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DIE KRUPPS – ERDLING – JOHNNY TUPOLEV

Ort: Herford - Kulturwerk

Datum: 31.08.2025

Mit ihrer 45th Anniversary Tour machten DIE KRUPPS auch Station im Kulturwerk der beschaulichen Stadt Herford. In den 45 Jahren ihres Bestehens waren sie irgendwie immer so eine Art Vorreiter von aufkeimenden Musikgenres. Sei es in ihrer Frühphase, wo sie von Düsseldorf aus mit vielen anderen Bands wie FEHLFARBEN und DAF die Neue Deutsche Welle anschoben. Mit der letztgenannten Band bringt man sie auch heute noch mit EBM in Verbindung, die Mitte der 80er aus Belgien rüberschwappte. Ralf Dörper und Jürgen Engler, die einzig bis heute verbliebenen Member der KRUPPS, schafften es Anfang der 90er sogar, Metal mit Elektronik erfolgreich zu verbinden, bei „I“ war der Anfang gemacht und der absolute Höhepunkt folgte mit der „II – The Final Option“ und 1995 „III – Odyssey of the Mind“. Die anschließende Tour war ausverkauft und so bekam ich leider für das Konzert im legendären Bielefelder PC 69 keine Karte mehr und blieb dem Auftritt fern. Da aber ein paar Stunden vorher in der CD-Abteilung des Saturn Hansa in der Innenstadt eine Autogrammstunde mit der kompletten Band (und Engler mit langen Haaren) stattfand, traf ich sie doch noch und konnte ein bisschen mit ihnen plaudern. Pech hatte ich schon mal ein paar Jahre vorher, als ich DIE KRUPPS im Detmolder Club Hunky Dory besuchen wollte. Am Eingang pappte ein Zettel: ‚Der Gig fällt aus‘, J. Engler hat sich bei einer Show in Finnland das Bein gebrochen. Na klasse, da konnte ich mit meinem Bruder wieder die Heimreise antreten. Aber mittlerweile habe ich sie schon oft gesehen und das in verschiedenen Besetzungen. Jetzt aber zum aktuellen Konzert, bei dem sie gleich von zwei Vorbands unterstützt wurden und das zu einer Uhrzeit, die auf den ersten Blick doch recht altersgerecht wirkte.

Eigentlich sollten JOHNNY TUPOLEV pünktlich um 17.30 Uhr anfangen, aber die Herren ließen sich doch noch 20 Minuten Zeit um mit “Joy of not knowing” ihren Gig zu beginnen. Das Trio bezeichnet sich selbst als Electro Rocker, aber ich sehe auf der kleinen Bühne nur Gitarre, Bass und Schlagzeug. Der Rest wird von Konserve dazugespielt und das ergibt dann den Sound, den die Wuppertaler in dem kleinen Club zum Besten gaben. Die zwischen den Songs zu vielen Scherzen aufgelegten Tom Berger (git,voc), Jens Grebe (bass) und Dietmar Noack (drums) spielten eine schweißtreibende Show und gaben den schon zahlreich erschienenen KRUPPS-Fans einen kleinen Einblick ihres aktuellen Albums „The Best Unknown“, welches von John Fryer (DEPECHE MODE, NIN) produziert wurde. Nach gut einer halben Stunde verabschiedeten sie sich mit „Sleeping Desire“ und „Obsession“ von der Bühne.

Setlist (ohne Gewähr)

  • Joy of not knowing
  • Bomb your head
  • Balance of Pain
  • Down Again
  • Shot in Black & White
  • Sleeping Desire
  • Obsession

