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DIE HAPPY – BLACKMAIL – DONOTS – 4LYN – EMPTY TRASH (DEICHBRAND 2008)

Ort: Cuxhaven

Datum: 22.08.2008

An der Nordseeküste am plattdeutschen Strand… Dahin hatte es die Terrorfraktion in der einen oder anderen Funktion an diesem Wochenende verschlagen. Genau genommen nach Cuxhaven zur vierten Auflage des Deichbrand Festivals. Also am Freitagnachmittag die Reisetaschen im Auto verstaut, das Navi programmiert und auf ging es gen hoher Norden. Selbst die ausgefallene Schrankenanlage einer Bahnüberführung, die nun manuell bedient werden musste (sehr bizarrer Anblick) konnte uns nicht aufhalten. Um 18 Uhr checkten wir im Hotel ein und machten uns dann auch sofort wieder auf den Weg Richtung Festivalgelände. Draußen nieselte es unaufhörlich und der Parkplatz bestand aus einer Wiese, bei der wir vorab schon die Befürchtung hatten, da eventuell später nicht mehr ganz so einfach runterzukommen. Und dann hieß es: Den Weg suchen. Dank zweier netter Damen, die versuchten, ein Pappschild mit Wegbeschreibung an einem Laternenpfahl zu befestigen, hatten wir zumindest eine grobe Richtung, in die wir uns wenden konnten und nach einem Fehlschlag am örtlichen Friedhof lagen wir dann auch richtig. Zuerst durch ein Wohngebiet und dann über einen kleinen Weg durch Wiesen und Felder Richtung Deich. Nach etlichen Minuten Fußmarsch waren wir angekommen und bewegten uns über aufgeweichten Boden Richtung Eingang, der Regen hatte in den letzten Tagen ganze Arbeit geleistet. Ebenso wie unsere Kollegin Ulrike (aka ump), die als freiwillige Helferin mittlerweile zum wichtigen Mädchen für alles aufgestiegen war. Auf dem Gelände direkt am Meer klappte dann erst mal alles einwandfrei und fast pünktlich zu EMPTY TRASH hatten wir uns vor der Fire Stage eingefunden.

Wenn man EMPTY TRASH erwähnt, dann kommt man nicht umhin, auch Dieter Bohlen zu erwähnen, trat doch Sänger Max Buskohl in der letzten Staffel von DSDS an, um sich den Titel als Deutschlands neuer Superstar zu holen. Er schaffte es sogar unter die letzten drei Teilnehmer, stieg dann aber aus, um weiter mit seiner Band spielen zu können. Außerdem soll es wohl zu einigen Querelen mit „Alleskönner“ Dieter gekommen sein. Gegründet wurde die Band schon im Jahre 2005 und inzwischen hat man einen Plattenvertrag bei der EMI unterschrieben. Trotz des schlechten Wetters hatte sich eine beachtliche Menge an Zuhörern und Fans vor der Bühne eingefunden und was man dort zu hören bekam (u.a. „Life’s a tune“), rockte schon ganz ordentlich. Wir sondierten in der Zwischenzeit aber schon mal das Gelände, deckten uns mit Getränken ein und beteten, dass der Regen uns einigermaßen verschonen und es bei dem Geniesel bleiben möge. Das Ganze war doch etwas ungemütlich und das Festivalgelände verwandelte sich langsam aber sicher in einen Matschspielplatz.

