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THE DILLINGER ESCAPE PLAN – JOHN COFFEY

Ort: Hamburg - Logo

Datum: 18.08.2015

Auf dem Tourplakat von THE DILLINGER ESCAPE PLAN, welches die Außenwand des Logos zierte, war in großen Lettern zu lesen: Ausverkauft ! Draußen war es ungemütlich, denn es regnete schon seit einiger Zeit, und schnell füllte sich das kleine Logo mit vorwiegend männlichen Fans. Musikalisch erwartete einen heute die volle Breitseite Avant-Garde/ Experimental/ Mathcore der „Kultcombo“ THE DILLINGER ESCAPE PLAN.

Den Abend eröffnete die fünfköpfige Band JOHN COFFEY, deren Drummer barfuß an seinem Instrument spielte. Bereist zu dem zweiten Song der niederländischen Formation stiegen die Temperaturen im Logo an. Ein harter Kern feierte hier schon ausgiebig zu „Broke Neck“ und „Heart Of A Traitor“. Gleich zu Beginn wurde dem Sänger David ein Schluck Bier von einem Fan angeboten, der auch durch seine Hartnäckigkeit David zum Crowdsurfen brachte. Lautes Mitsingen gab es zu dem Refrain des Songs „Romans“. Nach dem kurzen Auftritt folgte die logistische Herausforderung an die Stagehands, die Bühne umzubauen, da sämtliche Instrumente, Verstärker und was sonst noch so zu den Niederländern gehörte, von der Bühne aus durch das Publikum getragen werden musste. Erschwerend kam hinzu, dass sich die Fans nun dicht an dicht in den ersten Reihen drängten.

Setlist JOHN COFFEY
Jean Trompette
Dirt & Stones
Relief
Broke Neck
Featherless Redheads
I’ve Got A Bastard Virus And I Don’t..
Oh,Oh, Calamity
Heart Of A Traitor
Romans
Eagle Chasing Flies

Mit den ersten Tönen von TDEP explodierte der Pit – man wurde von rechts nach links geschubst und wieder zurück. Mittendrin Stagediver, die sich ihren Weg nach vorne kämpften und nach 2 ½ Songs ergriff ich die Flucht nach Hinten. Neben dem Klanggewitter von „Prancer“ brach auch noch heftigstes Strobolicht aus, welches die Bühne in ein gleißendes Gegenlicht eintauchte und es einem erschwerte, die Band optisch zu verfolgen. Man könnte meinen die Sonne lachte einem direkt entgegen und dieser Effekt passte besonders gut zu „Sunshine The Werewolf“, bei dem noch Unmengen Nebel verteilt wurde.

Platz ist auf der kleinsten Bühne, so sprintete Greg von einer zur nächsten Seite der Bühne, stützte sich auf die ersten Reihen, lag fast auf diesen, griff nach Händen, um Halt zu habe, und ab und an gab er sein Mikro dem einen oder anderen Sangeswütigen. Ben Weinman nutze die Monitore, um davon abzuspringen, wobei er der Decke gefährlich nah kam. Dazu wirbelte er seine Gitarre umher, als wolle er jemanden damit eins überziehen. Verrutschte ein Monitor, so sorgte die erste Reihe wieder für Ordnung. Greg arbeitete sich mal shoutend, mal schreiend mal singend durch das Set, verzichtete aber auf große Ansprachen. Auch im Publikum wurden die Möglichkeiten genutzt, um mitzusingen, welche sich aber – aufgrund der Komplexität der Stücke – eher selten boten. So begann „We Are The Storm“ mit einem Klangeballer, um kurz danach abrupt in einen ruhigen Gesangspart überzugehen, den Greg mit erstaunlich hoher Stimme sang. Gesangsparts bei „Happiness Is A Smile“, „Nothing’s Funny“ und „Farewell, Mona Lisa“ wurden von den Fans aufgegriffen und mitgegrölt. Selbst der animierte Klatschrhythmus zu „Crossburner“ war eine Herausforderung an die Geschwindigkeit.

Allein vom Zusehen rann einem der Schweiß in Strömen herunter und die Kleidung klebte am Körper. Selbst mein Papier für die Notizen wurde durch die Luftfeuchtigkeit wabbelig und der Kugelschreiber streikte. Von Null auf Hundert und zurück – so wechselten ruhige Parts mit monströsen Klangkonstruktionen ab, und mit dem Ende von „When I Lost My Bet“ fiel man in ein Loch. Es gab keine Zugabe. Einfach so erlosch die Energie im Logo. Nur der Drummer klatschte ein paar Leute ab. Mit überlastetem Input wurden die Hamburger in die ruhige Nacht der Großstadt entlassen. Der Nieselregen brachte erfreuliche Abkühlung und der nächste Morgen blaue Flecken zu Tage.

Setlist THE DILLINGER ESCAPE PLAN
Prancer
Milk Lizard
Good Neighbor
Happiness Is A Smile
One Of Us Is The Killer
We Are The Storm
Nothing’s Funny
43% Burnt
Panasonic Youth
Crossburner
Baby’s First Coffin
Sunshine The Werewolf
Farewell, Mona Lisa
When I Lost My Bet

Copyright Fotos: Sandra Dürkop

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