Zügig wurde die Stage umgebaut, so dass die Dark Metal/Melodic Metal-Band ERDLING das Publikum weiter auf Betriebstemperatur bringen konnte. Wobei Fronter Neill Freiwald ihren Stil eher als Metal mit deutschen Texten bezeichnet. Seit ihrer Gründung vor 10 Jahren haben sie sich eine beachtliche Fangemeinde erspielt, von denen einige den Weg ins Kulturwerk geschafft hatten – natürlich in die erste Reihe. Zusammen mit der aktuellen Besetzung Chris Schäfer (drums), Ole Enders (guit) und Robin Sem Vedrfölnir (bass) begannen die vier ihr Set mit dem brandneuen Output „Dominus Omnium“. Gleich im Anschluss ging es mit „Du bist Soldat“ weiter und etwas nachdenklicher wurde es mit dem Song „ Der Mensch verdient die Erde nicht“. Ja, wenn man die klimatische und politische Lage  im Moment beobachtet, ist das gar nicht soweit hergeholt. Mitten im Set wollte Neill noch etwas loswerden: In den 90ern hörte sein Vater immer nur eine Band und das in voller Lautstärke. Es waren DIE KRUPPS! Leider sei sein Vater in der Zwischenzeit verstorben, aber er wäre happy zu wissen, das ERDLING sie auf der Tour für einige Termine supporten. Ich denke, das wäre er mit Sicherheit. „ Zerspreng die Ketten“, „Blizzard“ und „Los Los Los“ markierten schon das Ende ihres Sets und da man schon zu spät dran war, kürzte man die Setlist um einen Song und beendete den Gig mit „Mein Element“, ihrem erfolgreichsten Track, was das Streaming betrifft.

Setlist (ohne Gewähr)

  • Dominus Omnium
  • Du bist Soldat
  • Rabenherz
  • Der Mensch verdient die Erde nicht
  • Götterdämmerung
  • Miasama
  • Zerspreng die Ketten
  • Blizzard
  • Los Los Los
  • Mein Element

Nach einer weiteren kurzen Umbaupause – die längste Zeit brauchte die Montage des Stahlofons – legten Fronter Jürgen Engler und Keyborder Ralf Dörper mit Paul Keller am Schlagzeug und Dylan Smith an der Gitarre mit „Nazis auf Speed“ vom 2013 erschienenen Album „The Machinists of Joy“ los. Schon vom ersten Takt an sprang der Funke von der Band auf das Publikum über, alle waren bereit mit den KRUPPS deren 45-jähriges Jubiläum zu feiern. Das wirkte sich auch auf die Setlist aus, denn „Isolation“ ist auch schon 30 Jahre alt und markierte eine weitere Transformation der Düsseldorfer Band weg von der reinen Elektronik der 80er, hin zum Crossover. Mehrere deutsche Bands brachten zu diesem Zeitpunkt Alben auf den Markt, wo Elektronik und Metal fusionierten: wie z.B.OOMPH! und allen voran RAMMSTEIN. Die wiederum benennen OOMPH! als Inspiration zu ihrer Weltkarriere, wobei auch DIE KRUPPS maßgeblich ihren Anteil daran hatten. Neben Eigenkompositionen wie „Dawning of Doom“, „Black Beauty White Heat“ und „Crossfire“ setzten Jürgen Engler und Ralf Dörper an diesem Abend auch auf Songs von Kollegen. Da wird aus „The Anvil“ von VISAGE kurzerhand „Der Amboss“ – 2005 neu eingespielt mit Sarah Blackwood von CLIENT- und hier den Fans ebenso serviert wie kurze Zeit später noch den S.Y.P.H. Klassiker „Industrie – Mädchen“. Aber nicht nur ältere Tracks gab’s auf die Ohren, sondern auch neues Material wurde präsentiert. Eigens für die Tour veröffentlichten DIE KRUPPS die EP „Will Nicht – Muss!“ mit neuen Songs und Remixen, die strikt auf 1000 Stück limitiert und handnummeriert ist und nur auf den anstehenden Konzerten verkauft wird. „On Collision Course“ ist der erste Track daraus und der fügte sich nahtlos in den Sound der bisher dargebotenen Songs ein. Beim zweiten, etwas später gespielten Stück „Will Nicht – Muss!“ lief mir ein kalter Schauer über den Rücken, denn die prägnante Melodie in dem Song kannte ich irgendwo her. Kurz nachgedacht und ich kannte es nur als gepfiffene Melodie in dem deutschen Filmklassiker „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ von Fritz Lang. Letztendlich ist es ein Musikstück von Edvard Grieg und heißt “In der Halle des Bergkönigs“. Natürlich – die Textzeile „Will Nicht – Muss!“ stammt aus dem Monolog des grandiosen Schauspielers Peter Lorre, der den Kindermörder spielt und der kriminellen Unterwelt bei ihrem Schauprozess in einem Monolog, seinen Antrieb und seine Zerissenheit darlegt. DIE KRUPPS nehmen sich dieses Themas an und das Ganze geht irgendwie in Richtung RAMMSTEIN. Mit „Metal Machine Music“ ging es wieder zurück in die 90er, wo sie 1992 mit „I“ ein längst überfälliges Comeback starteten. „Dawning of Doom“ und „High Tech/Low Life“ vom selben Album wurden schon in der ersten Hälfte des Sets gespielt und während Engler bei „Metal Machine Music“ auf sein Stahlofon eindrosch, gab es auf der Bühne soundtechnisch ein Problem. „Dann können wir den Song eben nicht zu Ende spielen“ meinte der Fronter süffisant. „Das Beste am Stahlofon ist, man kann es nicht klauen, viel zu schwer. Ne gute Erfindung von mir“ fügte er grinsend an, um die kleine Pause zu überspielen. Da fragte doch tatsächlich jemand aus dem Publikum, ob das Teil auch einen Namen hat. „STAAAAAAHHHLOOOFFOON, habe ich doch gerade gesagt“ zeigte sich Engler entrüstet. Natürlich wurde das mit Gelächter bedacht und weiter ging es mit „Fatherland“ und „ToThe Hilt“ den bekanntesten Songs der Düsseldorfer. „Robo Sapien“ und „Bloodsucker“ läuteten das Ende des regulären Sets ein und DIE KRUPPS verabschiedeten sich überschwenglich vom Publikum.

