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DIE ÄRZTE – DAMPFMASCHINE

Ort: Bielefeld - Seidenstickerhalle

Datum: 04.11.2012

Der Samstag-Abend reichte wohl bei Weitem nicht aus, um den großen Andrang auf die ÄRZTE-Karten zu bedienen und so wurde der Sonntag als zweiter Konzerttermin gleich mal angehängt. Dass auch dieses Konzert komplett ausverkauft war, versteht sich bei der „besten Band der Welt“ fast von selbst und so pilgerten an diesem regnerischen Novemberabend um die 7500 Fans in die kuschelig warme Seidenstickerhalle.

Empfangen wurden sie dort erst einmal pünktlich um 19.30 Uhr von Gastgeber Farin Urlaub, der den Support des Abends DAMPFMASCHINE aus Osnabrück ankündigte und die Bielefelder tatsächlich dazu bewegte, „Osnabrück“ zu grölen. Im Fußball mögen sich die beiden Städte ja ungefähr genauso gern wie Deutschland und die Niederlande, im Punkrock scheinen sie sich freundlicher gesinnt. Und während man bei der erklingenden Glocke noch instinktiv überlegte, ob nun AC/DCs „Hells bells“ oder METALLICAs „For whom the bell tolls“ folgen würde, starteten DAMPFMASCHINE mit „Herzen machen Bumm“ ihr Set.

Bereits 2009 hatten sie eine Show der ÄRZTE in Linz eröffnet und dabei anscheinend einen so guten Eindruck hinterlassen, dass sie anno 2012 gleich für die vier Konzerte in Bielefeld und Düsseldorf wieder verpflichtet wurden. In der folgenden halben Stunde bretterten und rotzten Siggi Rock und seinen Mannen 9 Songs ihrer Alben „I love my body“ und „Bete zur Maschine“ in die Menge und konnten damit relativ großen Applaus des Innenraumes einheimsen. Die Tribünen und Emporen hielten sich dabei eher vornehm zurück, 5 rockende nicht mehr ganz junge Männer mit nacktem Oberkörper und nicht gerade Modelfigur konnten dann doch nicht den Geschmack der Massen treffen. Verwirrte Blicke dann auch überwiegend bei den älteren Konzertbesuchern, die beim ÄRZTE-Konzert sind, seit „Junge“ regelmäßig auf NDR 2 gespielt wird. Dem jüngeren, punkig angehauchtem „Pöbel“ im Pit gefiel, was die DAMPFMASCHINE ablieferte. Wer jedoch die Band bereits vorher und im anderen Rahmen live erleben durfte, weiß, dass sie an diesem Abend eher die gemäßigte Gentleman-Show spielten und sich brav und artig verhielten. Wer Gefallen an der Musik gefunden hat, dem sei wärmstens die Heimatshow im Osnabrücker Bastard Club am 22. Dezember 2012 empfohlen, wo sich sicherlich eine ganz andere Live-Energie entfalten dürfte. Zum Schluss wurden noch schnell einige Shirts in die Menge gefeuert, bevor dann DAMPFMASCHINE die Bühne verließen und das gesamte Equipment innerhalb weniger Augenblicke verschwand.

Setlist DAMPFMASCHINE
Herzen machen Bumm
I Love My Body
Kurz & Klein
Ballerburg
Haben Haben Haben
Mein neuer Hit
Bergsteigen
Unter Millionen
Los Paul

Aber die meisten ÄRZTE-Fans sind dann ja auch nicht besser als AC/DC-Anhänger, so war wohl Vielen die Vorband dann doch relativ egal, und man erwartete mit Spannung den Beginn der Show ihrer Götter FarinBelaRod aus Berlin (aus Berlin). Nach einer halbstündigen Umbaupause war es endlich soweit und um 20.30 Uhr erklang ein kurzes Intro, nach dem die ÄRZTE ihre Show ganz bescheiden mit dem Song „Wir sind die Besten“ eröffneten. Sofort folgte mit „Blumen“ ein Song für die Fans der ersten Stunde und mit „Tamagotchi“ einer des aktuellen Albums „Auch“. Bereits dieser Beginn war bezeichnend für die nun folgenden mehr als 3 Stunden, in denen DIE ÄRZTE geschickt versuchten, einen Spagat zwischen all ihren Fangruppen zu machen. Zum einen gab es die (meist etwas älteren) Fans, welche DIE ÄRZTE schon seit ihren Anfangstagen kennen und denen Songs wie das eben erwähnte „Blumen“, „Dein Vampyr“ oder „2000 Mädchen“ gewidmet waren. Ebenfalls bereits etwas älter an Jahren, aber völlig unbedarft hinsichtlich der alten Stücke waren diejenigen, die die Band aus dem Radio kannten und sich am Bierstand vergnügten und auf die „Hits“ warteten. Die dritte große Gruppe bestand dann aus der jüngeren Generation, die textsicher einfach alles mitsingen konnte und abfeierte. An diesem Abend passte die Setlist perfekt und schaffte es, keine der genannten Personen enttäuscht nach Hause gehen lassen zu müssen.

