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DIE FANTASTISCHEN VIER – PHRASENMÄHER

Ort: Münster – Halle Münsterland

Datum: 13.12.2011

DIE FANTASTISCHEN VIER scheinen einen guten Draht nach Westfalen zu haben. Nicht nur, dass die aktuelle Platte „Für dich immer noch Fanta Sie“ im letzten Jahr an drei aufeinanderfolgenden Abenden im geradezu intimen Ambiente des Dortmunder FZW erstmals live präsentiert wurde, auch der Auftakt der Wintertour fand in westfälischen Gefilden statt, wobei die Messehalle Süd in Münster mit einem Fassungsvermögen von 11.000 Besuchern ungleich größer war, aber die FANTAs waren ja auch mit ihrer großen 360°-Bühne an die Aa gereist und da brauchte es einfach etwas mehr Platz, wenngleich die Örtlichkeit nicht ganz gefüllt war.

Allerdings verteilten sich die Fans auch sehr gleichmäßig rund um die Stage, die ein wenig was von einem Ufo hatte, weshalb mir eine Schätzung, wie viele Leute tatsächlich da waren, nicht möglich ist. Als ich um kurz nach 21.00 Uhr endlich nach des Tages Arbeit am Ort des Geschehens ankam, war der Support PHRASENMÄHER auf jeden Fall schon durch und Thomas D, Smudo, Michi Beck und And. Ypsilon bereits „Wie Gladiatoren“ bei der Sache. „Gebt uns ruhig die Schuld (den Rest könnt ihr behalten)“ sorgte wenig später für etwas Bewegung im eher zurückhaltenden Auditorium, bevor zu „Der Picknicker“ die fünfköpfige Band aus dem Bühnenboden wuchs. Während Andy. Ypsilon weiter seine Knöpfchen drehte, wurde der Sound um Gitarre, Bass, Keys, Drums und Percussion erweitert und zu „Junge trifft Mädchen“ die beliebten Geschlechter-Schreispielchen inszeniert, die im Münsterland unentschieden ausgingen und von bunten Bildern auf den Videowalls begleitet wurden. Selbige befanden sich oberhalb der Bühne und wirkten wie eine umgedrehte, dreistöckige Torte, deren Kerzen von zahllosen Scheinwerfern imitiert wurden. Nach Bedarf schickten die FANTAS unterschiedlichste Sequenzen und Farbspielereien über die Bildschirme, variierten das Licht und veränderten die Ausrichtung der Konstruktion. Währenddessen schritten die Hauptprotagonisten des Abends das gesamte Bühnenrund ab und suchten auf den Auslegern der Stage immer wieder die Nähe ihres Publikums, um beispielsweise „Danke“ zu sagen. Smudos „Le Smou“ startete mit sehr speziellem Französisch, ehe „Nikki war nie weg“ angesichts der Anlehnung an FALCOs „Amadeus“ Wiener Schmäh im Hio-Hop-Gewand kredenzte (im Übrigen würde mein Vater die Aussage des Songs jederzeit unterschreiben). Für „Ischisischisisch“ begab sich Michi Beck an den elektrischen Sechssaiter, um gemeinsam mit den Herren Kollegen mit „Sie ist weg“ einen absoluten FANTA-4-Klassiker zu Gehör zu bringen. Mit „Dann mach doch mal“ ließen es die Jungs ordentlich grooven, was aber noch nichts gegen den Münsteraner Gospelchor war, den Smudo mit „Smudo in Zukunft“ im Anschluss auf den Plan rief. Mit der Nummer können die Schwaben zweifellos gemeinsame Sache mit den Angefahrenen Schulkindern machen, obschon ich tags darauf feststellen konnte, dass die natürlich deutlich kleinere Fanbase der Osnabrücker Anarcho-Kapelle deutlich enthusiastischer ist als die Anhänger der FANTASTISCHEN VIER. Für „Mehr nehmen“ versammelten sich die drei Sänger in der Mitte der Stage, wo sie am Ende in der Versenkung verschwanden, aus der lediglich Thomas D (mit bloßem Oberkörper) und And. Ypsilon zurückkehrten. Auf dem Programm stand das fantastische „Krieger“, das mir erneut durch Mark und Bein ging und ein absolutes Highlight der Show war. Am Ende kamen auch die restlichen Musiker wieder zum Vorschein und es durfte zu „Bring It Back“ alsbald wieder getanzt werden, bevor mit „Was geht“ ein wahres Massenhüpfen stattfand und die Münsteraner zu „Veah Yeah Yeah“ in den Kopfnicker-Modus wechselten. Mit „MfG“ folgte für mich ein weiterer Höhepunkt, für den die alt gedienten Vorzeige-Hip-Hopper jeweils auf einem der Bühnenausläufer vor einem Mikrofonständer Aufstellung genommen hatten. „Einfach sein“ brachte im Anschluss wieder Schwung in die Veranstaltung und wurde zudem gut mitgesungen, um mit „Tag an Meer“ einen weiteren Klassiker erster Güte unters Volk zu bringen. Der Bassist wechselte bei dieser Gelegenheit an einen Kontrabass und Smudo bediente das berühmte „Gerät“, welches für das Meeresrauschen vonnöten ist, während die Zuschauer aufgefordert wurden, ihre Handys zu zücken. „Was wollen wir noch mehr?“ fragte das umtriebige Quartett zum Schluss ihres regulären Sets und die Antwort des Publikums war eindeutig: eine Zugabe!

Dafür mussten jedoch zunächst einige kleinere Umbauten vorgenommen werden, bevor die Stuttgarter ein „Frohes Fest“ wünschen konnten und unzählige Weihnachtskugeln über die Videowalls flimmerten, worauf Michi Beck an die Turntables wechselte und „Ernten was wir säen“ unter Clap Hands performt wurde. Zu „Troy“ wartete der Vierer mit anfänglichen Roboterbewegungen auf, um schließlich mit „Populär“ ein großes Abschiedshüpfen zu provozieren. So verabschiedeten sich die FANTASTISCHEN VIER nach zwei Stunden mit den besten Wünschen für die nahenden Weihnachtstage und das Jahr 2012 von ihren Fans, die für meinen Geschmack etwas mehr aus sich hätten herausgehen dürfen. Der Westfale kann manchmal aber auch stur sein – Anlass zum Meckern hatte er jedoch definitiv nicht.

Setlist DIE FANTASTISCHEN VIER
Wie Gladiatoren
Gebt uns ruhig die Schuld (den Rest könnt ihr behalten)
Der Picknicker
Junge trifft Mädchen
Danke
Le Smou
Nikki war nie weg
Ischisischisisch
Sie ist weg
Dann mach doch mal
Smudo in Zukunft
Mehr nehmen
Krieger
Bring It Back
Böse / Love Sucks / Genug ist genug / Schmock
Was geht
Yeah Yeah Yeah
MfG
Einfach Sein
Tag am Meer
Was wollen wir noch mehr?

Frohes Fest
Ernten was wir säen
Troy
Populär

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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