Als nächstes standen auf der Water Stage (die ihrem Namen noch alle Ehre machen sollte) die geliebhassten 4LYN in den Startlöchern, ihre durchaus zahlreichen Fans zu unterhalten. Seit Jahr und Tag wegen ihrer angeblich fehlenden Glaubwürdigkeit umstritten, haben sie immerhin langen Atem bewiesen und sind mittlerweile mit Album Numero 5 am Start, das sich von der Nu Metal Vergangenheit deutlich verabschiedet hat. Dass Shouter Braz immer noch Dreh- und Angelpunkt der Combo ist, wurde schon durch die zahlreichen weiblichen Kreischer bei seinem Auftauchen hinter dem Totenkopf Mikro ersichtlich und der wie üblich dunkel gewandete Herr genoss diese Reaktionen sichtlich. So rockte man alsbald gut nach vorne mit Titeln wie „Hello (For you I’m dying)“ doch bereits nach dem 4ten Stück namens „Not like you“ nahm das Unheil seinen Lauf. Stromausfall. Nichts ging mehr auf der Bühne. Noch blieb man eher gelassen, hoffte man doch auf eine kurzfristige Lösung des Problems. Als dies dann immer mehr in weite Ferne rückte, stand erst mal ein Gang übers Festivalgelände an, welches durch die Regenschauer der vergangenen Tage an einigen Stellen schon übelst aufgeweicht war. Auch nahm die Feuchtigkeit von oben langsam wieder zu, so dass wir einen kurzen Ausflug ins VIP-Zelt wagten. Dort herrschte eine bierselige Stimmung, Sekt wurde gratis gereicht und all die wichtigen Menschen führten aufgeregte Diskussionen. Dann vernahm man wieder Laute von der rechten Bühne, doch leider wurde nur das Ende der 4LYN-Show verkündet, um den Zeitplan nicht durcheinander zu bringen. Braz versprach aber, das Deichbrand im nächsten Jahr dafür ordentlich zu rocken.

Also rüber nach links zur Fire Stage, wo die Ibbenbürener DONOTS bereits ihr leuchtendes Banner angebracht hatten. Die Einteilung des Geländes in 2 Stages im Winkel von 90 Grad zueinander ist übrigens eine sehr clevere Geschichte, das möchte ich an dieser Stelle einmal anmerken. An vorderster Front hielten 3 wackere junge Damen selbstgemalte Schilder in den Händen, um ihren Jungs zu huldigen, dass dies ein sehr zeitraubendes Unterfangen werden würde, wusste natürlich zu diesem Zeitpunkt noch keiner. Justament als die Herren ihren Soundcheck durchführten, machte es Puff und der Strom hatte sich wieder verabschiedet. Und dieses Mal richtig! Ein Generator war ausgefallen, das konnte man auch am üblen Geruch feststellen, der durch den Fotograben wehte, ansonsten muss man die Informationspolitik des Festivals leider als mangelhaft bezeichnen. Gute 90 Minuten passierte… nichts. Zumindest nicht für die immer durchgeweichteren Fans, die keinerlei Anhaltspunkte über die Situation oder mögliche Lösungen bekamen. Auf beiden Bühnen herrschte totale Dunkelheit, nur die von der Situation natürlich profitierenden Fress- und Getränkestände sorgten für Beleuchtung. Und auch im VIP-Zelt herrschte munteres Treiben, so legten DJs hardrockende und meiner Meinung nach viel zu laute Kracher auf, was ich angesichts der Situation „draußen“ irgendwie makaber fand. Erstaunlicherweise blieben alle Zuschauer ruhig, ein halbnackter Herr in Schlafanzughose und mit Badelatschen forderte von der Security vehement eine Leiter, um damit das Publikum zu unterhalten, was genau er damit vorgehabt hätte, entzieht sich meiner Kenntnis, aber ich glaube, das ist auch besser so…