Selbstverständlich kamen sie kurze Zeit später zurück auf die Bühne und Engler fand emotionale Worte für seinen vor ein paar Monaten viel zu früh verstorbenen Freund und NITZER-EBB-Frontman Douglas McCarthy. Zusammen mit ihm spielten sie ihre Single „Wahre Arbeit, wahrer Lohn“ aus dem Jahr 1981 neu ein und veröffentlichten ihn als „Machineries of Joy“ Ende der 80er. Mit diesem Song verabschiedeten sich DIE KRUPPS von ihren Fans, wobei Engler und Gitarrist Dylan zum wiederholten Male ein Bad in der Menge nahmen. Und noch lange hallte „Arbeit, Lohn“ zusammen mit dem Publikum nach.

Setlist (ohne Gewähr)

  • Nazis auf Speed
  • Isolation
  • Schmutzfabrik
  • Der Amboss (VISAGE Cover)
  • On Collision Course
  • Dawning of Doom
  • Industrie – Mädchen (S.Y.P.H. Cover)
  • High Tech/Low Life
  • Black Beauty White Heat
  • Crossfire
  • Will Nicht – Muss!
  • Metal Machine Music
  • Fatherland
  • To The Hilt
  • Robo Sapien
  • Bloodsucker
  • Machineries of Joy

So schnell vergingen 90 schweißtreibende Minuten beim Hauptact, die mit ihren Songs 45 Jahre Revue passieren ließen. Und das mit einer Spielfreude, die seinesgleichen sucht. Die Urgesteine Engler/Dörper müssten die 60 doch längst schon überschritten haben und wirkten topfit. Naja, der Ralf stand mit seinen Keyboards eingeklemmt im hinteren Bereich der kleinen Stage und mehr als Kopfnicken war nicht drin, aber so kennt man ihn. Anders der Fronter, der unermüdlich auf der Bühne herum lief und bewusst den Kontakt zum Publikum suchte. „Ich find es geil, in so einem kleinen Club zu spielen. Da kann ich mir immer einen packen“ – sprach’s und zog gleich einen Fan zu sich heran. Zu erwähnen wäre noch, dass es ja auch vor den 45 Jahren etwas bei Engler gab. Er gründete mit MALE eine der ersten deutschen Punkbands und mit denen gibt er bis heute einige ausgewählte Konzerte. Auch Ralf Dörper war und ist nicht untätig. Hatte er doch mit PROPAGANDA in den 80ern internationalen Erfolg, zog es ihn dann doch wieder zu den KRUPPS. Erst letztes Jahr veröffentlichte er zusammen mit Michael Mertens ein neues PROPAGANDA-Album. Leider ohne Claudia Brücken und Susanne Freytag, die haben mittlerweile andere Projekte.

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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