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DIARY OF DREAMS – THE BEAUTY OF GEMINA

Ort: Bochum - Christuskirche

Datum: 31.10.2012

Während andere Menschen sich in lustig-gruselige Verkleidung warfen, um den Nachbarn wahlweise zu erschrecken oder um ein paar Süßigkeiten zu erleichtern, machten wir uns auf den Weg nach Bochum zur dortigen Christuskirche. Doch keine Angst, der Terrorverlag ist mitnichten religiös geworden, in dieser außergewöhnlichen Location sollte ein Konzert der besonderen Art stattfinden. Dieses Ansinnen erfordert natürlich auch eine besondere Band, und dieses Etikett passt bestens zur Gothic-Institution DIARY OF DREAMS um den charismatischen Fronter Adrian Hates. Nach unzähligen „normalen“ Live-Begegnungen mit den Herren ist man heuer auf Akustik-Tour, zudem flankiert von illustren Gästen. Leider bekamen wir von denen eher weniger bis gar nichts mit, denn zunächst verbrachten wir eine knappe Stunde im üblichen Vor-Feiertags-Stau auf der A2, nur um dann von der sehr schwierigen Parkplatzsuche weiter entnervt zu werden. Schluss und endlich hatten wir dann doch irgendwo relativ zentral eine Abstellmöglichkeit gefunden und eilten zum Orte des Geschehens, in und vor dem sich bereits zahlreiche „schwarze“ Gestalten befanden. Habe ich erwähnt, dass es sich bei diesem Gotteshaus um eine evangelische Einrichtung handelt? Eigentlich eine rhetorische Frage, denn Bierausschank und düstere Szene-Bands wären wohl bei den Katholiken (ohne despektierlich zu werden) nicht möglich. Was wohl die asozialen Hetzer von „Kreuz.net“ über so eine Veranstaltung geifern würden? Übrigens ist die Christuskirche eine häufige Konzertstätte, in nächster Zeit werden dort auch so unterschiedliche Acts wie die JAZZKANTINE oder ANNE CLARK auftreten. Nun denn, rein ins Geschehen bzw. das Kirchenschiff.

Dort musizierten gerade 4 eidgenössische Herren, die man leider schnell als THE BEAUTY OF GEMINA identifizieren konnte. Leider, weil das bedeutete, dass wir den Opener FAQ (ebenfalls aus der schönen Schweiz) bereits verpasst hatten, und ich hätte doch sehr gern deren Umsetzung ins Akustische miterlebt. Nun ja, doppelt leider lagen auch TBOG bereits in den letzten Zügen, nur die beiden abschließenden Songs kamen uns noch zu Ohren. Sehr schade, den Michael Seles ausgezeichnetes Organ passte natürlich bestens in diesen Rahmen. Flankiert von einem Schlagzeug hinten links verrichten die Gitarren ihr fragiles Werk, um den „Texas Gothic Blues“ „Dark Rain“ zur schönsten Geltung zu bringen, zum Schluss folgte ein Ausblick auf den im Januar 2013 erscheinenden neuen Longplayer, der auf den Namen „Lost my home“ hörte (wenn ich mich meine Ohren nicht getäuscht haben). Es blieb nur Zeit für eine kleine Anekdote bzgl. des Schweiz-Deutschen Grenzübertritts, offensichtlich waren die vielen CDs und Instrumente den Herren Zöllnern verdächtig. Also sehr nett, aber natürlich viel zu kurz dieses musikalische Rendezvous.

