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DICK BRAVE & THE BACKBEATS

Ort: Ort: Osnabrück – Hyde Park

Datum: 05.09.2026

Als der Osnabrücker Hyde Park vor genau 50 Jahren im Schweizerhaus seine Tore öffnete, war Rockabilly vermutlich nicht die bevorzugte musikalische Spielart in dem ehemaligen Ausflugslokal, das die damals 24-jährige Conny Overbeck gepachtet hatte, um einen progressiven Musikladen daraus zu machen. Dass es mal Krawalle geben würde, von denen sogar in der Tagesschau berichtet wurde, weil der Park 1983 aufgrund von Lärmbelästigung an dieser Stelle schließen musste, hat zu diesem Zeitpunkt wohl auch niemand geahnt. Und noch weniger, dass es die Disse fünf Jahrzehnte später an einem anderen Standort immer noch geben würde. Jetzt wird auf jeden Fall dieses denkwürdige Jubiläum gefeiert und einer der ersten Gratulanten war DICK BRAVE, der mit seinen BACKBEATS die achteckige Stahlbaukonstruktion, die vor 26 Jahren ihren Standort am Fürstenauer Weg 128 gefunden hat, mit Menschen zu füllen wusste.

Zwölf Jahre war DICK BRAVE ja von der Bildfläche verschwunden, Anfang des Jahres veröffentlichte der Kanadier mit „Back For Good“ ein Doppelalbum, mit dem er es bis auf #4 der deutschen Album-Charts schaffte und bereits auf großer, nahezu ausverkaufter Hallen- und Festivaltour war. In diesem Zusammenhang besuchte der Mann, der gebrochen Deutsch spricht und mit seiner Band eigene Lieder, alte Rock’n’Roll-Hits und Rockabilly-Cover von Pop- und Rocksongs spielt, im April auch den ausverkauften Rosenhof und vermutlich befand sich im Publikum auch der ein oder andere Wiederholungstäter. Das Durchschnittsalter war an diesem Samstagabend auf jeden Fall deutlich höher als dies während des Discobetriebs im Park üblich sein dürfte und ganz selten sah man auch eine stilecht gekleidete Dame im Auditorium. Dafür zeigte sich die Crowd textsicher und in bester Feierlaune. Es wurde kräftig mitgeklatscht und ausgiebig mit dem Armen geschwenkt; sogar der Kanon, der zu „Be The One“ (im Original von DUA LIPA) eingeübt wurde, klappte für Osnabrücker Verhältnisse erstaunlich gut. Zuvor hatte DICK BRAVE den schweißtreibenden Gig mit „Back For Good“ standesgemäß eröffnet und wer sogar auf der Hochzeit von P!NK gespielt hat, darf selbstverständlich auch ihrem Hit „Get The Party Started“ ein neues Rockabilly-Gewand verpassen.

Zu den vorgetragenen Stücken hatte Dick oft auch eine Story parat, etwa wie er mit TAYLOR SWIFT im Studio war, um „Shake It Off“ aufzunehmen und wer sich für seine Lebensgeschichte interessiert, kann sich die Mockumentary „Finding Dick Brave“ von und mit Klaas Heufer-Umlauf ansehen. Dass Mr. Brave zweifellos ein begnadeter Musiker ist, bewies er mit seiner Klaviereinlage zum smoothen „Beautiful Things“ von BENSON BOONE – einige Zeit vorher hatte er übrigens mit einer kleinen artistischen Einlage auf dem Instrument unterstrichen, dass er dem durchtrainierten Benson in nichts nachsteht und auch mit dem Hüftschwung klappt es bei Dick immer noch bestens, dessen konnte sich die Zuschauerschaft nicht nur bei GEORGE MICHAELs „Freedom! ‘90“ versichern, sondern auch bei den ELVIS-PRESLEY-Nummern „All Shook Up“ und „(Let Me Be Your) Teddy Bear“, für die sich die Band um ein einzelnes Mikro versammelte; ganz so, wie auch Elvis seine Aufnahmen im legendären Sun Studio in Memphis/Tennessee vollzogen hat. In dieser intimen Darreichungsform gab es zudem noch EDDIE COCHRANs „Summertime Blues“ auf die Ohren, bei dem insbesondere die tiefe Stimme von Gitarrist Tony „The Butcher“ O’Malley für Furore sorgte. Überhaupt kamen die Rockabilly-Klassiker ausgesprochen gut an, etwa JERRY LEE LEWIS‘ „High School Confidential“, bei dem alle Musiker wieder an ihre Instrumente zurückkehrten, ehe die Tango-Klänge von LOUIS PRIMAs „Buona sera“ einen weiteren Höhepunkt bescherten. Eine tolle Interpretation, bei der die Musiker zeitweilig (soweit möglich) auf ihren Instrumenten standen. Dank ABBAs „The Winner Takes It All“ kam ein Song, von dem DICK BRAVE selbst sagte, dass er die Geschlechter spaltet. Die Girls sind begeistern und die Boys genervt. Doch da mussten auch die Herren durch und Dick gab ihnen gleich mal mit auf den Weg, dass es weniger schlimm ist, wenn man einfach mitmacht. Der Track hatte in der Tat einen gehörigen Schmachtfaktor, aber auch einen sehr zarten Schmelz und am Ende ging es sowieso wieder mit Highspeed in die Vollen. Nachdem der Hauptprotagonist des Abends seinen Dank an Fans, Veranstalter, Crew und Band gerichtet hatte, durften die BACKBEATS mit dem bluesigen „Bad Guy“ abermals ihr Können unter Beweis stellen. Gerade der Mann an den sechs Saiten rückte hier in den Fokus.

