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DIE ANGEFAHRENEN SCHULKINDER

Ort: Osnabrück - Lagerhalle

Datum: 20.02.2010

Nach ihrem ersten Musical „Die Prinzessin mit dem Glied“, das zwei Spielzeiten lag durchgängig ausverkauft im emma-Theater lief, feierte jetzt in der Lagerhalle vor vollem Haus der neueste Streich „Guggurutz und Kokain“ der Osnabrücker Anarcho-Kabarettisten Uraufführung. Damit die Nordlichter dem Treiben in alpenländischer Fantasiemundart folgen konnten, gab’s zunächst per Leinwand einen kleinen Sprachkurs mit den wichtigsten Begriffen, ehe die Protagonisten die Bühne betraten und das Drama seinen Lauf nahm.

Es folgte ein schockierender Ausflug in die moralischen Untiefen der Volksmusik. Marianne und Michael – bereits in der Vergangenheit beliebte Figuren früheren Schulkinder-Shows – standen im Mittelpunkt dieses Lustspiels in mehreren Akten. Die Vorgeschichte: Der Stern der beiden Volksmusiker strahlt nicht mehr im gewohnten Glanz, seitdem Konkurrent Florian Silberhaufen (gekonnt dargestellt von Tina von Dörenberg – ex-„Muschi-Meier-Musik-Show“) eine Sendung nach der anderen an sich reißt. Inzwischen ist das Geld knapp geworden und, wovon Marianne (gewohnt grandios von Heaven gespielt) allerdings noch nichts weiß. Gleichzeitig hat Michael (nicht minder brillant: Jo Granada) erhebliche Probleme mit seinem Aggressionspotenzial – eine explosive Mischung wie sich zeigen sollte!

Davon konnte sich die bunt gemischte Zuschauerschaft in den kommenden zwei Stunden auf unterhaltsame Weise überzeugen. Egal, ob beim Showkochen in Florian Silberhaufens Landgasthof (wo übrigens auch der ominöse Guggurutz will sagen Mais zum Einsatz kam), bei Marianne und Michael daheim, bei der ZDF-Antidrogen-Gala oder bei Kärcher: Mit bekannt brachialem Humor kitzelten die Schulkinder (ohne Charlie Granada aber mit einer Reihe von Gästen) die Zwerchfelle ihres Auditoriums, das sich offenkundig besonders amüsierte, wenn Marianne (deren Dekollete aus zwei Klopapierrollen bestand) ihre hohe, weibliche Stimme gegen männliches Gebrüll tauschte. Aber auch ihre Gesangs- und Tanzeinlage zu „Yes Sir, I Can Boogie“ (BACCARA) führte zu wahren Begeisterungsstürmen. Es gab nicht nur Volksmusik auf die Ohren, nein, der „abgehalfterte Superficker“ Erich Breda (Dr. Ignaz Ignatz in einer ihm auf den Leib geschriebenen Rolle) gab einen Popschlager im Landgasthof zum Besten, ehe es ein Wiedersehen bei der Spendengala gab.

Bis es so weit war, konnten in der Pause Flüssigkeitsverluste ausgeglichen werden und wurden Plastikfolien für die ersten drei Reihen verteilt. Im Vorfeld war bereits um wasser- bzw. wurstfeste Kleidung gebeten worden und langjährige Schulkinder-Fans ahnten schon, was kommen würde. Zuvor stand ein weiterer beliebter Programmpunkt der ANGEFAHRENEN SCHULKINDER-Shows an: das Einheizen des Publikums. Jo sparte als ZDF-Mitarbeiter nicht mit Publikumsbeschimpfungen, die erneut zur hemmungslosen Erheiterung des Publikums führte. Und schon ging es Schlag auf Schlag. Als ersten Stargast präsentierte der hyperaktive Florian das „Peterle Mrossinger“ (schon mal von Stefan Mross gehört?) mit seiner goldenen Trompete, eher Peter Glatt (Herr Granada als Peter-Kraus-Parodie vom feinsten) seine Drogenvergangenheit mithilfe knackiger Rock’n’Roll-Rhythmen intonierte. Ohne ihren Michael, aber mit einer Akustikgitarre bewaffnet, brachte Marianne ihre ganz eigene Version von „Am Tag, als Conny Kramer starb“ (JULIANE WERDING) zum Vortrag. Als Überraschungsgast sorgte wenig später Mr. Softlips CHRISTIAN STEIFFEN (Hardy Schwetters Alter Ego) mit seinen Schlagerperlen „Ich hab die ganze Nacht von mir geträumt“ und „Ich fühl mich Disco“ für Verzückung und Herzklopfen insbesondere bei den weiblichen Fans. Zweifellos einer der Höhepunkte der Gala, dem ein Eklat der besonderen Art folgte, den ich allerdings nur am Rande mitbekommen habe. Marianne und Michael präsentierten ein neues Lied und als Marianne sich diverse Heißwürstchen in den Mund stopfe, war klar, dass es Zeit wurde, hinter der Folie in Deckung zu gehen. Der vorsichtige Blick über den Planenrand offenbarte ein Bild des Grauens. Heaven/Marianne spuckte nicht nur große Töne sondern auch Wurststücke, was wenig später ebenso wie Michaels Anti-Aggressionstraining Thema bei Johannes B. Kärcher werden sollte.

Wie im Fluge war der Abend vergangen und einmal mehr hatten DIE ANGEFAHRENEN SCHULKINDER mitsamt ihrer Gäste ihren ganz besonderen Humor unter Beweis gestellt. Als Belohnung gab’s für das Ensemble verdiente Standing Ovations. Am 17.06.2010 gibt es in der Lagerhalle ein Wiedersehen mit „Guggurutz und Kokain“, ab Herbst geht das Stück bundesweit auf Tour. Hingehen!

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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