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DIE FORM – SARA NOXX & FRIENDS – HENKE – TYSKE LUDDER – STAUBKIND

Ort: Leipzig WGT Werk II

Datum: 29.05.2009

Bevor wir an diesem unserem ersten WGT Tag auch zu unserem ersten Konzertgenuss kommen konnten, gab es einiges zu erledigen. Nach einer stauarmen Fahrt vom Niederrhein nach Leipzig in aller Herrgottsfrühe und erfolgreichem Einchecken im Hotel, zogen wir uns rasch um und stiegen in die Straßenbahn in Richtung Agra Gelände, wo wir Bändchen, resp. Presseausweis abholten. Dank guter Organisation ging das alles erfreulich schnell und völlig unproblematisch von Statten, so dass wir wenige Momente später schon wieder in der Bahn zum Werk II saßen.

Die Schlange vor dem Eingang hielt sich in Grenzen, so dass wir gegen 18 Uhr auf dem schönen Hofgelände vor dem Werk waren und uns nun zunächst bei einem ersten Getränk das Treiben anschauten, bevor wir die Halle betraten. Pünktlich um 18.20 Uhr tönten die ersten STAUBKIND-Klänge von der Bühne zu uns herunter und zu „Viel mehr“ sang eine doch schon beachtliche Zuschauerzahl begeistert mit. Es gab eine kurze Begrüßung von Frontmann Louis Manke an die Anwesenden und weiter ging es mit „Dein Engel schweigt“, „Zu weit“ und dem ebenso fast schon obligatorischen „Schlaflied“. Louis hatte offensichtlich genau so viel Spaß an dem Auftritt, wie die Menge vor der Bühne und ließ uns einleitend zum nächsten Song „Erinnerung“ stolz wissen, dass er nun bereits auf eine fünfjährige Bandgeschichte zurückblicke und 2004 zum ersten Mal auf dem WGT zugegen war. Den Zuschauern gefiel es offensichtlich und zu den drei letzten Liedern des Sets („Erinnerung“, „Ein Traum der nie vergeht“ und „Mein Herz“) sang man nun noch umso enthusiastischer mit, bevor sich diese sehr unterhaltsame Formation auch schon wieder von uns verabschieden musste.
(IKA)

Nach einer kurzen Umbaupause ging es weiter mit TYSKE LUDDER, einer deutschen EBM Truppe, die nun schon seit 1989 existiert. Treibende Elektrobeats peitschten alsbald durch die Halle und wurden auf der großen Videoleinwand von eindrucksvoll aggressiven Bildern untermalt. Das Ganze gepaart mit dem verzerrten Gesang von Fronter Claus Albers animierte sofort einige EBMler dazu, im vorderen Drittel der Halle wild und rücksichtslos zu pogen, was zuallermeist auf Kosten der „normal Tanzenden“ ging, die nämlich Gefahr liefen, mit Blessuren davonzukommen. Dementsprechend verzog auch ich mich nun mit einigen anderen in die hinteren Gefilde der Halle, denn das, was vorne abging, machte mir schlichtweg Angst. 40 Minuten lang, während derer die Jungs unter anderem ihr Ende Mai erschienenes neues Album „Anonymous“ vorstellten, knallte es laut und wild im Werk, dann war dieser, mir persönlich ein bisserl zu aggressive Auftritt vorbei und die Ohren hatten wieder Gelegenheit „aufzuatmen“. TYSKE LUDDER also in Zukunft lieber wieder aus der Konserve.
(IKA)

Nun sollte es besinnlicher weitergehen und wir hatten uns bereits den ganzen Tag lang auf Oswald Henke gefreut, der – während GOETHES ERBEN auf unbestimmte Zeit pausieren – mit seinem neuen Projekt HENKE auf der Werkbühne zu erwarten war. Pünktlich um 20.30 Uhr stand der Gute dann auch auf der Bühne, während das Set mit einem stimmungsvollen Klavierintro begann. Zunächst intonierte Herr Henke die alten ERBEN Stücke „Kopfstimme“ und „Der Eissturm“, bevor er uns herzlich begrüßte und sein neues Projekt HENKE vorstellte, mit welchem er am diesjährigen WGT das erste Konzert gab. Rasch nach der Begrüßung ging es weiter mit „Vermisster Traum“, „Zinnsoldaten“, „Die Brut“, „Nichts bleibt wie es war“ und dem Kracher „Himmelgrau“, bevor man dann zwei Stücke des Projektes ARTWORK zum Besten gab, an dem Henke bis 1998 regelmäßig beteiligt war. Die Menge tobte und keines der Stücke blieb vom Publikum ungesungen. Alle liebten den Irrwisch Oswald Henke, der in schöner und gewohnter Manier seine Lieder nicht nur sang, sondern wahrlich lebte und mit seiner tollen Art zu meinem persönlichen Konzerthighlight dieses WGTs wurde. Nach dem Abschlusssong „Der Sitz der Gnade“, gab es jubelnden Applaus und Herr Henke und seine sechs mit angereisten Musiker standen am Bühnenrand und hauchen Seifenblasen über die Köpfe der Anwesenden. Was für ein schönes Schlussbild. Hoffentlich müssen wir nun nicht Lichtjahre lang warten, einen weiteren Live-Genuss dieser Formation erleben zu dürfen.
(IKA)