Ein ÄRZTE Konzert ist auch immer ein bisschen eine Modenschau, bei der jeder Fan versucht, ein möglichst altes oder rares Shirt spazieren zu tragen, auch an diesem Abend wieder einmal eindrucksvoll zu bewundern. DIE ÄRZTE sind in dieser Hinsicht auch eine gut geölte und geschickte Merchandise-Maschine. Eine ebenfalls nette Idee war, dass man sich für 20 Euro nach der Show einen USB-Stick mit dem Audiofile der gerade eben gespielten Show mit ins heimische Wohnzimmer nehmen konnte. Natürlich musste man auch dieses Mal nicht darauf verzichten, sein Bier aus einem extra ÄRZTE-Plastikbecher zu trinken und nicht wenige dürften die 2 Euro Pfand nicht wieder abgeholt haben, sondern den Becher als Souvenir behalten haben.

Eine fast so wichtige Rolle wie die Musik spielen seit jeher die Show und die Ansagen der Doktoren, mit denen sie sich zwischen den Songs hindurchkalauern und oftmals spontan auch in den Songs Textpassagen abändern, um den Namen der Stadt erweitern oder einfach nur untereinander Blödsinn reden. Meist bleiben DIE ÄRZTE dann bei einem Thema hängen, das sie den ganzen Abend wieder aufgreifen. In Bielefeld wurde ein Portemonnaie auf die Bühne geworfen, dass nach einem Blick Farins zwar alle Dokumente aber kaum noch Geld enthielt, so dass man es dem Besitzer zurückgeben konnte, ohne aber einen Finderlohn abzugreifen. Einen Song später kam dann die Ansage, dass mehrere Geldbörsen im Graben aufgetaucht seien, so dass man wohl davon ausgehen könne, dass Taschendiebe unterwegs seien und man auf seine Sachen aufpassen solle. Sofort werden in bester ÄRZTE-Manier Überlegungen aufgestellt, wie man damit umgehen solle und während Rod dichtete „Gedränge oft dem Dieb gefällt, drum Augen auf und Hand aufs Geld, gerade hier in Bielefeld“ sinnierte Bela Bielefeld, wie er kurzfristig genannt wurde, dass dies in 30 Jahre Bandgeschichte noch nicht vorgekommen sei und dass man am besten, wenn sich die Diebe nicht freiwillig melden würden, einfach einmal das komplette Publikum erschießen könnte (ist ja nur eines auf der Tour). Dann war man sich einig, dass die Diebe wenigstens USB Sticks und Merch von dem gestohlenen Geld kaufen sollen, das hätten die rechtmäßigen Besitzer ja schließlich auch damit gemacht.

Zwischendurch gab es natürlich auch immer wieder Musik und unterlegt wurde das ganze Konzert mit einer beeindruckenden aber dennoch nicht übertriebenen Lichtshow flankiert von einer großen LED-Wand, auf der passend zur Setlist Grafiken oder auch das live gefilmte Publikum auftauchten. Nach einem schnellen punkigen Anfang bauten die ÄRZTE dann ein paar langsamere Songs zum Verschnaufen ein oder blödelten sich durch längere Pausen, so dass der Verdacht aufkommt, dass sich die Berliner damit etwas Zeit verschafften wollten, um selber wieder zu Atem zu kommen. Dabei legte gerade Bela erstaunliche Strecken zu Fuß zurück (erstaunlich deshalb, da die Laufwege eines Schlagzeugers bei einem Konzert sonst eher gegen Null gehen).

