uhr reichlich zum Posen genutzt wurden. Bevor sich der Fünfer jedoch blicken ließ, gab es zunächst die Stimme von Martin Keßler (Synchronsprecher von Vin Diesel und Nicholas Cage) aus dem Off zu hören. Wer die „Ego-X“ bereits kannte (und das schien ganz eindeutig die Mehrzahl zu sein), wusste, dass der Herr mit der markanten Stimme hier bei mehreren Tracks zu hören ist und was wäre passender gewesen als auch den Live-Vortrag mit diesen geheimnisvollen Worten vom „Into-X“-Intro beginnen zu lassen? Während blaue Nebenschwaden über die ansonsten stockdunkle Stage waberten, nahmen Dejan und Mauri schon mal ihre Arbeitsplätze ein, wohingegen Mastermind Adrian Hates, Bassist Gaun:A und Gitarrist Flex erst zum druckvollen „Giftraum“ ins grüne Rampenlicht traten. Natürlich wurde dieser Klassiker gleich mit jeder Menge Beifall bedacht, was auch für das knackige „The Wedding“ galt. Mit „Lebenslang“ folgte der erste neue Track, der nicht minder abgefeiert wurde und unter die Haut ging. Bei „Grey The Blue“ zeigte sich dann auch, welche Funktion die vermeintliche „Skulptur“ hatte: Es handelte sich um ein Mikro, hinter dem Adrian in magentafarbenes Licht getaucht Aufstellung nahm. Der Song startete zunächst ruhig, baute im Folgenden jedoch wieder jede Menge Druck auf. Mister Hates sorgte mit seinen sonoren Vocals einmal mehr für Gänsehaut, bevor Mauri das Stück schließlich mit Piano-Klängen beendete. Im Anschluss lag die Bühne für einen Moment im Dunkeln und es herrschte ziemliche Stille, was Gaun:A mit einem „Das war’s, uns hat’s gefallen, einen haben wir aber noch!“ quittierte. Natürlich gab’s noch viel, viel mehr zu hören und zu sehen. So ging es zunächst mit „Reign of Chaos“ und „Echo In Me“ wieder in die Vollen. „Mein-Eid“ nahm ein wenig Tempo raus, bevor es mit „False Affection: False Creation“ den erste DIARY-OF-DREAMS-Song überhaupt auf die Ohren gab. Die Nummer ist immer noch ein rhythmusbetonter Kracher, der heftig beklatscht wurde, ehe die 1989 gegründete Kapelle mit „Colors of Grey“ eine Ballade für ihre Hamburger Fans raushaute. Bei dieser stimmungsvollen Darbietung fehlte Gaun:A, der die Gelegenheit nutzte, sich seines vermutlich etwas zu warmen Mantels zu entledigen. Bei „Son of A Thief“ war er jedoch wieder mit von der Partie und trommelte ebenso wie Flex auf zwei Becken ein, die kurzfristig die Instrumentierung ergänzten. Lichtblitze begleiteten derweil das krachende „Wahn:Sinn“, bevor es bei „AmoK“ nach einem ruhigen Start wieder die volle Breitseite gab. Keine Frage, dass „King of Nowhere“ nach allen Regeln der Kunst abgefeiert wurde und es nicht nur auf der Bühne viel Bewegung gab. Dank „Undividable“ ging’s mit Schmackes weiter und auch das treibende „Butterfly Dance“ fand zum Abschluss des regulären Sets den direkten Weg in Bein und Gehörgänge.

Natürlich war es das um 22.20 Uhr noch nicht mit DIARY OF DREAMS, schließlich fehlten noch ein paar Songs, von denen die Band auch genau wusste, dass sie ohne diese Lieder gar nicht von der Stage gelassen worden wäre. Den Anfang machte „The Curse“, bei dem eine kollektive Party gefeiert wurde und Adrian seiner weiblichen Anhängerschaft sein wallendes Haupthaar präsentierte. Stakkatosounds befeuerten derweil „Kindrom“, bei dem abermals Lichtblitze durch die gut gefüllte Markthalle zuckten. Nach einem weiteren kurzen Break und lautstarken Begeisterungsstürmen (sogar die Crew wurde ausgiebig beklatscht) kam das, was Irokesenmann Gaun:A als seine „Lieblingsballade“ bezeichnete. Nun ja, für eine Ballade hatte „Menschfeind“ ganz schön Power, war aber ganz eindeutig nach dem Geschmack der Anwesenden, die durchweg bester Stimmung waren. Ein einziges Mal griff Adrian Hates an diesem Abend zum Sechssaiter und das war bei „Chemicals“ der Fall. Diese Verabreichung von Chemikalien bedurfte ebenfalls eine kurze Pause, die Flex und Gaun:A noch ein wenig verlängerten, denn „Immerdar“ startete ohne die Langäxte, die später jedoch wieder dazu stießen, ehe dann mit „Traumtänzer“ das große Finale anstand. Undenkbar, dass ohne diesen Track kein DOD-Gig stattfinden könnte und auch dieses Mal war der Song wieder schlicht und ergreifend der Hammer. Adrian begab sich zudem in den Fotografen und suchte den Kontakt zu den Fans, die ihre Sangeskünste unter Beweis stellen durften, was hervorragend klappte.

Damit endete ein wunderbares Konzert, mit dem DIARY OF DREAMS ein weiteres Mal bewiesen haben, dass sie ohne jeden Zweifel in die erste Liga der deutschen Düsterrocker gehören. Die Markthalle war außerdem eine ideale Location, da durch ihren terrassenartigen Aufbau alle Zuschauer einen guten Blick auf die Bühne hatten und auch der Sound und die Lightshow keine Wünsche offen ließen. Wer wollte, konnte außerdem im Anschluss noch bei der „Return of The Living Dead“-Disco schwarzer Konservenkost lauschen. Ergänzend hatten DIARY OF DREAMS angekündigt, später noch am Merch zu sein, da sich bei mir jedoch eine Erkältung ankündigte, zog ich mein Hotelbett vor und überließ die Schwarzkittel ihrem Schicksal.

Setlist DIARY OF DREAMS
Into X
Giftraum
The Wedding
Lebenslang
Grey The Blue
Reign of Chaos
Echo In Me
Mein-Eid
False Affection: False Creation
Colors of Grey
Son of A Thief
Wahn:Sinn
AmoK
King of Nowhere
Undividable
Butterfly Dance

The Curse
Kindrom

Menschfeind
Chemicals

Immerdar
Traumtänzer

Copyright Fotos: Dani Vorndran

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