In der Folge kündigte DICK BRAVE das ‚Grande Finale‘ an und in Bezug auf ELTON JOHNs „I’m Still Standing“ bedeutete dies, das noch einmal ausgiebig getanzt werden durfte. „What’s Love Got To Do With It“ (bekannt geworden in der Version von TINA TURNER) übernahm temporeich und die Rockabilly-Variante von „Just Can’t Get Enough“ erntete zurecht jede Menge Beifall.  An dieser Stelle endete um 21.25 Uhr das reguläre Set, doch kehrte die fünfköpfige Kapelle nach einem kurzen Break noch ein einmal ins Scheinwerferlicht zurück, wo u.a. noch ein weiterer DEPECHE-MODE-Hit auf eine Neuinterpretation wartete: „Enjoy The Silence“ ist ein Lied, das man eigentlich nur mit größter Ehrfurcht behandeln kann – doch auch hier funktionierte die Rockabilly-Umfirmierung mit sattem Groove in Slow-Motion. „Take Good Care of My Baby“ war Dicks Antwort auf die Musik auf Schützenfesten, die er in seiner Zeit bei der kanadischen Armee während seiner Stationierung in Soest kennengelernt hatte. Dort ist ihm im Übrigen auch der deutsche Popstar SASHA über den Weg gelaufen – mit dem Dick nicht nur die Liebe zur Musik teilt, die beiden sehen sich auch überraschend ähnlich!

Natürlich handelt es sich bei SASHA und DICK BRAVE um ein und dieselbe Person. Sascha Röntgen-Schmitz – so der bürgerliche Name des 54-jährigen Musikers – hat sich die Kunstfigur DICK BRAVE Ende 2002 ausgedacht, als er ein inoffizielles Weihnachtskonzert für Freunde geben wollte. Seitdem ist DICK BRAVE SASHAs Sidekick, dem er immer mal wieder – absolut erfolgreich – Leben einhaucht. Sehr zur Freude der Fans, die auch in Osnabrück erneut eine sehr spielfreudige Combo erleben durften. Und einen Frontmann, der mit einem Augenzwinkern, handwerklichem Können und seiner geschmeidigen Beweglichkeit das Publikum in seinen Bann zog. Ein tolles Konzert, das schließlich um 21:45 Uhr mit einem letzten Abriss zu AEROSMITHs „Walk This Way“ endete. Es folgten noch finale Verbeugungen zu „Surfin‘ Birds“ von THE TRASHMEN, mit denen die glückliche Anhängerschaft in die noch junge Samstagnacht geschickt wurde, um Platz zu machen für die Youngsters, die sich ab 23 Uhr hoffentlich zahlreich zur Konservenkost im Park vergnügen wollten.

Setlist

Set 1

  • Back For Good (TAKE THAT Cover)
  • Tonight (I Ain’t Rock) (DICK BRAVE & THE BACKBEATS Song)
  • Get The Party Started (P!NK Cover)
  • Take On Me (A‐HA Cover)
  • Be The One (DUA LIPA Cover)
  • Shake It Off (TAYLOR SWIFT Cover)
  • Beautiful Things (BENSON BOONE Cover)
  • Freedom! ’90 (GEORGE MICHAEL Cover)

One Microphone Set

  • All Shook Up / (Let Me Be Your) Teddy Bear
  • Summertime Blues (EDDIE COCHRAN Cover)

Set 2

  • High School Confidential (JERRY LEE LEWIS Cover)
  • Buona sera (LOUIS PRIMA Cover)
  • The Winner Takes It All (ABBA Cover)
  • Bandvorstellung – Bad Guy Solo (BILLIE EILISH Cover)
  • I’m Still Standing (ELTON JOHN Cover)
  • What’s Love Got oT Do With It (GRAHAM LYLE Cover)
  • Just Can’t Get Enough (DEPECHE MODE Cover)

Encore

  • Take Good Care of My Baby (CAROLE KING Cover)
  • Black Or White (MICHAEL JACKSON Cover)
  • Enjoy The Silence (DEPECHE MODE Cover)
  • Walk This Way (AEROSMITH Cover)

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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