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DIE FANTASTISCHEN VIER

Ort: Dortmund - FZW

Datum: 19.05.2010

„Für dich immer noch Fanta Sie“ heißt es seit letzter Woche. So lautet nämlich der Titel des achten FANTA-4-Studioalbums, das am 14. Mai das Licht der Plattenläden erblickt hat und dessen erste Single-Auskopplung „Gebt uns ruhig die Schuld (den Rest könnt ihr behalten)“ bereits seit Wochen in Heavy Rotation aus dem Radio schallt und bis in die Top Ten der Charts geklettert ist. Bevor es im Herbst die neuen Songs in den großen Hallen zu hören gibt und die Open-Air-Festivalsaison beginnt, haben sich Thomas D, Smudo, Michi Beck und And. Ypsilon gemeinsam mit ihrer fünfköpfigen Begleitband unter dem Motto „Für Dich immer nach Dortmund“ im FZW eingenistet, um gleich an drei Abenden in Folge das Haus zu rocken. Keine Frage, dass die rund 4.000 Karten, die es insgesamt für diese kuscheligen Club-Gigs gab, binnen kürzester Zeit vergeben waren, weshalb sich auch die Terrorabordnung ganz besonders freute, dabei sein zu können. Immerhin ging es für den exilschwäbischen Herrn Fotografen back to the earliest roots, schließlich hatte der die FANTAs als Quasi-Nachbar bereits vor zwei Dekaden vor vielleicht 50 Zuschauer hip-hoppen sehen.

Diese Zeiten sind zwar lang vorbei, aber den Spaß an der Mucke haben DIE FANTASTISCHEN VIER ganz eindeutig in all den Jahren nicht verloren, davon konnten sich die restlos begeisterten Fans über satte zwei Stunden ein eigenes Bild machen. Auch den Umstand, dass die Herren ihren 40. Geburtstag schon alle hinter sich haben, sieht man höchstens dem Soundtüftler der Truppe an. Aber And. Ypsilon war ja als Mann an den Tasten und Knöpfen sowie eher für den dezenten Job im Hintergrund zuständig und überließ deshalb auch in Dortmund seinen drei rappenden Kollegen mit den Hummeln im Hintern die Stage, welche er zum „Wir-Gladiatoren“-Intro gemeinsam mit der Band (Gitarre/ Bass/ Drums/ Percussions/ Keys) in relativer Dunkelheit betreten hatte, bevor auch Smudo, Thomas D und Michy Beck die inzwischen in grünem Licht erstrahlte Bühne enterten und ohne langes Geplänkel ordentlich loslegten. Auch die Fans brauchten offensichtlich keine lange Aufwärmphase, bekamen sie mit „Gebt uns ruhig die Schuld (den Rest könnt ihr behalten)“ doch auch praktischerweise gleich einen Track um die Ohren gehauen, den sie bereits problemlos mitsingen konnten, während im Hintergrund der Bühne die zahllosen Lampen der Stahlkonstruktion den Veranstaltungsort in farbiges Licht tauchten und sogar der Bühnenboden ein buntes Leuchten ausstrahlte. Spätestens mit „Ichisichisichisich“ vom 2007er „Fornika“ gab es sowohl auf als auch vor der Bühne kein Halten mehr. Michy griff für die treibende Nummer zur Gitarre und beim groovigen „Der Picknicker“, zweifelsohne ein Klassiker der F4-Diskografie, wurde bereits kräftig mitgehüpft. Das neue „Junge trifft Mädchen“ reihte sichinklusive Geschlechter-Singspielchen ebenso wie „Danke“ nahtlos und mit viel Wumms in die Reihe „fetter Sprechgesang, der ins Bein geht“ ein, ehe Smudo unter Mithilfe seinen Mitstreitern und „Smudo in Zukunft“ in Höchstgeschwindigkeit seine Blues-Brothers-Qualitäten unter Beweis stellte. Belohnt wurde die schweißtreibende Nummer mit euphorischem Massenklatschen, ehe sich grün wabernder Nebel zum rockigen „Garnichtsotoll“ über die Venue legte. Die drei Mikrofon-Akrobaten nahmen derweil auf Barhockern Platz, denen sie auch bei „Mehr nehmen“ mit seinem knackigen Bässen treu blieben. Rhythmusbetont und mit einem metallischen Unterton schloss sich „Dann mach doch mal“ an – ebenfalls ein fetter Track des neuen Longplayers, der von „Was geht“ (2005 auf „Lauschgift“ erschienen) abgelöst wurde. Keine Frage, dass diese Granate von Mann und Maus abgefeiert wurde und schon ging’s mit „Einfach sein“ gleich Schlag auf Schlag weiter. Während wir bislang einer großen Party unter wild zuckenden Lichtblitzen beiwohnen durften, wurde es mit „Die Lösung“ Zeit für den spirituellen Teil des Abends – zumindest wurde der Song so von den schwarz gekleideten Akteuren der Show angekündigt. So richtig unter die Haut ging allerdings das „Mantra“, welches Thomas D ohne Smudo und Michi Beck in der ihm eigenen Intensität mit viel Tiefgang „runterbetete“. Beim derbe knallenden „Kaputt“ übernahm Smudo zunächst allein den Gesang, bevor schließlich auch der Hausmeister und Dee Jot Hausmarke ihre Strophen zu Gehör brachten, um mit „Bring It Back“ vom 2004er „Viel“-Silberling wieder energiegeladen gemeinsame Sache zu machen. Nach diesem musikalischen Schnelldurchlauf durch 20 Jahre FANTA-4-Diskografie und einem verdienten Applaus für die Crew, setzte selbige die Stage erneut gekonnt mit blauem Licht in Szene, um den passenden Rahmen für das packende „MfG“ („4:99“ – 1999) zu schaffen. So in Stimmung gebracht, durfte auch der „Tag am Meer“ nicht fehlen – selbstverständlich mit Smudo am sagenumwobenen „Gerät“, das die Wellengeräusche des 1994 auf „Die 4. Dimension veröffentlichten Stückes produzierte. Das Lied ist immer wieder ein Hammer und wurde auch im Pott mitsamt des gelungenen Orgel-Intermezzos gebührend gewürdigt. Zum Schluss stellte sich eigentlich nur noch die Frage „Was wollen wir mehr?“. Was schon? Natürlich eine Verlängerung, die es nach 95 Minuten regulärer Spielzeit und einigen Zugabe-Rufen und „4“-Gesängen auch geben sollte.