Zwangsläufig gab es natürlich auch die Ermahnung an das Publikum ordentlich mitzuklatschen (inklusive Mitmachübungen und dem anstachelnden Vergleich mit dem Publikum des Vortages). Farin behauptete, dass ihm der Sonntag natürlich mehr Spaß mache, denn was könne es schöneres geben als erst morgens die Kirche zu besuchen, dann herzhaft zu frühstücken und abends ein Rockkonzert für den Herrn zu geben? Bela und Rob indes ginge es nicht so gut, denn sie seien gestern noch in der Weltstadt Bielefeld feiern gewesen, in der es sogar Raucherkneipen gäbe, weshalb die Stimmen nun auch etwas angeschlagen seien. Die Fans machten dankbar jede Blödelei mit und ehe man sich versah war der zweistündige Hauptteil des Konzertes mit dem Song „Hurra“ abgeschlossen und DIE ÄRZTE verließen die Bühne.

Natürlich folgte ohrenbetäubender Applaus, die Herren ließen sich aber doch recht lange bitten, kamen dann aber wieder auf die Bühne, um mit „ZeiDverschwÄndung“ den ersten von drei Zugabenteilen zu eröffnen. Mit „TCR“ und „Quark“ gaben DIE ÄRZTE wieder richtig Gas, bevor man zu „Kamelrallye“ das Publikum bat, die Hände in die Luft zu heben und Schüttelgeräusche zu machen. Wieder mit dem Hinweis aufzupassen, dass kein Taschendieb sich in der Zeit an den Hosen versuchen solle und der Ansage von Farin, man könne auch einfach die Portemonnaies auf die Bühne werfen, dann könne die Band es sich sparen, ihre Diebe durchs Publikum zu schicken. Wieder gingen die ÄRZTE von der Bühne und wieder wurden sie zurückbeordert. Dieses Mal folgte mit „Junge“ der große Hit der Band, der gleich begeistert abgefeiert wurde. Danach wieder eines der Mitmachspielchen der ÄRZTE. Ob man es einfach oder kompliziert möge, war die Frage, und dann wurde gleich drei Mal eine La Ola performt, zunächst in der leichten Version, dann schwieriger in langsam und mit Drehung um die eigene Achse und dann mit geschlossenen Augen und auf Japanisch bis 10 zählen. Die zweite Version klappte beeindruckend gut, die dritte dann weniger. Farin drehte sich dann selbst und auf den erschrockenen Einwand von Bela, dass dies nicht die letzte Show der Tour sei, kam die Antwort „Scheißegal, für Bielefeld gebe ich heute alles“. Dann mussten sich alle hinsetzen und zu dem folgenden „Unrockbar“ wieder aufspringen: ein beeindruckender Anblick.

Wieder wurde mit „Manchmal haben Frauen…“ ein Zugabenblock beendet und wieder wurde die Band, nun zum dritten Mal, auf die Bühne beordert. Mittlerweile erreichte die Verlängerung schon die Hälfte der Zeit des regulären Teiles, doch nachdem die ÄRZTE nun „Ist das noch Punkrock“ und „Lied vom Scheitern“ spielten, beendeten sie mit „Schrei nach Liebe“ und weit mehr als drei Stunden Spielzeit endgültig einen großartigen Konzertabend.

Setlist DIE ÄRZTE
Wir sind die Besten
Blumen
Tamagotchi
2000 Mädchen
Angeber
Deine Schuld
Gib mir Zeit
Geld
Heulerei (zuvor „Die Instrumente des Orchesters“ angespielt)
Motherfucker 666
Sohn der Leere
1/2 Lovesong („Lady“ angespielt)
Miststück Play Video
Sweet Sweet Gwendoline
Super Drei
Waldspaziergang mit Folgen
Dein Vampyr
Für immer
Für uns
Angekumpelt
Die ewige Maitresse
Schunder-Song
Außerirdische
Bettmagnet
Fiasko
Vokuhila Superstar
Wie es geht
Hurra

ZeiDverschwÄndung
TCR
Quark
Kamelralley

Junge
Unrockbar
Manchmal haben Frauen …

Ist das noch Punkrock?
Lied vom Scheitern
Schrei nach Liebe

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