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DIE FANTASTISCHEN VIER – MISS PLATNUM

Ort: Bielefeld - Seidensticker Halle

Datum: 02.12.2007

Was für ein Sonntag! Ein Wetter, bei dem man keinen Hund vor die Tür lässt und trotzdem pilgerten mehr als 6.000 Musikverrückte Richtung Seidensticker Halle – schließlich hatten DIE FANTASTISCHEN VIER gerufen! Die schwäbischen Rapper ziehen momentan mit ihrem 13. Album „Fornika“ durch die Lande und wollten auch OWL zum Hüpfen bringen und machten deshalb Station in Bielefeld.

Als Support fungierte MISS PLATNUM, die auch schon agierte, als wir kurz vor 20 Uhr die nicht ganz ausverkaufte Halle enterten. Die dralle Dame mit rumänischen Wurzeln und Wohnsitz in Berlin macht schrägen Balkan-HipHop mit explosivem Soul, R’n’B-Einsprengseln, rumänischer Folklore und amüsanter Live Show. Wir kamen u.a. noch den Genuss einiger Songs ihres aktuellen zweiten Longplayers „Chefa“ namens „Life“, „Give Me The Food“, „Come Mary Me“ und der kommenden Single „Mercedes Benz“. Das Publikum nahm die Klänge, die ein wenig an SEEED erinnerten, wohlwollend auf, offensichtlich waren die Ostwestfalen in hervorragender Feierlaune.

Um 20.45 Uhr ging es dann auch richtig rund in der mollig warmen Konzertstätte: Zu einem „Fornika“-Intro erhob sich Nebel aus der Dunkelheit und erklommen die FANTAs neben ihrer fünfköpfigen Liveband die imposante Bühne. Mit der aktuellen Single „Ichisichisichisich“ starteten die Stuttgarter einen schweißtreibenden Abend, an dem sich Smudo und Thomas D. schon beim folgenden „Geboren“ vom 2004er „Viel“-Album ihre Jacken auszogen. Hier kamen auch zum ersten Mal die sieben halben Kugeln zum Einsatz, die an Iglus erinnernd von der Decke hingen und von innen beleuchtet wurden. Überhaupt hatten sich DIE FANTASTISCHEN VIER bei ihrer Bühnenshow wahrlich nicht lumpen lassen und präsentierten eine ebenso geniale Lightshow, die nicht nur den „Picknicker“ ins beste Licht rückte. „Die Geschichte des O“ provozierte das erste kollektive Armeschwenken – nicht zu vergessen, das „O“, welches ca. 6.000 Leute auf Anweisung mit den Fingern formten. „Sie ist weg“ von der „Lauschgift“-VÖ aus 1995 wurde mit spontanem Jubel und enthusiastischem Klatschen begleitet, bevor das Auditorium den Gesang übernahm. Welche technischen Möglichkeiten diese „Iglus“ bieten, zeigte sich bei „Leben zu zweit“, hier wurden die Dinger plötzlich von im Außenkreis angebrachten Glühlampen erleuchtet, doch das sollte lange noch nicht alles gewesen sein. Erst einmal nippte Smudo jedoch zu „Pipis & Popos“ am Helium, um mit quitschiger Mickey-Maus-Stimme für Stimmung zu sorgen. Die blieb auch bei „Mehr nehmen“ auf hohem Niveau, während die Stage in blaues Licht getaucht war und mit den Strahlern tolle Effekte gezaubert wurden. Am Beeindruckendsten war aber wohl die „Krieger-Videoinstallation die als nächstes folgen sollte. Fast schien es so, als käme der Krieger tatsächlich aus der Halbkugel gesprungen, die von der Decke geschwebt war und nun mit der „Schnittfläche“ Richtung Publikum zeigte. Unterdessen setzte „Millionen Legionen“ ein und schimmerte die Bühne komplett in Grün. Im Hintergrund fand sich das Bühnenbild grob gepixelt auf einer riesigen Leinwand wieder, eine wirklich sehenswerte optische Umsetzung eines Hammer-Songs. Mit bunten Lichteffekten vermittels der Halbkugeln ging es auch weiter, dann übernahmen die Zuschauer bei „Was geht“ einmal mehr den Gesangspart, während Smudo und Thomas D. abwechselnd mit einer Handkamera filmten. Das Ergebnis war dann ebenfalls in schwarz/ weiß auf den runden „Iglu“-Monitoren zu sehen, abermals eine sehr gelungene visuelle Darbietung, von der musikalischen Qualität ganz zu schweigen. Wie die FANTAs sich erinnerten, waren sie 1991 bereits einmal in der Nähe Bielefelds, genauer gesagt im Jugendhaus in Lage und ob dieser alten Zeiten folgte ein fettes Oldschool-Medley, zu dem And Ypsilon auf der erhöhten Kanzel am „Rhythmus-Sample-Klavier“ Platz nahm. Die Begleitband hatte jetzt auch einen Moment Pause, während die drei verbliebenden FANTAS die Zeit um anderthalb Jahrzehnte zurückdrehten. Im Anschluss erstrahlte die Bühne in einem satten Rot, das eine sphärische Stimmung schuf, derweil Thomas D. im Sitzen „Sieh Dich im Spiegel“ intonierte. Mit „Yeah Yeah Yeah“ kehrten die bunten Farben und ein sehr rhythmischer Sound zurück, der auch bei „Du mich auch“ vorherrschend war. Dazu gesellten sich imposante virtuelle Menschenaffen, die aus den Halbkugeln ins Publikum glotzten. Bei „Love Sucks“ wurden diese durch animierte Kinoszenen abgelöst, während im gelbstrahlenden Hintergrund eine riesige schwarze Spinne durchs Bild kroch. Dass die Bielefelder mit diesem Song der „Fornika“ bereits bestens vertraut waren, zeigte auch die perfekte Choreographie der Anwesenden, die genau wussten, wann die Arme zu recken waren und dies auch einhellig taten. Mit „Ernten was wir säen“ der gleichen Langrille war die reguläre Spielzeit nach 90 Minuten wie im Fluge vergangen. Diesmal wurden wir in den Halbkugeln der portraitierten FANTAS ansichtig, die den Song u.a. auch im „Schweinerock“-Style spielten.