Den Anfang machte die Schweinerock-Version von „Ernten was wir säen“, mit der es die FANTAS erneut knackig angingen, ehe „Troy“ dafür sorgte, dass die musizierenden Schwaben und damit auch das Auditorium noch einmal ziemlich steil gingen. Zum guten Schluss betätigte sich Smudo beim grandiosen „Populär“ sogar als Crowdsurfer, nachdem er sein Verständnis von Dortmunder Romantik zum Besten gegeben hatte. Diese Ausführungen bezogen sich auf die zahlreichen einsamen, rauchenden Damen mittleren Alters, die ihm vormittags auf Parkbänken sitzend begegnet sind. Nun ja, jeder so wie er meint. Dafür präsentierte Herr Dürr auf den letzten Metern noch seinen durchtrainierten Oberkörper und auch wenn Kollege Schmidt meinte, die Leute in den ersten Reihen wirkten im Vergleich ob der Dauer des Konzertes zu gepflegt und entsprechend zu wenig in Schweiß geraten, so kann man den Herren nicht vorwerfen, sie hätten auch nur eine Sekunde geschwächelt. Über zwei Stunden haben die schwäbischen First-Class-Hip-Hopper gewaltig Druck gemacht und ihr Publikum restlos in ihren Bann gezogen. Den neuen Songs ist samt und sonders absolute Livetauglichkeit zu bescheinigen und auch mit der Auswahl der anderen elf Nummern hat der Vierer ein glückliches Händchen bewiesen. Der lockere Umgangston auf der Stage und mit den Fans machte den Gig zu einem rundum gelungenen Abend unter Freunden, die man gern bei nächster Gelegenheit erneut trifft. In diesem Sinne: mehr davon!

Setlist
Wir Gladiatoren
Gebt uns ruhig die Schuld (den Rest könnt ihr behalten)
Ichisichisichisich
Der Picknicker
Junge trifft Mädchen
Danke
Smudo in Zukunft
Garnichtsotoll
Mehr nehmen
Dann mach doch mal
Was geht
Einfach sein
Die Lösung
Mantra
Kaputt
Bring It Back
MfG
Tag am Meer
Was wollen wir noch mehr?

Ernten was wir säen – Schweinerock
Troy
Populär

Copyright Fotos: Uli Klenk

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