Immerhin blieb uns noch der Hauptact, und um den sollte es natürlich in erster Linie gehen. Nach kurzer Umbaupause verharrten die Anwesenden in wachsender Vorfreude auf den harten Kirchenbänken oder man hatte es sich irgendwo stehend gemütlich gemacht. In stimmungsvollem Licht betraten zunächst Gaun:A und Schlagzeuger Dejan die Bühne, kurze Zeit später gefolgt von Felix Gerlach und… Torben Wendt (DIORAMA-Mastermind), der an diesem Abend mal wieder die Tasten bedienen durfte. Und nicht nur das, wenn man einen Sänger dieser Kategorie an Bord hat, nutzt man das natürlich entsprechend, dazu später mehr. Zum guten Schluss war dann auch Adrian Hates an Bord, unter lautem Beifall des mehrere Hundert Mann/ Frau starken Auditoriums nahm er am Bühnenrand Platz vor einem stilvollen Notenständer. Im Hintergrund ein großes Bandbanner, dazu Weingläser und allerlei Tand als Kulisse, die sollte sich später noch mehren unter Mithilfe der Zuschauer. Los ging es mit dem Tripel „kindrom“, „Butterfly:Dance!“ und dem deutschen „Immerdar“ – schnell war klar, dass es ein erinnerungswürdiges Konzert werden würde. Hates’ Stimme thronte wunderbar über den fragilen Soundgebilden, die durch die akustische Konvertierung entstanden waren, perfekt ergänzt durch die instrumentale Darbietung, für die u.a. auch ein E-Kontrabass Verwendung fand, den unser Lieblings-Iro-Träger Gaun:A bediente. Der Herr hat also auch im Musikunterricht aufgepasst. Die folgenden „AmoK“ und „Tears of Laughter“ (ein sehr intimes Stück) wurden dann nur von Adrian und Torben interpretiert, Erstgenanntes befindet sich ja auch auf der „Tour-Begleit-CD“ „The Anatomy of Silence“. Man hätte eine Stecknadel hören können, so andächtig lauschte das Publikum, und so manch ein Konzertgänger dürfte eine Gänsehaut gehabt haben. Danach wurde es wieder voller auf der Bühne und durch die Verwendung von Schlagwerk und einem weiteren Streichinstrument (verantwortlich hierfür: Flex) gab es auch manch kraftvolle Passage auf die Ohren. Immer eingeleitet von sympathischen Ansagen, die deutlich machten, dass es sich bei den Herren um durchaus humorvolle Zeitgenossen handelt und keine tieftraurigen Nachtschattengewächse. Immer mal wieder wurde mit oder über Stagehand Peter gewitzelt und zur Mitte des Sets durften dann Zuschauer noch eigens mitgebrachte Gegenstände auf die Bühne reichen, um diese weiter zu illustrieren. Sogar eine goldene Schallplatte hatte es schon in die Deko geschafft!

Weiter ging der akustische Reigen mit „Malice“, das vor der Tour noch nie live gespielt worden war und Hits wie „Chrysalis“ oder „Giftraum“, vor dem Adrian treffend bemerkte, dass der Titel nicht ganz zu den heiligen Hallen passen würde. Nach „Colourblind“ war dann aber fürs Erste Schluss, was zu nicht enden wollenden Beifallsbekundungen und Standing Ovations führte. So leicht würde man die Lieblinge aber nicht gehen lassen, die durchaus noch gewillt waren, ein düsteres Brikett nachzulegen. „Colours of Grey“, „She and her Darkness“ und – natürlich – der „Traumtänzer“ folgten, frotzelig angesagt und von einem düsteren Kirchenchor mitgesungen, so viel Engagement würden sich die Verantwortlichen wohl auch mal bei einem normalen Gottesdienst wünschen. Und noch immer war die „Schwarze Messe“ (sorry das Wortspiel darf nicht fehlen) nicht gelesen, zum perfekten Schluss versammelten sich Adrian, Torben und Flex am vorderen Bühnenrand, um zu dritt „Flood of Tears“ zu performen, die beiden besonderen Stimmen verschmolzen dabei zu etwas noch Besonderem. Der Gitarrist erklärte uns zudem, wie er mit einer cleveren Modifikation seiner Gitarre den Song für ihn mit nur einer Hand spielbar gemacht hatte. Ende. Der imaginäre Vorhang fiel. Die Musiker versammelten sich noch einmal in voller Stärke, um den verdienten Schlussapplaus entgegen zu nehmen. Der „akustische Abend mit DIARY OF DREAMS und Co.“ war ein voller Erfolg, der den Status der Gruppe in einer oft innovationslosen Szene weiter zementieren dürfte. Bevor wir uns in die rabenschwarze Halloween-Nacht aufmachten, wurde noch schnell die Tour-CD erbeutet, um den Abend perfekt abzurunden…

Setlist DIARY OF DREAMS
kindrom
Butterfly:Dance!
Immerdar
The Curse
AmoK
Tears of Laughter
O‘ Brother Sleep
Chemicals
Rumours About Angels
Malice
Chrysalis
She
Giftraum
Colorblind

Colours of Grey
She and Her Darkness
Traumtänzer

Flood of Tears

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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