Co-Headliner des Abends war die deutsche Musikerin SARA NOXX, die 1997 den Zillo-Bandcontest gewonnen hat und mit elektronischen Klängen, melancholischen Endzeit-Romantik-Texten und melodischem Sprechgesang in der Szene durchaus eine Rolle spielt. An diesem Abend war der Auftritt explizit als SARA NOXX + FRIENDS betitelt. Die ersten 3 Stücke gab es solo bzw. mit Unterstützung zweier Keyboarder. Dazu gehörten der Opener „Flight 257“, „She” und “Wishful Thinking”. Das Outfit war eher schlicht gehalten. In hellen Farben und Kopftuch stand Sara in der Mitte der Bühne etwas bewegungslos, jedoch sorgten die großen „Xe“ als Markenzeichen und die Videoprojektionen für mehr Energie. Zum „Earth Song“, der in Zusammenarbeit mit PROJECT PITCHFORK entstand, kam Claus von TYSKE LUDDER auf die Bühne, um die männlichen Vocals zu übernehmen. Die Live-Gitarre spielte Erik Bachmann, ein weiterer befreundeter Gast bei „Winter Again“ in der Remixx-Version sowie bei „Short Moment“ und der aktuellen Single „Superior Love“. Rico Schwibs, besser bekannt als M. Stolz, Violinist der LETZTEN INSTANZ unterstützte bei „I don’t care“. Mit Sven Wolff (PATENBRIGADE:WOLFF) hat Sara das Project ESSEXX gegründet, welches hypnotische Beats und Minimalelektronik verbindet. Zusammen mit Sven, Rico Schwibs und dem Gastsänger Androgynos der japanischen Band GOTHIKA performten alle ein beeindruckendes „Night In My Hands“. Vom neuen hochgelobten Album “Into(x)xication” folgte das charmante „Deeper“ mit Sven am Bass. Ebenso neu waren „Describe It Again” und “Prepossessing”. Trotz der wahrscheinlich überholten Vergleiche musste auch ich einige Male an Vergleiche mit ANNE CLARK denken, aber es gibt wohl Schlimmeres. Der Klassiker „Colder & Colder“ und der Durchbruchssong „Society“ in überarbeiteter Version vervollständigten die Setlist. Definitiv ein inspirierender Auftritt, der durch stimmliche Vielfalt und Ausdruckstärke hervorstach.
(Cath)

Setlist SARA NOXX + FRIENDS
Flight 257
She
Wishful Thinking
Earth Song
Winter Again (Remixx)
Short Moment
I Don´t Care
Night In My Hands
Superior Love
Deeper
Describe It Again
Your Face In My Brain
Colder & Colder
Prepossessing
Society

Als weiterer Electro Act nach SARA NOXX und Headliner des WGT Freitags im Werk II, hatten sich die kultigen, seit 1977 existenten Franzosen von DIE FORM angesagt, welche mittlerweile bei Out Of Line untergekommen sind. Schon der Bühnenumbau sorgte für einige Erwartungen, stellte man doch vor die Bühne einen Metallzaun. Als die Band dann vor gut gefülltem Haus loslegte, wurde klar, dass es sich um eine rein optische Maßnahme handelte. Und mit einigem Effekt, denn die dahinter tanzenden Gestalten, die stets in Nebel und grelles Licht getaucht waren, erschienen, als tanzten sie in Käfigen. Abgerundet wurde das interessante Bühnenbild durch die große Leinwand im Hintergrund, die zu den Songs, abstrakte Formen und Bilder zeigte, die mich an den Blick durch ein Kaleidoskop erinnerten. Musikalisch sind DIE FORM sehr experimentell im elektronischen Bereich unterwegs. Es gibt klassische Gesangseinlagen, Einflüsse von Industrial, schräge aber auch durchaus melodische und tanzbare Klänge. Eine Stunde lang spielten, sangen und tanzten die Franzosen, bevor dann um 0.00 Uhr im Werk an dem ersten WGT Konzerttag die Lichter ausgingen und man uns in eine kühle Nacht hinaus entließ.
(IKA)

Copyright Fotos: Michael Rothe – www.mindbreed.de

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