Unter lautstarkem Jubel und Applaus verließen die deutschen Vorzeige-HipHopper die Bühne, um jedoch alsbald in der Mitte der Halle wieder aufzutauchen. Dort befand sich oberhalb des Mischpultes eine weitere Bühne, die jetzt heruntergelassen wurde, damit Smudo, Thomas D. und Michi Beck vermittels Leiter die Plattform besteigen konnten. Hier bekam OWL noch den 2004er Hit „Troy“ zu hören, der aus Tausenden von Kehlen mitgesungen wurde, genauso wie „Einfach sein“, das als nächstes folgte und bei dem Thomas D., dem der Schweiß nur so über den blanken Schädel rann, seine Brille ablegte. Es zeigte sich sogar ein etwa 7-jähriges Mädchen auf den Schultern ihres Vaters absolut textsicher. Belohnt wurde der Song mit tosendem Jubel, der gar kein Ende finden wollte. Mit „MfG“ folgte ein weiteres Highlight, übrigens der Lieblingssong der FANTAs, wie sie uns wissen ließen. Erneut machten die Schwaben einen Abgang, wurden aber durch unzählige „Vier“- und Zugaberufe zurück auf die Mainstage gelockt, wo die „Mission Ypsilon“ instrumental und mit entsprechender optischer Untermalung für Weltraumfeeling sorgte. Mit anderen T-Shirts (bzw. im Fall von Thomas D. nur mit einem um die Schultern gelegten Handtuch) kehrten die Herrschaften mit dem „Tag am Meer“ zurück. Dabei war natürlich das sagenumwobene „Gerät“, welches für die Wellengeräusche verantwortlich zeichnete, während im Hintergrund visuelle Wasserbläschen aufstiegen. Krönender Abschluss der zweistündigen Show war „Populär“, das noch mal amtlich abgefeiert wurde und zu dem ein letztes Mal s/w-Impressionen von Bühne und Publikum eingefangen wurden.

Wirklich ein grandioses Schauspiel, das DIE FANTASTISCHEN VIER gemeinsam mit ihrer Band in der Seidensticker Halle abgeliefert haben. Neben der unbestritten guten Musik, verstanden die VIER es einmal mehr, ihre Fans auch live aufs Beste zu verwöhnen, was hier an Technik und Kreativität aufgefahren wurde, war schon beeindruckend und ließ keine Raffinessen vermissen.

Setlist DIE FANTASTISCHEN VIER
Intro (Fornika)
Ichisichisichisich
Geboren
Picknicker
Die Geschichte des O
Sie ist weg
Leben zu zweit
Pipis & Popos
Mehr nehmen
Millionen Legionen (mit Krieger-Intro)
Bring It Back
Locker bleiben
Was geht
Oldschool-Medley (Hausmeister Thomas D., Großstadt, S.M.U.D.O., Ich bin halt so, Ich krieg nie genug)
Sieh Dich im Spiegel an
Yeah Yeah Yeah
Du mich auch
Love Sucks
Ernten was wir säen

Troy
Einfach sein
MfG

Mission Ypsilon
Tag am Meer
Populär

Copyright Fotos: Jörg Rambow (DIE FANTASTISCHEN VIER)/ Nina Schütz (MISS PLATNUM)

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