Jedenfalls brandete gegen 21 30 dann urplötzlich Beifall auf, als zunächst die Water und dann die Fire Stage wieder Anzeichen von Leben zeigten und die DONOTS sich anschickten, doch noch den Deich zu rocken. Als kleine Entschädigung wurden Regenjacken verteilt, aber eine klare Ansage, wie genau der Abend weitergehen sollte, unterblieb. Zwar wurde es irgendwie deutlich, dass die folgenden 3 Acts noch eingeplant waren, die LETZTE INSTANZ hingegen wurde mit keinem Wort erwähnt. Nun gut, jetzt aber harte Gitarren aus Ibbtown und trotz all der Schwierigkeiten erwiesen sich die Herren um Fronter Ingo als Profis, die die Masse schnell im Griff hatten. Leider wurde das Fotografieren durch Kälte, Regen und Gegenlicht immer mehr zur Glückssache, ich empfehle für das nächste Jahr, das Bühnendach 1, 2 Meter über den Graben ragen zu lassen, dann haben auch die „Kameraleute“ einigermaßen vernünftige Bedingungen bei derlei schlechten Wettern. Mit ihrem neuen, auf eigenem Label verlegten Werk „Coma Chameleon“ sind auch die Punk Rocker etwas ruhiger geworden, Lohn dafür eine sehr erfolgreiche Single mit Namen „Stop the Clocks“, die beispielsweise bei 1Live rauf und runter gespielt wird (und natürlich nicht im Set fehlte). Herr Knollmann wurde nicht müde, die Fans und die anderen Bands zu loben, angesichts der Uhrzeit wäre ein wenig weniger Quasselei vielleicht nicht schlecht gewesen, andererseits wirkte es doch recht sympathisch. So animierte er die Massen zu immerhin 3 Circle Pits gleichzeitig und gab noch eine nette Anekdote über TOMTE-Sänger Thees zum besten. Der hatte ihn wohl am frühen Morgen angerufen, um sich über einen leckeren Donut zu unterhalten, als „Rache“ wurde das Auditorium aufgefordert, den Herren bei seinem Auftritt am Sonntag mit „Das war ein schlechter Witz, Thees“ zu begrüßen. Mit den beiden Stimmungsgaranten „Whatever happened to the 80ies” und „We’re not gonna take it” endete ein zwar verkürzter aber in Anbetracht der Umstände noch sehr fetter Auftritt, dem auch 4 kaputte Mikros nichts anhaben konnten.

Weitergehen sollte es mit BLACKMAIL auf der Water Stage. Immerhin war Strom da, aber der Soundcheck schien irgendwelche Probleme zu bereiten und zog sich dadurch doch etwas in die Länge. Inzwischen war auch die Anzahl des Publikums vor der Bühne geschrumpft und viele waren vermutlich schon nach Hause unter die warme Dusche geflüchtet, nach der ich mich ebenfalls sehnte, war ich doch fast bis auf die Knochen durchnässt und stand bibbernd zwischen den anderen Verbliebenen. Der Regen hatte noch mal ordentlich zugelegt und auch Wind war dazugekommen, wie man an den Windrädern im Hintergrund erkennen konnte. Dann wurde es dunkel auf der Stage, aber zum Glück nur, um mit dem Auftritt beginnen zu können. Sänger Aydo Abay sprang wie wild über die Bühne, dabei hing seine Hose so tief, dass ich echte Bedenken hatte, dass er gleich ohne dasteht. Er richtete sie aber von Zeit zu Zeit und so konnte der Auftritt zunächst reibungslos absolviert werden. Nach einem Einstieg ohne irgendwelche Ansagen versuchte Aydo ordentlich Stimmung zu machen und verteilte dann noch Süßigkeiten (?) und ein Salami/ Käsebrötchen an eine Zuschauerin, das er selber mit viel Liebe geschmiert habe bzw. hatte. Das war zwar etwas sonderbar, aber damit war er ja an diesem Tage nicht alleine, waren doch einige Zwischenfälle eher sonderbarer Natur. Unter anderem spielte man auch „Moonpigs“ vom 2006er Album „Aerial View“, welches aber einer der wenigen Songs des Abends bleiben sollte, denn prompt schien wieder irgendwas mit der Technik zu sein, plötzlich verstummte der Gesang und nichts ging mehr. Da wir zu diesem Zeitpunkt vermuteten, dass da auch nicht mehr viel passieren würde und die Musiker dann auch kurzerhand von der Bühne verschwunden waren, machten wir uns schon mal auf den schlammigen und rutschigen Weg in richtung Fire Stage, auf welcher der Auftritt von DIE HAPPY bevorstand. Aus der Ferne bekamen wir dann noch mit, dass BLACKMAIL noch ein weiteres Lied anstimmten, aber danach entweder wieder die Technik ausfiel, man einfach keine Lust mehr hatte oder der Gig zu Ende war, denn nach einem „Liebes Deichbrand…“ von Herrn Abay ohne weiteren Kommentar kam nichts mehr und man begann mit dem Abbau.

Nun sollten DIE HAPPY folgen und man hatte sich innerlich schon darauf vorbereitet, dass auch dieser Auftritt nicht reibungslos ablaufen würde, doch zu unserem Erstaunen klappte anscheinend alles auf Anhieb und – zwar verspätet aber besser als gar nicht – konnte es dann losgehen. Marta schien trotz aller Widrigkeiten bestens gelaunt zu sein und heizte das Publikum, welches noch aus etwas weniger als 1000 Leuten bestanden haben mag, ordentlich an. Man spielte u.a. „The Ordinary Song“, „Easy come easy go“ und „Love to hate you“ und alles schien reibungslos zu funktionieren, sieht man davon ab, dass auch die Musiker am vorderen Bühnenrand klatschnass wurden. Inzwischen hatte sich Frau Jandova ihrer Jacke entledigt (zum Vorschein kam ein äußerst attraktives/ enges/ pinkes Shirt, der Fotograph), sprang trotz Rutschgefahr über die Bühne und poste, was das Zeug hielt. Wir hingegen hatten uns dazu entschlossen, an dieser Stelle den Ort des Geschehens zu verlassen und lieber unter die Dusche und ins Bett zu gehen als eine gemeine Erkältung zu riskieren. Zu diesem Zeitpunkt war der Bühnenaufbau der LETZTEn INSTANZ in vollem Gange und Benny Cellini saß bereits auf seinem Thron. So gerne wir der einzig gothisch angehauchten Formation des Festivals gelauscht hätten, so widrig waren mittlerweile die Bedingungen und an vernünftiges Fotografieren war schon lange nicht mehr zu denken. Der Rückweg war sowieso noch abenteuerlich, war doch das erste Teilstück völlig unbeleuchtet (zum Glück hatten wir eine Begleitung mit Taschenlampe), der Weg inzwischen so aufgeweicht, dass man manchmal Angst hatte, bis über die Knöchel im Schlamm zu versinken und von oben wurde es auch immer nasser und nasser. Immerhin konnte man hören, dass Marta und ihre Mannen alles gaben und bis zum Ende rockten. Am Parkplatz angelangt schafften wir es dann auch aufgrund eines waghalsigen Manövers diesen zu verlassen und nicht, wie andere, stecken zu bleiben und konnten uns dann erschöpft auf den Weg zum Hotel machen. Dusche und Bett.

Für das Wetter kann man die Veranstalter nun wirklich nicht verantwortlich machen, aber insgesamt wäre eine bessere Organisation hinsichtlich der Informationspolitik und einiger anderer wichtiger Punkte (Beleuchtung, Beschilderung, die teils sehr unbeholfene Security, kompliziertes Kartensystem mit separatem Müllpfand etc.) durchaus von Vorteil gewesen. So hatten wir auf jeden Fall einen abenteuerlichen Tag verlebt und bisher hat sich auch noch kein Erkältungssymptom eingestellt. Zum Glück.

Leider sollte auch am Samstag keine wesentliche Besserung der Wetterlage stattfinden, ganz im Gegenteil. Als wir gegen Mittag in die Skyline von Cuxhaven blinzelten, regnete es immer noch oder wieder in Strömen. Die Wettervorhersage, die zwischen starkem, leichtem und mäßigem Regen pendelte, versetzte unseren Plänen dann endgültig den Knockout. So schwer es bei den vielen interessanten Bands der anderen Festivaltage auch fiel, wir packten unsere sieben Sachen und verließen Norddeutschland mit einer Träne im Knopfloch und völlig durchnässten Klamotten in den Taschen. Aber wir hoffen, dass es ein Wiedersehen beim Deichbrand 2009 geben mag, wenn neben einem interessanten Line Up auch das Konzept punktuell überarbeitet wird und sich der Wettergott gnädiger zeigt!

Copyright Fotos: Karsten Thurau außer EMPTY TRASH (Sandra Dürkop)

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